Misa Teil 16

Sie fühlte die Waffe in ihrer Tasche, und es kam ihr vor, als ob sich ihre Haltung geändert hatte. Die Waffe wurde zum Mittelpunkt ihrer Gedanken. Alles drehte sich um sie. Sie spielte den Abend durch. Sie wollte sie wegschmeißen, sie behielt sie bei sich. Spätestens morgen, dachte sie, würden die Zeitungen über den Mord in der Champs-Elyse berichten. Sie zu beschreiben fiel den anderen Gästen sicherlich leicht.

Misa Teil 15

Karl war bei jeder Schlacht dabei. Es gab ihm einen Schub. Er wirkte wie ein Fremdkörper inmitten er schmächtigen Jungs aus der Großstadt. Herausragend aus jeder Gruppe, fiel er auf, darum trug er den Helm, eine Pilotenbrille, und das Tuch aus Palästina. Auf dem Rücken seiner Lederjacke hatte er mit weißer Farbe ein Fadenkreuz gemalt.

Darunter stand. „Schieß doch, Bulle!“

Er tanzte die ganze Nacht durch Pogo, trank Bier, spuckte es auf der Straße regelmäßig aus, und ging zurück in den Club. Nach einem Monat hatte er seine erste Freundin. Ein kleines, zerbrechliches Wesen, das am laufenden Band Zigaretten drehte, alles in Frage stellte, und erst in seinen Armen ruhiger wurde. Sie war brüsk, unentschlossen, von daheim fortgelaufen und nannte sich Desaster. Die meisten nannten sie aber Desi. Das machte es einfacher. 

Misa Teil 14

Chrutschtschow war wütend, die Fronten verhärtet, und in einigen Geheimdienstkreisen gingen die wildesten Gerüchte herum. Auch Amanda, die die meiste Zeit in einem Cafe an der Champs-Élysées verbrachte, hatte davon gehört. Sie beobachtete das Kommen und Gehen der Reporter, schlug die Beine übereinander, und machte sich hin und wieder eine Notizen. Die Begleitung der sowjetischen Delegation hatte es tagsüber vorgezogen, Paris zu erkunden. Nun saßen sie unweit von Amanda, lasen das Menu und betrachteten den Verkehr.

Misa Teil 13

Und wieder griff sich Karl eine Elfe, drehte ihr den Kopf um, riss ihr die Flüge aus, quetschte die Augen in Georges Beutel und schmiss den erschlaffenden Körper nach hinten. Ich wich ihr aus. Amanda sah mich kurz an, strahlte, wischte sich den Schweiß von der Stirn und stürzte sich schreiend auf eine Gruppe Zentauren. Sie sprang dem Anführer, einem großen, edlen Burschen mit wallender Mähne, auf den Rücken, griff in sein Haar, und zog im das Messer über die Kehle. George rannte herbei, stellte sich unter den Kopf und fing abermals die Augen auf. Der Zentaure sank zu Boden. Sie schienen Spaß zu haben. Alle zusammen.

Misa Teil 12

Im Westen der Estancia, wo die Weideflächen fast schon übergingen in die Ausläufer der Anden, fanden sich einige tote Rinder. Zumeist Kühe, die trächtig waren. Ihnen war der Bauch aufgeschnitten, aber man fand nirgendwo die Kälber. Die Kühe verbluteten auf der Weide, und Vögel rißen sich Stücke aus den Gedärmen. Mario zog sich ein Tuch vor den Mund, sprang von seinem Pferd und besah sich die toten Tiere. Hier lebten kaum Menschen. Und die, die hier lebten standen in Lohn und Brot bei seinem Vater. Es ging ihnen gut. Ihre Eltern hatten unter seinen Eltern gearbeitet. Alles hatte seine Ordnung. Keiner von ihnen würde es wagen, seine Rinder zu töten.

Nova Orleans (vormals “Ach, Bankea!” bzw. “Bankea reloaded”)

Bis zum Januar 2016 pflegte ich in unregelmäßigen Abständen eine Webseite mit einem Blogroman. Das Projekt hatte verschiedene Namen (“Ach, Bankea!”, “Bankea reloaded” und “Nova Orleans”). Da ich immer wieder dazu neigte, alles zu überarbeiten, an allen Ecken und Enden weiter zu schreiben, ohne es fertig zu bekommen, erstarb irgendwann das komplett Projekt und wurde…

Misa Teil 11

Sie trug ihr rotes Haar wie ein geschleudertes Meerschweinchen. Die kurzen Haare standen in alle Richtungen, wirkten fest wie die Stachel eines Igels und waren von unterschiedlicher Höhe und Dichte. In ihrem Gesicht zeichnete sich alles ab, von der schlechten Gesellschaft durch ihre Gefährten, bis zu dem Gebrauch aller Substanzen, die zum Vergessen beitragen konnte. Ihr Körper war drahtig und muskulös. Um ihre Arme rankten sich die Adern wie Efeu um einen Baum, und ihre Augen blitzten mich böse an.

Misa

Misa Teil 10

Als sie ihn aus seiner Zelle holten, wirkte er so, als sei aller Widerstand gebrochen. Seine Schultern hingen ihm herab. Er stank wie seine eigenen Ausscheidungen, seine Haare waren verfilzt, sein Körper eingefallen und geschwächt. Sie schleiften ihn fast hinter sich her. Doch nach wie vor lagen ihre Gesichter im Dunkeln, war nicht zu erkennen, wer sich hinter ihnen verbarg, und was der Sinn ihrer Handlungen war. Er gab keinen Laut mehr von sich. Seine Augen blickten stumpf zu Boden, sein Mund war fest verschlossen. Er biss die Zähne aufeinander, sprach kein Wort, knurrte nicht, ja, zischte nicht einmal.

Misa

Misa Teil 9

Zentimeterweise kämpfte er sich weiter. Schritt um Schritt. Wie hypnotisiert hörte er die Wölfe langsam näher kommen. In der Klarheit der kalten Luft konnte er ihre Wärme riechen. Ihren Atem bereits spüren. Sie kreisten ihn ein, das verendende Wild. Sie jagte in der Gruppe. Beneidenswert, dachte er. Ich werde mich in ihrem warmen Blut suhlen. Verdammt. Dachte er. Und zog sich an einem Ast hoch, hangelte sich weiter, stützte sich auf einen Baumstamm, gelangte in eine Lichtung und stand mitten im Sturm. Die Flocken kamen wie ein Teppich über ihn, aber trotzdem erblickte er die Wölfe, wie sie langsam zu ihm kamen. Er umklammerte sein Gewehr, zielte, drehte sich im Kreis, doch wo er sie eben noch gesehen hatte, da war jetzt keine Wölfe mehr. Sie umrundeten ihn. Er versuchte sich zu konzentrieren.

Scroll to top