Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 6)

(Ausnahmsweise ist dieser Anfang etwas länger als die bisherigen, und daher in einigen Kapitel aufgeteilt. Sorry, aber ich wollte ein bißchen experimentieren. Aber es wird ein Anfang bleiben, keine Sorge. 

Ich beteilige mich aktuell nicht am NaNoWriMo, obwohl ich die Idee sehr gut finde. Als ich mal mitmachte, fühlte ich mich gehetzt, genötigt und verlor sehr schnell die Lust. Die Disziplin der Anderen führt nicht zu meiner eigenen. Im Gegenteil, ich fand es zutiefst demotivierend. An einer bestimmten Stelle verlor ich den Anschluss und gab auf. Aber da es gerade bei allen Autoren ein Thema ist, dachte ich mir, na gut, schauen wir mal, ist vielleicht ein guter Monat, um eine komische Idee mal auf die Spitze zu treiben. Insofern führe ich Misa nun noch ein paar Tage fort. Aber – das ist kein NaNoWriMo-Projekt. Wirklich nicht 🙂

Für die Neueinsteiger: Ich werde mir demnächst mal eine kurze Zusammenfassung zusammen schrauben. Das wird etwas schwierig, aber es wird ungefähr so klingen: Ich liebe eine Stabheuschrecke, die heißt Misa. Ich erzähle ihr und allen anderen gerade, wie die Meuterer ein Raumschiff solang verwahrlosen liessen, bis Piraten sich die Überreste schnappten und uns versklavten. Und nun traf ich Abraham Lincoln, der aber seltsamerweise nicht meine Sprache spricht, und ab da wird es komisch.

BTW:Wem das zu mühselig ist, nun alle Teile im Blog zusammen zu suchen, der darf mich auch gerne um ein PDF-File bitten. Ich schicke es gerne zu. Nochmal gelesen, nochmal bereinigt, mit , hoffentlich, viel weniger Fehlern.)

 

Ich hatte mir ein chaotisches Muster ins Gesicht geschnitten. Das sah nicht unbedingt besser aus als der Bart, erweckte aber durchaus ein zivilisatorisches Vertrauen.

Die Tür neben meinem Bett war noch immer verschlossen und ich wagte es nicht sie zu öffnen. Die Räume hier hatten Eigenschaften, die mir nicht behagten. Die Dimensionen waren uneinheitlich, nicht erklärbar und nicht zu erfassen mit meinen Verständnis von Raum und Zeit. Frisch rasiert, und das obwohl es aussah wie ein Gemetzel, zog ich meine Uniform aus und suchte mir aus der Schublade eine Hose, ein paar Strümpfe, ein Hemd mit nicht allzu vielen Rüschen und begann mich anzukleiden. Mein Haupthaar liess ich unbeschnitten, wohlwissend, dass diese Art der Kleidung lange Haare voraussetzte. Ich wusch es ausgiebig mit der Seife, entfernte einige Verfilzungen und hatte danach etwas, was ich nicht Frisur nennen wollte, aber mir passend schien.

Ich sah aus wie der verstoßenes Sohn an den Hof des Sonnenkönigs. Eine gewisse Wildheit wurde ich damit nicht los. In meinen Augen glimmte ein böser Wahnsinn, der selbst mir auffiel. Das konnte nicht gut enden.

Ich roch parfümiert, hatte saubere Kleidung an und das Bett wirkte frisch und bequem. Es war nicht das Leben, das ich mir wünschte, aber gewissen Annehmlichkeiten waren der Situation nicht abzusprechen.

Ich hatte Hunger. Mein Magen fühlte sich leer an, meine Muskeln schmerzt immer wieder, und das Gefühl eines Mangels liess mich in den letzten Minuten oftmals in einer melancholischen Stimmung verharren.

Ich öffnete kurzentschlossen die Tür neben dem Bett. Denn wenn ich einer Speise näher kommen wollte, musste ich dieses Zimmer verlassen, andere Räume betreten oder einfach nur wissen, was sich hinter dieser Tür verbarg.

Geblendet durch die Sonne wich ich wieder zurück. Vor mir erstreckte sich ein Park, in dem verschiedene Wesen, die mir alle bekannt vorkamen, ihren Zeitvertreib nach gingen. Sie spielten Karten, Cricket, Frisbee und Boule. Sie hielten nicht innen, wandten mir aber interessiert den Blick zu. Einige nickten und winkten mir, ganz so als wären wir vertraut und bekannt.

