Misa

Misa Teil 26

Es gilt zu bedenken, dass ich keinen Widerstand leistete. Ich ging gefügig mit, folgte ihnen wie ein vertrotteltes Schaf und dennoch behandelten sie mich, als würde ich gerade eine Rebellion anzetteln. Und ich schwor mir, sollte ich jemals die Chance haben, dann würde ich genau das tun. Unter Folterern mag es verschiedene Philosophien geben. Vielleicht wussten sie tatsächlich, wie man mich oder andere Wesen brechen konnte. Durchaus möglich. Ich kenne mich dabei nicht so aus. Ich fühlte nur eine heiße Wut in mir aufsteigen, die sich über alles legte und mein Denken mehr und mehr verkleisterte. Ich biß die Zähne so stark zusammen, ich schmeckte mein eigenes Blut. Ich gönnte ihnen keinen Ton von mir. Selbst mein Stöhnen äußerte sich in einem Biss, der mir fast die Zunge gekostete hätte. Ich spürte nie zuvor so einen Widerstand in mir, wie in diesen Momenten, in denen sie keinen in mir vermuteten und mich dennoch brechen wollte.

Misa Teil 18

Und plötzlich sprang ich vor. Und weiß nicht, was mich da geritten hatte. Wie ich auf die verdammte Idee kam. Und dabei sah ich seine feuchten Augen. Nochmal. Ganz nahe. Seinen verwirrten Blick, als er das Gewehr blitzschnell dreht, und mir den Kolben ins Gesicht schlug. Ich hörte etwas krachen, fühlte für eine Moment nichts. Es war als ob mich ein Sturm beiseite fegte. Dann lag ich im Waldboden, spuckte Blut, hörte Bald John stöhnen, und Amanda zu mir rennen. Mario schrie. Und erst in den nächsten Momenten, die mir den Wald wieder brachten, hörte ich seine Worte. „Fesselt ihn. Mit irgendwas, nur fesselt ihn.“

Ich dachte, er meinte mich. Ich wollte mich wehren, aber Amanda drückte mich runter, zeigte mir ihr blutiges Messer und flüsterte mir viel zu nahe ins Ohr: „Danke!“

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