Grandbrothers im Tollhaus (Support: Evan Gildersleeve) , Karlsruhe, am 02.03.2026 

Grandbrothers im Tollhaus (Support: Evan Gildersleeve) , Karlsruhe, am 02.03.2026 

Die Grandbrothers im Tollhaus am 02.03.2026
Die Grandbrothers im Tollhaus am 02.03.2026

Die Grandbrothers scheinen nun dort angekommen zu sein, wo sie hin wollten. Das ist gut, das ist toll und nach Angaben der Band war es in Karlsruhe ein „Hexenkessel“. 

Weise gesprochen, war es doch der erste Abend auf der aktuellen Tour der umbestuhlt war.

Es ist viele Jahre her – wahrscheinlich schon über ein Jahrzehnt – als ich die Grandbrothers zum ersten Mal sah. Damals noch in der Halle 02 in Heidelberg im Rahmen des Heidelberger Frühlings. Der Heidelberger Frühling ist ein renommiertes Klassikfestival, dass sich über mehrere Tage an verschiedenen Örtlichkeiten in der Stadt abspielt. Es kommen dabei bekannte, aber auch neue Gesichter und Talente in die Region, und stellen sich und ihre Musik vor.

Die Grandbrothers, zu dem Zeitpunkt noch relativ unbekannt, traten in der Halle 02 in einem bestuhlten Saal als ambitioniertes Nebenprogramm auf. Man wusste nicht so recht, wo man sie einordnen sollte, aber sah sie als neue engagierte, junge Menschen, die etwas machten, dass in die Randbereiche gut passte, aber auch den Innovationsgeist des Festivals widerspiegelt konnten. 

Der Schwerpunkt lag zu dem Zeitpunkt noch auf dem Piano und der Verfremdung des Tonraums. Ein Hang zum Rhythmus, aber vor allem zur Tüftelei zeichnet das Konzert aus, und gehört damit zu einem der experimentellsten Momente des Festivals. Hätte man händeringend ein Genre für sie gesucht, wären sie wohl in der Neo-Classic gelandet. Eben jenem Stempel in dem alles rein passt, was irgendwie mit einem Flügel und Irgendwas zu tun hat.

Nach mehreren LPs, aber vor allem Remixen, machen die Stühle keinen Sinn mehr. Dass das Tollhaus sich entschieden hatte, darauf zu verzichten, gab dem Konzert die Struktur, die sich mittlerweile in der Musik der Grandbrothers niederschlägt. Mit sichtlichem Spaß finden sich in der Clubkultur wieder, ziehen ein stark gemischtes, vor allem aber jüngeres Publikum an, und wissen eine Melange aus technoiden Anklängen, Deep House-Zitaten, und klassischer Vorbildung geschickt zu nutzen.

Die Grandbrothers im Tollhaus am 02.03.2026
Die Grandbrothers im Tollhaus am 02.03.2026

Präsentierte sich ihr Mitproduzent vom letzten Album „Elsewhere“ –  Evan Gildersleeve – noch mit sphärischen Gesang und einer waghalsigen Mischung aus sakralen Anklängen, starker, dominanter Rhythmik und verhaltenem Gesang in einer sphärisch-kantigen Atmosphäre als Vorgruppe, so fuhren die Grandbrothers das Gefühl in einer Matrix zwischen London und Berlin gelandet zu sein, mit Bravour nach oben.

Körperbetont, lässiger, und mit der Coolness, die zwischen dem Bild des charmanten Nerds und smarten DJs schwankte, bespielten sie das Tollhaus, als sollte der Abend nicht enden. Hätte man die ganze Nacht erleben können. Piano-Einleitungen, Teilstücke, harmonische Syntesizerklänge, und gut platzierte Drums offenbarte eine hohe Lernkurve durch die letzten Jahre, aber vor allem ein stetiges Zugehen und Harmonieren mit dem Publikum. 

