Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026

Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026

Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026
Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026

Vom Ambiente kommt das BIX einem historischen Jazzclub wahrscheinlich am Nähesten. Ausgestattet mit Tischen und einer Bar bietet es für eine überschaubare Anzahl Gäste (vermutlich 60-100, aber es gibt auch noch Stehplätze am Rand) Platz. Die Gastronomie offeriert eine kleine, aber durchaus exquisite Speisekarte, und die Getränkeauswahl ist erschöpfend. Eine Stunde vor dem Konzert und während des Abends wuseln Bedienungen durch die Reihen, die Plätze werden gewechselt und unglaublich beeindruckende Musiker brillieren mit großartigem Material.

So ungefähr muss man sich das vorstellen. Dass das Klaus Wagenleiter Trio mit seinen versierten und bekannten Drei hier zu Gast war entsprach schon einer gewissen Logik, denn schaut man sich die Namen der nächsten Acts auf der Vorschau an, so begegnet man dem Veranstaltungsort mit einem gewissen Respekt. Eigentlich kommen da alle hin, von denen man schon mal gehört hat. Alle, die man eben genau in einer solchen Kulisse sehen will. Vorne, vor dem Eingang im Bohnenviertel – direkt gegenüber einer Kirche – gibt es noch eine Art beschirmter Biergarten, so dass man die Zeit vor dem Auftritt hier verbringen kann. Die Sitzplätze vor der Bühne sind sowieso reserviert.

Sandie Wollasch war ursprünglich mit dem Klaus Wagenleiter Trio angekündigt. Leider ist in der letzten Woche, nach langer Krankheit, ihr Vater – der bekannte Musiker Jochen Wollasch – verstorben, daher begleitete das Trio und Klaus Graf nicht nur Sandrine Neye, sondern auch Vivien Zippert.

Es sind die Kombinationen, die Jazzkonzerte zu etwas außergewöhnlichem machen. Das Zusammenspiel, die Improvisationen, aber auch das gegenseitige Eingehen auf die einzelnen Parts und das Können der Beteiligten.

Mit Sandrine Neye wurde das Trio, sowie Klaus Graf am Saxophon, um eine weiche, beachtliche Soul- und Jazzstimme ergänzt, die schon bei einigen Auftritten von Sandie Wollasch glänzen durfte. Sie gehört mit ihrer außergewöhnlichen Interpretation einiger Klassiker, aber auch dem einen oder anderen Werk von Sandie selbst, zu jenen Namen, die man sich merken darf, denn ihre Art der Darbietung erscheint mühelos und ausdrucksstark zugleich, deckt aber ein Spektrum ab, das Staunen macht. Ohne Zweifel eine der Stimmen, die in den nächsten Jahren noch auf einigen Plakaten zu finden sein wird. 

Die Musiker um Klaus Wagenleiter, sowie der Pianist selber, sind wohlbekannt, in ihren Solis bemerkenswert, versiert fehlerfrei und in der Spielweise von einer warmherzigen Freude begleitete. Das Fehlen von Sandie war – ohne Zweifel – immer im Raum, auch wenn Vivien Zippert mit leidenschaftlicher Stimme im Dialog mit Klaus Graf sang, scattete und begeistern konnte. 

Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026
Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026

Die Stärke des Abends waren die nahtlosen Übergänge, das Einfließen der Klassiker, der Eigenkompositionen, sowie die Fähigkeiten aus bekannten Stücken neue Varianten zu entlocken und, vor allem aber die Persönlichkeiten und Klangfarben der InterpretInnen, die es schafften, den Abend zu einer Entdeckung und Gewinn zu machen, auch wenn man die Abwesenheit von Sandie Wollasch bedauerte. 

Für ihre Familie und Sie selbst möchte ich alles Mitgefühl ausdrücken. Für Jochen Wollasch, dem ich viel zu spät persönlich begegnet bin, mein Bedauern. 

Auch wenn Sandrine Neye und Vivien Zippert zusammen mit den Musikern von Klaus Wagenleiter und Klaus Graf ein wundervolles Konzert präsentierten, bleibt der Wunsch nach einer Wiederholung mit der Stimme von Sandie in einer ähnlichen Kombination.

