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Literatur

Müssen wir über Bücher schreiben?

Buchblogs üben eine geheime Faszination auf mich aus. Zugegeben. Aber ich betrachte sie von außen. Die Frequenz eines Buchblogs bekomme ich nicht hin. So schreibe ich nicht. Auch lese ich nicht so viele Bücher. Ich besitze weit mehr Bücher, als ich wahrscheinlich in drei Jahren lesen werde. Sowas nennt man, habe ich mit bekommen, SUB – Stapel ungelesener Bücher. Dieser füllt bei mir Regale, liegt auf Tischen, neben dem Bett, überall wo Platz ist. Der Hunger nach Bücher bleibt, das Interesse ist größer als das Vermögen an Zeit.

Aber reden wir Rezensionen. Als ich vor einiger Zeit anfing Rezensionen zu schreiben, war das Internet noch nicht wichtig, und alles, was man so veröffentlichte, musste seinen Weg in die Printmedien finden. Anders ging es nicht. Zeitschriften tauchten auf, vergingen, wurden Altpapier, verschwanden. Ungefähr in diesem Zeitraum veröffentlichte ich meine ersten Buchkritiken. Meisten sehr lange, ausführliche Statements, mit einem großen Teil Handlungsbeschreibungen, Informationen zu den Autor*innen, und meinen persönlichen Eindruck. Ich schrieb sehr subjektiv, einseitig, schnoddrig und schnell.

Später verlegte ich diese Tätigkeit ins Internet. Zumeist auf Seiten, die eine krude Mischung aus Fan- und Egozine waren. Auch da, eine rudimentäre Beschreibung der Handlung, angedeutete Highlights, subjektiver Eindruck und dazwischen ein paar Anekdoten aus dem Leben der Schreibenden. Also, um Wissen vor zu täuschen, den Eindruck einer Recherche zu erwecken und den Lesenden etwas zu bieten.

Nun, viele Jahre später, mit schütterem Haar, stelle ich fest, dass ich keine Lust mehr habe, irgendwas über die Handlung zu schreiben (Klicke doch einen Link an!), auch die Anekdoten zu den Verfasser*innen kommen mir komisch vor (Klicke doch einen Link an!) und ich könnte Bücher heute mit einem Bündel Sätze abhandeln. Für die Schnellleser*innen, die zackig zum Ziel kommen wollen.

Amazon überspült mich so sehr mit Rezensionen, die wie wild über das Buch spoilern, SPON erzählt alles nach und interpretiert es gleich seitenweise und jeder verhält sich noch so, als lägen nicht alle Informationen seitenweise überall vor. Dabei ist es doch so: Während wir früher die Kataloge der Verlage sammelten, durch lasen und unsere Leseliste daraus abschrieben, hat jedes herausgebende Haus seine Webseite, seinen Newsletter, seinen Blog und bemustert fröhlich Influencer*innen. Buchinhalte liegen uns so schnell vor, wie niemals zuvor. Eine Suchabfrage in Google führt uns zu Wikipedia, wo sich der komplette Film, das komplette Buch, das Spiel bis zum letzten Level und die umfangreiche Serie als Transkript findet.

Wie ermüdend. Was ist bloss mit uns los, dass es uns nicht reicht, wenn eine vertrauensvolle Stimme raunt: Du, das gefiel mir jetzt gar nicht, das war zu gewalttätig, eine zu große Schmonzette oder schlicht zu langweilig..

Schön, wenn es begründet wird. Fantastisch, wenn jemand wortreich erklärt, warum er/sie „die filigrane Sprache, die ein zerbrechliches Beziehungsgeflecht beschreibt“ erfrischend anders findet, „weil sie sich nicht dem beliebten Slang bedient„.

`nuff said.

Das wäre für ein Kaufanreiz, weil alles, was ich jetzt noch wissen muss, das erzählt mir der Verlag , oder zwei Drittel der Amazon-Rezensionen, die ich sowieso nicht mehr lese.

Schlimm, das. Darum verspreche ich: Ich neige dazu, alles und jedes zu empfehlen, aber wenn ihr die Inhalte wollt, dann schaut die Trailer, lest das andere Zeugs (klicke doch einfach auf den Link!), aber geniesst von mir die wenigen, subjektiven Worte. Denn die sind ernst gemeint!