Misa Teil 25

Mit all ihrer Entschlossenheit, und den Kräften, die sie gegen uns wenden konnten, schlugen und schoben sie uns aus der Leuchtkuppel. Sie strömten in einer Ordnung aus mechanische Flügeltüren, als hätte man das Chaos reguliert. Es war ein Stimmengewirr wie in einem Bienenkorb. Um mich herum brummten, summten und flüsterten die Worte, schwappten über mich, aber waren in ihrem Sinn nicht zu erfassen. Ja, sie sprachen englisch, aber warum konnte ich so wenig davon verstehen?

Was ich sah, während sie mir den Kopf mal nach unten und mal nach oben drückten, oder einfach nur schüttelten, dass war eine breite Halle, die sich wieder mal als Gang entpuppte. Was auch sonst? Und überall befanden sich weitere Flügeltüren, aus denen abermals Menschen strömten, die dieselbe uniforme Kleidung trugen. Wehende Mäntel, weite Stoffhosen, mit Kladden, Notizblöcken und Tablets in der Hand. Wie einer Prozession schlossen sie sich uns an. Der Lärm der Schritte und dem Gemurmel war unglaublich und widerhallte an jeder Ecke. Wir waren nicht an der Spitze des Zuges, dort musste der alte Herr gewesen sein, dem sie so unnachgiebig folgten. Wir steckten irgendwo in der Mitte. Ich verlor zeitweise Amanda aus den Augen, und auch George konnte ich nur noch in der Nähe wähnen, da ich sein unablässiges, hochtönendes Geschrei hörte. Ich glaube, er verfluchte jeden Einzelnen von ihnen. Wünschte ihnen die Hölle, die Mutter des Teufels und ihre sieben Schwestern auf den Hals. Mir selbst versagten die Worte. Ich wurde gestossen, geschlagen, von Millionen Händen berührt, und immer weiter geschoben. Ich stolperte, wurde aufgefangen, bekam Ohrfeigen und sah mal den Boden, mal die Decke und dazwischen immer mal wieder Gesichter. Ich schwor mir, ich würde mir jedes einzelne dieser Milchgesichter merken. Diese Kinder würden unter meinen Händen sterben. Nacheinander, einzeln, zerteilt, zerfetzt, in Stücke gerissen. Ich war wütend. Und das beschrieb noch gar nichts von meinem Zustand.

Sie schleppten uns in eine Zelle. Oh, das war nicht die einzige Zelle, wie ich sofort erkannte. Eine Unmengen an Zellen lagen nebeneinander. Und wie man das in Raumschiffen kannte, aber auch immer häufiger etablierte, handelte es sich um diese einseitig einsehbaren Räume, die von außen durch eine unsichtbare Barriere gesichert waren. Drei Pritschen, fest angebracht, an den Außenwänden, und vor uns das Kraftfeld, das verschwand, als sie uns hinein stießen und sich sofort mit knisternden Geräuschen aufbaute, nachdem wir die Zelle betreten hatten.  In der linken Ecke befand sich ein Loch im Boden, das genau dafür da war, woran wir jetzt auch dachten, und darüber gab es zwei Öffnung, in die wir unsere Hände strecken könnten. George lag auf den Boden,  ich setzte mich auf eine Pritsche und Amanda tat es mir gleich.

Wir schwiegen. Es wäre an der Zeit gewesen zu reden, aber ich war wütend, fühlte mich durch den Wolf gedreht und war mir sicher, sie rätselten noch immer darüber, welche Sprache wir beherrschten. Ich wollte es ihnen nicht zu leicht machen. Die aufgebrachte Menge, die uns hierher gebracht hatte, verteilte sich zwischen den Zellen und ich konnte besser erkennen, ob es noch weitere Gefangene gab.

Die Zellen waren freistehend, glichen Container und waren unregelmäßigen in einer Halle, die einem Hangar glich, verteilt. In einige Zellen konnte ich hinein sehen, andere jedoch standen mit dem Rücken zu uns. Die Zellen, die ich sah, enthielten Gestalten, die ich nicht sofort erkannte. Sie waren nicht menschlich, nicht mal im entferntesten, und ich befürchtete schon, sie hätten uns in einen Zoo gebracht.

Da gab es mannshohe Echsen, die uns mit bleckenden Zähnen anstarrten, ebenso wie Bären mit blutunterlaufen Augen. Und zwischen all diesen Containern eilten die jungen Leute dienstbeflissen hin und her, schrieben etwas in ihre Kladden, scrollten durch ihre Tablets und sprachen aufgeregt miteinander. George stierte vor sich hin. Amanda stand auf, lief zu der Barriere, suchte sie zu berühren und bemerkte eine Aura, die sich um ihre Hand bildete.

“Was ist das ?” murmelte sie.

Ich zuckte mit den Achseln. Ich hatte mich nie dafür interessiert, aktuelle Technologie verstand ich nicht mehr, ich akzeptierte sie nur noch. Als diese Gefängnisse aufkamen, glaubte ich nicht so recht daran, dass das ausreicht, aber die Praxis hatte mir das Gegenteil bewiesen. Die Dinger hielten. Ich dachte gar nicht daran, ob wir hier eine Chance zum entkommen hatten. Also starrte ich hinaus und beobachtete das Treiben. Sie schienen die Gefangenen in Ruhe zu lassen, machten sich nur andauernd Notizen. Sie waren alle ganz offensichtlich Menschen, sprachen eine weitgehend verständliche Sprache. Was also hatte wir gemeinsam mit diesen Wesen, die sonst noch so wegsperrten?

