Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Berlin ist weit entfernt. So ist es kein Wunder, dass der letzte Besuch schon über ein Jahrzehnt zurück liegt. Masha Qrella war zum zweiten Mal in Karlsruhe. 

Dieses mal im Kohi in kleiner Besetzung. Keyboard ( aber auch Gitarre), die Leadgitarre (Masha selbst) mit Vokals und selbst das Schlagzeug als Background und Chor. Im Gepäck hatte sie: Bezaubernde kleine Popperlen. Ausgeklügelt und in aller Schönheit glänzend. 

Unprätentiös und in alle Bescheidenheit, fast schon mit einer bewundernswerten Lässigkeit, dafür mit wenigen Worten zeigte Masha Qrella, wie man das macht. In den Details gekonnt, mit einer Schnörkellosigkeit, die die Songs in ihrer reinsten Form darboten, erreichte sie ihr Publikum. 

Für einen Donnerstag, fast noch unter der Woche, war das Kohi gut gefüllt. Aber all das hätte ohne Schwierigkeiten auch auf größeren Bühnen funktioniert. Dafür scheint es gemacht. Eingängige, kleine Melodien, die schnell und griffig zum Mitwippen und Tanz einluden. 

Im Sound dennoch größer präsentiert, als es für 3 MusikerInnen möglich war, aber daher auch nahe dran an der abgestimmten Produktion und dem neuesten Album. Mit ihrer aktuellen Platte „Songbook“ stellte Masha ein ausgereiftes Songwriting und ein gute Wahl in der Interpretation von Coverversionen vor. 

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Mit „I wanna dance with somebody“, einst eine Hymne von Whitney Houston, ging sie den mutigen Weg dieses Werk in ein einfühlsames Indie-Pop-Gewand zu kleiden. Mit ihren eigenen Songs spielte sie humorvoll und rhythmisch das Thema Tanzbarkeit an. Wechselte von Englisch zu Deutsch, und wieder zurück. Was dann auch betonte und zeigte, dass der internationale Vergleich nicht gescheut werden muss.

Gutes Pop-Handwerk, wenn es ernsthaft betrieben wird – die Songs gefeilt und mit Liebe gestaltet sind – macht live zwei mal soviel Spaß, wenn durch das Set und die Zusammenstellung die Begeisterung dafür aufs Publikum überspringt.

Masha Qrella gehen diesen Weg mit einer ungewöhnlichen Zurückhaltung, halten sich fern von Posen, zeigten sich aber vielseitig und versiert in der Wahl und dem Gebrauch ihrer Instrumente.

Überzeugend, mit einem sauberen Sound, dem richtigen Händchen für mögliche Hits und einer Stimme, die unaufdringlich aber klar und deutlich das Songwriting betont, konnte Masha einiges auf der Habenseite verbuchen. 

In Berlin müssen sich die Bands gegenseitig auf den Füßen stehen. Jedes Mal denkt man, wo kommt ihr her? Was habt ihr gemacht, dass man noch nicht von euch gehört hat? Man möchte ihnen die Provinz vorschlagen, die Rückkehr und ein Wiedersehen in kürzerer Zeit. 

Masha Qrella geben dem Pop in seiner schönsten Schreibweise eine Chance, halten die Flagge hoch und machen ihn clubtauglich. In aller Liebenswürdigkeit trotzdem rau und unabhängig.

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Externe Links:

Masha Qrella – http://mashaqrella.de/

KOHI – https://kohi.de

Das Paradies (Support: Stefanie Schrank) am 24.01.2026 im KOHI, Karlsruhe

Das Paradies (Support: Stefanie Schrank) am 24.01.2026 im KOHI, Karlsruhe

Das Paradies im KOHI am 24.01.2026
Das Paradies im KOHI am 24.01.2026

Sie hebt den Chanson in das neue Jahrhundert. Stefanie Schrank leitete über zu Das Paradies. Im KOHI bot sie den Sound einer Vorband und stand dennoch ganz alleine auf der Bühne. Dabei bediente sie ein kleines Board vor sich, verfremdete, flocht ein, verformte und konstruierte kleine, lyrisches Puzzle. Rhythmische Werke, die sich aus Großstadtgeschichten, Kindheitserinnerungen und waghalsigen Experimenten bildeten. Alles in Bezug auf das was war – und mit einem großen Blick auf das was kommt. 

