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Tonspur 38: Sandie Wollasch & Matthias Hautsch „Lifetime Companions“

Tonspur 38: Sandie Wollasch & Matthias Hautsch „Lifetime Companions“

Sandie Wollasch & Matthias Hautsch „Lifetime Companions“
Sandie Wollasch & Matthias Hautsch „Lifetime Companions“
  1. The 59th street bridge song – Feeling groovy
  2. What’s love got to do with it
  3. Young blood
  4. It’s never too late
  5. Dein roter Mund
  6. Something stupid
  7. Wonderful
  8. Sign’ o’times
  9. Mercedes Benz
  10. Viva las vegas
  11. Toxic
  12. Why can’t this be love

Wenn es passt, dann entstehen Kombinationen, die wirken, als seien sie aus einem Wunsch entstanden. Das können z.B. Duos sein, die Songs veredeln. Und inspirierend wirken.

Lifetime Companions ist der Titel des neuen Albums von Sandie Wollasch und Matthias Hautsch. Beides herausragende KünstlerInnen in ihrem Metier, ergänzen sie sich in der Zusammenarbeit zu einem bemerkenswerten Paar.

Während Matthias Hautsch den Eindruck erweckt, als lege er seine akustische Gitarre nie aus der Hand, um möglichst alle ihre Geheimnisse zu entdecken, gehört Sandie Wollasch zu den charakteristischsten Jazz- und Soulstimmen in der hiesigen Szene. Verfolgt man ihren Werdegang gelangt man in alle möglichen Sessions, Produktionen und Auftritte. 

So scheint das Album beim ersten Hören mit leichter Hand gestrickt, doch verrät es in den Details eine faszinierende Musikalität. Es ist genau jene, fast spontan wirkende Atmosphäre, die den Grundton auszeichnet, aber natürlich der Vielseitigkeit der Beteiligten zu verdanken ist. 

Mit dem Wissen um ein großes Repertoire suchten sie sich ein Dutzend Songs aus, die in Farbe, Bezug und ihrem zeitlichen Hintergrund nicht unterschiedlicher sein konnten.

Dennoch – beschränkt auf Stimme und Gitarre – erreicht das Album eine Transparenz und Klarheit, die viel Raum für die Fingerfertigkeit von Matthias Hautsch lässt, aber auch die Stimme von Sandie Wollasch gekonnt in den Vordergrund stellt. Zwei Aspekte, die unterstreichen, wie homogen und geschlossen, die Produktion im Gesamten wirkt. 

Mit Lifetime Companions wird ein Bogen, der die Klassiker aus der Feder von Paul Simon und Art Garfunkel, über Tina Turner bis zu Britney Spears verbindet, gespannt. Dazwischen dürfen Prince und Janis Joplin, Elvis und selbst Edo Zanki nicht fehlen.

Vor allem im Hinblick auf Edo Zanki, dem großen Protegé und Produzenten vieler MusikerInnen, ist die Verbundenheit und Bewunderung für Sandie Wollasch erwähnenswert.

Voll des Lobes für sie und ihr Können wäre er daher auch für ihre Interpretation des Songs „Dein roter Mund“. Schufen sie damit doch ein geradezu liebevolles, intimes Tribut an sein Werk. 


Ein Konzept, das sich so auch bei den weiteren Stücken zeigt: Begrenzt auf ein Instrumentarium, das nur aus dem Saitenspiel von Matthias Hautsch und den gesanglichen Künsten von Sandie Wollasch besteht, kristallisiert sich eine respektvoller Umgang heraus, der Möglichkeiten aufzeigt, die mit Können und Liebe zum Detail gemeistert werden.

Die klagende Hymne „Sign’ o’Times“ – von Prince bewußt spartanisch komponiert –  verlässt sich sowieso nur auf diese beiden Komponenten,  beweist aber, dass Matthias Hautsch auch ohne weitere Unterstützung in der Steigerungen vor allem mit seiner Spielfreude überzeugt.

Im Zusammenspiel spürt man die Bewunderungen und die Hochachtung vor den Fähigkeiten des Anderen. Wie sie sich begleiten in die Herausforderungen und dabei befruchten in der Beantwortung befruchten.

