Wie ich schreibe und warum überhaupt

Wenn ich erzählen muss, wie ich schreibe, dann gleicht das einem Outing und ist blamabel. Ich schreibe zwar mit einem Vorsatz, mit einem vagen Konstrukt, mit einer Idee und einer atemlosen Schlaflosigkeit, aber nicht mit einem Konzept, einem ausgeklügelten Plot oder einem tatsächlichen Plan.

Ich schreibe allerdings mit der puren Absicht, jetzt und heute das Beste zu schreiben, was ich jemals zu Papier gebracht habe. Auch wenn der Ausdruck so nicht stimmt, denn ich bringe eher selten etwas zu Papier. Meistens tippe ich es laut- und endlos in die Tastatur.

Meine Helden, sofern man sie Helden nennen kann, sind eher keine, oder wenn der Ausdruck auf sie passt, dann sind sie es mit einer Kompromisslosigkeit und Härte, die ihresgleichen sucht. Ansonsten sind sie gebeutelt, weggewischt, vergessen und schlampig und haben die Chance über sich selbst hinaus zu wachsen. Ich mag es, wenn sie versagen, wenn sie scheitern, und aus dem Scheitern eine Verzweiflung zur Größe führt. Ich mag sie lieber häßlich als schön, lieber langweilig als aufregend. Das was ihnen passiert mag aufregend sein, aber sie selbst waren und sind es bisweilen gar nicht.

Ich bevorzuge es, wenn ihnen Dinge passieren, die so normal sind, dass sie in Beschreibungen und Texten nicht auftauchen, oder so außergewöhnlich und faszinierend, dass noch niemand an sie gedacht hat. Ich hoffe mal, dass ich Ideen habe, die noch keiner hatte. Aber ich gebe es zu, das ist schwierig und ich habe zu wenig gelesen, um das wirklich beurteilen zu können. Ich bin nicht sehr belesen, ich habe maximal ein breites Wissen aus Zusammenfassungen. Mehr nicht. Für einen Sekt habe ich genug Gesprächsstoff. Und aber der zweiten Flasche beginne ich grandiosen Unsinn zu reden, der ohne Zusammenhang ist. Manchmal treibt es mich schlicht davon. So wie jetzt gerade.

Warum ich schreibe, ist eine Frage, der ich gerne ausweichen möchte, aber wenn sie mir gestellt wird, dann versuche ich sie ernsthaft und gewissenhaft zu beantworten.

Der erste Grund ist, dass ich nichts anderes kann. Ich kann manches, vieles, und einiges richtig gut, aber perfekt und komplett fühle ich mich nur beim Schreiben. Und ich habe keine Angst davor. Keine Angst vor Genres, Szenen und Aufträge. Was mich vom Erfolg abhält ist eine unendliche Müdigkeit und eine beschissene Disziplin. Das kann man tatsächlich so sagen.

Ich denke nicht, dass ich mehr oder intelligentere Dinge sage als jeder andere. Das glaube ich nicht. Es gibt mehrheitlich Menschen, die viel cleverer, belesener und weiser sind als ich. Ich lerne gerne, und es wäre kein Grund für mich eine Botschaft an die Menschheit zu richten. Manchmal schmuggle ich etwas in Texte, dass ich meiner ökologischen Verantwortung schulde (wenn ich schon manchmal darauf verzichte den Müll zu trennen). Aber im Großen und Ganzen habe ich keine wirkliche, bewusste Botschaft. Ich könnte nicht wegen einer Botschaft schreiben. Auch nicht wegen einem oder meinem Schicksal, das vielleicht jemanden helfen könnte. Ich glaube nicht, dass ich jemanden mit Literatur helfen sollte. Nein, ich habe auch nichts ungewöhnliches erlebt. Mein Leben ist unaufgeregt, voller Rituale und Regelmäßigkeit. Ich trinke meinen Kaffee zu festen Zeiten. Und meine Katze liebt das alles. Ich habe eine Katze, jawohl.

Ich schreibe aus dem reinen Wunsch zu unterhalten. Die reine Fabulierlust, der Spaß an Wörtern, den Kreationen, die Komposition daraus und der Wahnsinn, der mich labern lässt, bis der Leser aufgibt. Ich bin dem Wahn verfallen, dass ich das kann. Ich glaube, ich schreibe den Scheiss richtig gut. Ich kann auf die Kacke hauen, Mann,und das macht richtig Spass. Darum schreibe ich.

Und für die Anerkennung. Denn ich tue das nicht für mich. Ich will Lob, Sex, willige Körper, heimlichen Ruhm und einen Tisch im Restaurant, wenn ich es betrete. Ich will der unbekannte Typ sein, denn alle kennenlernen wollen, möchte keine Interviews geben, aber von jedem dazu gebeten werden. Ich will zur Buchmesse eingeladen werden, und Random House soll mir einen Vertrag anbieten. Das ist es, was ich will, darum schreibe ich. Ich will in keinem Selbstverlag erscheinen, kein Book on demand rausbringen, kein Ebook verramschen. Ich will nur das Große. Gibts das nicht, dann war es das halt. Hat jeder von uns etwas verpasst, aber damit kann ich leben. Habe ja alles. Und schreiben tue ich sowieso. Weil ich es einfach toll finde.

Oder um es anders zu sagen: Ich fahre auch kein Fahrrad, weil ich am Ziel ankommen möchte. Würde mir nicht einfallen. Ich fahre, weil ich das Fahren so geil finde. Ich schreibe, weil es das ist, was ich tun muss. Das Verlegen oder veröffentlichen ist kein Thema, in das ich eine Energie stecke, solange es das Internet gibt. Aber ich bin käuflich. Ich würde für Geld schreiben. Merkt euch das. Ich würde dafür ein Buch schreiben. Für Geld würde ich Dinge tun, die ihr euch gar nicht vorstellen könnt. Aber es müsste sich lohnen, verdammt. Merkt euch das.

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