Durchaus beschwingt, mit Mut zum Pop und der kleinen Melodien, blieb ihr Gesang eine Erzählung aus einem sphärischen Irgendwo, in das ihr das Publikum gerne folgte. Kryptisch, doch deutschsprachig, benutzte sie fast zärtliche und distanzierte Texte, um eine Geschichte nur scheinbar zu enthüllen. Aber dennoch für sich zu behalten. Stefanie Schrank macht Lieder mit der Elektronik. Ist daher im besten Sinne, eine Liedermacherin. Ihr Orchester passte auf ein schmales Brett. Ihre Chöre, großen Töne und kleinen Rhythmen führen in den Science-Fiction-Film von gestern, und in Bar von morgen. Begleitet von einem Fingerschnippen und einer Ahnung vom Tanz. 

Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI
Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI

Stefanie Schrank gab ihrem Sound eine lyrische, persönliche Stimme, die einen Rahmen an Nahbarkeit und großer Menschlichkeit bot. In diesem Konzept bot sie eine Eigenständigkeit und mögliche Wiedererkennung an, die als Basis für Sympathie und Wiederhören dient. Eine ausgeruhte Nutzung der Klangfarben tat sein übriges. Und wie gesagt: Eigentlich Chansons.

Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI
Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI

Der letzte Tourtag. Das Album wurde vorgestellt. Der Auftritt im KOHI stellte den Abschluss für Das Paradies dar. Zwei Musiker, die mit einem ganzen Arsenal an Instrumenten, einen Klang-Universum schufen, das breit und lustvoll seine Varianten anbot. Schlagzeug, Vibraphon auf der einen Seite, eine Kohorte an elektronischer Unterstützung und Gitarre auf der anderen. 

Das Paradies, deutschsprachig wie im Namen, spielten sich detailverliebt durch ein Bündel Alben und die Neuheiten. Kleine, verhaltene Popsongs, die mit einem fast nebensächlichen Witz ihre Verliebtheit in übersehen Details offenbaren. Alles ein bißchen verwickelt und mit spielerischen Loops und Einblendungen in die Tanzbarkeit und das Mitschwingen geleitet. Einfach so. 

Das Paradies am 24.01.2026 im KOHI
Das Paradies am 24.01.2026 im KOHI

Das Paradies kam mit leichten Schritten daher, erzählte die Geschichten, die die Melancholie so schreibt, wenn man sie mit positiven Blick einfach lässt. Das war von großer Sympathie gezeichnete, erzeugte Bilder, die im Publikum die Füße bewegte und den Abend mit der richtigen Zufriedenheit füllte. Ein spielerischer, ertüftelter Umgang mit der Komposition. Und ein gutes Gefühl für das was bewegt, zeichnete sie dabei aus. 

Fast eine Playlist für eine Zeit, in der der Winter endlich wieder vorbei ist. Übrigens die schlechteste Zeit für eine Tour, wie sie sagten. Was da alles droht. 

Das Paradies machen die kleinen Songs, die mit ihren Worten so einfach daherkommen. Stoff für die langen Tagen, verrückten Tänze, Küchengespräche und Mixtapes. Sie können das zu einem Abend formen, der schnell vergeht. Haben sie bewiesen.

Externe Links:

Das Paradies – https://www.dasparadies.org

Stefanie Schrank – https://www.stefanieschrank.com

KOHI – https://kohi.de/

Park Walker (Support: Tom Mess + How I left) im P8 in Karlsruhe am 23.01.2026

Park Walker (Support: Tom Mess + How I left) im P8 in Karlsruhe am 23.01.2026

Park Walker im P8 am 23.01.2026
Park Walker im P8 am 23.01.2026

Das Jahr hat begonnen. Die neuen Veröffentlichungen bringen eine ganze Reihe spannende Konzerte mit sich. Die richtige Zeit Entdeckungen zu machen und geschätzte Helden wiederzusehen. Park Walker haben im P8 ihr neues Album „The Extra Mile“ vorgestellt. Im Support brachten sie Tom Mess und How I left mit. Macht es damit zu einem runden, spannenden Event.