Etwas, das sich durch die komplette Aufnahme zieht und zu ihren Stärken zählt. Die Fähigkeit einen Dialog auf einem hohen Niveau aufrecht zu erhalten, bei einer gleichzeitigen Wanderung durch verschiedene Richtungen und Stile.

Zurückgelehnt nehmen sie das Tempo aus „Viva Las Vegas“, schleichen sich mit einer Prise Americana an den Sound der Metropole, als wollten sie die aufgehende Sonne nach einer durchzechten Nacht begrüßen. 

„Toxic“ von Britney Spears wird zu einem kleinen Jazz-Juwel, angelehnt an jene Gitarrenabenden, wie man sie in den verschwiegensten Bars unter den schwierigsten Bedingungen erleben konnte. 

Ein verspieltes Kleinod dessen Herkunft man mit Schmunzeln zur Kenntnis nehmen mag. Eine perkussive Herausforderung und einer der Songs, dessen Eingängigkeit Puristen zu überzeugen vermag.

Natürlich kennen wir alle diese Lieder, aber die Beiden laden uns zu Entdeckungsreise ein, sie nochmal neu zu erfahren, in einem anderen Gewand zu sehen. Eine gute Interpretation kann den Charakter betonen, das Material neu formen, ihm Dinge hinzufügen, und etwas gewinnen, was neu klingt. Letztendlich bereichert es und kann die Optionen aufzeigen.


Wenn Van Halens Botschaft „Why can’t this be love“ zu einem sehr persönlichen Liebeslied wird, Sandie und Matthias sich die Parts gegenseitig zuspielen, als wäre es gerade neu entstanden, dann handelt es sich um etwas, das genau dem entspricht, was man von dieser Art Deutung erwartet.

Und: Wenn Lifetime Companions auch bedeutet, dass die Zusammenarbeit noch lange währt, dann möchte man auf den zweiten Part hoffen, der bestimmt noch kommen wird.

Externe Links:

Sandie Wollaschhttps://www.sandiew.de

Matthias Hautschhttp://www.matthiashautsch.de

(Der Tonträger wurde von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt)

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026

Es war klar. Wenn der Drummer das Bett hüten muss und daher ausfällt – dann wird es ruhig. Aber bei St. Moon wirkte es wie die Manifestation eines Konzeptes. Mit Gitarre und Keyboard standen im NUN zwei Musiker auf der Bühne, die die Langsamkeit zelebrierten, alles noch eine Stufe tieferlegten und den Grundtakt eines Schlagzeuges fast nicht vermissen liessen. Mag es für andere eine Aufgabe sein, hier trafen sich die Atmosphäre mit der Ambition, und St. Moon verfingen sich im Geschwindigkeitsverlust, atmeten ihre Stücke in einer Gemächlichkeit aus, die passend zur Location einen weiten, tiefen Klangteppich ausbreiteten.

St. Moon stammen zu einem Teil aus zwei Mitglieder der Band „Lambs and Wolves“, die mit Alex Keiling vereint, dem Slowcore huldigten und sich in ihm die Zeit gönnten, die alles braucht. Mit Julian Tröndle an den Vocals (abgewechselt mit Alex), formten sie Balladen zu verlorenen, fast endlosen Wanderungen, in den sie die Geige genauso wie Loops einfliessen ließen, um ein Sound zu kreieren, der in der langen Nacht den Blick schärfen mag. Irgendwo über die Berge hinaus hat man dann die Zeit alles nochmal zu fokussieren. St. Moon gibt einem die Zeit ganz locker –  das ist alles drin. 

Ohne Percussion ging es dann doch nicht, und so sprang Nick Wheeldon ein. Nur leicht und zurückhaltend formte er einen Rhythmus, der seine Anwesenheit zwar zeigte, aber sich fast nahtlos der ruhigen Trägheit der Kompositionen anschloss.

Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026

Nick Wheeldon, ein Singer-Songwriter, beherrscht eine ausdrucksstarke, brüchige Stimme, die er verwegen einsetzte um ein Bündel Songs mit einem eigenen Charakter zu belegen. Im Gesang offenbarte sich daher eine Klage, die er leidenschaftlich in einem Umfeld aus Folk als ganz eigenen Blues, etablierte.

