Bloggen gegen das Vergessen!

Das Mindesthaltbarkeitsdatum für Bücher oder was tun gegen die Opfer der Hektik

Über Bücher bloggen ist eine seltsame Angelegenheit. Man tut es aus vollkommener Liebe und Leidenschaft zur Literatur, muss aber gleichzeitig feststellen, wie sehr der Markt seinen eigenen Gesetzen folgt. Und diese sind unter Umständen gnadenlos. Gerade junge Nachwuchsautoren müssen feststellen, dass sie nur eine sehr kurze Chance haben, ihr Werk zu präsentieren und bekannt zu machen. Greift es in einem eher schmalen Zeitfenster nicht, dann wird es von den neuen Werken einer vermeintlichen Konkurrenz überrollt. Die großen Distributoren schieben immer wieder nach, und wer im Printsektor seine Chance hatte, landet auf dem Wühltisch, wer ein E-book hat, unter „ferner liefen“.

Das Autorenleben ist weit vom Müßiggang entfernt, und die Tatsache ob ein Buch gewinnt, das hat wenig mit der Qualität des Buches zu tun. Oft liegt es nur am Design und an der Werbung. Doch damit will ich mich nicht beschäftigen. Im Umfeld der Autorenforen finden sich unzählige Dienstleister und Anbieter, die dem Autor eine Basis und Plattform mit einem professionellen Auftreten bieten wollen. Unterm Strich stimmt der Umsatz der Branche immer, der des Autors selten.

Blogger sind in erster Linie interessierte Menschen, manchmal auch Fans, hin und wieder professionelle Leser, aber wie jeder Andere interessieren sie sich für Neuheiten, exklusive Bücher und eine gute Vernetzung. Sie wollen Vorab-Informationen, Autoren und Verlagskontakte. Und sind schon deshalb geneigt, ein Spiel mit zu spielen, dass sie nicht begonnen haben, aber das sie ändern könnten.

Während im Musikbereich eine Unzahl an Retro-,Vinyl- und Vintageblogs sich mit Veröffentlichungen beschäftigen, die aus der Frühzeit der Musikpressung, aus einem anderen Zeitraum oder einer bestimmten,zeitlosen Thematik unterliegen, sieht es bei Buchblogs in der Regel eher so aus, dass sie speziell Neuheiten featuren, loben und preisen. Wenige betreiben Aufklärung, schöpfen aus ihrem Fundus, oder begeben sich auf die Suche nach Flohmarktware, und erklären diese im Kontext ihrer Zeit oder einer Strömung.

Es gehört ein Wissen und Selbstbewusstsein dazu, sich mit Büchern zu beschäftigen, die nicht mehr aktuell sind, die eventuell im Preis gestürzt sind oder sogar beim Leser in Ungnade fielen. Es macht aber Sinn, Schätze wieder auszugraben, kleine Verlage zu unterstützen, die sich aufmachen wieder Namen auszugraben, die heute nicht mehr beachtet werden. Ich habe im Laufe der Zeit einige gute Krimiautoren gelesen, deren Werke ich kaum mehr finde. Viele Bücher, an die ich heute noch zurückdenke, sind nur sehr schwer zu finden, teilweise nur über Second-Hand-Buch-Märkte. Und dennoch, gerade weil eine unglaubliche Zahl an Veröffentlichungen uns jedes Jahr überrollt, sinkt der Wert alter Bücher. Es war früher undenkbar, dass quasi an jeder Straßenecke ein Bücherschrank steht, an dem sich jeder aussuchen kann, was er will. Bücher wurden billiger, wenn man gelesen hatte, aber sie wurden nicht wertlos. Heute haben Bücher ein hohen Werteverlust erlebt. Antiquariate gibt es lange nicht mehr in der Zahl, in der es sie früher (vor ca.30 Jahren) gab, und viele können nur noch im Netz überleben.

Das Stöbern in alten Büchern hat mittlerweile, in einer Zeit, die eher antiseptisch auf alle Möglichkeiten der Verkeimung reagieren will, einen unangenehmen Geruch für manche Menschen, die z.b. niemals eine Bibliothek betreten wollen. Und das sind nicht wenige. Es hat sich also etwas getan, aber es ist keine gute Entwicklung für Autoren und solche, die es werden wollen. Der Backkatalog wird nur noch sehr ungern gepflegt.

Es macht daher Sinn, wenn sich gerade die Blogs, die sich der Literatur widmen, immer mal wieder nach hinten umschauen, den Blick zurück drehen und Juwelen aus dem ausgraben, was im Wust der Neuveröffentlichungen untergeht. Ich bin dagegen, dass dieses nur über den Preis geschehen kann, und quasi durch Amazons Kindle unlimited oder ähnliche Konstrukte nochmal hochgespült wird. Ich denke, Bücher haben kein Verfallsdatum und können auch noch Jahrzehnte später das Gefühl vermitteln, um das es einst ging.

Darum werde ich, wenn ich hier in nächster Zeit Rezensionen einpflege, nicht nur den Blick nach vorne, richten, sondern gerne auch Bücher herausheben, die einfach schon zu lange in den virtuellen oder echten Regalen schlummern, und ihnen wieder eine Chance geben. Ich denke, wenn man verantwortungsvoll bloggen will, dann ist es gerade zu eine Pflicht, den Mainstream immer mal wieder zu verlassen, um zu schauen, was es sonst noch gibt oder gab. Blogs haben hier eine Möglichkeit, die sie etwas von den üblichen Medien abhebt. Sie dürfen hier rücksichtsloser sein, mehr Sparten orientiert und experimenteller. Sollte ausgenutzt werden.

 

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