Tom Mess, erdig, direkt von den staubigen Straßen zwischen hier und den Südstaaten, eröffneten hemdsärmelig und gerade heraus. Langjährige Americana Ikone, rockiger als ich die Band in Erinnerung hatte und weit vorne im Publikum. Mit Entschlossenheit, das Ding zum Laufen zu bringen, wagten sie den schweren Stand der Vorband. Zeigten aber, das es geht. Fünf MusikerInnen, tief im Feld zwischen energischen Countryanklängen, nahe an den Roots, aber vor allem mit einem ganz eigenen Material, das von gutem Songwriting und einer tiefen Liebe für die raue Seite der amerikanischen Folkmusic zeugt. Der Stoff, der entsteht, wenn die Fahrt lange genug ist, die Tage im Horizont blutrot verschwinden, und man vor dem letzten Bier nicht heimgehen will. 

Tom Mess im P8 am 23.01.2026
Tom Mess im P8 am 23.01.2026

Steelguitar, Bass, Schlagzeug, Gitarre mit Vokals und Background. Tom Mess brachten alles mit, was die Erwartungen und die Authentizität verlangten. Sie gaben das Tempo vor und legten kraftvoll die Latte hoch. Ein Meter vor der Bühne, im Angesicht des Publikums, stand Thomas Hauf an der Front. Hat funktioniert, hätte länger sein können, hatte Platz für mehr, und mit dieser Energie, da hätte es auf jeden Fall dazu gereicht.

Als zweite Vorband ist der Stand nicht einfach. How I left meisterten es mit Charme, lässigen Geschichten und einem guten Gefühl für Erzählungen, die sich als Anekdoten in ihren Repertoire einfügten. In verschiedenen Traditionen des Songwriting angesiedelt, bewahrten sie sich eine unschuldige Herangehensweise, die den Popsong frönte, und die Eingängigkeit mit einer melancholischen Kantigkeit gefühlvoll nachklingen lässt. Zu dritt – begrenzt auf die klassische Konstellation, die nicht mehr braucht, als ein cooles Bass, eine Gitarre und ein druckvolles Schlagzeug. 

How I left im P8 am 23.01.2026
How I left im P8 am 23.01.2026

How I left schlenderten ausdrucksstark durch ihr Werk, und zeigten, dass sie diejenigen sind, die es verdient haben, dem Abend eine weitere Farbe zu geben. Mehr von dem Sound der kleinen, britischen Insel, mehr von den Songs, die Momente beleuchten, die sonst vergessen wären. Und einiges von dem, was haften bleibt, wenn man es mal gehört hat. Braucht nicht mehr, ist vollkommen ausreichend, kommt gut und darf bleiben.

Park Walker  - vocal- im P8 am 23.01.2026
Park Walker – vocal- im P8 am 23.01.2026

Park Walker. Die Headliner des Abends, boten melodiösen Rock, begleitet von einer ausgebleichten Filmschau. Bergwanderungen, wie aus vergangenen Zeiten. Mit Wucht gespielte, atmosphärisch dichte, aber in den Details sehr differenzierte Werke. Kräftig, mit bewusst gezogener Bremse, die komprimierte, doch die Sicht freiliess. Die große Konsequenz geformter Werke, die dem Songwriting mehr verpflichtet sind, als einem möglichen Genre.

Park Walker gehen dabei einen sehr eigenständigen Weg, der sich an der Betrachtung der klassischen Strukturen im Rock ebenso bedienen kann, wie am zusammengezogenen Gitarrenwerk der härteren Fraktion. Park Walker mag man mit einem Genre einfangen, aber soundtechnisch zeigten sie dann doch eine Verwandtschaft durch die Jahrzehnte. Nichts, was der eindeutigen Bestimmung gefallen will. Das hatte seine festen, starken Komponenten. Aber auch Aspekte, die sich – angelehnt an dem durchaus transparenten Spiel der vier (2 Gitarren, Vokals, Drums, Bass) – eher an der Melancholie und filigranen Handhabung orientieren. 