Kraftvoller als seine Vorgänger, entschlossener im Detail und nur im letzten Drittel von der Band St.Moon begleitet, zeigte sich Nick Wheeldon als ein Interpret, dessen Charme und Ernsthaftigkeit von purem Understatement geprägt war, aber in der Wucht seiner Aussage Respekt einflösste. Man konnte sich das gut vorstellen, in einem Raum – ganz anders als im NUN – in dem Gläser gehoben, die Gespräche nicht verstummen und Nächte lang sind. Nick Wheeldon würde seine Aufmerksamkeit bekommen.

Er offenbart eine Kraft, die ihm Platz verschaffte. Prägnant, erkennbar – im NUN wäre tatsächlich kein Mikrofon notwendig gewesen, um sein Publikum zu erreichen. Im Zusammenhang St.Moon erreichte er nochmal weitere Optionen. Die zeigten dann, dass der Mann mit einer Band seine Songs nochmal veredeln kann. 

Zurück bleibt der Eindruck seiner markanten Stimme, die mit seinen melancholischen Songs, einer Richtung frönt, die der Melancholie aufzeigte und die Story trotzdem mit einem leisen Witz erzählte.

Nick Wheeldon und St. Moon  im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon und St. Moon im NUN am 25.04.2026

Externe Links:

Nick Wheeldon – https://www.nickwheeldon.com

St.Moon – https://www.instagram.com/st.moon.band/

NUN – https://nun.cafe

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Am 16.05.2026 ist es wieder soweit: Der Vinylexpress präsentiert den 8ten Vinylflohmarkt in der Kulturküche Karlsruhe. In der Kombination handelt es sich um eine einmalige und liebenswerte Tradition, über die schon auf jazznrhythm.com berichtet wurde.

Der Vinylflohmarkt ist eine Institution für Plattensammler, Vinyl-Liebhaber, aber vor allem für jene Sorte Mensch, die sich freut auch ein bißchen neben dem Mainstream zu fischen und die Händler persönlich kennen zu lernen. Dabei in einer sehr gemütlichen Atmosphäre den Tag zu verbringen.

Zu loben sind die beiden Beteiligten: Der Vinylexpress als Veranstalter, und die Kulturküche als Location, die ebenfalls ein sehr gelungenes, eigenständiges Konzept anbieten kann. Bei der Kulturküche handelt es sich um ein soziales Angebot für die Gemeinschaft. Untergebracht in einem der ältesten Häuser der Innenstadt bietet die Kulturküche einen Treffpunkt für alle an, an dem keine festen Preislisten ausliegen, sondern mit gespendeten Kuchen das gezahlt wird, was angemessen ist bzw. das Portmonee hergibt.

Es war also an an der Zeit mit Lucas vom Vinylexpress über das Konzept und die Idee hinter dem kleinen Vinylflohmarkt zu sprechen. Da er sowohl mit der Ausrichtung, aber auch der Gestaltung sehr eigene Wege geht – und der Erfolg ihm Recht gibt -war es sehr interessant, einmal die Unterschiede zu den bekannten Schallplattenbörsen aufzeigen.

Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe
Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ich habe viele Jahre nicht in Karlsruhe verbracht und deine Vinylexpress-Zeit gar nicht mitbekommen. Ich stelle mir das so vor: Du bist mit dem Fahrrad zu Flohmärkten gefahren und hast dort Platten verkauft. Stimmt das?

Lucas (Vinylexpress):
Halb. Ich bin tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren, aber es war ein altes Lastenrad, so eine frühe „Long John“-Variante mit Ladefläche vorne. Die wurden früher für Post oder Bäckereien genutzt. Die Idee kam von jemandem aus der Schweiz, den ich auf Instagram gesehen habe – der hat genau so Platten verkauft. Ich fand das super und habe mir innerhalb einer Woche selbst so ein Rad besorgt.

Wir haben dann eine Box draufgebaut und ich bin damit auf Flohmärkte gefahren. In der Praxis war das aber ziemlich anstrengend. Mit 200 Platten, Box und meinem eigenen Gewicht war das kaum noch fahrbar. Es sah gut aus und hatte einen starken Werbeeffekt, aber praktisch war es nicht. Deshalb hat oft ein Freund meine Platten mitgenommen und ich bin nur hinterhergefahren.

