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Interview mit Anne Pe (zu ihrem Konzert im Mikado am 09.05.2026)

Interview mit Anne Pe (zu ihrem Konzert im Mikado am 09.05.2026)

Anne Pe & Moussa Cissokho im Mikado Kulturhaus am 09.05.2025
Anne Pe & Moussa Cissokho im Mikado Kulturhaus am 09.05.2025

Anne Pe fiel mir vor einigen Monaten als Songwriterin auf. Sie geht mit ihrem Konzept einen sehr eigenen Weg, der ihr in der hiesigen Musiklandschaft ein Alleinstellungsmerkmal gibt. So fließen verschiedene Sprachen in ihre Texte, aber auch afrikanische Elemente in die Musik ein. Ihre Stücke, präsentiert mit der Gitarre und der Kora, gespielt von Moussa Cissokho, sowie Tobias Hölscher am Kontrabass, gewinnen dadurch – neben einer überzeugenden Eingängigkeit – ein  durchaus interessantes Klangspektrum.

Durch die Vielseitigkeit der Kora ist es möglich, sowohl berührende Harfenklänge, wie auch rhythmische  Elemente einfliessen zu lassen. In der Kombination ein Glücksgriff für alle Beteiligten und das Publikum.

Eine Besprechung ihres aktuellen Albums „Songs and Lines“ findet sich, ebenso wie ein Rückblick auf ein Wohnzimmer-Konzert, weiter unten.

Am 09.05. ist sie in Karlsruhe im Mikado zu Gast, und im Vorfeld hatte ich schon mal die Möglichkeit mit ihr in ihrer Heimatstadt Offenburg ein Interview zu führen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Zum Einstieg etwas, dass mir auffiel, du singst auf dem Album in mehreren Sprachen?

Anne Pe:
Ja, im Song „John Bear“ singe ich überwiegend auf Deutsch, mit einigen Zeilen auf Englisch und am Schluss auf Französisch. In „Malinalli“, dem längsten Stück des Albums, gibt es einen spanischen Abschnitt. Ein neuer Song ist auf Italienisch. Und dann singe ich gelegentlich auch in der Sprache von Moussa Cissokho mit, die ich zwar nicht beherrsche, aber phonetisch gelernt habe.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wenn du sagst, dass du Moussas Sprache nicht beherrschst – wie sieht es mit den anderen aus?

Anne Pe:
Englisch spreche ich sehr gut, Französisch ebenfalls fließend, auch wenn es bei Spezialthemen anspruchsvoller wird. Spanisch beherrsche ich auf einem touristischen Niveau, sodass ich mich in einem spanischsprachigen Land gut verständigen kann. Italienisch verstehe ich ein wenig und kann mich im Alltag zurechtfinden.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist das Begabung oder hast du längere Zeit in diesen Ländern verbracht?

Anne Pe:
Ich war mit Anfang zwanzig zweieinhalb Monate in Spanien. In Berlin hatte ich zuvor spanischsprachige Freunde, von denen ich die Grundlagen gelernt habe. Vor Ort wurde ich dann ins kalte Wasser geworfen – etwa, als ich zehn Tage lang in einem Meditationszentrum mit einer Gruppe Spanier gekocht habe. Da musste ich die Sprache anwenden.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ich hatte den Eindruck, dass du Sprachen auch als klangliches Element einsetzt. Jede hat ja ihre eigene Farbe.

Anne Pe:
Ja, absolut. Es freut mich, dass du das bemerkt hast. Die Klangfarbe einer Sprache spielt für mich eine große Rolle und beeinflusst meine musikalischen Entscheidungen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie reagieren die Zuhörer darauf?

Anne Pe:
Bislang gab es nur positive oder neutrale Reaktionen. Das dreisprachige Lied „John Bear“ lief sogar mal im französischen Radio und auf einer brasilianischen Spotify-Playlist. Das zeigt, dass Musik oft über die Sprachbarrieren hinaus wirkt.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Bringt es dir etwas, auf Playlists vertreten zu sein?