Externe Links:

Sandrine Neye – https://sandrineneye.de/de/index.html

Klaus Graf – https://klausgraf.de

Klaus Wagenleiter – http://klauswagenleiter.de

Vivien Zippert –https://vivizena.com

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Am Rande der Enz, etwas hinter Pforzheim, liegt Neuenbürg. Folgt man zu Fuß dem Flusslauf gelangt man durch einen Talweg, an Pferdeweiden vorbei in das kleine Städtchen. Wie viele Gemeinden, die am Rande einer größeren Stadt liegen, ist auch Neuenbürg gut an Pforzheim angebunden. Mit der Karlsruher AVG über die Nr.6 zu erreichen, kommt man über den Südbahnhof nahe an das Schloss Neuenbürg.

Das Schloss Neuenbürg liegt auf dem höchsten Punkt der Ansiedlung, beherbergt ein Schlossmuseum, ein Restaurant, einen guten Ausblick über die Stadt und die umgebenden Wälder, sowie einen ehemaligen Schlossgarten. Dieser ist mit seiner Ummauerung geradezu prädestiniert in historischer Kulisse, weit oberhalb von der Ortschaft, als Eventgelände genutzt zu werden.

Es bot sich an, die Infrastruktur eines – am nächsten Tag stattfindenden – Electronicfestival für die Vorstellung eines eigenen Konzeptes zu nutzen. Masou & Leise, die es geschafft haben, für ihre detailreiche Musik ein ganz eigenes Genre zu kreieren, wagten in diesem Rahmen einen Konzertabend zu schaffen, der hoffentlich der Startpunkt für eine kleine Tradition darstellen könnte.

Denn, nicht nur, dass die beiden Künstler ein sehr aufwändiges Konzept hinsichtlich ihrer eigenen Musik verfolgen, sie schafften es auch drei befreundete Künstlerinnen mit einzubinden. Drei Namen, die zu den Hoffnungen der hiesigen Singer- und Songwriterinnen-Szene gehören, aber jeweils ganz differente Wege verfolgen. 

Die Auswahl war daher vorbildlich kuratiert, die Location bot mit ihrem weiträumigen Festivalgelände, dem Loungemobilar, aber auch dem fein eingestellten Sound, viel Raum für die Anwesenden, einen gemütlichen Einstieg und einen schon am Nachmittag beginnenden Konzertabend.

Fernanda Tarrech im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Fernanda Tarrech im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

 

Fernanda Tarrech ist eine junge Sängerin aus Uruguay. Aufgefallen ist sie in die letzten Jahren und Monaten an verschiedenen Locations in der Umgebung. In einer charmanten Mischung aus Englisch, Deutsch und Spanisch präsentierte sie eigene Songs, traditionelle Anklänge und Coverversionen. Mit wenigen Gesten, einer Leichtigkeitkeit und Ruhe, die ihre Auftritte auszeichnet, scheine ihre Werke so vertraut und bekannt, als wären sie schon den ganzen Sommer da und als Begleiter ausgewählt. 

Irgendwo zwischen der Lässigkeit des Bossa Novas, und der Leichtfüßigkeit des Mestizo interpretierte sie – nur begleitet von ihrem Gitarrenspiel – ein Bündel eingängiger Melodien.

Vor kurzem hatte sie Karlsruhe verlassen und sich Berlin zugewandt. Einer Stadt, die sie sicherlich mit der vertrauten Schwerelosigkeit einnehmen wird. 

Sarah Weiß im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Sarah Weiß im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Ihr folgte Sarah Weiß, die auch schon auf dem letzten Weihnachtskonzert von Masou & Leise in der Schlosskirche Pforzheims, den Abend eröffnete. Wieder begleitet von ihrem Gitarristen Björn Koschnike, stellte Sarah Weiß ein Repertoire vor, dass mit einer einprägsamen Stimme und feinem Gitarrenspiel, Anleihen an Americana, dem guten Storytelling, aber auch der Tradition großer LiedermacherInnen folgt. In ihrem Instrumentarium und ihrer Spielweise gehört Sarah Weiß zu jenen, die sowohl das Klavier, wie auch die Saiteninstrumente virtuos zu nutzen wissen, um eine Grundlage für Songs zu entwickeln, die von den kleinen und großen Dingen, den Missgeschicken und dem Alltag erzählen. 