Andreas:
Warst du nur in Karlsruhe unterwegs?

Lucas:
Ja, hauptsächlich lokale Märkte, Messplatz, Stephanplatz oder kleinere Aktionen wie Hof-Flohmärkte. Aber es war insgesamt überschaubar. Später hat sich das Ganze ohnehin verlagert, weil ich einen Platz im Laden in der Südstadt bekommen habe. Dort wurde der Raum zum eigentlichen Anlaufpunkt, das Fahrrad stand eher als Blickfang davor.

Irgendwann habe ich es verkauft – kurz vor der Geburt meines Kindes. Es war schön, aber stand am Ende mehr rum, als dass ich es genutzt habe.

Andreas:
Dein Schwerpunkt liegt klar im Hip-Hop-Bereich, oder?

Lucas:
Ja. Ich komme ursprünglich aus dem Hip-Hop, habe über ein Schulpraktikum eine Radiosendung gemacht und darüber viele Künstler kennengelernt. Später habe ich auch Konzerte organisiert, vor allem im Bereich 90er-Hip-Hop. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden, und so hat auch das Sammeln angefangen.

Mein Musikgeschmack ist privat inzwischen breiter – viel Gitarrenmusik, auch Elektronisches, ein bisschen Jazz. Aber beim Verkaufen konzentriere ich mich bewusst auf wenige Genres, vor allem 90er-Hip-Hop. Das ist der Bereich, in dem ich mich auskenne.

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Andreas:
Warum diese klare Fokussierung?

Lucas:
Weil alles andere mich überfordern würde. Wenn du auf Flohmärkten einkaufst, müsstest du sonst jede Kiste komplett durchgehen. Das ist extrem anstrengend. Ich konzentriere mich lieber auf das, was ich kenne – da weiß ich, was Sinn ergibt, was gefragt ist und was Qualität hat.

Mir ist auch wichtig, keine Massenware zu haben. Lieber eine kleine, gut kuratierte Auswahl. Ich habe meist vier Kisten dabei, und die sollen so zusammengestellt sein, dass man nicht überfordert ist. Qualität statt Masse.

Andreas:
Du hast dich bewusst für einen Vinyl-Flohmarkt entschieden und nicht für eine klassische Börse. Warum?

Lucas:
Weil mir Börsen oft zu stressig und ungemütlich sind. Es geht dort hauptsächlich ums Verkaufen, die Atmosphäre ist häufig hektisch. Ich komme aus dem Veranstaltungsbereich und habe einen anderen Anspruch: Für mich muss ein Event als Ganzes funktionieren.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich gern aufhält. Gute Location, Essen, Getränke, Musik – und natürlich Platten. Aber eben nicht nur als Verkaufsfläche, sondern als Treffpunkt. Auf Börsen gehst du rein, kaufst und gehst wieder. Bei mir sollen die Leute bleiben.

Andreas:
Das Konzept ist also bewusst kuratiert?

Lucas:
Ja. Ich schaue genau, wer kommt. Keine großen Händler mit riesigen Ständen, sondern eher kleinere Anbieter, Semiprofis und Privatleute. Unterschiedliche Genres, aber keine Massenware.

Mir ist wichtig, dass es eine Mischung gibt: Spezialisten, Plattenläden und auch private Verkäufer. Gerade die privaten sind spannend, weil man nie weiß, was sie dabeihaben. Das macht für mich den Flohmarkt-Charakter aus.

Andreas:
Man merkt auch, dass Händler aus dem Ausland kommen, etwa aus Frankreich. Das ist ungewöhnlich.

Lucas:
Ja, viele davon trifft man sonst nirgends. Die kommen gezielt, weil sie das Konzept mögen. Und umgekehrt wissen die Besucher auch: Da sind Leute, die man nicht überall sieht. Das schafft eine andere Dynamik als auf klassischen Börsen.

Andreas:
Ist dein Publikum anders als bei klassischen Börsen?

Lucas:
Ja, deutlich jünger und gemischter. Viele Studenten, viele Leute aus der Szene, auch Menschen, die zum ersten Mal Platten kaufen. Dazu kommen natürlich auch erfahrene Sammler, aber insgesamt ist es weniger dieses klassische „Nerd-Publikum“.

