Misa

Misa Teil 24

In der Folge rief er mit einem grazilen Fingerschnippen einige seiner Jünger zu sich, denen er die Anweisung gab, uns mit zu nehmen. Sie waren dabei nicht zimperlich, und fassten uns mit harten Griffen an den Armen, um uns mit sich zu führen. Wir wehrten uns, doch überraschenderweise fanden wir uns beim kleinsten Zeichen von Widerstand, in einem unüberschaubaren Tumult, und noch mehr von diesen weißbefrackten Mitläufern stürzten auf uns ein, ergriffen uns, drehten uns die Arme auf den Rücken, zogen den Kopf zurück, rissen an den Haaren, und hieben von allen Seiten auf uns ein, als müssten sie einem unverständlichen Hass freien Lauf lassen. Das schien ihnen zu gefallen. Warum auch immer. Sie zerrten und rissen uns mit sich. George schleiften sie gar auf seinem Rücken aus dem Raum, während Amanda ihren Widerstand schnell aufgab und bereitwillig mit ihnen ging.  Ich hasste sie auch alle. Sofort. In diesem Moment.

Misa

Misa Teil 22

„Nein, mitnichten, überhaupt nicht. Aber du darfst auch hier nicht davon ausgehen, dass du irgendetwas machst, dass sie nicht wissen. Du bist ein Sklave. Wir wissen das, und du bist noch nicht lange genug da. Sklave heißt, nichts von dem, was hier geschieht, auf deinem freien Willen basiert. Das ist ein Hamsterkäfig, ein Experiment. Du kannst nicht sterben, das ist das Problem. Damit haben sie dich. Schwer zu verstehen?“

Misa

Misa Teil 21

Wir waren nackt. Keine Kunstfasern hingen an uns. Recycling und der Kompostierung unserer fleischlichen Hüllen hätte also nichts im Wege gestanden. Ich fand es ausgesprochen bedauerlich, Amanda und George in einer überwindbaren Entfernung nackt zu wissen. Und gleichzeitig zu ahnen, wie wir in Kürze gemeinsam, in tausend Fetzten gerissen irgendwo herumliegen würden. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Zustand der Nacktheit zu anderen Optionen führen hätte können.

Misa Teil 19

Amanda war unruhig, Zuckungen liefen durch ihren Körper. Ihr Messer hielt sie vor sich  in einem rechten Winkel. Bereit zu zustechen. Auf was auch immer. Karl und George hielten jeweils einen großen Ast vor sich. Beide waren vornüber gebeugt, und fixierten den Beutel, den Mario zu drehen begann. Wie einen Sack Murmeln leerte er ihn vor sich aus. Die Augen sprangen auf den Boden und suchten ohne zu Zögern verschiedene Richtungen auf. Sie jagten direkt auf uns zu. Ein jeder von uns mußte sich auf eine ganze Horde Augen konzentrierende durch das Grass schoßen. Sie bemühten  sich ganz offensichtlich , sich unsere Blicken zu entziehen. Sie glänzten in der Sonne, aber schon größere Halme machten es schwer sie zu verfolgen. Sie verbargen sich fast dahinter. Ich sah es an den Bewegungen der Gräser, musste aber schnell feststellen, dass ungefähr die Hälfte der Augen, die mir galten, schon verschwunden waren, bevor ich die Taktik richtig verstand. Sie waren clever. Oder gut programmiert. Oder beides.