Sie macht das mit Humor, einem gutem Spiel und Dialog mit ihrem Publikum, aber auch mit einer Farbigkeit und einem Sinn fürs Detail, der viel über ihr Kunst verrät. Jedoch auch zeigt, das ihr Blick geschult ist, die Dinge in einer eigenen Weise kreativ zu interpretieren. Sarah Weiß gehört damit zu  jenen eigenständigen Musikerinnen, die mit ihrem Witz und ihrer Liebe für die Feinheiten, kleine Geschichten in feine Songs verpacken.

Ronja Maltzahn im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Ronja Maltzahn im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Alle drei SongwriterInnen zeigten in ihrer Abfolge und in ihrem Programm die Unterschiede und Möglichkeiten, die ihre Kompositionen ausmachten. Als Ronja Maltzahn auftrat, kündigten sich schon die ersten Wetteränderungen an. Eine einzelne Gewitterwolke bewegte sich auf Neuenbürg zu. Fast zeitgleich zu dem Auftritt von Ronja Maltzahn erschien sie sie über dem Schloss. Ungeachtet dessen zeigte Ronja und ihr Partner mit einem experimentellen Sammelsurium an Instrumenten und Loopstations eine Spielfreude und Begeisterung für die Kommunikation mit dem Publikum. 

Auf dem Cello, auf der Gitarre, einem rosafarbenen Klavier, aber auch einem Ukulele-ähnlichem Saiteninstrument mit zwei Hälsen, zeigten die Beiden eine große Breite, boten dem Publikum die Möglichkeit zum Mitspielen und Mitsingen, banden sie mit Tönen ein, kreierten Songs auf der eigenen Bühne, verknüpften dieses mit Botschaften, und visuellen Kunstwerken.

Ronja Maltzahn zeigte eine Freude am Gesamtkunstwerk, der ganzheitlichen Betrachtung künstlerischer Kreativität und einem Wirken über die Musik hinaus. So waren ihre Songs mehrsprachig, eingängig, aber auch bemüht, neue Wege zu gehen, die sich ihr offenbarte. Eine vielseitige, offene Seele, die ihre Sensibilität für Entdeckungen und Begegnungen zu nutzen wusste. 

Honoriert wurde das mit einem Publikum, dass tapfer den Regen überstand, den Wolken trotzte, und mit dem Auftritt von Masou & Leise belohnt wurde. Der Wind wurde stärker, wirbelte über das Gelände, aber liess auch zu dem Beginn der beiden Künstler noch alles offen. 

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise bezeichnen ihre Musik selbst als Scopeglass. Schwer festzulegen, und in ihrer Aufführung ausgesprochen professionell, zeigten sich die beiden Musiker sehr zurückhaltenden, geben einem kleinen Kammerorchester – das sie begleitet – den meisten Raum, und nehmen selbst eher seitlich und hinten – am Klavier und dem Schlagzeug bzw. den Percussions Platz. Sie bewegten sich mit ihrem Programm in einem traumwandlerischen, fast verführerischem Feld, dass die verschiedenen Stilrichtungen wie Filmmusik, Ambient und Neo-Classic miteinander verbindet. Eigene Kompositionen, die schwebend, raumfüllend, aber in ihrer vorherrschenden Tendenz filigran erscheinen. 

Für einen Sommerabend, noch dazu Open Air, dem Himmel nahe und in einer historischen Kulisse, genau das Richtige. Ein Sound, der in seiner Fülle und seinem Reichtum, sowie dem Spiel zur Entspannung und Erholung einlädt. Die Kompositionen von Masou & Leise kommen unaufgeregt, laden zum Zuhören ein und waren als Ausklang und Höhepunkt des Abends gedacht.

