Liebe Verlage, wir müssen reden!

Wenn ich aus der Schockstarre wieder erwache, dann werde ich ihn formulieren. Den Fußtext, die Warnung, die sich fortan unter jeder Rezension finden wird. Denn genau das hängt mir gerade im Nacken. Eigentlich wollte ich sie heute fertig schreiben, die erste Rezension nach dem Comeback. Jetzt verharre ich erstmal über einem Artikel, der mich verwirrt. Auf den Seiten des Leselurchs wird sehr ausführlich über eine Kennzeichnungspflicht für Werbung berichtet, die nun auch die Buchblogs betrifft. Obwohl sie nicht dafür erfunden, noch definiert wurde. An Buchblogs hat wahrscheinlich keiner gedacht, als man die Fashionblogs und -Youtuber unter Kontrolle bringen wollte.

Was ist passiert?

So gut aufbereiten, wie es auf der Seite des Leselurchs ist, kann ich es nicht. Ich will vorerst auch nicht tiefer in die Recherche einsteigen. Juristische Beratung kann und darf ich sowieso nicht bieten. Also die Randdaten: Das Telemediengesetz hat einen Paragraphen 6, der sich mit der Kennzeichnungspflicht für Werbelinks beschäftigt. In einer Interpretation der aktuellen Lage heißt es, dass alle Links, die zu kommerziellen Seiten über ein besprochenes Produkt führen, als Werbung gekennzeichnet werden müssen (auch wenn diese Links nicht bezahlt sind oder sonst als Verpflichtung für die Besprechung eines Produktes gelten). In einer sehr engen, aber wahrscheinlich richtigen Auslegung, betrifft das auch Buchblogs. Diese müssen damit Links zu Verlagen, dem Herausgeber des besprochenen Buches, als Werbung kennzeichnen.

Was bedeutet das?

Ich kann vorerst nur sagen, was es für mich bedeutet. Ich hatte mir vor Jahren mal geschworen, dieses Blog werbefrei zu halten. Die Angebote und Möglichkeiten sind verführerisch, aber um einen Hauch Glaubwürdigkeit zwischen all dem Geschreibsel zu bewahren, wollte ich mich gar nicht mit dem Thema befassen. Nichts dagegen kommerziell zu schreiben, nichts dagegen irgendwann und irgendwo dafür bezahlt zu werden, aber die Ausbeute, die ich mit Links zu den kommerziellen Onlineversendern erreichen können, lohnen nicht. Den Stress mich auch noch um die kommerzielle Verwertbarkeit zu kümmern, wollte ich mir nicht geben. Natürlich kommt das auf die Höhe des Angebotes an. Macht mich einfach sorglos und das kann sich lohnen! Aber diese Micropayment-Geschichten liegen mir nicht. Also keine Werbung.

Wie sieht das denn aus?

Wie erkläre ich, wenn ich meine Seite mit Werbungslinks vollpflastere irgendjemanden, dass ich daran nichts verdiene? Wenn mich das Telemediengesetz zwingen sollte, Verlagslinks so zu kennzeichnen, dann wird ein jeder denken, ich mache einen großen Reibach. Von Fashionblogs ist man das schließlich gewohnt. Sollen ja unglaubliche Summen verdienen. Aber Buchblogger, Autoren, und noch dazu welche, die nur von sich behaupten, das eine oder andere zu sein? Unbezahlte Werbung? Das glaubt mir kein Mensch. Also, folglich kann ich es mir nicht erlauben, die Links zu Verlagen und Autoren hier weiterhin einzubinden. Irgendwann würde auch das Finanzamt mal ganz nebenbei fragen, was ich eigentlich mit der ganzen Kohle so mache. Virtuell gesehen. Oder wie auch immer.

Ist das gut?

Nein, niemals. Unter keinen Umständen. Es ist genau das, was das Internet niemals sein wollte: Entweder eine große Werbefläche oder ein Ort, an dem wir uns nicht mehr trauen, irgendwas, irgendwen zu verlinken. Beides ist grundsätzlich falsch, aber ohne Rückhalt, den finanziellen Mitteln werde ich nicht der Vorkämpfer für Freiheit, Gerechtigkeit und einer solidarischen Zusammenrottung. Ich schreibe einfach weiter. Morgen dann eine Rezension ohne Links. Darf ich laut “Fuck it” rufen? Mir ist gerade danach. Ich mache es einfach. Fuck it!

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