Tonspur Nr. 41: Ukulele Swing Chillers „Folk, Jazz & Chill Vol.1“
IRMA gehört zu den Labels, die ein großes Herz für den Acid Jazz, den Soul, der daran haftet und das komplette Mittelfeld dazwischen haben. Da darf es dann auch mal House sein, oder was sonst so auf den Tanzboden passt.
Die Ukulele Swing Chillers kommen daher total locker daher. Ein bißchen brasilianisch verspielt, so leicht beschwingt, das sie sogar auf Milch schwimmen könnten. Gesang wie von den weißen Stränden, weit weg von allem Ungemach. Das macht zwar die Ukulele zu einem führenden Instrument, und Christian Lisi weiß sie auch einzusetzen, aber die Stimme Silvia Donati hat ein klassisches Timbre, das sich durch 4 Songs der EP von einem Klassiker zum nächsten zu arbeiten vermag. Da wird „O Sole mio“ schmachtend interpretiert, um schließlich eine akustische Version von „Like a virgin“ zu intonieren. Das hat eine kammermusikalische Folkmanier. Aber auch genug Humor, um diese kleine Kunstwerk liebenswert zu präsentieren.
Es werden auf den vier Songs einige Spielarten ausgetestet, so dass man gespannt sein darf, was auf Vol. 2 kommen wird. „Sapore di sale“ hat ein raues Timbre, wunderschönen, vielstimmigen Chorgesang und viel jazziges Urlaubsgefühl, als sei man mit einem 2 CV unterwegs. Ukulele at its best.
Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
Bekommt das eigentlich jemand mit? Was in einem geheimen Keller am Rande von Karlsruhe passiert?
Ich hatte schon mal darüber berichtet. Man and Friends sind eine Gruppierung, die ohne große Bühne, einfach so – mit einer selbst auferlegten Disziplin – und einem großartigen Gefühl für die Improvisation, immer wieder eine CD veröffentlicht.
Allerdings nur virtuell. Die CDs, mittlerweile 499 (!), werden nur auf der Webseite präsentiert. Es gibt keine haptisches Vergnügen daran. Was aber niemanden davon abhalten sollte, sie sich selbst zu brennen.
Es ist alles auf der Webseite vorhanden: Cover, Inlay, Titelliste, ein Bild für die CD selbst und alle Informationen über die Mitspielenden.
Und die Liste derer, die bisher zu Gast waren, ist lange, illustren und spiegelt einen großen Teil der Karlsruher MusikerInnen wieder.
Namen aus allen Richtungen kommen da zusammen, versammeln sich in dem Studio, spielen eine Session durch und dann kommt er wieder der Newsletter. Der mich, in seiner regelmäßigen Erscheinung, staunen macht. So erscheint jede Woche eine CD. Fast pünktlich, wie eine Zeitung, immer Freitags.
Wer auf Krautrock steht, wird es lieben. Wer auf Jazz steht, wird es verstehen. Und wer auf hypnotisch, verschleppte Beats, schlurfende Langsamkeit, geruhsame und spontane Lyrik abfährt, wird eine Menge Bezüge zu den Sachen erkennen, die in experimentellen Clubs laufen.
Die Aufnahmen sind mutig in ihrer Lässigkeit, mit denen sie die Zeit ausnutzen, keine Konventionen eingehen und irgendwo jenseits von Spotify eine Nische entdecken. Mane and Friends agieren jenseits der Hektik und des Zeitgeistes. Völlig losgelöst von jedem Kompromiss entstehen in diesem Format kleine, nicht wiederholbare Perlen.
Alles durchzuhören wird schwierig. Das Leben wird zu kurz, wenn man gleichzeitig Favoriten entdeckt. Aber die Webseite ist mit Empfehlungen aufgebaut. Man kann nach Musikern suchen, sich per Zufall überraschen lassen oder einfach mal durchsurfen.
Sie freuen sich übrigens über Kommentare und Rezensionen.
Zum Einstieg sei die 499ste Ausgabe übrigens empfohlen. Passt zu lauen Sommerabende, Rückblicke, verliebte Tagebuchschreibereien und die Katze mag es schon, weil einfach die Ruhe einkehren mag.
Mane Bock – Gitarre
Bernhard Finger – Vocals
Derek Hauffen – Keyboard, Drums
Werner Lapp – Woodwinds, Keys
Dieter Schult – Bass
Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
JULIE KUHL IM NUN, KULTURRAUM IN KARLSRUHE, 01.02.2025
Traditionell ist es so: Wenn jemand schon mal auf Jazznrhythm.com erwähnt wurde, dann wird fortan eigentlich darauf verwiesen – sobald die Person wieder irgendwo in der Region unterwegs ist. Julie Kuhl hatte schon mal im NUN gespielt, und gehörte zu den angenehmen Konzerten, die mir ganz zu Beginn meiner Zeit dort ein Gefühl für den Veranstaltungsort vermittelt hatten.
Es war eines, jener ruhigen, zurückhaltenden Konzerte, die in ihrer Grundstimmung eine intime Atmosphäre zauberten. Julie schaffte es in diesem kleinen Rahmen, dieses unplugged-Feeling zu erzeugen, dass zu den zauberhaften Momenten der Location gehört. Schon deswegen war es eines der frühen Highlights im Jahr 2025.
Im Sommer veranstaltet die Mannheimer Feuerwache eine ganze Reihe Konzert, die umsonst und draußen vor dem Gebäude stattfinden. Alles frei und kostenlos und mehr als nur eine Chance einige der besten und ansprechendsten Talente zu erleben, die derzeit unterwegs sind.
