Misa

Misa Teil 26

Es gilt zu bedenken, dass ich keinen Widerstand leistete. Ich ging gefügig mit, folgte ihnen wie ein vertrotteltes Schaf und dennoch behandelten sie mich, als würde ich gerade eine Rebellion anzetteln. Und ich schwor mir, sollte ich jemals die Chance haben, dann würde ich genau das tun. Unter Folterern mag es verschiedene Philosophien geben. Vielleicht wussten sie tatsächlich, wie man mich oder andere Wesen brechen konnte. Durchaus möglich. Ich kenne mich dabei nicht so aus. Ich fühlte nur eine heiße Wut in mir aufsteigen, die sich über alles legte und mein Denken mehr und mehr verkleisterte. Ich biß die Zähne so stark zusammen, ich schmeckte mein eigenes Blut. Ich gönnte ihnen keinen Ton von mir. Selbst mein Stöhnen äußerte sich in einem Biss, der mir fast die Zunge gekostete hätte. Ich spürte nie zuvor so einen Widerstand in mir, wie in diesen Momenten, in denen sie keinen in mir vermuteten und mich dennoch brechen wollte.

Misa Teil 25

Im Hintergrund jedoch, im Container der Trolle, drehte sich langsam einer von den Burschen um, zeigte lachend sein Gebiss und streckte uns genüsslich seinen Mittelfinger entgegen. Ich deutete irritiert auf meine Brust, und der Troll nickte langsam. Behielt die Pose aber bei.

Ich kannte den Burschen gar nicht.

Misa

Misa Teil 24

In der Folge rief er mit einem grazilen Fingerschnippen einige seiner Jünger zu sich, denen er die Anweisung gab, uns mit zu nehmen. Sie waren dabei nicht zimperlich, und fassten uns mit harten Griffen an den Armen, um uns mit sich zu führen. Wir wehrten uns, doch überraschenderweise fanden wir uns beim kleinsten Zeichen von Widerstand, in einem unüberschaubaren Tumult, und noch mehr von diesen weißbefrackten Mitläufern stürzten auf uns ein, ergriffen uns, drehten uns die Arme auf den Rücken, zogen den Kopf zurück, rissen an den Haaren, und hieben von allen Seiten auf uns ein, als müssten sie einem unverständlichen Hass freien Lauf lassen. Das schien ihnen zu gefallen. Warum auch immer. Sie zerrten und rissen uns mit sich. George schleiften sie gar auf seinem Rücken aus dem Raum, während Amanda ihren Widerstand schnell aufgab und bereitwillig mit ihnen ging.  Ich hasste sie auch alle. Sofort. In diesem Moment.

Misa

Misa Teil 23

Auch ich sah an mir hinab, und dachte, dass ich über gewisse Dinge gar nicht nachdenken sollte. Ich hätte mir Kleider gewünscht. Ich war Vorkoster. Mein Körper war alles andere als ein Tempel und schwankte zwischen Diäten und anderen Extremen. Es gab Dinge, die an mir ganz gut aussahen, aber mit Kleidung hätten sie besser gewirkt. Eine Notsituation, dachte ich. Wir sind auf einem unbekannten Planeten. Rituale, eingehen auf die Bedingungen, Anpassen, Versuchen Kontakt zu Menschen zu bekommen, an dem Kontakt festhalten. Ich hatte das Briefing für solche Situation erhalten. Ich konnte es vor mich herbeten. Ich machte alles richtig. Ich trat in die Schwärze und hatte das Gefühl darin zu versinken, so sehr umgab sie mich. Ich bekam für einen Moment keine Luft mehr, weil ich dachte, ich sei eingeschlossen.

Misa

Misa Teil 22

„Nein, mitnichten, überhaupt nicht. Aber du darfst auch hier nicht davon ausgehen, dass du irgendetwas machst, dass sie nicht wissen. Du bist ein Sklave. Wir wissen das, und du bist noch nicht lange genug da. Sklave heißt, nichts von dem, was hier geschieht, auf deinem freien Willen basiert. Das ist ein Hamsterkäfig, ein Experiment. Du kannst nicht sterben, das ist das Problem. Damit haben sie dich. Schwer zu verstehen?“

Misa

Misa Teil 21

Wir waren nackt. Keine Kunstfasern hingen an uns. Recycling und der Kompostierung unserer fleischlichen Hüllen hätte also nichts im Wege gestanden. Ich fand es ausgesprochen bedauerlich, Amanda und George in einer überwindbaren Entfernung nackt zu wissen. Und gleichzeitig zu ahnen, wie wir in Kürze gemeinsam, in tausend Fetzten gerissen irgendwo herumliegen würden. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Zustand der Nacktheit zu anderen Optionen führen hätte können.

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