Misa Teil 18

Und plötzlich sprang ich vor. Und weiß nicht, was mich da geritten hatte. Wie ich auf die verdammte Idee kam. Und dabei sah ich seine feuchten Augen. Nochmal. Ganz nahe. Seinen verwirrten Blick, als er das Gewehr blitzschnell dreht, und mir den Kolben ins Gesicht schlug. Ich hörte etwas krachen, fühlte für eine Moment nichts. Es war als ob mich ein Sturm beiseite fegte. Dann lag ich im Waldboden, spuckte Blut, hörte Bald John stöhnen, und Amanda zu mir rennen. Mario schrie. Und erst in den nächsten Momenten, die mir den Wald wieder brachten, hörte ich seine Worte. „Fesselt ihn. Mit irgendwas, nur fesselt ihn.“

Ich dachte, er meinte mich. Ich wollte mich wehren, aber Amanda drückte mich runter, zeigte mir ihr blutiges Messer und flüsterte mir viel zu nahe ins Ohr: „Danke!“

Misa Teil 17

Die Zentauren betranken sich. Sie trank mit ihnen. Sie lag sturzbetrunken auf der Wiese, starrte und den Himmel, kotzte ins Gras, stand wieder auf, und fluchte.  Sie war stinksauer, sie wurde wütende, sie wollte eine Änderung. Sie schlug einen Ork. Er wehrte sich nicht. Sie trat einem verdammten Troll in den Rücken. Er liess es geschehen. Sie gab einem Zwerg eine Ohrfeige und er lief taumelnd davon. Sie zeigten den Zentauren ihre Brüste. Sie tranken weiter.

Misa Teil 16

Sie fühlte die Waffe in ihrer Tasche, und es kam ihr vor, als ob sich ihre Haltung geändert hatte. Die Waffe wurde zum Mittelpunkt ihrer Gedanken. Alles drehte sich um sie. Sie spielte den Abend durch. Sie wollte sie wegschmeißen, sie behielt sie bei sich. Spätestens morgen, dachte sie, würden die Zeitungen über den Mord in der Champs-Elyse berichten. Sie zu beschreiben fiel den anderen Gästen sicherlich leicht.

Misa Teil 14

Chrutschtschow war wütend, die Fronten verhärtet, und in einigen Geheimdienstkreisen gingen die wildesten Gerüchte herum. Auch Amanda, die die meiste Zeit in einem Cafe an der Champs-Élysées verbrachte, hatte davon gehört. Sie beobachtete das Kommen und Gehen der Reporter, schlug die Beine übereinander, und machte sich hin und wieder eine Notizen. Die Begleitung der sowjetischen Delegation hatte es tagsüber vorgezogen, Paris zu erkunden. Nun saßen sie unweit von Amanda, lasen das Menu und betrachteten den Verkehr.

Misa Teil 13

Und wieder griff sich Karl eine Elfe, drehte ihr den Kopf um, riss ihr die Flüge aus, quetschte die Augen in Georges Beutel und schmiss den erschlaffenden Körper nach hinten. Ich wich ihr aus. Amanda sah mich kurz an, strahlte, wischte sich den Schweiß von der Stirn und stürzte sich schreiend auf eine Gruppe Zentauren. Sie sprang dem Anführer, einem großen, edlen Burschen mit wallender Mähne, auf den Rücken, griff in sein Haar, und zog im das Messer über die Kehle. George rannte herbei, stellte sich unter den Kopf und fing abermals die Augen auf. Der Zentaure sank zu Boden. Sie schienen Spaß zu haben. Alle zusammen.

Misa Teil 12

Im Westen der Estancia, wo die Weideflächen fast schon übergingen in die Ausläufer der Anden, fanden sich einige tote Rinder. Zumeist Kühe, die trächtig waren. Ihnen war der Bauch aufgeschnitten, aber man fand nirgendwo die Kälber. Die Kühe verbluteten auf der Weide, und Vögel rißen sich Stücke aus den Gedärmen. Mario zog sich ein Tuch vor den Mund, sprang von seinem Pferd und besah sich die toten Tiere. Hier lebten kaum Menschen. Und die, die hier lebten standen in Lohn und Brot bei seinem Vater. Es ging ihnen gut. Ihre Eltern hatten unter seinen Eltern gearbeitet. Alles hatte seine Ordnung. Keiner von ihnen würde es wagen, seine Rinder zu töten.

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