“Es gibt hier Trolle und Orks.” zischte Amanda plötzlich durch die Zähne. Ich folgte ihrem Finger und schaute in dieselbe Richtung. Tatsächlich, es gab Zellen, etwas weiter im Hintergrund, in denen einige Orks zusammensaßen und wirkten als ob sie sich beraten würden.

“Das kann nicht sein!” Ich ging mit meinem Gesicht näher an die Barriere. “Das kann nicht sein. Orks sind eine Erfindung. Es gab sie niemals. Auch Trolle. Es gibt sie nicht. ”

Amanda fuhr sich durch ihre Haare und suchte mit ihrem Blick weiter.

“Elfen.”

“Verflucht, ja, du hast recht. Ein ganzer Stall davon.”

Und kurz darauf.

“Zwerge.”

Sie hatte recht, alle waren da. Wenn auch in kleinen Mengen. Wir hatten jedoch noch keine Zentauren entdeckt. Aber sie könnten genauso gut in einem der Container sein, die wir nicht sahen.

George trat hinter uns. Ich sah ihn kurz an. Er schüttelte seinen Kopf und wollte sich wieder abwenden.

“Wir reden nicht, weil du denkst, sie wüßte nicht, ob wir Englisch verstehen?”

“Ja!”

“Aber das ist Blödsinn. Sie haben die Augen, sie wissen alles, Christopher.”

“Hat dir das Mario erzählt?”

“Es ergibt alles einen Sinn.”

“Hat er dir hiervon erzählt? Was für einen Sinn ergibt das?”

Sie antwortete nicht.

Es war ein beständiges Treiben zwischen den Containern. Ein Auf und Abgehen. Ein eifriges diskutieren. Wir sahen jedoch keine direkte Interaktion mit den Gefangenen. Weder versuchten sie deren Aufmerksamkeit zu erregen, noch geschah das umgekehrt. Keiner versuchte mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Außer uns wendete sich auch kein Gefangener ihnen zu. Alle beschäftigten sich mit den Dingen, die sie interessierte und gingen einer Beschäftigung nach. Die Orks spielten miteinander ein Spiel, das wohl nur mit Worten auskam. Die Echsen lagen auf den Pritschen herum und wendete sich den Wänden zu, und die Trolle diskutierten miteinander sehr angeregt.

Im Gegensatz zu uns, war jedoch keiner der anderen Gefangenen nackt. Alle hatten Kleidung an, Uniformen oder ähnliches. Die Echsen trugen eindeutig Uniformen, die auf eine Arbeit oder Armee hindeuteten. Sie hatten Funktionstaschen, die allerdings nicht gefüllt waren, wohl aber über den kompletten, silbernen Overall verstreut aufgenäht waren. Sie glichen einer historischen Ausgabe irdischer Astronauten, wenn man mal von ihrem Körperbau, ihrer gebückten Haltung und ihren Schädeln ansahen. Die raubtierhaften Züge hatten sie uns gegenüber in den ersten Momenten ausgespielt. Sie beschäftigten sich aber nicht mehr weiter mit unserer Anwesenheit.

Während uns dieses Sammelsurium erstaunte, fielen wir jedoch nicht weiter auf. Auch die jungen Leute hatten keine Augen für uns. Sie machten Aufnahmen im Vorbeigehen, sprachen aber vor unserer Zelle weniger miteinander. Eilten eher beiläufig vorbei und hatten andere Wesen im Auge.

Die Echsen waren im Zentrum ihres Interesses. Diese jedoch waren abgebrüht genug, sich zusammen zu rollen, ihren Hintern gen Sichtfenster zu strecken und alles zu ignorieren, was um sie vorging.

Im Hintergrund jedoch, im Container der Trolle, drehte sich langsam einer von den Burschen um, zeigte lachend sein Gebiss und streckte uns genüsslich seinen Mittelfinger entgegen. Ich deutete irritiert auf meine Brust, und der Troll nickte langsam. Behielt die Pose aber bei.

Ich kannte den Burschen gar nicht.

(Für die Neueinsteiger:

Bisher gehörte diese Geschichte, zu einem Projekt, bei dem es um Romananfänge ging. Ab jetzt wird es ein Blogroman. Ich persönlich bin mir allerdings noch nicht sicher, ob Blogromane überhaupt eine lesbare Variante sind. Das müsst ihr mir sagen.

Wie auch immer: Ab jetzt wird diese Fortsetzungsgeschichte mit einem gleichbleibenden Cover illustriert – zur schnelleren Erkennbarkeit – und auch in Wattpad mit etwas Verzögerung lesbar sein. 

Wem das zu mühselig ist, nun alle Teile im Blog zusammen zu suchen, der darf mich auch  um ein PDF-File bitten. Ich schicke es gerne zu. Nochmal gelesen, nochmal bereinigt, mit , hoffentlich, viel weniger Fehlern.

Tatsächlich freue ich mich über jeden Kommentar, jede Nachricht, jeden Vorschlag, wie es weitergehen könnte. Ihr dürft mich auf jeden Fehler aufmerksam machen. Ich versuche ihn zu berichtigen, aber den Lauf der Geschichte vorerst nicht nachträglich zu ändern. Erst muss sie fertig werden,und bis dahin ist es noch ein langer Weg. Es handelt sich um einen ersten Entwurf.)

 

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