Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Kein Gesang, der komplette Verzicht auf Mikrofone und nur spartanische Ansagen, waren gestern das stilprägende Element des gemeinsameren Abends von Leech und Lucid Void im KOHI. Zwei Bands, die sich beide gegen den Zeitgeist der kurzen Songs sträuben, instrumental unterwegs sind, und die Möglichkeiten, die sich Ihnen dadurch bieten, komplett ausnutzen.

Lucid Void aus Darmstadt haben sich einem pulsierenden, geradezu warmen Klang verschrieben. Ein Eintopf aus Rock-, Jazz- und Soulelementen, den sie liebevoll vor sich hinköcheln lassen, mit allerlei Gewürzen versehen und ausgiebig zubereiten. Sie kamen zu viert, Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug, und weckten durch die Elemente ihrer Songs mannigfaltige Bezüge in die Tiefen der Rockgeschichte. 

Lucid Void im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Lucid Void im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Im Auftreten waren sie gelassen, in den Zitaten aber bewusst im Umfeld derjenigen, die Songs als große Leistungsschau zelebrierten, und in ihrer handwerklichen Qualität ganz nah am Geschehen dran. Lucid Void weckten Erinnerungen.  Könnten auch als jene genannt werden, die dem variantenreichen Jazzrock genauso nahe stehen wie dem Acid Jazz. Beides Label, die voraussetzen, dass ein Verständnis für eine breite Spanne vorhanden ist, und die Umsetzung einer Fusion gelungen ist.

Lucid Void brauchen Vergleiche nicht zu scheuen, denn ihr Respekt ist groß und ihre bescheidene Freude am Spiel mit diesen Zutaten spürbar. 

Mit einer Handvoll Songs – alle im gehörigen Maß ausgekostet und rhythmisch ansteckend waren – präsentierten sie einen kraftvollen Charme, der durchaus für größere Sets und Bühnen tauglich ist. 

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Leech sind Baumeister. Sie werkelten am Wall of Sound, kräftig, laut, herausfordernd, mit allem, was möglich war, und in voller Entschlossenheit etwas Großes zu schaffen. Ausgestattet mit drei Gitarren, einem Keyboard (in wechselnder Bedienung), einem breit ausgelegten Schlagzeug, und elektronischen, sowie akustischen Percussion-Instrumenten, traten sie in voller, fünfköpfiger Formation an. 

Leech kamen selbstbewußt, mit einer Bühnenshow und Gitarrenchoreographie, die wie geschaffen war für gewaltige Räume, aber dennoch in ihrer Wucht funktionierte. Das Spektrum aus Soundgewitter, Klangkaskaden, symphonischen Anklängen und druckvoller Präsentation wußten sie in auszureizen, die Messlatte entsprechend hoch zu legen, und dem KOHI eines seiner bebendsten Konzerte zu geben. 

Als Vertreter einer Richtung, die ausladend und in Details verliebt, Songs gestaltet – diesen farbenreiche Facetten hinzufügt – zelebrierten sie Übergänge fast fließend. Zementierten damit ein Konzept, dass wie ein bündiges Werk daher kam. Ein Strauß Songs, wie in Stein gemeißelt. In den Riffen kantig, geschaffen für die Füße, das Herz und den Nacken. So hatten ihre Songs eben jene Härte und Eingängigkeit, die geradeaus ging – aber auch bei allen schnellen Gangarten – eine Leichtigkeit mitbrachten, die haften blieb.

Der Anspruch war sichtbar hoch. Die Entschlossenheit, diesen umzusetzen, anzumerken. So gönnte sich Leech keine Pause, keine Ruhe, kam durchaus melodiös in Spuren, um der Dramatik Raum und ein Haus zu geben. Die Architektur strebte nach Großem, die Umsetzung meisterten sie glasklar und mit Bravour. 

Was sie mitbrachten, war routiniert, ausgefeilt, lang erprobtes Material, dass in Stürmen bestehen konnte, sichtbar lustvoll und schweißtreibend herangetragen wurde und das auf jeden Fall als Gesamtwerk bestehen und in Erinnerung bleibt. Großes Kino für alle Locations. 

