Serien! Immer wieder Serien!

Die Buchmesse hat es auch wieder gezeigt, aber es ist eigentlich schon seit Jahren so: Die Serie ist vor allem im Selfpublisher-Bereich und in der E-book-Sparte präsent. In den vergangenen Jahren dachte ich, dieser Umstand ist eine Folge der kostspieligen TV-Serien, die mittlerweile Epen sind. Oder aber es liegt am Kino, das ja bereits erfolgreich den Weg beschreitet. Und die haben das ja auch irgendwo her. Wahrscheinlich von den Comics oder von Karl May. Schlüssig ist das für mich bis heute nicht, aber natürlich gibt es auch ganz prominente Beispiele, die von Erfolgen und großen Umsätzen erzählen. Harry Potter, dann diese SM-Geschichten und natürlich auch die Buchreihe mit den Teenagervampiren. Also, solche Sachen eben, die alle und keiner gelesen hat.

Auf der Buchmesse stolperte ich in einen Vortrag, den ich fast vergessen habe, weil ich nebenbei mein Smartphone lud und wichtige Antworten in wichtigen Foren gab.   Bildchen konnte ich nicht posten, und an einen Blogartikel traute ich mich auf die Schnelle nicht ran. Ich war also abgelenkt, weil meine Timeline sehr bunt und oberflächlich ist. Wie ich es mag. Jedoch, war die Kernessenz des Vortrags, den ich mit einem halben Ohr und einer beleidigenden Aufmerksamkeit verfolgte, dass das Marketing für ein Buch im Grunde verzichtbar und unnötig ist.

Das gefiel mir. Ich finde Buchmarketing, Social-Media-Flutung und die Belästigung mit Werbung selbst vollkommen knülle und zeitfressend, kenne aber keine Alternative. Und hoffte nun in dem Vortrag eine starke Argumentation gegen diesen Trend zu bekommen. Die Alternative war, und das möchte ih nicht verschweigen, sich selbst als Marke aufzubauen. Also nicht das Buch zu promoten, sondern sich als Autor oder Autorin. Ein E-book hätte eine begrenzte Lebenszeit hinsichtlich seiner Aufmerksamkeit. Läge ungefähr bei 3 Monaten. Danach hat man es verkackt oder ist reich. Aber kein Mensch würde einfach so wieder darauf anspringen. Das heißt: Wenn man ein guter Autor oder Autorin, mit viel Disziplin und einer Menge Zeit ist, dann hat man das Ding in einem viertel Jahr geschrieben, kann es ein viertel Jahr bewerben und sich dann vielleicht einen Cappuccino leisten. Oder eben nichts.

Ob sich damit ein zweites, drittes Buch verkauft ist erstmal ungewiss. Ich vermute, das ist mit ein Grund, warum man sich für die Serie entscheidet. Wahrscheinlich will man das Personal, die Location und das ganze Setting, das in mühevoller Kleinarbeit, detailreich zusammen gepuzzelt wurde, nicht einfach wieder über Bord werfen. Da bietet sich an, die Fantasywelt, die Polizeidirektion oder ähnliches in den nächsten fünf Büchern, die man in der Pipeline hat, einfach mit zu schleppen. Weil es weniger Mühe macht, alles wieder neu aufzubauen.  Oder aber man hat die Hoffnung, es gäbe den verwirrten Spontankäufer, der in Band 3 einsteigt, und sich Band 2 und 1 nachkauft. An den glaube ich nicht, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, kann das aber statistisch nicht beweisen, dass heute eine Horde Autoren und Autorinnen auf dem Weg ist, die von den Serien ihrer Kindheit geprägt wurden, und mitgefiebert haben, wenn ein neuer Band rauskam. Sowas gab es ja schon immer: Enid Blyton, Fünf Freunde usw. Aber heute erwecken Verlage den Eindruck, dass – wenn es sich nicht um preiswürdige Literatur handelt, die im Kulturteil des Podcasts besprochen wird – die Serie in bestimmten Genres (Fantasy, SF, Krimi und verwandte Gefilde) quasi verpflichtend und notwendig ist.