Anne Pe:
Ja, definitiv. Dadurch erreicht man neue Hörer. Über den Artist-Account kann ich Statistiken einsehen und sehe, wo meine Musik gehört wird. Es ist schön zu entdecken, dass jemand in Stockholm oder Vancouver ein Lied hört.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist das nachhaltig? Wird man durch Playlists populär?

Anne Pe:
Das ist schwer zu sagen. Vieles hängt vom Algorithmus ab. Aber die Präsenz sorgt für Sichtbarkeit und neue Kontakte. Wenn etwas im Radio gespielt wird, erfährt man meist davon – etwa über Promoter oder Musikredakteure.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Welchem Genre würdest du deine Musik zuordnen?

Anne Pe:
Am ehesten dem Folk. Allerdings mit Einflüssen aus Indie, Pop und World Music. Ich sehe mich als Singer-Songwriterin mit einer klaren folkigen Heimat.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Welche Einflüsse haben dich geprägt?

Anne Pe:
In meiner Kindheit hörte ich durch meine Mutter Künstler wie Joan Baez, Leonard Cohen, Cat Stevens, Joni Mitchell und Hannes Wader. Später kamen Tracy Chapman, Suzanne Vega und Elliott Smith hinzu. Auch die Grunge-Ära der 90er hat mich geprägt.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du hast Hannes Wader erwähnt. Das Genre der Liedermacher gerät zunehmend in Vergessenheit.

Anne Pe:
Ja, und es hat mich stark beeinflusst – auch in meiner Wahl der Gitarre. Bei einem Auftritt habe ich sogar ein kleines Hannes-Wader-Set mit neu arrangierten Liedern präsentiert.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Moussa Cissokho und der Kora?

Anne Pe:
Ich habe ihn 2018 im Spitalkeller gehört und war vom Klang der Kora fasziniert. Als ich mein neues Album plante, fragte ich ihn an. Er war interessiert, und so entstand die Zusammenarbeit.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du kombinierst Folk mit einem westafrikanischen Instrument. Das ist ungewöhnlich.

Anne Pe:
Ja, aber es passt sehr gut. Moussa bringt die World-Music-Elemente ein, aber vorallem passt es sehr gut, weil wir ähnliche „musikalische Werte“ und Vorstellungen haben. So auch mit meinem longtime Musikerkollegen dem Kontrabassisten Tobias Hölscher. Diese Mischung ergänzt sich wunderbar.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Dein neues Album ist dein zweites. Das erste erschien 2017. Warum hat es so lange gedauert?

Anne Pe:
Es gab Verzögerungen durch Terminprobleme und die Pandemie. Rückblickend war es gut, denn einige Stücke konnten reifen. So entstand beispielsweise die Zusammenarbeit mit Famoudou Konaté erst in dieser Zeit.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Was kommt zuerst – Text oder Melodie?

Anne Pe:
Meist entstehen beide gemeinsam, immer mit der Gitarre. Nur selten schreibe ich zuerst den Text.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ist Songwriting für dich eine Eingebung?

Anne Pe:
Ja, oft. Es ist ein besonderer kreativer Zustand, der viele Künstler fasziniert und glücklich macht.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Du arbeitest auch beruflich mit Musik. Was genau machst du?

Anne Pe:
Ich arbeite als Musiktherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleite Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Und ich gestalte Klangreisen und Singkreise

Andreas (Jazznrhythm.com):
Beeinflusst diese Arbeit deine Musik?

Anne Pe:
Ja. Mir ist wichtig, Musik zu schaffen, die berührt und beruhigt. Meine Lieder sollen Menschen ansprechen und ihnen Raum zur Identifikation geben.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie stehst du zu Social Media?

Anne Pe:
Ich nutze es bewusst und dosiert. Es ist eine wertvolle Plattform, um mit meinem Publikum in Kontakt zu treten, darf aber nicht zu viel Raum einnehmen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Wie beurteilst du die heutige Musiklandschaft?

Anne Pe:
Sie hat zwei Seiten. Streaming erschwert es, vom Verkauf zu leben, bietet aber gleichzeitig große Chancen, unabhängig Musik zu veröffentlichen und ein internationales Publikum zu erreichen.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Das bedeutet viel Eigenarbeit.

