Zeit fürs ZKM

Es regnet. Frühling ist also vorbei. Mal wieder. Für die nächsten Tage. Sagen Sie da draußen. Warten wir es ab.

Es regnet. Und natürlich stürmt es auch. Und wer nicht die nächsten 48 Stunden im Kino verbringen will, der könnte sich ja mal die Museen dieser Stadt ansehen. Allen voran das ZKM. Immerhin soetwas wie ein Prestigeobjekt dieser Stadt. Mit einer direkten Achse in die Zentren der Welt. Raus nach New York, also Übersee, bis in die auftrumpfenden europäischen Großstädte, die innovativer und schneller sein wollen, als ihre ehemaligen amerikanischen Vorbilder. Das ZKM ist zuständig für all jene Kunst, die wir teilweise noch gar nicht als Kunst auffassen, oder des Nachts mit berauschenden Drogen über dem Computer geboren wird. Kreative Verfremdung bekannter Themen und Objekte manchmal. Besser und schlechter als der Durchschnitt oftmals, aber in der Regel interessant, und schon wegen den coolen Räumlichkeiten interessant. Das ZKM fungiert folglich als Treffpunkt, Medienplatz und Ort der Entspannung. [[image:01060010_c_gerahmt_blog.jpg:ZKM-Innenaufnahme:center:1]]

Lohnt sich dort vorbeizuschauen, wann immer auch. Meine besten Bilder der letzten Zeit entstanden genau dort, und werden sicherlich auch sukzessiv ihren Weg in diesen Blog finden, wenn ich mich mal aufraffen kann hier kontinuierlich weiterzuarbeiten, und dem Ding mal richtiges Leben einzuhauchen.

Karlsruhe sehe nach Beton aus, meinte Christoph L. vor einigen Tagen. Yo, never. Wir bemühen uns dem Beton einen gebührenden Einzug zu verleihen, in dem wir um das ZKM die Schaltzentralen der wirklichen und virtuellen Macht gruppieren, aber ganz so schlimm ist es nicht. Inmitten einer Bauklötzchenansammlung aus dem Haupthaus von 1 & 1, dem Filmpalast und der hochgesicherten Bundesanwaltschaft steht die historische Fabrikationsstätte der Waffen- und Munitonsfabrik mit ihren letzten Hallenbauten und deren enthaltenen vierstöckigen Lichthöfen. Hier residiert nun das ZKM und das Museum für moderne Kunst.

Den Platz, der sich aus dem Werksgelände ergab, nutzte man für Grünflächen und repräsentativer, glatter Größe, die beeindrucken soll, sobald man sich dem Gebäude nähert. Das wirkt museumstypisch, aber im inneren versuchte man eine kreative Mischung aus Austellungs- und Arbeitsräumen der Studenten herzustellen, die recht gut funktioniert, auch wenn man dem ZKM vorwerfen kann, das es seine Inhalte, trotz bemühter Volksnähe einfach nicht in großem Stil unter die Bevölkerung transportieren kann. Zu krude liest sich so manches Thesenpapier, zu groß ist das Bemühen Kunst zu entdecken, wo man keine Kunst vermuten möchte. Oftmals präsentiert sich das ZKM, trotz seiner skurrilen, und oft humorvollen Werke, der Öffentlichkeit wie der Olymp einer zeitreisenden Gesellschaft. Dabei handelt es sich bei 90% der ausgestellten Werke definitiv um überholtes, teilweis veraltetes Material, das seinen Weg aus manchen spontanen Aktionen der 60-70er Jahre über die ewige Lektüre der SPEXund ähnlichen intellektuellen IN-Blättchen in die Neuzeit zu retten versucht. Die Cebit als Impulsgeber der Technologie und das Verständnis der 60er in ihrer Anwendung, sowie den lakonischen Humor der 80 in der Ausführung ist oftmals die Grundlage. Das ändert aber nichts an dem Spaß, den man in dem Museum haben kann, wo sich auch so manches Kleinod verbirgt und manche Pixelgrafik auch nach Jahren überraschende Wirkungen zeigen, wenn sich der Kontext ändert, in der sie präsentiert wird. Es wird sehr viel mit dem visuellen Effekt gespielt, mit dem kindlichen Reiz am loslassen und mitmachen, und das verleiht dem Museum einen einmaligen Charme auf alle. Die Jungen und die Alten eben.

Wenns die ganze Zeit regnet, dann gibt es sowieso nichts besseres 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to top