Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 7)

(Für die Neueinsteiger: Ich werde mir demnächst mal eine kurze Zusammenfassung schreiben. Das wird etwas schwierig, aber es wird ungefähr so klingen: Ich liebe eine Stabheuschrecke, die heißt Misa. Ich erzähle ihr und allen anderen gerade, wie die Meuterer ein Raumschiff solang verwahrlosen liessen, bis Piraten sich die Überreste schnappten und uns versklavten. Und nun traf ich Abraham Lincoln, der aber seltsamerweise nicht meine Sprache spricht, und ab da wird es komisch, denn ich habe gerade einem Zwerg die Luft genommen, um schließlich auf der Flucht durch einen Park eine seltsame Begegnung zu machen.

BTW:Wem das zu mühselig ist, nun alle Teile im Blog zusammen zu suchen, der darf mich auch gerne um ein PDF-File bitten. Ich schicke es gerne zu. Nochmal gelesen, nochmal bereinigt, mit , hoffentlich, viel weniger Fehlern.)

Der Park selbst schien sich zu verändern, doch das Szenario blieb gleich. Immer wieder sah ich Grüppchen der Zentauren. Ich glaubte einzelne zu erkennen. Und wohin ich rannte, dort waren auch sie. Ich schlug Haken wie ein Hase, hetzte mal in die eine und mal in die andere Richtung, stürmte durch Rosengärten und an Gewächshäuser vorbei, aber die trinkenden Zentauren waren schon vor mir da. Sie prosteten sich zu, warfen die Köpfe in den Nacken und galoppierten auch mal neben mir her. Geradeso als sei es der größte Spaß ein Wettrennen mit mir zu veranstalten. Ihr Lachen war gehetztes Meckern, aber mit ihren strahlenden Augen war erkennbar, dass ihr anfängliche Angst gewichen war. Und kaum erblickte ich eine identische Gruppe vor mir, verschwanden meine Begleiter, und die neue Gruppe übernahm eine Funktion.
Meine Schuhe waren eine Erfindung durchtriebener Foltermeister. Die Steinchen rieben an meiner Ferse, und es war spürbar, dass ich nicht mehr lang durchhalten würde. Das Hemd klebte bereits an meinem Oberkörper, meine Lunge fühlte sich an, als würden Krallen durch sie jagen und mein Herz schlug wie verrückt. Ich hatte mich seit langer Zeit kaum noch so ausdauernd bewegt, und Rennen gehörte noch nie zu den Sportarten, in denen ich merkliches geleistet habe. Ich musste langsamer werden, ich hatte komplett die Orientierung verloren. Nachdem ich mehrmals die Richtung gewechselt hatte, konnte ich nicht mehr feststellen, aus welcher ich ursprünglich kam. Das Bild hatte sich kaum geändert. Zwar war der Bewuchs ein anderer, denn nun stand ich inmitten kunstvoll angerichteter Farne, die in den verschiedensten Farben ein gigantisches Wappen darstellten, während sich darüber eine kleine Gruppe Bäume filigran in einer schwachen Brise bewegten, aber Häuser, Schlösser und kleine Pavillons, die ich immer wieder in der Ferne erblickte, waren unerreichbar.
Ich näherte mich ihnen nicht, sondern sie verschwanden einfach hinter flachen Erhebungen, die ich im Lauf überqueren wollte. Sah ich ein Gebäude, so musste ich auf dem Weg dahin, einen Hügel erklimmen. Zumeist kleine Anhöhen, mit Gras oder einer niedrigen Vegetation bedeckt. Rannte ich die Anhöhe hinauf, erreichte dann ihren höchsten Punkt, so war mein Ziel, das mögliche Gebäude verschwunden, als wäre es nur eine optische Täuschung gewesen. Ich traute meine Augen nicht, und wiederholte den Versuch mehrmals. Ich sah eine Villa, rannte auf sie zu, verlor sie durch den kleinen Berg, auf den ich hoch sprintete, kurz aus den Augen, den er verstellte mir die Sicht, kam dann oben an und die Villa war weg.