Externe Links:

Lucid Void – https://lucidvoid.bandcamp.com

Leech – http://www.leech.ch

Kohi – https://kohi.de

Musiker identifizieren – Galerie mit Bildern von Peter Lober

Musiker identifizieren – Galerie mit Bildern von Peter Lober

Unbekannte Sängerin (Fotograf: Peter Lober)
Unbekannte Sängerin (Fotograf: Peter Lober)

Peter Lober (1943-29.11.1994) war ein Karlsruher Autor und Fotograf. Seine literarischen Arbeiten wurden in verschiedenen eigenen Bänden, aber auch in vielen Anthologien veröffentlicht. Seine Bilder fanden sich in den Badischen Neuesten Nachrichten, sowie in weiteren aktuellen Publikationen.

Aus seinem Nachlass werden nun auf den Seiten des Karlsruher Archivs (http://karlsruher-Archiv.de) vor allem die musikbezogenen Reportagen und Portraits veröffentlicht. Bei den meisten Bildern fehlen jedoch alle Hinweise auf die abgebildeten Personen, sowie der Orts- und Zeitbezug.

Es ist davon auszugehen, dass fast alle Aufnahmen in Karlsruhe oder der Region gemacht wurden, aber es fehlen die konkreten Angaben. Juliette Greco ist zu erkennen, Esther Ofraim ist noch nicht eindeutig geklärt, aber wahrscheinlich in der Stadthalle Karlsruhe 1966 aufgenommen. Bei den Jazzmusikern handelt es sich wahrscheinlich um den Schlagzeuger Philly Joe Jones, sowie um den Trompeter Don Ellis. Das ist noch nicht genau verifiziert, aber schon ziemlich sicher.

Harald Hurst ist durch seine Arbeit mit Gunzi Heil sowieso im Archiv abgebildet und in Karlsruhe wohlbekannt, aber es finden sich auch Musiker, die als Schauspieler tätig waren, oder auf öffentlichen Stadtfesten auftraten. Bei diesen fehlen sämtliche Hinweise.

Falls jemand erkannt wird, bitte unbedingt melden, kommentieren oder in Kontakt treten.

Zur wachsenden Seite zu Peter Lober geht es hier: https://jazznrhythm.com/peter-lober/

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Ein Erzähler, ein Verkünder der kurzen Geschichten, aber vor allem jemand, der den erdigen Blues mit dem feiner Country-Attitüde in sich vereinigt und wiedergibt. 

All das ist Johnny Dowd, doch auch jemand, der als Legende gelten darf, wenn er auf seinem Stuhl Platz nimmt, fast hinter seinem Notenblatt verschwinde und mit rauchiger, knarziger Stimme zu singen beginnt. 

Johnny Dowd spielt die Gitarre, als müßte er sie bändigen, aber auch als hätte er schon mit ihr geschlafen, während alle Epigonen und Nachfolger nach der Milch verlangten.

Begleitet von Will Sexton am Banjo und Amy Lavere am Bass, sowie Jennifer Dowd an den Drums, verwandelte er das KOHI in einen Salon am Rande der Sümpfe. 

Mit der Ruhe eines Menschen, der viel, wenn nicht sogar fast alles, erlebt hat, teilte er seine Geschichten über die Straße, die Begegnungen, die gescheiterten Beziehungen und Flucht vor dem Leben, dem Gesetz und dem ganzen Rest. 

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Kleine Mörderstorys, die schwarz und düster in einfacher, akzentuierter Sprache etwas wieder aufleben ließen, was zwischen Bars und billigen Romanen geboren wurde.

Umrahmt von der klaren Stimme Amy Laveres, dem virtuosen Spiel Will Sextons, wurden seine Songs in ihren besten Parts veredelt und in den dunkelsten Tiefen zu faszinierenden, vielschichtigen Erlebniswelten. 