Es waren offensichtlich Zwerge, Orks, Elfen und eine Herde Zentauren, die sich wohl sinnlos betrunken hatten. Wenn man ihren Taumel über das Grün deuten wollte.  Inmitten einiger Weinflaschen gaben sie sich ungestüm ihrem Rausch hin.

“Was zum Teufel?” entfuhr es mir.

Und ich schmiß die Tür wieder zu. War die Existenz von Abraham Lincoln schon eine Irrwitz, so war ich nun sicher, dass ich mich in einen komatösen Drogenzustand befand. Irgendein beneidenswert gutes Zeug war mir verabreicht worden. Stoff von einer Güte, wie er mir nie zuvor begegnet war.

Ich setze mich auf das Bett, befühlte mein brennendes Kinn und versuchte eine Art klaren Gedanken zu fassen. Die Schuhe waren so, unbequem wie sie aussahen. Ich kam mir vor wie eine Anziehpuppe. Ein Spielzeug mit dem jemand seine Scherze trieb. Nehmen wir an, dachte ich, das hier ist ein Traum, dann wäre alles was ich hier tun könnte, vollkommen irreal. Ich sprang auf, schnappte mir das Rasiermesser und riß die Tür auf. Ich wollte einen dieser verdammten Zwerg aufschlitzten.

Misa lachte an dieser Stelle.

Sie mochte jede Art von Metzelei.

Es machte sie ganz hibbelig.

Es war eine englische Parklandschaft. Ein Rasen, als wäre er mit der Nagelschere zurecht getrimmt , und Büsche, wie sie nur begnadete Gärtner schneiden konnten. Figuren aus jeder Mythologie säumten meinen Weg. Ich eilte mit großen Schritten voran, das Rasiermesser fest in meiner rechten Faust. Ich wich einem spielwütigen Ork und umrundete einen dumpfen Troll, der mich geradezu debil angrinste. Ich verspürte eine tiefe Abneigung, und eine große Lust auf ein Massaker. Klitzekleine Elfen umschwirrten mich als wäre ich das Licht, und sie die Motten. Sie verstreuten einen nervtötenden Glitzerstaub und ich versuchte sie mit der linken Hand loszuwerden, so wie ich das im Allgemeinen mit jeglichem fliegenden Getier tat, das mich nervte. Es versprach lustig zu werden. Mit meinem zerschnittenen Gesicht sah ich wahrscheinlich aggressiv genug aus, doch ich hatte mir meinen Zwerg schon ausgesucht. Ich wiederhole: Ich hatte ihn mir schon ausgesucht.

Diesen bärtigen kleinen Weihnachtsmann, der mich erwartungsvoll ansah, als er bemerkte wie ich auf ihn zustürmte. Er war das Bild eines gütigen Großvaters. Dunkle Augen strahlten unter seiner weißen Brauen hervor, und seine Mütze war mindestens so groß wie er und strebte dem wolkenlosen Himmel entgegen. Wie ein würdevoller Oberzwerg verschränkte er die Hände hinter seinem Rücken, drückte den Bauch heraus, der bedeckt von einem faltenfreien Hemd in der gefüllten Mitte von einem groben Seil zusammengehalten wurde.

Er sah nach fleißiger Arbeit, sauberer Moral und vorbildhaftem Lebenslauf aus. Es war wahrlich kein Wunder, das ich ihn ausgesucht hatte. Neben ihm lag eine Proviantbüchse, eine obligatorische Pfeife, in der der Tabak noch glühte und eine umgekippte Flasche Wein. Seine Nase hatte einen leicht rötlichen und glänzenden Teint, wie man es öfters bei Alkoholikern sah, und auch das Weiß seiner Augen hatte etwas gelbe Farbe angenommen. Näher betrachtet war er alles andere als ein gütiger Opa. Zu gut gelebt, zu viel gesoffen, reif für alles, was nun kommen sollte.

Neben ihm sprangen einige minderjährige Elfen herum, als hätten sie nichts besseres zu tun, und die Zentauren lagen bereits auf dem Rücken und strampelten mit ihren Füßen in der Luft. Das ganze Treiben sollte ausgelassen wirken, hatte aber etwas geradezu zwanghaft wollüstiges an sich. Und keiner von diesen Burschen sprach auch nur ein vernünftiges Wort. Sie grunzten, schnaubten, gurrten wie Tauben und Funkgeräte, aber waren wohl nicht in der Lage sich einer verständlichen menschlichen Sprache zu bedienen.