Das liegt auch daran, wie ich werbe – viel über Social Media und weniger über klassische Plakate.

Andreas:
Bleibst du bei der Kulturküche als Location?

Lucas:
Ja, solange es für alle passt. Das Konzept dort finde ich sehr besonders – viele Nischenangebote, viel Engagement, ein offener Rahmen. Das passt gut zum Flohmarkt.

Die Einnahmen aus den Standgebühren gehen komplett an die Kulturküche. Ich verdiene daran nichts, das ist bewusst so. Für mich ist das ein Hobby und ein Projekt, das sich inhaltlich stimmig anfühlen muss.

Andreas:
Planst du Erweiterungen, etwa größere Events?

Lucas:
Ich habe überlegt, im Sommer etwas Größeres oder auch draußen zu machen, vielleicht in Kombination mit anderen Veranstaltungen. Aber das ist organisatorisch nicht so einfach. Viele Locations überlegen genau, ob sich so etwas lohnt.

Grundsätzlich will ich das Format aber bewusst klein halten. Sobald es zu groß wird, verliert es seinen Charakter.

Andreas:
Wie wählst du die Teilnehmer aus?

Lucas:
Es gibt Stammleute, die ich früh informiere. Dazu kommen neue Anfragen, sowohl von Privatleuten als auch von Händlern. Ich schaue mir immer an, wer sich bewirbt und was angeboten wird.

Private Verkäufer ziehe ich oft vor, weil sie den Flohmarkt-Charakter stärken. Wichtig ist mir eine gute Mischung. Wenn es zu einseitig wird, verwässert das Konzept.

Andreas:
Also bewusst Auswahl statt „jeder kann kommen“?

Lucas:
Genau. Nicht aus Arroganz, sondern weil es sonst nicht funktioniert. Der Rahmen ist klein, und ich möchte, dass das Gesamtbild stimmt – für die Verkäufer und für die Besucher.


Mit ziemlicher Sicherheit wird auch der aktuelle Vinyl-Flohmarkt auch wieder über die Grenzen von Karlsruhe Sammler anziehen, und man darf gespannt sein, wer sich alles einfindet. Soweit bekannt wird auch der Podcast „Vinyl und“ anwesend sein und Live vom Flohmarkt berichten. Auch hier handelt es sich um ein sehr neues, für Karlsruhes Szene interessantes Konzept.

Externe Links:

Vinylexpress – https://www.facebook.com/vinylexpresskarlsruhe

Kulturküche Karlsruhe – https://kulturkueche-karlsruhe.de

Vinyl und – https://www.instagram.com/vinylund/

Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords

Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords

Tonspur 39: Real Turds - Leibstandarte Traci Lords
Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords
  1. (You’re the) Ringo Starr
  2. Esoteric Love
  3. Cramps
  4. Change your ways
  5. Sunday on my mind
  6. My Way
  7. Overexposed
  8. Girls
  9. Transistor Radio
  10. Leibstandarte Traci Lords
  11. Uptown Weekend Cruiser
  12. Rubber Doll

Orgeln sich durch den Beat als kämen sie aus der Garage. Ganz dem hippen Sound der vergangenen Jahrzehnte verpflichte klopfen die Real Turds auf einer Vergangenheit rum, die nostalgisch einem ungestümen Jugendkult anhängt. Gewagt im Cover und Titel sind die meisten Titel geschicktes Namedropping. Der Gesang (Tex Dixigas) kommt dabei ungehobelt und frech geradeaus. Punk’n’Roll in bester Tradition. Die Real Turds stehen für Partys, schnelle Zitate und hohe Geschwindigkeiten. Immer Richtung Horizont, immer unter Dampf, trashig genug für jeden Spaß.

Heute der Kult-Kram. Steht bei Dixigas-Records noch im Schrank. Archivware, die fast vergessen ist und nur auf den Seiten von Jazznrhythm.com noch gerne gepflegt wird. Sie holzen und bolzen sich durch 12 Titel als hätten sie vorgehabt einen Stapel Singles rauszuschmeissen. Immer den Fuß auf dem Gas, akzentuierte Gitarrenintros, die sich auf „Hey!“ Und „All right“ etwas zusammen reimen. Passt locker zwischen Bubble-Gum-Bildchen und schreiende Poster. 

