Misa

Misa Teil 24

In der Folge rief er mit einem grazilen Fingerschnippen einige seiner Jünger zu sich, denen er die Anweisung gab, uns mit zu nehmen. Sie waren dabei nicht zimperlich, und fassten uns mit harten Griffen an den Armen, um uns mit sich zu führen. Wir wehrten uns, doch überraschenderweise fanden wir uns beim kleinsten Zeichen von Widerstand, in einem unüberschaubaren Tumult, und noch mehr von diesen weißbefrackten Mitläufern stürzten auf uns ein, ergriffen uns, drehten uns die Arme auf den Rücken, zogen den Kopf zurück, rissen an den Haaren, und hieben von allen Seiten auf uns ein, als müssten sie einem unverständlichen Hass freien Lauf lassen. Das schien ihnen zu gefallen. Warum auch immer. Sie zerrten und rissen uns mit sich. George schleiften sie gar auf seinem Rücken aus dem Raum, während Amanda ihren Widerstand schnell aufgab und bereitwillig mit ihnen ging.  Ich hasste sie auch alle. Sofort. In diesem Moment.

Misa

Misa Teil 23

Auch ich sah an mir hinab, und dachte, dass ich über gewisse Dinge gar nicht nachdenken sollte. Ich hätte mir Kleider gewünscht. Ich war Vorkoster. Mein Körper war alles andere als ein Tempel und schwankte zwischen Diäten und anderen Extremen. Es gab Dinge, die an mir ganz gut aussahen, aber mit Kleidung hätten sie besser gewirkt. Eine Notsituation, dachte ich. Wir sind auf einem unbekannten Planeten. Rituale, eingehen auf die Bedingungen, Anpassen, Versuchen Kontakt zu Menschen zu bekommen, an dem Kontakt festhalten. Ich hatte das Briefing für solche Situation erhalten. Ich konnte es vor mich herbeten. Ich machte alles richtig. Ich trat in die Schwärze und hatte das Gefühl darin zu versinken, so sehr umgab sie mich. Ich bekam für einen Moment keine Luft mehr, weil ich dachte, ich sei eingeschlossen.

Misa Teil 20

22.Februar 1778. Mannheim. George stand vor dem trockenen Brunnen des Paradeplatzes und schaute sinnierend drauf. Im diesem Winter hatte sich eine dünne Eisschicht auf dem Boden der Brunnen gebildet. Es war trotzdem ersichtlich, dass diese Brunnen nur das Regenwasser sammelte. Und selbst keinen Wasserlauf hatte. Die Eisschicht war wellig, gebrochen und x-fach zersplittert. Kinder warfen…

Misa Teil 18

Und plötzlich sprang ich vor. Und weiß nicht, was mich da geritten hatte. Wie ich auf die verdammte Idee kam. Und dabei sah ich seine feuchten Augen. Nochmal. Ganz nahe. Seinen verwirrten Blick, als er das Gewehr blitzschnell dreht, und mir den Kolben ins Gesicht schlug. Ich hörte etwas krachen, fühlte für eine Moment nichts. Es war als ob mich ein Sturm beiseite fegte. Dann lag ich im Waldboden, spuckte Blut, hörte Bald John stöhnen, und Amanda zu mir rennen. Mario schrie. Und erst in den nächsten Momenten, die mir den Wald wieder brachten, hörte ich seine Worte. „Fesselt ihn. Mit irgendwas, nur fesselt ihn.“

Ich dachte, er meinte mich. Ich wollte mich wehren, aber Amanda drückte mich runter, zeigte mir ihr blutiges Messer und flüsterte mir viel zu nahe ins Ohr: „Danke!“

Misa Teil 17

Die Zentauren betranken sich. Sie trank mit ihnen. Sie lag sturzbetrunken auf der Wiese, starrte und den Himmel, kotzte ins Gras, stand wieder auf, und fluchte.  Sie war stinksauer, sie wurde wütende, sie wollte eine Änderung. Sie schlug einen Ork. Er wehrte sich nicht. Sie trat einem verdammten Troll in den Rücken. Er liess es geschehen. Sie gab einem Zwerg eine Ohrfeige und er lief taumelnd davon. Sie zeigten den Zentauren ihre Brüste. Sie tranken weiter.

Misa

Misa Teil 10

Als sie ihn aus seiner Zelle holten, wirkte er so, als sei aller Widerstand gebrochen. Seine Schultern hingen ihm herab. Er stank wie seine eigenen Ausscheidungen, seine Haare waren verfilzt, sein Körper eingefallen und geschwächt. Sie schleiften ihn fast hinter sich her. Doch nach wie vor lagen ihre Gesichter im Dunkeln, war nicht zu erkennen, wer sich hinter ihnen verbarg, und was der Sinn ihrer Handlungen war. Er gab keinen Laut mehr von sich. Seine Augen blickten stumpf zu Boden, sein Mund war fest verschlossen. Er biss die Zähne aufeinander, sprach kein Wort, knurrte nicht, ja, zischte nicht einmal.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 7)

Dort, wo sie zuvor gewesen war, erstreckte sich nun wiederum der Park bis zu einem vermeintlichen Horizont. Und vermutlich, davon ging ich aus, war dahinter wieder nur Park, und egal wohin ich mich wenden konnte, war nur Park. Mit denselben Bewohnern, überall, die ihrem Müßiggang frönten. Zentauren, die taumelten, als hätten sie ihr Gehirn in Wein gebadet, Zwerge, die mich angrinsten und mir winkten, und Elfen verschiedener Größen, die einfach sinnlos herumflogen. Nur die Orks und Trolle waren andauernd am Spielen. Selbst federballspielende Orks waren zu erkennen. Die Trolle humpelten der Frisbeescheibe hinterher, oder versuchten sich in anderen Sportarten.

Misa (Anfang 63 v. 300 – Teil 6)

Er sah nach fleißiger Arbeit, sauberer Moral und vorbildhaftem Lebenslauf aus. Es war wahrlich kein Wunder, das ich ihn ausgesucht hatte. Neben ihm lag eine Proviantbüchse, eine obligatorische Pfeife, in der der Tabak noch glühte und eine umgekippte Flasche Wein. Seine Nase hatte einen leicht rötlichen und glänzenden Teint, wie man es öfters bei Alkoholikern sah, und auch das Weiß seiner Augen hatte etwas gelbe Farbe angenommen. Näher betrachtet war er alles andere als ein gütiger Opa. Zu gut gelebt, zu viel gesoffen, reif für alles, was nun kommen sollte.

Scroll to top