Die Grandbrothers fühlten sich sichtlich wohl und es war eine Freude sie dabei zu erleben. Eine fein komponierte Lichtanlage, die abgestimmt auf die Performance, für Raves wie geschaffen war, unterstützte die beiden Musiker (Piano zum Einen, Synthesizer zum Anderen) bei  auf ihrer Reise in die Welt der Tanzenden.

Bei all den Remixen hat man es geahnt, das die Lust am Beat und an der Bewegung mit einer der Kräfte ist, die die Grandbrothers voran treiben und zu einer experimentierfreudigsten Gruppen in dem Bereich zwischen allen Stühlen machen. Man darf gespannt sein, wie die Reise weitergeht. Allen weiteren Veranstaltungsorten sei empfohlen: Weg mit den Sitzplätzen. Es lohnt sich.

Externe Links:

Grandbrothers – https://www.grandbrothersmusic.com

Evan Gildersleeve – https://www.evangildersleeve.com

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Mustang Fang im Linden’s Irish Pub, am 28.02.2026

Mustang Fang im Linden’s Irish Pub, am 28.02.2026

Mustang Fang im Linden's Irish Pub am 28.02.2026
Mustang Fang im Linden’s Irish Pub am 28.02.2026

Die Faszination bei Mustang Fang ist immer die Gleiche: Zwei Mann, das minimalste was man an einem Schlagzeug mitnehmen kann, dazu eine Gitarre (in durchaus den verschiedensten Ausführung) und dann rockt das Ding. Es klappt, es läuft rund, wie ein alter, benzin-saufender Oldtimer, und fährt immer geradeaus, in die Richtung, in die es soll.

Mustang Fang spielen den Blues, aber so ungeschlachten und dennoch mit genau dem Gefühl, das es braucht, um es authentisch und transparent zu machen. Das wirkt lässig genug, um in Kneipen und auf den kleinsten Bühnen zu bestehen. 

Im Lindens Irish Pub, am Ende der Theke angesiedelt, bei einem der typischen Hutkonzerte, spielten Mustang Fang ihr Set durch, luden zum Kopf nicken und wippen ein, bewiesen dabei wieder mal, dass sie es können. Knarzig, griffig, bündig und so sumpfig, wie der Blues sein sollte. Wenn er zum Tanz spielt. 

Auf kleinstem Raum konnten sie es durchziehen. Komprimierten dabei alles, was es braucht, trotzdem blieb es wild, zeigte in Gesang und Spiel die Wucht und Kraft, der Ursuppe des Rock’n’Roll. Vermittelten genau jenen Geist, der in der Garage und beim Bier auf jeden Fall überlebt.

Mustang Fang im Linden's Irish Pub am 28.02.2026
Mustang Fang im Linden’s Irish Pub am 28.02.2026

Mustang Fang spielten kompromisslos ihre Variante einer ehrlichen Musik. Könnte in der Region tief verwurzelt sein, eine lange Tradition haben, und dem hiesigen Rock gut zu Gesicht stehen. Es ist der Spaß aller Anwesenden, das gute Gefühl dann teilzuhaben, und das Handwerk, das ohne Schnörkel, einfach daherkommt und es schon richten wird.

Mustang Fang spielen den Blues wie es sich gehört, wenn er von dem Kummer und dem ungestümen Leben erzählt. Dabei gehen sie in die Füße, schütteln durch und wußten auch im Linden’s Irish Pub, wie man bis hinten richtig gut durchklingt. 

Feines Zeug für den Samstagabend, aber auch bei anderen Gelegenheit nichts, was man absichtlich verpassen sollte. Haben einen eigenen rauen Charme, der pur und klar auch in der Kneipe funktioniert. Haben sie bewiesen. Passte wie Mutter auf Schraube, wie Rechnung auf Deckel und Blues zu Bier. Gute Leute, können was. 

Externe Links:

Mustang Fang – https://www.instagram.com/mustangfangband/

Linden’s Irish Pub- https://www.instagram.com/lindensirishpub/?hl=de

Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026

Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026

Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026
Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026

Die Finca Roasters, eine kleine Kaffeerösterei in der Augartenstraße 30, feierte das 3-jährige Bestehen ihres Ladens in der Südstadt. Grund genug alle Freunde und Bekannte, aber auch diejenigen, die noch nie dort waren, zu einem Besuch einzuladen. 