Vorwiegend instrumental, in den verschiedensten Farben ausgeleuchtet, begrüßten sie die hereinbrechende Dunkelheit, untermalten sie mit Klavier und Streicherklängen, nutzten in fein austariertem Ton die Möglichkeiten des Geländes, doch es kündigte sich bereits ab der Hälfte ein Unwetter an, dass sich innerhalb von wenigen Minuten steigerte. Das Schloss Neuenbürg liegt in einer exponierten Lage. Zu groß war das Risiko eines Einschlags. Man wollte 20-30 Minuten warten, ob das Wetter vorbeizog, doch die Wolke war zu breit, der Himmel zu bedeckt, der Regen zu stark. Das Konzert wurde leider abgebrochen. Bis dahin ein außergewöhnliches Event, mit einer faszinierenden Mischung aus künstlerischen Interpretationen und Betrachtungen. Etwas, von dem man sich wünschen würde, dass es sich etabliert und einen Nachfolger im nächsten Jahr findet. Die Namen kann man sich alle merken.  Und die Location hat ihren Charme, um ein wesentlich größeres Publikum aufzunehmen.

Es war, wenn man sich das wünschen darf, ein guter Anfang.

Externe Links:

Fernanda Tarrech – https://www.fernandatarrech.com

Sarah Weiß – https://www.sarah-weiss.com

Ronja Maltzahn – https://ronjamaltzahn.de

Masou & Leise – https://masou-leise.de

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Er nennt seine Kunst Americanoir. Abgeleitet von dem Kunstwort Americana, das den Stil – eine Melange aus Country, Western, Folk und Blues – ganz gut treffen würde. Doch Ben de la Cour schätzt die ruhige Stimme, den leisen Ton und die feine Ironie im Text. Er kommt auf stillen Sohlen, mit scharfen Worten.

Ben de la Cours Liedgut ist wie geschaffen für die Räumlichkeiten des NUN. Ganz alleine, nur mit einer Gitarre, damit Mittelpunkt und einziger Protagonist seiner Geschichten, erzählt er sie in einem ruhigen, zurückhaltenden Ton. Das mit aller Zeit, die er sich dafür nehmen kann. Ein gefühlvoller Barde, der die Traditionen aus Amerika pflegt und mit warmer Stimme zu berichten weiß.

Er zeigt sich dabei in einer filigrane Langsamkeit, die transparent über jeden Ton schwebt. Ben de la Cour ist wie einer dieser modernen Helden, die im Bild verharren können, um den Details die notwendige Liebe zukommen zu lassen. Das ist so authentisch wie warmherzig, und verletzlich in den schönsten Momenten. 

Im Rahmen einer ehemaligen Eckkneipe, am Rande eines viel zu warmen Sommertages, war er einer jener umtriebigen Interpreten, die mitnehmen wollten – auf den staubigen Reisen, an die vergessenen Orte, in eine Zeit, die sich dem Trend widersetzen möchte.

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Melodien, die – fein gesetzt, gut gespielt und seit vielen Jahren geschliffen – ohne Bruch ihren Weg fanden, und eine Intonation, die so klar und deutlich war, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn man auf die verstärkende Elektronik verzichtet hätte.

Ben de la Cour nimmt man es ab. Die vielen Orte, die Ehrlichkeit, die Widrigkeiten der Welt, die Verbundenheit mit seiner Musik und der Straße. Wenn er es Americanoir nennt, dann mit einer ihm eigenen Poesie, die der Schwärze im Wort und Ausdruck eine Leuchtkraft verleiht.

Ein ausgesprochen unaufgeregtes Konzert, das sich in einer scheinbar sehr einfachen Weise präsentierte, zeigte wie wenig Musik es braucht, um eine Nähe und Verbundenheit zu erzeugen, aber auch das Publikum zu fesseln und dem Abend jenes zu geben, was er zum Ausklang braucht. 