Der Bart des Zwerges erstreckte sich bis runter zu seinem Hosenbund, und war von dem reinsten Weiß, das man sich vorstellen konnte. Ich packte ihn daran, zog ihn zu mir her, zischte bösartiges Zeug und hieb ihm das Rasiermesser in den Wanst. Seine Augen weiteten sich, sein Mund öffnete sich, seine Zunge schlackerte herum, aber er brachte keinen Ton heraus. Seine Augen traten immer weiter aus seinem Gesicht heraus als hätten sie ein Eigenleben. Bis sie zu Kugeln wurden, und plötzlich heraus ploppten. Sie fielen zu Boden.  Dort lagen sie, drehten sich verwirrt im Kreis und rollten davon wie kleine Murmeln. In einer Geschwindigkeit als hätten sie ein Ziel. Sein Körper erschlaffte mit einem lauten Zischen. Ich wagte nicht auf mich herab zu sehen, glaubte ich doch in einem Blutbad zu stehen. Ich fühlte mich wie ein Schlachter. Ich mußte folglich aussehen wie einer.

Die Elfen, die eben noch singend und tanzend um mich herum gehüpft waren, blickten mich entsetzt an und öffneten ihre schönen Münder, um mir ihre  weißen, spitzen Zähnchen zu zeigen.

Sie wirkten wie kleine Mädchen mit Insektenflügeln, aber in ihrem Mund verbargen sich scharfe, freistehende Zähne, die dringend einer Korrektur bedurften. Ich wirbelte herum, das kleine Rasiermesser immer noch in der Hand und machte damit hektische Bewegungen in alle Richtungen. Nur um sie auf Abstand zu halten. Der Zwerg war eine zusammen gesackte Hülle, die noch kleine Blasen in sich behielt, aber ansonsten war die Luft raus. Keine Spur von Blut, Fleisch, Gedärmen oder etwas anderem, was ich erwartet hatte. Ich starrte ihn ungläubig an. Das war definitiv nicht mein Traum.

Ich brüllte, ich stampfte mit dem Fuß auf, ich senkte meinen Kopf und stürmte aus dem Kreis, der sich um mich bildete. Die Elfen stoben zur Seite, selbst ein Troll flüchtet vor mir, und die Zentauren bildeten eine Gruppe wie eine Horde Büffel, um sich zu verteidigen. Die Wege waren kunstvoll mit verschiedenfarbigen Schotter bedeckt, in kleinen Teichen schwammen Kois und ziemlich gelangweilte Goldfische. Ich rannte vorbei. Die Steinchen stoben unter meinen Füßen zur Seite, regneten auf die Seerosenblätter, verfingen sich in diesen unmöglichen Schuhen und spritzten nach allen Seiten. Ich rannte einfach weiter, sprang über Hecken und Büsche, und überall sah ich sie wieder, die Zwerge, die Orks, die  Trolle und  die Elfen. Sie lagerten, saßen, picknickten, machten seltsame Dinge, spielten ihre Spiele, sprangen nackt in einen der Seen, von denen ich schon drei umrundet hatte, und mindestens dreimal sah mir der Oberzwerg an verschiedenen Orten hinterher. Dieser aufgeblasene Wicht.

Zur Erklärung: Manchmal, wenn ich Zeit habe, und denke, ich sollte eigentlich mehr schreiben, aber genau weiß, dass ich nicht richtig dazu komme, dann schreibe ich einfach Anfänge. Und die sind fast kleine Geschichten, aber haben kein Ende. Oder vielleicht doch. Es gibt eine Seite auf der ich einige gesammelt habe.

Da ich an diesem Anfang nun etwas länger schreibe, möchte ich euch bitten, mir mit zu teilen, ob ihr ein Interesse an weiteren Fortsetzungen habt. Natürlich dürft ihr mir auch alles andere mitteilen. Ich bitte darum. Hinweise auf Fehler nehme ich ebenfalls gerne entgegen, sowie jede andere Art von kritischer Betrachtung. Zwar kann ich noch nicht sagen, ob ich darauf eingehe, aber ihr dürft auch gerne Vermutungen äußern, wie es weiter gehen könnte.)

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