Musikalisch durch ein Konzert von Fernanda Tarrech untermalt, konnten die Finca Roasters, zum einen ihre kleinen, aber angenehmen Räumlichkeiten (die erstaunlich viel Platz für die Anwesenden boten) und ihr Konzept vorstellen. Eine eigene Röstung, mit lateinamerikanischen Wurzeln und Bezügen, die aber im Zusammenhang mit dem Geschäft auch Heimat für eine Community wurde, die in Karlsruhe lebt, aber ihren Ursprung in Lateinamerika hat.

Fernanda Tarrech ist eine junge Musikerin aus Uruguay, die innerhalb der Region Karlsruhes bei schönem Wetter gerne mal in der Fußgängerzone angetroffen wird. Sie stellt dort ihre eigenen Songs vor, in der Sprache ihrer Heimat – spanisch – oder in englisch. 

Material findet sich auch auf YouTube, Spotify und Bandcamp. Aber es ist auch möglich (und sowieso empfehlenswert) die Chance zu nutzen, wenn man sie irgendwo trifft, ihre selbstgebrannte CD zu erwerben. Wenn man nicht auf das Erscheinen ihres ersten Albums warten möchte. Das ist angekündigt, aber hat noch keinen Termin.

Ausgestattet mit einer Loop-Machine und der akustischen Gitarre präsentierte sie zur Geburtstagsfeier des Ladengeschäfts ihr Repertoire. Der Trubel eintreffender Gäste, das vielfarbige Stimmengewirr aus allen möglichen Sprachen, erstarb, sobald Fernanda sang. So schlossen sich teilweise Augen, die Anwesenden lauschten und die Ausgeglichenheit ihrer Ausstrahlung legte sich über alles.

Es ist die Professionalität, die Leichtigkeit ihres Spiels und die warme Stimme, die in den Bann zieht, aber auch eine Künstlerin zeigte, die schon seit einigen Jahren in den verschiedensten Kombination und an ganz differenten Orten aufgetreten ist.

Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026
Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026

Ihr (Bühnen-) Auftritte sind rare Glücksgriffe. Umso größer die Freude, wenn es die Möglichkeit gibt, sie in einem solchen, kleinen – geradezu privaten Rahmen zu erleben. 

Fernanda Tarrech  gehört innerhalb der hiesigen Szene zu einem der Namen, die – hat man sie mal gehört oder auf Video genossen – nicht so schnell vergisst. Faszinierend, wie das Publikum auf ihre selbstkomponierten Stücke reagiert, die in ihrer Eingängigkeit so vertraut und traumwandlerisch perfekt funktionieren. 

Ihre Stärke ist in Vortrag und Komposition einen liebenswerten Charme einzuflechten, der die Komplexität der Details vergessen lässt. Wirkt es doch so, als hätte sie Inspirationen aufgefangen, spontan daraus eine Melodie gewoben, die von der Liebe, dem Kummer darum und all den Dingen dazwischen erzählt.

Fernanda Tarrechs Songwriting wirkt vertraut, zugleich frisch. Die Art und Weise, wie sie ihre Lieder darbietet machen sie zu einem der Talente, bei denen man sich eine Menge Auftritte vorstellen kann, denen man aber vor allem viele weitere Chancen wünschen möchte.

Die Finca Roasters hatten damit ein gutes Händchen für ihr 3 jähriges bewiesen. Und der Kaffe ist sowieso gut. Kann man sich jederzeit gönnen.