Dort, wo sie zuvor gewesen war, erstreckte sich nun wiederum der Park bis zu einem vermeintlichen Horizont. Und vermutlich, davon ging ich aus, war dahinter wieder nur Park, und egal wohin ich mich wenden konnte, war nur Park. Mit denselben Bewohnern, überall, die ihrem Müßiggang frönten. Zentauren, die taumelten, als hätten sie ihr Gehirn in Wein gebadet, Zwerge, die mich angrinsten und mir winkten, und Elfen verschiedener Größen, die einfach sinnlos herumflogen. Nur die Orks und Trolle waren andauernd am Spielen. Selbst federballspielende Orks waren zu erkennen. Die Trolle humpelten der Frisbeescheibe hinterher, oder versuchten sich in anderen Sportarten.
Es war vollkommen sinnlos, egal in welche Richtung ich lief. Zwar änderte sich der Park an sich durchaus, und offenbarte immer neue Meisterleistungen der Gartenkunst, so wechselten z.b. die geschnitten Büsche ihre Thematik, aber wie in einem Hamsterrad gab es kein Ende, nur wechselnde Bilder. Statt mythologische Figuren, waren die Büsche nun nach Comicfiguren geformt. All die bekannten Wesen, die die Zeitungsstrips bevölkerten, waren nun das Vorbild für die herausragende, bildhauerische Arbeit der Gärtner. Doch ich konnte keinen von ihnen entdecken. Hier waren keine Gärtner. Ich hatte nicht einen einzigen erblickt. Man sollte doch davon ausgehen, dass es hier mindesten einen Gärtner gab. Oder Gehilfen, oder Roboter. Nichts, nur die Zwerge, die wieder unweit von mir standen, sich an ihren Pfeifen hielten und mir grinsende zunickten.
Nun gut, dachte ich, dann wollen wir mal.
Ich ging auf das nächste Grüppchen dieser kleinen Wesen zu. Ihr Mützen waren verschiedenfarbig. Während der Oberzwerg immer noch aussah, wie der wichtigste aller Windbeutel, mit seinem spitzen steifen Hut, trugen die Anderen, sieben an der Zahl, auch Mützen, die ihnen eher schlaf vom Kopf hingen. Gemeinsam war ihnen, dass sie irgendwo eine Pfeife hatten. Entweder gerade im Mund, oder neben sich oder in der Hand, wo sie einfach so verharrte und nicht zum Mund geführt wurde. Sie beobachteten mich mit aufmerksamen Augen. Ich spürte förmlich, wie sie meine Schritte auf sie zu, verfolgten. Wahrscheinlich waren sie gewarnt. Der Zwergenschlitzer kam.
Bei ihrer Gruppe angekommen, schnappte ich mir eine der Pfeifen, die auf dem Boden lagen, und still vor sich hin kokelten, nahm sie an mich und entfernte mich schnellen Schrittes wieder. Ich hörte etwas, was ich als Protest deuten konnte, aber achtete nicht weiter darauf. Gezielt ging ich auf die Rosenbeete zu. Ich hatte nie verstanden, warum man zu Füßen der Rosen Stroh auslegte. War wohl ein geheimer Tipp der Gärtner. Egal. Ich sah mir das Stroh an, beugte mich herunter, prüfte die Erde und nahm einen Halm, hielt ihn in die Pfeife, lies ihn glimmend zu Boden fallen. Nahm den zweiten, tat dasselbe, liess ihn glimmend zu Boden fallen. Dritten. Pfeife. Glimmen. Boden. Vierten. Fünften.
Hinter mir zischte es ein bisschen, aber das Glimmen verbreitete sich, ich blies noch mal in die Glut und eine kleine Flamme fraß sich über den Boden des Rosenbeetes. Dann eine zweite. Sie tanzten beide umeinander herum, sprühten einige Funken, fraßen sich zur Seite, züngelten an den Rosen hoch und kletterten wild zischelnd dem Stamm entlang. Die Blätter rollten sich ein, die Blüten sackten in sich zusammen und der Rauch eilte gen Himmel.
“Das bringt doch nichts.”
Ich sprang herum, und sah in ein Gesicht, das irgendwann mal einen Bären geküsst haben musste. Die Nase war schief, Narben zogen sich über eine Glatze, die Haare wuchsen ungebändigt an den Seiten, und der Bart trug alle Farben, die Salz und Sonne zuliessen.
“Du kannst hier alles verbrennen, so oft und so lange du willst.” sprach er weiter, und deutete bei diesen Worten auf seinen Bauch. “Du hast Hunger, oder? ”
Er wartete.
Ich blickte ihn stumm an. Das Rasiermesser war immer noch in meiner Hand. Wog fast nichts. Ich war bereit zu zustechen. Zu schlitzen. Ich war auf alles gefasst.
“Verstehst du mich? Ich-habe-auch-Hunger.Wollen-wir-etwas-essen?”