Aber da bleibt doch die einfache Frage: Was mache ich den nun, wenn ich den ersten Band mal so richtig, mit voller Wucht, in den Sand gesetzt habe?  Und wie gehe ich als Autor damit um, dass – hoffentlich – meine Schreibe, mein Handwerk, meine Technik, immer besser wird? Steigert sich dann die Qualität der Serie, obwohl der Verkauf am Anfang mau war? Bekommt das jemand mit? Oder redigiere ich, lektoriere ich alles und mache ein Update, eine zweite Auflage, eine heimliche Fehlerkorrektur?

Die Vortragende auf der Buchmesse stellte also den Autor oder die Autorin in den Mittelpunkt des Marketings, gerade weil Authentizität, Integrität heute wichtig ist. Und natürlich beschwor sie ihre Gefolgschaft auf Social-Media-Kompetenz, aufs Bloggen und auf die Nahbarkeit ein.  Und vor allem Nachhaltigkeit.  Es geht generell um Nachhaltigkeit. Der Persönlichkeit eines Autors bzw. einer Autorin befreit ihn oder sie dann auch gerne mal von dem Gesetz der Serie. Denn wenn es erstmal heißt, dass man das neue Buch vom Autoren/von der Autorin XY lesen will, dann ist es vollkommen egal, ob man ein ähnliches, ein gleiches oder ein vollkommen anderes Setting verwendet.

Die Vermutung ist aber, und das schmeisse ich jetzt einfach mal in den Raum, dass die meisten Schreibenden ein großes Vertrauen in ihre Figuren haben, aber keine in die Fähigkeiten ihres Talentes eine Geschichte (egal welche) zu erzählen. So kommt es, dass sie von ihren Figuren eventuell weit mehr abhängig sind, als von ihrem Handwerk. Gerade im Fantasy und SF-Bereich wird eine unheimliche Energie auf den Auf-und Ausbau der Landschaften und Welten gelegt. Es wird detailreich und faszinierend. Aber die schreibenden Erschaffer zeichnen sich dabei nicht durch seine gezielte, schnörkellose, klare Sprache aus, die den Punkt der Dramatik vielleicht kernig fokussiert, sondern durch ihre Fähigkeit als Architekt einer Ausstattung zu wirken. Dieses Konstrukt, in der Welten und maximal Figuren etwas tragen, lassen die schreibende Zunft natürlich in den Hintergrund treten. Mit der Attraktivität einer neuen oder anderen Welt, fällt sicherlich auch deren Attraktivität. Wir haben hier ein Prinzip der kommerziellen Heftchenreihen, die genau darauf aufgebaut sind: Eigentlich ist der Autor nicht wichtig, aber das Setting muß überleben und beachtet werden.

Deswegen gehe ich mit der Vortragenden konform, auch um wieder mehr Mut zu einzelnen Büchern, kurzen Geschichten und richtigen Romanen aufzubauen: Zeigt euch präsent und kompetent, liebe Autoren und Autorinnen, versucht eine Name zu werden. Stellt euch in den Vordergrund, nicht das Buch. Bringt viele verschiedene Bücher raus. Wagt euch immer wieder an neue Geschichten. Befreit euch von dem Gesetz der Serie und versucht einen festen Platz in der Landschaft zu finden, der euch erlaubt, auch mal was ganz anderes zu machen. Raus aus der Anonymität, gebt euren Protagonisten nicht die Macht über euch. Es würde den ganzen Markt enorm farbiger machen, und ich greife generell beim 3. Band nicht zu, wenn ich 1.und 2. verpasst habe. Würde mich aber immer wieder mal auf das neue Buch von jemanden einlassen, wenn es für sich steht. Merci fürs Lesen und verzeiht mir alle Ungerechtigkeiten. Ich neige dazu.

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