Ben de la Cour schafft es mit leisen Tönen den Texten eine prägnante Farbe zu geben, die auch Schattierungen berücksichtigt und die Grautöne zur puren Kunst erhebt. Und das alles mit wenigen Gesten und einer natürlichen Bescheidenheit. Ein Konzert, das wie geschaffen war, um das NUN in die Sommerpause zu geleiten. 

Der Herbst kann kommen und spannend werden. Der Sommer hatte den Höhepunkt seiner Lässigkeit fast erreicht.

Externe Links:

Ben de la Cour (Bandcamp) – https://bendelacour.bandcamp.com/album/new-roses

NUN – https://nun.cafe

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026
Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Brasilien wird von einigen Menschen als jenes Land bezeichnet, dessen musikalischer Reichtum unschätzbar und gleichzeitig mit keinem anderen Land der Welt zu vergleichen ist. Das mag zu weit gegriffen und auch nicht ganz fair sein, aber trotzdem gibt es kaum ein Land der Welt, in dem die Musik so tief verwurzelt ist, dass man fast davon ausgeht, alle die dort beheimatet sind, könnten singen und Gitarre spielen.

Die Zahl der KünstlerInnen, die mit brasilianischen Wurzeln immer wieder auf dem Tonträger- und Streamingmarkt auftauchen, scheint unüberschaubar. Die Spuren des Bossa Nova, des Sambas, aber auch der allgemeinen traditionellen Forro-Gesänge, sind immer wieder und überall anzutreffen. Es ist dem Tollhaus anzurechnen, dass sie es schaffen, die Unüberschaubarkeit aufzuschlüsseln, aber auch immer wieder die wichtigsten Namen im Rahmen des Zeltivals zu präsentieren.

Mari Froes gehört zu den jungen MusikerInnen, des MPB (Musica Populare Brasileira). Einer neuen Generation, die auf dem Können ihrer Vorgängerinnen aufbaut, aber mittlerweile sehr eigenständig unterwegs sind.

MPB war immer eine Richtung, die dem Ohr schmeichelt, den Fuß wippen lässt, aber gleichzeitig eine sehr persönliche Mischung aus Liebe, Beziehungen, aber auch sehr kritischen Texten präsentiert. Wenn man wie Mari Froes dabei beweisen kann, dass auch die Musikalität zwischen Jazz, akustischem – nur auf der Gitarre vorgetragenen – Songs und ausschweifenden Improvisationen tänzelt, dann symbolisiert das schon sehr gut die Leichtigkeit, mit der diese Musikgattung daher kommen kann.

Mari Froes konnte mit Charme, Eingängigkeit, aber auch einem verschwenderischem Spielraum für ihre Mitmusiker beweisen, dass sie nicht nur Charterfolge im Gepäck hat, sondern auch die Selbstsicherheit und das Vermögen professionell ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. 

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026
Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Die Trompete durfte überraschende Solis, breitgefächerte Interpretationen, aber vor allem ein Können beweisen, das unproblematisch einen ganzen Abend hätte bestreiten können. 5 MusikerInnen standen ihr zur Seite (besagte Trompete, Percussion, Bass, Drums und Gitarre) und zeigten eine Spielfreude, die die Anwesenden zum Tanzen, schwitzen und feiern brachte. 

Mari Froes überzeugte nicht nur mit der Anmutigkeit ihrer Stimme, sondern auch einer beschwingten, ansteckenden Choreografie, aber auch dem richtigen Gefühl, für Pausen und dem Vortritt für die Band. 

Mochte man erfahren, wie sich derzeit der Trend in Brasilien entwickeln mag, welche Varianten der MPB noch erreichen kann und wie er in einem zeitgemäßen Gewand aussieht, erlebte mit Mari Froes ein zeitgemäßes Talent, von dem man noch einiges hören wird. Sie war schon mal in Karlsruhe, sie kommt wieder, meinte sie, und man möchte es ihr wünschen, denn wer sie gehört und gesehen hatte, war sie sowieso sicher, dass da noch eine Menge Potential ist.

Externe Links:

Mari Froes – https://www.instagram.com/froesmari/

Tollhaus – https://www.tollhaus.de