Johnny Dowd machte nicht viele Worte, brachte alles auf den Punkt und meißelte glasklar die Lyrics daraus .Ging dabei so gnadenlos wie nur möglich mit sich selber um. 

Liess sich alle Zeit der Welt. Nutzte den Blues mit Kraft und Würde. 

Mit Will Sexton und Amy Lavere, aber auch mit der gelassenen Unterstützung von Jennifer Dowd, entstand eine Besetzung, die man ihm nicht hätte besser wünschen können. 

Das Zusammentreffen guter Handwerker, schöner Stimmen (Will Sexton hat eine fantastische Soulstimme. Hätte man gerne mehr gehört), liess etwas entstehen, was wie ein Blaupause für alle jene wirken darf, die mal so richtig im Delta  des Mississippis nach den Wurzeln graben möchten.   

Johnny Dowd taugt hier als Fährtenleser. Ein Recke, der mit einer ureigenen Lässigkeit, das alles vereinnahmte, was die amerikanische Musiktradition hergab. 

Eine Reise von Nashville nach New Orleans mit jenen Abstechern, die auf der Strecke möglich sind. Man möchte sich ihn als Hobo vorstellen,  zwischen den Waggons sitzend und spielend. Auf jeden Fall mit jedem Stoff, der angeboten wurde. Flüssig oder wie auch immer.

Spielte er einen Song aus seinen anderthalb Jahren in Berlin, wo er zur Verteidigung der westlichen Freiheit stationiert war, dann wirkte es, als ob er die Gitarre rückwärts anging, die Hippies faszinierte, und die Nymphen zu einem verklärten Tanz verführte.

Er meinte verschmitzt, es seien wilde Jahre gewesen. Glaubhaft in jedem Moment, aber vor allem, in der wohligen Trägheit, die die meisten Songs auszeichnete. 

Amy Laveres Stimme ist der engelsgleiche Zuckerguss, der sich wie eine schützende Hand über das raue Timbre von Johnny legte. Sang sie eigene Songs, bekam man eine Ahnung, was man bisher verpasst hat. Es dürfte sich lohnen, sie zu entdecken. 

Spielte Will Sexton, so hatte man dein Eindruck, er steht mit seinem Instrument auf, geht damit abends wieder schlafen und nimmt es in jede Bar. Vollkommen unmöglich, dass es sich anders verhält. Wahrscheinlich kann er damit auch Feuer machen und Wölfe jagen. Alles drin. 

Jennifer Dowd war so etwas wie der ruhende Pol. Unaufgeregt, mit stoischer Gelassenheit, blieb sie bei der Arbeit an den Percussions und Drums im Hintergrund. Akkurat, mit dem größten Understatement überliess sie die Solos ihren Kollegen und gab das Fundament und den Takt für den gelungenen Abend.

Man möchte Johnny Dowd noch viele Abende mit dem Human Shield wünschen, vor allem eine ausverkaufte Tour. Authentischer bekommt man den Stoff momentan nicht. Und das will etwas heißen.

Externe Links:

Johnny Dowd – https://www.johnnydowd.com

Amy Lavere – https://amylavere.com

Will Sexton – https://www.instagram.com/willsextonmemphis/

KOHI – https://kohi.de

Sandie Wollasch und Sarah Lipfert mit Klaus Wagenleiter im Laden Zwei am 07.03.2026

Sandie Wollasch und Sarah Lipfert mit Klaus Wagenleiter im Laden Zwei am 07.03.2026

Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026
Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026

Man möchte es fast das Ende einer Ära am Gutenbergplatz nennen, denn die Geschichte des Laden Zwei in der Goethestrasse neigt sich dem Ende zu. Nur noch wenige Wochen werden die Räumlichkeiten für den Verkauf und Events genutzt werden. Der Laden Zwei ist mit seinen kleinen Konzerten eine Institution, die vor allem in der Corona-Zeit eine Art stabiler Anker für die Künstler-Szene darstellte.