Die Real Turds beziehen sich dabei auf die Götter der Bewegung , haben die richtig Vokabeln zusammen gemischt, die Regler an den Anschlag gedreht und gnadenlos alles malträtiert, was an Instrumenten im Proberaum rumlag. Das klingt dann entsprechend ungehemmt nach der Geburtsstunde des Beats, stammt aber aus den Gefilden Karlsruhes im Jahre 2006.

Mag der Titel provokant sein, das Cover nicht durch die Zensur kommen, doch die Produktion ist so sauber, dass die Ohren klingeln dürfen. Wenn ihr das Ding findet, dann dürft ihr es euch ruhig gönnen. Die Schweineorgel schwelgt auch noch schön unter dem aufgeregten Chorgesang z.B. wenn die Jungs von den „Girls“ schwärmen. Für die nächste Fete mit dem richtigen Rückblick auf jeden Fall eine nette Sache, die dem Pogo die Würze geben kann.

Das Artwork, in aller Auffälligkeit, ist von Ray Ahn, mitgewirkt hat damals: Jan Hecking, Patrick Bader, Reinhard Beck, Tex Dixigas (himself) und Tobias Graf Carl.

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Wer Norwegen kennt, vor allem im Winter, wird wissen, wie sehr das Land von geprägt ist von seinen scheinbaren endlosen Wäldern, schneebedeckten Bergen, aber auch welch eine spannende Musikkultur dort möglich ist. Meine Reise durch einen kleinen Teil Norwegens führte mich vor allem durch Konzerthallen und Plattenläden der Städte Oslo und Bergen. Geprägt von einer einzigartigen Metalkultur, hat sich in Norwegen auch eine lebendige Jazzszene und etwas, das sich Nordicana nennt, etabliert.

Im Rahmen meiner Reise lud ich Eindrücke auf diese Webseite, aber auch in Social Media, hoch Und lernte dabei DJ Wendelgaard durch einen Austausch auf den bekannten Plattformen kennen. Sie überraschte mich durch sehr eigene Events in beneidenswerten Locations. Fernab von den Tanzflächen dieser Welt bewegt sich dabei in einem Ambiente, das neidisch und staunen macht. Es ist die nicht zu unterschätzende Aufgabe des kuratierens, die in der Wirkung mit Ort und Gelegenheit einem Event zur entsprechenden Stimmung verhelfen kann. Ich wollte mehr darüber wissen, und wir verabredeten die Aufnahme eines Podcasts. 

Ich bin der langsamste, und unentschlossenste Podcaster, der sich im Netz findet, hadere immer mit der Tonqualität und so kommt es nun zu dazu, dass das, was einst als Podcast geplant war, ein transkribiertes Interview ist. 

Andreas (JAZZNRHYTHM.com): Samanta, ich freue mich sehr, dass wir unser Gespräch wiederholen können. Beim letzten Mal ist die Aufnahme leider verloren gegangen. Umso schöner ist es, dass wir heute noch einmal zusammenkommen. Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Wendelgaard (DJ): Das verdanken wir deiner Norwegen-Reise. Du warst in Oslo und Bergen unterwegs und hast Konzertlocations, Plattenläden und Veranstaltungen porträtiert. Besonders dein Bericht über den Plattenladen Apollon Records in Bergen hat mich angesprochen. Ich habe mir daraufhin deinen Blog und deine Instagram-Seite angesehen und war beeindruckt von deiner Leidenschaft für Musik. So sind wir schließlich in Kontakt gekommen.

Andreas: Ich erinnere mich gut. Aufgrund deines Namens dachte ich zunächst, du würdest aus Norwegen stammen.

Wendelgaard: Das passiert tatsächlich häufig. Ich komme zwar nicht aus Norwegen, aber ich liebe Skandinavien. Seit etwa fünf oder sechs Jahren reise ich regelmäßig dorthin und verbringe viel Zeit in Norwegen und Schweden. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in meinem Künstlernamen wider.

Andreas: Was fasziniert dich so sehr an Skandinavien?

DJ Wendelgaard  bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg
DJ Wendelgaard bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg

Wendelgaard: Es ist die Kombination aus Natur, Kultur und Lebensgefühl. Die Weite der Landschaften, das besondere Licht und die Ruhe inspirieren mich. Gleichzeitig sind die Menschen offen für Kunst und neue musikalische Ideen. Diese Mischung hat mich von Anfang an begeistert.