Anne Pe:
Ja, das Do-it-yourself-Prinzip ist anstrengend, schenkt aber kreative Freiheit und Selbstbestimmung.

Andreas (Jazznrhythm.com):
Was habe ich vergessen zu fragen?

Anne Pe:
Ich freue mich, wenn du erwähnst, dass wir im Mikado auftreten werde und dass man uns auch für privat organisierte Wohnzimmerkonzerte buchen kann.

Externe Links:

Anne Pe-https://annepe.de

Kulturhaus Mikado – https://mikadokultur.de

Ankündigung: Der Oststadt-Hinterhofflohmarkt und „Ausgeschlachtet“ 2026 am 9 bzw.10. Mai 11-18 Uhr

Ankündigung: Der Oststadt-Hinterhofflohmarkt und „Ausgeschlachtet“ 2026 am 9 bzw.10. Mai 11-18 Uhr

Ausgeschlachtet 2026 am 10. Mai 11-18 Uhr
Ausgeschlachtet 2026 am 10. Mai 11-18 Uhr

Zwei Termine kündigen sich in der Oststadt an, die am Wochenende des 09/10.05. auch über die Grenzen des Stadtteils auf Interesse stoßen dürften. Zum Einen findet am Samstag dem 09.05.2026 der Oststadt-Hinterhof-Flohmarkt statt, zum Anderen veranstaltet am Sonntag der Schlachthof an der Tullastraße ein weiteres Mal seinen Tag der offenen Tür.

Der Hinterhof-Flohmarkt der Oststadt, der in direkter Nachbarschaft zum Schlachthof stattfindet, gehört zu den populärsten, wenn nicht sogar größten Hinterhof-Flohmärkten der Stadt Karlsruhe. Er zeichnet sich vor allem durch eine sehr bunte, virulente und aktive Stadteilgemeinschaft aus, die es in den letzten Jahren schaffte, dieses Datum zu einem Festtag zu machen. 

So finden sich in den dazugehörigen Hinterhöfen nicht nur Flohmarkt-Artikel, sondern es stellen sich auch Initiativen vor, Hausgemeinschaften überraschen mit originellen Einfällen und vor allem die Künstlerszene der Oststadt weiß dieses Datum zu nutzen.

Die Oststadt beinhaltet traditionell ein sehr großes, und unterschiedliches Gebiet, zu dem die Bereich um die Verkehrsbetriebe genauso gehören, wie die Nähe zum Gottesauer Schloß und Teile, die am Hauptfriedhof bzw. um das Brauereigebäude Höpfner liegen. 

Es lädt also zu Spaziergängen ein, man sollte Zeit mit bringen, aber vor allem die unterschiedlichsten Hinterhöfe geniessen, die in ihrer Gestaltung sehr individuelle Züge tragen können. Es gibt etwas zu entdecken.

„Ausgeschlachtet“ heißt der Tag der offenen Tür im alten Schlachthof. Mittlerweile seit fast 20 Jahren aktiv, hat sich das Areal an der Tullastraße zu einem Kernpunkt des kulturellen Lebens in Karlsruhe entwickelt. 

Wo früher das Fleisch der Schweine und Rinder verarbeitet wurde, zeigt sich heute, wie vielfältig und bunt die Stadt aufgestellt ist. Neben einigen Ateliers, Startup-Unternehmen und Veranstaltungsorten beherbergt die Location auch ein Planetarium und eine ganze Reihe kulinarischer Erlebnisorte, inklusive – zu dem Fest und regelmäßig monatlich – auch einen Bauernmarkt.

Mit der alten Hackerei, dem Substage und Tollhaus sind nur die traditionellen Veranstaltungsorte aufgezählt, tatsächlich finden mittlerweile auch in der Fleischmarkthalle privat organisierte Ausstellungen und Konzerte statt. In den Ateliers, die sich nebenan befinden, können die verschiedensten Kurse angenommen werden. Aber auch Theater oder engagierte NGOs haben ihre Heimat in den alten Gebäuden gefunden.