Die Erinnerung an diese Jahre mag mittlerweile verblassen, die Konzerte bleiben uns hoffentlich auf YouTube noch eine ganze Weile erhalten. Moderiert durch Sandie Wollasch und Rolf Ableiter, wurden im Laufe der Zeit, in der keine Bühne bespielt werden konnte, viele lokale, aber auch überregional bekannte Künstler in einem Videoformat vorgestellt.

Der Laden Zwei diente dabei als Kulisse und Heimstatt für eine ganze Szene, die in der Periode, in der wir alle Abstand halten mussten, unter anderem gelitten hatte. Nach der Phase – nur noch sporadisch – aber immer wieder, fanden regelmäßig im Laden Zwei weitere Präsentationen statt, die mit befreundeten KünstlerInnen und Bands möglich waren. 

Es sind die intimen, nahbaren Auftritte, die fast einen familiären Charakter haben, die diese zu einem unvergleichlichen Juwel in der hiesigen Szene machten. Gleichen sie doch mehr eine Wohnzimmer- oder Tiny-Desk-Concert, kaum propagiert, immer eine Art Geheimtipp, aber geschätzt und genossen, von all jenen, die daran teilhaben durften.

Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026
Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026

Es ist der fleißigen Zusammenarbeit zwischen der Ladenbesitzerin Manuela Seith und der Jazz-Sängerin Sandie Wollasch zu verdanken, dass sie es immer wieder schafften – mit einer beeindruckenden Vernetzung und einem erstaunlichen Bekanntheitsgrad – interessante Namen in den Laden Zwei zu bringen, die man eigentlich nur von wesentlich größeren Locations kennt.

Sandie Wollasch, die sicherlich zu den Sängerinnen der Region gehört, die immer wieder in neuen Kombinationen und Duetten Herausforderungen suchen – daher auch bei den verschiedensten Produktionen Erscheinung treten – hat dabei ein gutes Gefühl und Händchen für Kooperationen und Gäste. 

Es war daher fast folgerichtig, Sarah Lipfert als Duettpartnerin einzuladen, und Klaus Wagenleiter als musikalische Unterstützung. Beide GastmusikerInnen wiesen nicht nur, wie Sandie Wollasch, die richtige Portion Improvisationstalent auf, auch den Humor, dieses in Zitaten, Mash-Ups, Varianten, und abgespeckten Big Band-Improvisationen zu beweisen.

Die Ergänzungen der Stimmen, die in ihren unterschiedlichen Klangfarben sich gegenseitig die Bälle zuspielten, zeigten auch ein Jazz und Soulrepertoire, das fein gewählt eine große Bandbreite der Möglichkeiten beider Interpretinnen bot. Sarah Lipferts und Sandie Wollaschs Enthusiasmus kreirte auf diesem Weg ein Erinnerung bleibendes Event. 

Eingespielt, als würde es sich um eine Band handeln, die man auf jeden Fall gerne wieder sehen möchte, handelte es sich um ein Programm, dass nicht davor zurück schreckte , Höhen zu erreichen und mit eigener Energie zu füllen. Die Leichtigkeit, mit der sie das taten, zeugte von einer hohen Professionalität, und erweckte gleichzeitig den Eindruck, Zaungast bei einer gelungenen Session zu sein.

Die Geschichte des Jazz lebt von seinen gelungenen Zusammenstellungen und den kleinen Ereignissen, über die man hinterher spricht. Im Laden Zwei fanden sie bisher statt. Dieses war wieder eines davon, und so überrascht es nicht, wenn man sich fast mit Träne im Auge davon verabschieden muss. Wer die Gelegenheit hat, sollte noch mal dort vorbeischauen, Manu einen schönen Gruß ausrichten und die vergangenen Ladenkonzerte auf YouTube geniessen.

Externe Links:

Sandie Wollasch – https://www.sandiew.de

Sarah Lipfert – https://www.sarahlipfert.de

Klaus Wagenleiter – http://klauswagenleiter.de

Laden Zwei – http://www.ladenzwei.com