Misa Teil 19

Amanda war unruhig, Zuckungen liefen durch ihren Körper. Ihr Messer hielt sie vor sich  in einem rechten Winkel. Bereit zu zustechen. Auf was auch immer. Karl und George hielten jeweils einen großen Ast vor sich. Beide waren vornüber gebeugt, und fixierten den Beutel, den Mario zu drehen begann. Wie einen Sack Murmeln leerte er ihn vor sich aus. Die Augen sprangen auf den Boden und suchten ohne zu Zögern verschiedene Richtungen auf. Sie jagten direkt auf uns zu. Ein jeder von uns mußte sich auf eine ganze Horde Augen konzentrierende durch das Grass schoßen. Sie bemühten  sich ganz offensichtlich , sich unsere Blicken zu entziehen. Sie glänzten in der Sonne, aber schon größere Halme machten es schwer sie zu verfolgen. Sie verbargen sich fast dahinter. Ich sah es an den Bewegungen der Gräser, musste aber schnell feststellen, dass ungefähr die Hälfte der Augen, die mir galten, schon verschwunden waren, bevor ich die Taktik richtig verstand. Sie waren clever. Oder gut programmiert. Oder beides.

Misa Teil 18

Und plötzlich sprang ich vor. Und weiß nicht, was mich da geritten hatte. Wie ich auf die verdammte Idee kam. Und dabei sah ich seine feuchten Augen. Nochmal. Ganz nahe. Seinen verwirrten Blick, als er das Gewehr blitzschnell dreht, und mir den Kolben ins Gesicht schlug. Ich hörte etwas krachen, fühlte für eine Moment nichts. Es war als ob mich ein Sturm beiseite fegte. Dann lag ich im Waldboden, spuckte Blut, hörte Bald John stöhnen, und Amanda zu mir rennen. Mario schrie. Und erst in den nächsten Momenten, die mir den Wald wieder brachten, hörte ich seine Worte. „Fesselt ihn. Mit irgendwas, nur fesselt ihn.“

Ich dachte, er meinte mich. Ich wollte mich wehren, aber Amanda drückte mich runter, zeigte mir ihr blutiges Messer und flüsterte mir viel zu nahe ins Ohr: „Danke!“

Misa Teil 17

Die Zentauren betranken sich. Sie trank mit ihnen. Sie lag sturzbetrunken auf der Wiese, starrte und den Himmel, kotzte ins Gras, stand wieder auf, und fluchte.  Sie war stinksauer, sie wurde wütende, sie wollte eine Änderung. Sie schlug einen Ork. Er wehrte sich nicht. Sie trat einem verdammten Troll in den Rücken. Er liess es geschehen. Sie gab einem Zwerg eine Ohrfeige und er lief taumelnd davon. Sie zeigten den Zentauren ihre Brüste. Sie tranken weiter.

Misa Teil 15

Karl war bei jeder Schlacht dabei. Es gab ihm einen Schub. Er wirkte wie ein Fremdkörper inmitten er schmächtigen Jungs aus der Großstadt. Herausragend aus jeder Gruppe, fiel er auf, darum trug er den Helm, eine Pilotenbrille, und das Tuch aus Palästina. Auf dem Rücken seiner Lederjacke hatte er mit weißer Farbe ein Fadenkreuz gemalt.

Darunter stand. „Schieß doch, Bulle!“

Er tanzte die ganze Nacht durch Pogo, trank Bier, spuckte es auf der Straße regelmäßig aus, und ging zurück in den Club. Nach einem Monat hatte er seine erste Freundin. Ein kleines, zerbrechliches Wesen, das am laufenden Band Zigaretten drehte, alles in Frage stellte, und erst in seinen Armen ruhiger wurde. Sie war brüsk, unentschlossen, von daheim fortgelaufen und nannte sich Desaster. Die meisten nannten sie aber Desi. Das machte es einfacher. 

Misa Teil 14

Chrutschtschow war wütend, die Fronten verhärtet, und in einigen Geheimdienstkreisen gingen die wildesten Gerüchte herum. Auch Amanda, die die meiste Zeit in einem Cafe an der Champs-Élysées verbrachte, hatte davon gehört. Sie beobachtete das Kommen und Gehen der Reporter, schlug die Beine übereinander, und machte sich hin und wieder eine Notizen. Die Begleitung der sowjetischen Delegation hatte es tagsüber vorgezogen, Paris zu erkunden. Nun saßen sie unweit von Amanda, lasen das Menu und betrachteten den Verkehr.

Misa Teil 11

Sie trug ihr rotes Haar wie ein geschleudertes Meerschweinchen. Die kurzen Haare standen in alle Richtungen, wirkten fest wie die Stachel eines Igels und waren von unterschiedlicher Höhe und Dichte. In ihrem Gesicht zeichnete sich alles ab, von der schlechten Gesellschaft durch ihre Gefährten, bis zu dem Gebrauch aller Substanzen, die zum Vergessen beitragen konnte. Ihr Körper war drahtig und muskulös. Um ihre Arme rankten sich die Adern wie Efeu um einen Baum, und ihre Augen blitzten mich böse an.

Scroll to top