Noch liegt es nicht in voller Größe vor, das neue Album, aber ausgestattet mit Flügelhorn und weiblichen Background, könnte es noch einiges verbergen. So war es ein spannender Vorgeschmack und eine feine Präsentation der Songs. Park Walker als Wanderung an der Baumgrenze kann man als Bild lassen. Dahinter schneebedeckte Gipfel und ein weiter Ausblick. Geht. 

Externe Links:

Tom Mess – https://tommess.bandcamp.com/

How I left – https://howileft.bandcamp.com/album/birds-in-the-city

Park Walker – http://www.parkwalker.de

P8 – https://p-acht.org/

Zum Abschied von Oliver „Oli“ Brandt (Heaven Records in Worms)

Zum Abschied von Oliver „Oli“ Brandt (Heaven Records in Worms)

Oliver Brandt in den Räumen von Heaven Records (Worms)
Oliver Brandt in den Räumen von Heaven Records (Worms)

Eine traurige Nachricht wurde heute von Heaven Records in Worms auf Facebook verkündet: Oliver Brandt, der Inhaber des traditionsreichen Plattengeschäftes ist verstorben. 

Mein erstes und einziges Treffen mit Oli, wie er liebevoll von allen genannt wurde, liegt schon einige Monate zurück. Seinen Werdegang verfolgte ich eher in den sozialen Medien, in denen er vor allem in den letzten Jahren verstärkt aktiv war.

Heaven Records ist weit über die Grenzen von Worms bekannt. Der Ruf des kleinen Plattenladens eilte ihm voraus, und ist sehr mit dem Engagement und der Umgänglichkeit des Besitzers verbunden.

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich in Heppenheim auf einer Plattenbörse war, in der fast alle Anwesenden von ihm sprachen. Es war der Zeitpunkt, als sein Lebensgefährte verstarb, und die Betroffenheit und Anteilnahme bei Allen auf der Börse spürbar war. Die Veranstaltung in Heppenheim ist klein, fast familiär. Sie ist fest verankert in der Region und damit in dem direkten Wirkungsbereich von dem Plattenladen in Worms. Fast schien es folgerichtig, dass sein Verlust eine solche Welle der Sympathie und Herzlichkeit verursachte.

Heaven Records steht nicht nur für ein fast unübersichtliches und umfangreiches Sammelsurium an Platten aus allen Richtungen, sondern auch für die Hingabe mit der sich Oli für das Thema einsetzte. In Worms hat Heaven Records eine einsame Stellung als einziger, existenter Plattenladen seit über dreißig Jahren. In dieser Funktion dient er als Anlaufstelle für Menschen allen Alters, damit jeder musikalischen Generation, und mit etwas Stolz sprach er davon, dass auch aktuelle Neuerscheinungen von Dua Lipa , Taylor Swift und Billie Eilish bei ihm gekauft werden.

In den letzten Monaten sah man Oli im Fernsehen. Erlebte immer wieder auf Facebook und Instagram, wie er von seinen Reisen auf Börsen berichtete – auf denen er oft und gerne war, aber las vor allem auch von seinem sozialen Engagement und lernte in seinen langen Artikeln auf den sozialen Medien einen feinfühligen, sensiblen Menschen kennen, der noch für viele andere Themen brannte. Texte, die so gar nichts mit Vinyl zu tun hatten, und dennoch alle berührten, die ihn kannten.

Oli verkörperte damit eine Persönlichkeit, die unabhängig davon, ob man zu seinen regelmäßigen Kunden gehörte, in der Szene zu einem Begriff geworden war, weil man ihn schätzte, selbst aus der Ferne mochte und froh war, dass es welche wie ihn gab, die einen so weiten und offenen Blick haben.

Der Tod kommt immer zu früh. Ist nie fair. Und mit ihm hat es einen der Guten getroffen, die man noch lange in Erinnerung behalten wird. Weil es einfach leicht war, ihn sofort zu mögen, mit ihm ins Gespräch zu kommen und eine Verbundenheit aufzubauen, die noch lange nachwirkt.

Ich wünsche allen seinen Freunden und Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit.