Misa Teil 17

Amandas Flucht endete in einem Raumschiff. Aber sie wußte nicht, dass es ein Raumschiff war. Sie rannte, sie fiel. Sie wachte auf Sie dachte, sie wäre tot. Ihr fehltenTeile  ihrer Erinnerung. Nichts was sie wieder herstellen konnte. Der Weg, wie sie hierher kam, worin die Bedeutung der Licht lag, wieso es um ihr flackerte, ergab keinen Sinn. Sie versuchte die Sicherheit zu finden, die ihr fehlte. Sie hatte einen Schock. Sie zitterte, ihr Körper verspannte sich, erschlaffte und verspannte sich wieder. Und sie schwitzte. Gab keinen Laut von sich. Hatte Angst. Und wartete ab.

Das Essen, dass ihr zugeschoben wurde, rührte sie kaum an, brachte es nicht herunter. Sie sah nicht, wer es ihr gab. Sie bemerkte nicht, wie die Behälter wieder verschwanden. Die Zeit verging ohne Höhepunkte. Es war einerlei, ob sie aufstand, ob sie lag, ob sie die Wände ertastete. Sie fuhr mit der Hand über die Unebenheiten,  ertastete die Lichter, fand keine Anhaltspunkte, keine Öffnung. Und so schleppte sich die Zeit in einer Gleichförmigkeit dahin, die alles, was geschah zu einem undefinierbaren Brei verrührte.

Als sie später Bald John Peacock das erste Mal gegenüber saß, sprach sie noch immer kein Wort. In ihrer Kleidung glich sie einem  jungen Mann, der an einem Hofe lebte. Sie sah Bald John Peacock lange und verwirrt an, schnitt sich die Haare und erkundete jeden Tag die Parks, ohne zu verstehen.  Ihre Spaziergänge waren ruhelos. Ständig auf der Suche. Erst wich sie den Bewohnern aus.

Die Wesen um sie staunten über sie, aber belästigten sie  nicht. Sie sprachen in einer fremden Sprache, bis Amanda in eine unbändigen Wut verfiel. Nichts ergab einen Sinn. Nichts gab ihr Halt, nichts wirkte vertraut. Und was vertraut hätte wirken können, entzog sich ihrem Verstand. Die Wiesen waren endlos. Der Himmel immer blau. Die Wolken bewegten sich nicht. Die Schatten blieben gleich. Die Nächte fehlten, die Tage hatten keine Uhrzeit, keinen Morgen, keine Ereignisse. Wo immer sie hinging, war sie in einer von Menschen geschaffenen Umgebung. Gärten bis zum Horizont. Bald John Peacock war der einzige Mensch, den sie getroffen hatte. Der Einzige, der sich mit ihr unterhalten konnte, aber er war Einsiedler. Er wirkte von ihr gestört, und behielt sie dennoch bei sich.

Sie lief davon. Eilte und rannte über die Parkweg, über den Schotter, schritt durch Seerosenteiche. Rannte wieder, war außer Puste und sah wieder die Kois im Teich, die Rosen am Wegesrand, das Idyll, das von federballspielenden Orks gesäumt war.

Die Zentauren betranken sich. Sie trank mit ihnen. Sie lag sturzbetrunken auf der Wiese, starrte und den Himmel, kotzte ins Gras, stand wieder auf, und fluchte.  Sie war stinksauer, sie wurde wütende, sie wollte eine Änderung. Sie schlug einen Ork. Er wehrte sich nicht. Sie trat einem verdammten Troll in den Rücken. Er liess es geschehen. Sie gab einem Zwerg eine Ohrfeige und er lief taumelnd davon. Sie zeigten den Zentauren ihre Brüste. Sie tranken weiter.

Sie fand es folgerichtig, eine Elfe zu zertreten. Und schließlich einen Zwerg zu ertränken. Erstaunlicherweise wollte der kleine Kerl nicht unter Wasser bleiben, sondern trieb immer wieder nach oben. Sie drückte und drückte, doch immer wieder tauchte er auf. Aber irgendwann gab er trotzdem keinen Ton mehr von sich, verlor seine Augen, und sie liess ihn einfach liegen.

Sie sah denselben Zwerg in den nächsten Tagen wieder an verschiedenen Stellen im Park. Sie ging auf ihn zu, drehte kurz vor ihm ab und verharrte. Sie wollte ihn wieder und wieder vierteilen, morden,  verbrennen oder sonst wie zu Tode zu bringen. Sie starrte ihn wortlos an. Sie spuckte aus, als er seine Pfeife hob, sie freundlich grüßte und mit den Augen zwinkerte. Sie war in ihrem schlimmsten Alptraum gefangen. Die Zeit hing fest, die Toten blieben nicht tot, und was lebte, das lebte nicht. Irgendwie. Lebte es nicht.