Externe Links:

Finca Roasters – https://www.fincaroasters.de

Fernanda Tarrech auf Bandcamp – https://fernanda.bandcamp.com

Daniel Benyamin & Simone White im KOHI, Kulturraum, am 01.03.2026

Daniel Benyamin & Simone White im KOHI, Kulturraum, am 01.03.2026

Daniel Benyamin im KOHI am 01.03.2026
Daniel Benyamin im KOHI am 01.03.2026

Wenn Doppelkonzerte stattfinden, dann sind die Strukturen und Regeln im Normalfall klar. Es gibt Supporter und Hauptacts. Daniel Benyamin und Simone White brachen diese auf, gingen neue Weg und präsentierten sich immer wieder im Wechsel.

Was wie ein Widerspruch klingt, auch unter der Berücksichtigung der musikalischen Ausrichtungen, war dann ein kreatives, erfrischendes Arrangement zwischen zwei sehr kreativen Charakteren.

Begleitet von einer visuellen Beamer-Show, die je nach Komposition und InterpretIn wechselte, zeigte sich Daniel Benyamin als experimentierfreudiger Arrangeur seiner Werke. Ausdrucksstark in Stimme und Lyrik, liess er sich von einem alten Tape-Recorder begleiten. Die Unzulänglichkeiten der Bandaufnahme, ein leichtes Übersteuern, Rauschen oder verzogenes Klingen des Pianosspiels, bildeten für seine Stücke interessantes Fundament, dass er mit elektrischer Gitarre und, hin und wieder, Stehdrums als Baustein nutzte.

In Vielseitigkeit und Farbigkeit stand er den Bildern hinter ihm in nichts nach, und bewies, – zurückblickend auf viele Jahre im Duo – auch in den neueren Werken, dass er die Kunstfertigkeit des modernen Chansons mit einem Schwerpunkt auf seinen Gesang zu nutzen weiß. Eine klare, deutliche, kräftige Intonation gehört zu seinen Schwerpunkt, der durch einen lausbübischen Charme unterstützt wird. 

Simone White im KOHI am 01.03.2026
Simone White im KOHI am 01.03.2026

Die Überleitungen zu seiner Konzertpartnerin waren fast spielerisch, und vollzogen sich, trotz einer komplett anderen Herangehensweise in einer feinen Harmonie. Von gegenseitigem Respekt und Hochachtung geprägt, liessen sich beide genug Raum, um dem Publikum ein bündiges Konzept zu präsentieren. 

Es funktionierte, trotz -aber vielleicht auch vor allem wegen – Simone Whites Zurückhaltung, die , begleitete von Schneefall- und Regenbilder im Hintergrund, eine angenehme Grundstimmung und eine Basis für ihre ruhigen Songs boten. 

Simone White gehört damit zu jenen großen Singer-/Songwriterinnen, die ihr eigenes Material in eine Reihe, der kleinen Geschichten stellen können, die haften bleiben. Weil sie in Komposition, Blickwinkel und Vortrag eine Einheit bilden, die von jahrelangem Handwerk und Können erzählen.

Nur begleitet von ihrer akustischen Gitarre trug sie einen Teil ihres, mittlerweile sehr umfangreichen Gesamtwerks vor. Bezüge und Namen fallen einem eine Menge ein, aber aufgrund des Könnens und dem Geschick ihres Vortrags braucht Simone White keine Vergleiche. Sie auch nicht zu scheuen. 

Im Zusammenhang mit Daniel Benyamin, der sehr unterschiedliche Kompostionen – so auch für eine Sternwarte – im Gepäck hatte, stellte sie den ruhigen, zurückgelehnten Part da. Eine Entdeckung, denn erstaunlicherweise sind hierzulande ihre Songs kaum bekannt, obwohl sie es verdient hätten. Erzählen sie doch die kleinen Geschichten in kunstvoller Manier.

Daniel Benyamin präsentierte mit dem Re-Relase eines ihrer Alben, eine Konzerttournee, die mit einem sympathischen Akzent, zwei Künstler zeigte die durchaus alleine den Abend bestreiten könnten, aber zusammen gewinnen.

Externe Links:

Daniel Benyamin – https://www.instagram.com/daniel__benyamin/?hl=de

Simone White – https://www.simonewhite.com/index.html

KOHI – https://kohi.de