Andreas: Als ich mich näher mit deiner Arbeit beschäftigt habe, fiel mir auf, dass du an außergewöhnlichen Orten auflegst – nicht in Clubs, sondern in stilvollen und exklusiven Locations. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Wendelgaard: Sehr gern. Ein besonders prägendes Engagement hatte ich in den historischen Frescohallen in Bergen. Dort habe ich klassischen Jazz auf Vinyl aufgelegt. Die Atmosphäre war einzigartig – die Musik fügte sich perfekt in die Architektur und das Ambiente ein. Es war ein unvergesslicher Moment für mich.

Andreas: Wird bei solchen Veranstaltungen getanzt, oder steht die Musik eher im Hintergrund?

Wendelgaard: Beides ist möglich. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Atmosphäre. Die Musik begleitet das Essen und die Gespräche, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht um Genuss und Entspannung.

Andreas: Ein ähnliches Setting hattest du auch in Schweden, richtig?

Wendelgaard: Ja, in Strömstad, das oft als „schwedische Riviera“ bezeichnet wird. Dort habe ich in einem Spa- und Resort-Hotel Lounge-Musik auf Vinyl gespielt. Die Musik fügte sich harmonisch in die Umgebung ein und schuf eine besondere Stimmung.

Andreas: Wie kommst du zu solchen Engagements?

Wendelgaard: Sowohl durch eigene Initiative als auch durch Anfragen. Wenn ich eine Location entdecke, die mich inspiriert, spreche ich die Betreiber an. Oft entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig melden sich Veranstalter bei mir über Social Media oder Empfehlungen.

Andreas: Für viele Veranstalter dürfte das ein Experiment sein.

Wendelgaard: Das stimmt. Der erste Auftritt ist immer eine Art Versuch. Doch die Resonanz ist meist sehr positiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen die Musik genießen und gemeinsam besondere Momente erleben.

DJ Wendelgaard In der SPIN Bar - Listening Bar in München
DJ Wendelgaard In der SPIN Bar – Listening Bar in München

Andreas: Welche Rolle spielt Vinyl in deiner Arbeit?

Wendelgaard: Eine sehr große. Vinyl hat eine besondere Klangqualität und vermittelt ein Gefühl von Authentizität. Außerdem verleiht es den Veranstaltungen eine zusätzliche Wertigkeit. Das bewusste Auflegen von Schallplatten passt hervorragend zu stilvollen und ruhigen Settings.

Andreas: Welche Künstler finden sich typischerweise in deinen Sets?

Wendelgaard: Vor allem Klassiker des Jazz: Nina Simone, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Blossom Dearie. Auch Frank Sinatra und Dean Martin gehören dazu. Ergänzend spiele ich Künstler wie Gregory Porter, Norah Jones oder George Benson.

Andreas: Du bist musikalisch sehr vielseitig.

Wendelgaard: Ja, ich bleibe offen. Selbst Fleetwood Mac integriere ich gelegentlich in Lounge-Sets. Stücke wie „Dreams“ passen hervorragend in eine entspannte Atmosphäre.

Andreas: Das zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Jazz, Lounge und Pop sein können.

Wendelgaard: Genau. Entscheidend ist die Wirkung eines Songs. Wenn er zur Stimmung beiträgt, findet er seinen Platz im Set.

Andreas: Wie reagieren die Gäste auf deine Musik?

Wendelgaard: Oft sprechen sie mich an, wenn sie ein Stück wiedererkennen. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit der Musik. Das macht solche Momente besonders emotional und schön.

Andreas: Zu welchen Tageszeiten finden deine Auftritte statt?

Wendelgaard: Meist tagsüber – zum Frühstück, Brunch oder Dinner. Jazz ist vielseitig und eignet sich für viele Gelegenheiten.

Andreas: Spricht deine Musik ein bestimmtes Publikum an?

Wendelgaard: Nein, sie ist generationsübergreifend. Die gleichen Menschen, die abends im Club tanzen, genießen tagsüber entspannte Jazzmusik.

Andreas: Wie bist du selbst zur Musik gekommen?