Sie kam zu dem Schluss, dass diese Wesen nicht wirklich existierten, sie waren einfach nur da. Wie Quallen. Sie schwammen wohl in einem Strom auf sie zu. Sie stieß sie beiseite, ging an ihnen vorbei, schlug die Elfen , wo immer sie sie traf und  fand ihren vermeintliche Tod zwar zerstörerisch. Aber es wurde nicht geahndet. Es hatte keine Bedeutung. Trotzdem saß sie auf einem Holzstoß in der Hütte Bald John Peacocks, aß Bohnen mit Speck und beobachtete sein Schweigen. Der Mann war verletzt. Er würde nie wieder heilen.

Mario deutete auf Amanda. “Kaum zu glauben, welch ein verschüchtertes Kind sie einst war. Sie hatte einen Schock. Sie irrte hier herum, drauf und dran zu verwildern. Der alte Peacock fütterte sie wie ein wildes Tier.”

Er stoppte, und hielt mich kurz am Arm ” Er will hier nichts ändern. Was er macht, das ist schon fahrlässig. Er will nichts ändern. Er will einfach alles so lassen. Peacock ist das Monster, nicht wir. So irre wie das alles hier ist  – der Verrückte ist Peacock.”

Peacock nährte Amanda, er liess sie auf einem Bettvorleger schlafen. Er sprach kaum mit ihr. Er beachtete sie meist nicht einmal. Oft ging er grummelnd davon, seine Waffe geschultert und war lange Zeit nicht mehr zu sehen.

Amanda beobachtete ihn Sie verfolgte ihn hin und wieder. Aber Peacock machte nicht wirklich etwas. Er ging einfach genauso wie sie immer weiter, bewegte sich unbestimmt und ziellos. Als Mario sie das erste Mal traf, erschrak sie und rannte davon.

Mario ging direkt zur Hütte von Bald John Peacock, setzte sich auf die Bank davor und wartete nur ab. Er tat das eine sehr lange Zeit. Sehr lange. So lange, bis Bald John an ihm vorbei ging.

„Du bist wieder da?“ fragte ihn Bald John.

„Ja.“

„Ich will dich hier nicht sehen.“

„Dann gehe doch einfach, alter Mann“

Und Bald John Peacock ging einfach.

„Ich werde mich an deinen Bohnen bedienen, alter Mann“ rief ihm Mario hinterher.

Bald John winkte ab.

Und nochmal nach derselben Zeit kam Amanda heraus, setzte sich Mario gegenüber und wartete.

Mario ging hinein, schöpfte sich eine Schüssel voll, setzte sich wieder auf die Bank und wartete ab. So saßen sie sich gegenüber. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, er löffelte die Bohnen.

„Redest du?“

Er nickte. „Mehr als der alte Mann.“

„Dann rede mit mir verdammt. Ist das der Himmel? Sterbe ich hier? Bin ich schon tot?“

„Nein! Falsch, du bist nicht tot. Nein, du stirbst hier nicht. Jetzt noch nicht. Du solltest essen.“

„Es gibt nichts anderes, oder?“

„Hier? Nein!“

(Für die Neueinsteiger:

Bisher gehörte diese Geschichte, zu einem Projekt, bei dem es um Romananfänge ging. Ab jetzt wird es ein Blogroman. Ich persönlich bin mir allerdings noch nicht sicher, ob Blogromane überhaupt eine lesbare Variante sind. Das müsst ihr mir sagen.

Wie auch immer: Ab jetzt wird diese Fortsetzungsgeschichte mit einem gleichbleibenden Cover illustriert – zur schnelleren Erkennbarkeit – und auch in Wattpad mit etwas Verzögerung lesbar sein. 

Wem das zu mühselig ist, nun alle Teile im Blog zusammen zu suchen, der darf mich auch  um ein PDF-File bitten. Ich schicke es gerne zu. Nochmal gelesen, nochmal bereinigt, mit , hoffentlich, viel weniger Fehlern.

Tatsächlich freue ich mich über jeden Kommentar, jede Nachricht, jeden Vorschlag, wie es weitergehen könnte. Ihr dürft mich auf jeden Fehler aufmerksam machen. Ich versuche ihn zu berichtigen, aber den Lauf der Geschichte vorerst nicht nachträglich zu ändern. Erst muss sie fertig werden,und bis dahin ist es noch ein langer Weg. Es handelt sich um einen ersten Entwurf.)

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