Er rührte mit einer Hand über seinen Bauch, machte Kaubewegungen und deutete auf etwas in der Ferne, das außerhalb unseres Sichtfeldes lag. Er deutete mehrmals darauf, wurde etwas hektischer, bis ich schließlich das Messer sinken ließ.
“Ok!”
Er war ein stattlicher, stämmiger Mann, sein Gang deutete auf eine unbekümmerte Robustheit, die ihn sowohl durch die Wildnis der Natur, wie auch der Menschen tragen könnte. Nichts an ihm deutete auf eine Luftfüllung hin. Seine Stimmlage verriet etwas hinterwäldlerisches, wie es Menschen in den Bergen pflegten, die sich nur mit ihresgleichen beschäftigen.
“Bald John Peacock” brummte er.
“Pardon?”
“Bald John Peacock. Das ist mein Name. Falls du dich das gefragt haben solltest.”
“Deine Eltern nannten dich Bald? Warum, um Himmels willen, nennen Eltern ihr Kind Bald?”
Er dreht sich um. Sah mich irritiert an. “Was für ein gottverdammter Grünschnabel bist du denn? Meine Eltern nannten mich John. Natürlich nannten sie mich John. Warum sollten sie mich Bald nennen? Verdammt!”
Er stapfte weiter.
“Ich heiße Martin. Christopher Martin. Also, Christopher mit Vornamen.”
“Ich weiß. ” Er winkte ab. “Ich weiß alles. Du bist Vorkoster. Das ist ja lächerlich. So wie du aussiehst gab es schon lange nichts mehr zum vorkosten, was? Wer braucht den einen Vorkoster?”
“Das ist eine wichtige Aufgabe!”
“Für wen? Für einen erwachsenen Mann? Ich denke, ihr habt Maschinen für so etwas.” Er lachte das Lachen einer Hyäne. Als gackerte er den Himmel an, und beendete es mit einem langzogenen “Yahooo!”
“Du musst das verstehen, junger Freund. Zu meiner Zeit hat man die alles mal probiert, und es vielleicht überlebt. Dann war es essbar. Manchmal wurde einem etwas wirr im Kopf, aber das verging und gehörte nicht zu den schlechtesten Dingen dieser Welt..”
“Wann war ihre Zeit?”
“Keine Ahnung. Wir haben uns nicht sehr darum geschert. Ich habe keine Zeitung gelesen. Oder sowas. Ich war ein verdammter Trapper.” Er überlegte. “Es muss 1820 gewesen sein. Früher oder später. Es war ein verdammter Winter. Blizzards fegten über die Berge. Ich war sichtbar wie ein Blutfleck auf einer Bettdecke. Man konnte mich schon von weitem sehen. Die Wölfe hatten mich eingekreist. Es war ein wildes Geheul. Ich mitten im Schnee. Tja, und da hatten sich mich geholt. Seitdem habe ich diesen Fummel an und muss mich mit diesen tumben Gesellen abgeben”. Er deutete auf die Zwerge und Trolle. “Am Anfang hatte ich jedem, der mir über den Weg lief, den Kopf abgeschlagen. Aber das kannst du jahrelang machen, es werden immer mehr. Es ist eine kleinwüchsige Armee. Hüte dich vor den Elfen. Die sind die Pest. Kleine, bissige Gören. Verdammte Mistviecher. Möchte nur mal wissen, wer auf die Idee mit den Zähnen kam. Das passt doch gar nicht!”
Ich hatte Mühe mit ihm Schritt zu halten. Ich war ausgepumpt, fühlte mich matt, und zweifelte immer noch daran, dass ich das richtige tat. Ein Trapper, also ein Mensch, der 1820 aus den Rocky Mountains entführt wurde?

Zur Erklärung: Manchmal, wenn ich Zeit habe, und denke, ich sollte eigentlich mehr schreiben, aber genau weiß, dass ich nicht richtig dazu komme, dann schreibe ich einfach Anfänge. Und die sind fast kleine Geschichten, aber haben kein Ende. Oder vielleicht doch. Es gibt eine Seite auf der ich einige gesammelt habe.

Da ich an diesem Anfang nun etwas länger schreibe, möchte ich euch bitten, mir mit zu teilen, ob ihr ein Interesse an weiteren Fortsetzungen habt. Natürlich dürft ihr mir auch alles andere mitteilen. Ich bitte darum. Hinweise auf Fehler nehme ich ebenfalls gerne entgegen, sowie jede andere Art von kritischer Betrachtung. Zwar kann ich noch nicht sagen, ob ich darauf eingehe, aber ihr dürft auch gerne Vermutungen äußern, wie es weiter gehen könnte.)

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