Wendelgaard: Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik allgegenwärtig war. Das Radio lief ständig, und ich wurde mit unterschiedlichsten Genres vertraut. Musik war immer ein Bestandteil des Lebens.

Andreas: Gab es einen konkreten Moment, der dich zum Auflegen brachte?

Wendelgaard: Ja, in Schweden. In einem Secondhandladen entdeckte ich rund dreißig Jazzplatten für jeweils einen Euro. Ich nahm sie alle mit und fragte mich anschließend, was ich mit ihnen tun sollte. Mir wurde klar, dass Musik gehört werden muss – und so begann meine Reise als DJ.

Andreas: Wann hattest du deinen ersten Auftritt?

Wendelgaard: Ein Bekannter vermittelte mir einen Gig in einer Bar in Köln. Dort konnte ich erstmals auflegen und merkte sofort, wie viel Freude mir das bereitete.

Andreas: Deine Musik richtet sich eher an Genießer als an Tänzer.

Wendelgaard: Genau. Wenn getanzt wird, dann eher langsam – und manchmal hilft auch ein Glas Wein. (lacht)

Andreas: Du verbringst viel Zeit in Skandinavien. Wie verteilt sich das?

Wendelgaard: Etwa 30 Prozent meiner Zeit verbringe ich in Norwegen und Schweden, den Rest überwiegend in Köln und Umgebung.

Andreas: Wie erlebst du die Jahreszeiten im Norden?

Wendelgaard: Die Winter sind lang und dunkel, während die Sommer von nahezu endlosen Tagen geprägt sind. Beide Extreme haben ihren eigenen Reiz und inspirieren mich auf unterschiedliche Weise.

Andreas: Bergen hat dich besonders beeindruckt.

Wendelgaard: Ja, es ist eine echte Jazzstadt mit einem eigenen Jazzfestival. Die Offenheit gegenüber neuen Klängen ist faszinierend.

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Andreas: Während meiner Norwegenreise fiel mir auf, dass das Land stark von Heavy Metal geprägt ist. Umso überraschender war deine Jazzpräsenz.

Wendelgaard: Das macht den Reiz aus. Skandinavien ist musikalisch vielseitig – von Metal bis Free Jazz. Diese Vielfalt ist inspirierend.

Andreas: Welche musikalischen Einflüsse prägen dich besonders?

Wendelgaard: Neben den Jazzklassikern schätze ich auch Bossa Nova, Swing und Lounge-Musik. Entscheidend ist für mich die emotionale Wirkung.

Andreas: Gibt es besondere Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Wendelgaard: Ja, wenn Gäste lächelnd zuhören oder sich für die Musik bedanken. Diese Augenblicke sind unbezahlbar.

Andreas: Du schaffst also Klangräume, die Erinnerungen entstehen lassen.

Wendelgaard: Das ist ein schönes Bild – und genau das ist mein Ziel.

Andreas: Zum Abschluss eine Gegenfrage: Welche musikalische Entdeckung hat dich zuletzt überrascht?

Wendelgaard: Eine musikalische Entdeckung, die zwar schon ein paar Jahre her ist, aber mich bis heute immer wieder begeistert, ist die US-amerikanische Jazz-Pop-Band Lake Street Dive. Die Musiker mischen herausragend Jazz, Pop und auch Soulelememte und setzen mit ihren guten Texten noch einen oben drauf. Ich bin nachhaltig begeistert von der musikalischen Leichtfüßigkeit und Authentizität. Welche musikalische Entdeckung ist es denn bei dir?

Andreas: Mich beeindrucken immer wieder junge Bands in kleinen Karlsruher Locations wie dem KOHI oder dem nun. Zuletzt haben mich Flora Falls, Paula Paula und die Punkband Sexbeat nachhaltig beeindruckt. Außerdem freue ich mich auf ein Wohnzimmerkonzert der Singer-Songwriterin Anne P.

Wendelgaard: Das klingt wunderbar. Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

Andreas: Samantha, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

Wendelgaard: Ich danke dir. Es hat mir große Freude bereitet.

Andreas: Bis zum nächsten Mal.

Wendelgaard: Sehr gern. Auf Wiedersehen!

Externe Links:

DJ Wendelgasard – https://linktr.ee/dj.wendelgaard?