Julie Kuhl gehört ohne Zweifel dazu. Eine junge Singer-Songwriterin, deren Namen man sich gerne merken kann, und die auf jeden Fall eine Entdeckung ist, für all jene, die sie noch nicht kennen. Die anderen, die sie schon gesehen haben, kommen ja sowieso.
Im Laufe eines Lebens sammelt sich Musik auf die unterschiedlichste Weise in einem Haushalt an. Wer LPs, Kassetten, Mini-Discs und Tonbänder genutzt hat – diese vielleicht auch bereits digitalisiert – steht vielleicht vor dem Problem, eine Unmenge Musik-Dateien verwalten zu müssen.
In dieser kleinen Serie geht es um „Swinsian“. Einen alternativen Musikverwaltungssystem für den Mac. „Swinsian“ wurde speziell für große, sperrige Dateisammlungen entwickelt, die oftmals sehr individuelle Feinarbeiten benötigen, um sie richtig handhaben zu können. Das können Ton-Archive sein, aber auch ganze Bibliotheken an raren, weitgehend unbekannten Musikstücken, die schwierig automatisiert in Griff zu bekommen sind.
„Swinsian“ will dabei kein Gegenstück zu Apples „Musik“ sein, sondern eher eine Ergänzung. Zwar kann es Apples „Musik“ in Sachen Verwaltung ablösen, aber das ist erstmal nicht das Ziel. Es geht vielmehr darum, die Dinge, die unter der Motorhaube von „Musik“ stecken, sichtbarer zu machen.
Vorab sei daher unbedingt gesagt: In den meisten Fällen werden die Funktionen von „Musik“ erschöpfend und ausreichend sein, daher richtet sich Swinsian ganz gezielt an jene, die sehr große Sammlungen mit einfachen Mitteln verwalten wollen.
Es geht vor allem um die bekannten Dateiformate *.mp3, *.acc, *.wav, **.flac und *.ogg. Swinsian ist in diesem Sinne für NutzerInnen wertvoll, die möglicherweise mehrere tausend oder hunderttausend dieser (Musik-) Dateien auf ihren Festplatten schlummern haben.
Die Stärke Swinsians offenbart sich in einer spartanischen, übersichtlichen Oberfläche, die eine freie Gestaltung erlaubt. Schwerpunkte sind dabei: sehr schnell einen Überblick über die vorhandenen Dateien zu bekommen, sowie die Metatags (mit Künstlernamen, Alben- und Songtitel) und eine genaue, leicht beeinflussbare Ordnung herzustellen.
Die herausragenden Eigenschaften des Programms „Musik“ liegen (zum Beispiel) in der Einbindung von iTunes bzw. der Nutzung des Apple eigenen Streaming-Dienstes „Music“.
„Swinsian“ hat dagegen die beiden Optionen nicht und bindet sie nicht ein. Weder den Streamingdienst, noch die Möglichkeit über iTunes Musik käuflich zu erwerben. Kann aber die lokale, vorhandene Musikbibliothek des Apple-Programms nutzen und auch die entsprechenden Playlists integrieren.
Zu den Features von Swinsian, die hier sicherlich nicht alle genannt werden können, gehört die automatisierte Coversuche, die Komplettierung von Metatags und die Einrichtung von „Watched Folders“ (zu beobachtende Verzeichnisse), und damit die Möglichkeit eine Musik-Bibliothek auf verschiedene, angeschlossene und integrierte Datenträger zu verteilen.
Ein „Watched Folder“ (ein beobachtetes Verzeichnis) kann ein Verzeichnis sein, dessen Inhalt automatisch in die Bibliothek bewegt wird, dessen Dateien dorthin kopiert werden oder lediglich zu einem Eintrag in der Bibliothek führen.
(Zu vergleichen ist es am ehesten mit dem Verzeichnis „Automatisch hinzufügen“, das Musik nutzt. Dateien, die dort abgelegt werden, werden von Musik in regelmäßigen Abständen dem Verzeichnis entnommen und der Musikbibliothek hinzugefügt.)
Lässt man nur Einträge dieser beobachteten Verezeichnise von Swinsian in der Datenbank einer Musik-Bibliothek vornehmen, dann kann man mit verschiedenen Watched-Foldern eine Sammlung über mehrere Datenträger aufbauen. In den folgenden Artikel soll es darum gehen, wie man eine solch große Sammlung sinnvoll gestaltet und pflegt.
Es werden dabei die Hürden, aber auch Möglichkeiten aufgezeigt, dieses unter Umständen mit veralteter Hardware, einem nicht mehr aktuellen Betriebsystem und geringem Arbeitsspeicher-Bedarf zu machen.
Ziel ist es vor allem, eine unabhängige Installation aufzubauen, die es erlaubt, seine eigene Musik in digitaler Form leicht zugänglich zu machen, und damit unabhängig von Streamingdiensten zu genießen.
Begleitend wird auch erwähnt werden, wie man analoge Musik auf einem Mac digitalisieren und damit transportabel machen kann, aber vor allem, wie man mögliche Bestände aus Musikkassetten, Mini-Discs und Vinylplatten wieder zum Leben erwecken und unterwegs hörbar machen kann.
Viele Tipps, die hier genannt werden, gelten auch für „Musik“. Denn im Hintergrund benutzen beide Programme dasselbe Betriebsystem (MacOs) und dieselbe Technologie.
Dinge, die bei „Swinsian“ berücksichtigt werden müssen, trifft man daher auch oft bei „Musik“ an .
Weiter geht es im zweiten Teil, demnächst. (Wird – sobald online – selbstverständlich hier verlinkt).
(Bitte schreibt in die Kommentare, wenn euch etwas besonders interessiert.)
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