Misa Teil 11

Sie trug ihr rotes Haar wie ein geschleudertes Meerschweinchen. Die kurzen Haare standen in alle Richtungen, wirkten fest wie die Stachel eines Igels und waren von unterschiedlicher Höhe und Dichte. In ihrem Gesicht zeichnete sich alles ab, von der schlechten Gesellschaft durch ihre Gefährten, bis zu dem Gebrauch aller Substanzen, die zum Vergessen beitragen konnte. Ihr Körper war drahtig und muskulös. Um ihre Arme rankten sich die Adern wie Efeu um einen Baum, und ihre Augen blitzten mich böse an.

Misa

Misa Teil 10

Als sie ihn aus seiner Zelle holten, wirkte er so, als sei aller Widerstand gebrochen. Seine Schultern hingen ihm herab. Er stank wie seine eigenen Ausscheidungen, seine Haare waren verfilzt, sein Körper eingefallen und geschwächt. Sie schleiften ihn fast hinter sich her. Doch nach wie vor lagen ihre Gesichter im Dunkeln, war nicht zu erkennen, wer sich hinter ihnen verbarg, und was der Sinn ihrer Handlungen war. Er gab keinen Laut mehr von sich. Seine Augen blickten stumpf zu Boden, sein Mund war fest verschlossen. Er biss die Zähne aufeinander, sprach kein Wort, knurrte nicht, ja, zischte nicht einmal.

Misa

Misa Teil 9

Zentimeterweise kämpfte er sich weiter. Schritt um Schritt. Wie hypnotisiert hörte er die Wölfe langsam näher kommen. In der Klarheit der kalten Luft konnte er ihre Wärme riechen. Ihren Atem bereits spüren. Sie kreisten ihn ein, das verendende Wild. Sie jagte in der Gruppe. Beneidenswert, dachte er. Ich werde mich in ihrem warmen Blut suhlen. Verdammt. Dachte er. Und zog sich an einem Ast hoch, hangelte sich weiter, stützte sich auf einen Baumstamm, gelangte in eine Lichtung und stand mitten im Sturm. Die Flocken kamen wie ein Teppich über ihn, aber trotzdem erblickte er die Wölfe, wie sie langsam zu ihm kamen. Er umklammerte sein Gewehr, zielte, drehte sich im Kreis, doch wo er sie eben noch gesehen hatte, da war jetzt keine Wölfe mehr. Sie umrundeten ihn. Er versuchte sich zu konzentrieren.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 7)

Dort, wo sie zuvor gewesen war, erstreckte sich nun wiederum der Park bis zu einem vermeintlichen Horizont. Und vermutlich, davon ging ich aus, war dahinter wieder nur Park, und egal wohin ich mich wenden konnte, war nur Park. Mit denselben Bewohnern, überall, die ihrem Müßiggang frönten. Zentauren, die taumelten, als hätten sie ihr Gehirn in Wein gebadet, Zwerge, die mich angrinsten und mir winkten, und Elfen verschiedener Größen, die einfach sinnlos herumflogen. Nur die Orks und Trolle waren andauernd am Spielen. Selbst federballspielende Orks waren zu erkennen. Die Trolle humpelten der Frisbeescheibe hinterher, oder versuchten sich in anderen Sportarten.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 6)

Er sah nach fleißiger Arbeit, sauberer Moral und vorbildhaftem Lebenslauf aus. Es war wahrlich kein Wunder, das ich ihn ausgesucht hatte. Neben ihm lag eine Proviantbüchse, eine obligatorische Pfeife, in der der Tabak noch glühte und eine umgekippte Flasche Wein. Seine Nase hatte einen leicht rötlichen und glänzenden Teint, wie man es öfters bei Alkoholikern sah, und auch das Weiß seiner Augen hatte etwas gelbe Farbe angenommen. Näher betrachtet war er alles andere als ein gütiger Opa. Zu gut gelebt, zu viel gesoffen, reif für alles, was nun kommen sollte.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 4)

Mir wurde schwindlig, da ich dem Geschehen nicht glauben wollte. Dieses war entweder ein fiebriger Traum oder, so beschlich mich das Gefühl, hier erlaubte sich jemand einen bösen Streich. So sehr einige Erklärungen möglich waren, so wenig konnte ich  fassen, was ich hier sah.  Der Mann, der ganz offensichtlich aus Fleisch und Blut, und noch immer in einer eigenartigen Diskussion mit den beiden Wächtern verwickelt war, war seit tausenden von Jahren tot. Es sahen ihn so viele Menschen sterben, dass er sich unmöglich hier befinden konnte.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 3)

Gerechnet an meinem Bartwuchs dauerte es Monate, die wir im Bauch des lebenden Schiffes verbrachten. Wir konnten uns nicht selbst begutachten, aber ich nannte Bengal schon scherzhaft „Freitag“ und mich selbst „Robinson“. Meine Untätigkeit und die Begrenztheit unserer gemeinsamen Zelle führten mich zu Selbstgesprächen und fortwährenden Beleidigungen meiner Person.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 2)

(Ausnahmsweise ist dieser Anfang etwas länger als die bisherigen, und daher in zwei, vielleicht auch mehr Kapitel aufgeteilt. Sorry, aber ich wollte ein bißchen experimentieren. Aber es wird ein Anfang bleiben, keine Sorge) Es war die Analogie, die bestechend die Geschichte der irdischen Handelswege nach spielte. Wir waren die Meuterer, das waren die Piraten. Grobschlächtige,…

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