Tonspur Nr. 37: Codamine – Codamine/ Ghosts,too…/ Last Exit



Codamine – Codamine (2003)
- Black Spirit Motel
- Solitaire
- Around the Bonfire
- Hail
- Haven
- The Book of Fence
- Cloudbuzz
- #_1
- Low
- Coalpot
- Neon Highway
Codamine – Ghosts, too… (2006)
- Myself in brackets
- Sunset
- Solitaire
- Too
- Cloudbuzz
- Spiderwebs
- Anvil
- Low
- Hail
- Hell are the others
- The Book of Fence
- Tidewater
- Stumblesong (Bonustrack)
Codamine – Last,exit… (2006)
- Shadowboxer
- Baby can I hold you tonight
- Song for the lonesome
Die Geschichte der Karlsruher Band Codamine (2002-2006 ) war angefüllt mit guten Rezensionen, viel Lob, aber währte dann doch nur eine Handvoll Jahre. Und in diesen brachten sie eine kleine, erinnerungswürdige Diskografie ans Licht.
Mit aller Kraft arbeiteten sie an der Verlangsamung der Popmusik und schufen damit auf einem breiten Nebenstrom etwas, das immer noch funktionieren will. So wurde kurz nach dem Jahrtausendwechsel etwas kreiert, dass sich wie eine schillernde Raupe nach oben kämpft und vergessen macht, das in all der Zeit sich die Welt x-mal gedreht hat, manches von unten nach oben gestülpt wurde und eine komplette neue Generation die Musik beherrschen will.
Ein schleppendes, schlurfendes Schlagzeug, das abwägend einen Beat vorgibt, eine Stimme, die verharrend die Atmosphäre dehnen möchte und spartanisches Spiel aller weiteren Instrumente – als ob sie sich die Wertigkeit ihres Einsatzes überlegen – gibt der Musik eine verruchte Trägheit, die zur längeren Betrachtung einlädt.
Auf ihrem einleitenden Live-Album „Codamin“ – im Sommer und Dezember 2002 im Substage aufgenommen – präsentierten sie schon ein bündiges Konzept, das sich beharrlich weigerte den Trend zur Beschleunigung mitzumachen. Wunderschöner Starrsinn, der die einzelnen Passagen hervorhebt, einfach mal hergeht und alles zerlegt, um der Dehnung ihren Raum zu geben. Fast schon Kammermusikalisch im Ergebnis, aber vor allem gezeugt aus dem trüben Folk und dem Weg, den die voraus gegangen sind, die in Kirchen und versoffenen Bars das Ende und den Anfang des Lebens besangen. Egal in welcher Reihenfolge.
Verpasst haben wir sie wahrscheinlich alle, trotzdem macht es Sinn, nochmal danach zu graben. Codamin gaben dem Nebeltag eine Schönheit, die sie in lyrischen Kompositionen komprimierten. Dabei opferten sie alles der Melancholie, gingen keine Kompromisse ein und riskieren den verwunderten Blick, ob die Platte nicht zu langsam läuft. Ausgeklügelte Handwerk, das sich eher am Verzicht als an der Überfrachtung probierte.
Sie sind dafür zu loben, dass sie dem Zeitgeist eine lange Nase gezeigt hatte, und heute schwer einzuordnen sind. In einer Welt in der Lambchop, Tindersticks und Slowcore/Emo-Gruppen um die Verminderung der Geschwindigkeit wetteifern, hätten sie einen der vorderen Ränge belegt und wären in den Topf gekommen, den wir brauchen, um wieder die Ruhe zu geniessen.
Schönes, raues Material für die schlaflosen Nächten und andere Momente mit geschlossenen Augen.
Man möchte den Suchenden ein gutes Händchen wünschen, und den Alben eine Neuauflage.