Das diesjährige, sehr originell gestaltet Programm verweist in seinem Format und der optischen Auswahl auf die Geschichte – rückte damit das Schwein wieder in den Vordergrund und bietet auch eine Origami-Bauanleitung für das symbolhafte Tier an. Überhaupt ist das Schwein allgegenwärtig auf dem Gelände. 

An diesem Tag der offenen Tür ist es möglich hinter die Kulissen dieser lebendigen Kulturbetriebe zu schauen. Es wird Aufführungen und ein umfassendes, reichhaltiges Programm geben, dessen voller Genuss schon wegen der Menge der Möglichkeiten mehr Zeit bedarf als zur Verfügung steht. 

Trotzdem und genau deshalb: Ein Besuch lohnt sich. Zeigt es doch, wie das Konzept Schlachthof gewachsen ist und weiterhin wachsen wird. Die Verantwortlichen haben sich alle Mühe gegeben, ein sehr breitgefächertes Angebot zu präsentieren, dass der Stadt und ihren Bedürfnissen entspricht. Sehr zu empfehlen.

Externe Links:

Alter Schlachthof – https://alterschlachthof-karlsruhe.de/

Alte Hackerei – https://www.altehackerei.de

Substage – https://substage.de

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Hinterhof-Flohmarkt Oststadt – https://flohmarktostadt.wordpress.com

Maschinenhaus – https://maschinenhaus-karlsruhe.de

Alina Cafe – https://alinacafe.de

Tostino – https://tostino.de/pages/cafe

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Ohne Zweifel war die Handpan jenes zentrale Instrument, dass den Klang der Sonic Harmonics prägte und damit die Richtung vorbestimmte. Als eines der jüngsten, analogen Instrumente, erlangte die Handpan erst in den Jahren nach 2007 Popularität. Aus der Schweiz kommend, handelt es sich um eine Klangfarbe, die sowohl in ihrer Weite wie Tiefe sehr vertraut wirkt. 

So ist es nicht überraschend, dass sie vor allem in ruhigeren Melodien ihre Anwendung findet, und daher vermehrt in einem meditativen Bereich eingesetzt wird. Zwei auseinandergesetzte Metallschalen, deren Vertiefungen gehämmert wurden, führten dadurch zu einem Objekt, dessen Möglichkeiten erst in den letzten Jahren ständig erweitert wurden. 

Ihre Nutzung im Jazz scheint fast folgerichtig, beweist es doch, dass Beide – der Jazz und das Instrument selber – variantenreich genug sind und es mannigfaltige Optionen der Verbindung geben kann. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Die Sonic Harmonics, geleitet von Klaus Buchner – der eigentlich vom Saxophon kommt und damit bekannt ist, aber hier an den Handpans aktiv war – nutzten als Gruppierung mit sehr individuellen und ganz breit gefächerten Mitgliedern damit einen Sound, der an leicht beschwingte Fusion-Experimente mit Folk-Anteilen erinnert. 

Getragen von Melodien, deren Ursprung und Geschichte Klaus Buchner gerne schilderte, zeigten sich die Sonic Harmonics als Meister eines Grooves, der auf leisen Sohlen daherkommt, sich in Naturbetrachtungen zu verlieren mag, doch gerade zu liebenswert um Wohlklang bemüht ist. 

In der Korrespondenz mit dem Cello Henrik Mumms (auch Kontrabass) konnte die Handpan einen kommunikativen Sound entwickeln, der sie veredelte, den Stücken eine beruhigende Essenz verlieh und spannende Konstrukte erlaubte. 

So gab es ganz unterschiedliche Einflüsse, die zum Tragen kamen. In den Wurzeln ist afrikanische Musik, schon durch die Nähe zu den Steeldrums, naheliegend, aber auch Bezüge zu den Liedern Hildegard von Bingens waren gegeben . Letzteres vor allem mit Sarah Lipfert, die die Gruppierung mit ihrer Stimme unterstützte. 

Überhaupt zeigte sich die Band in ihren Solis und der Wahl der Kompositionen, vielseitig und durch die Persönlichkeiten der Mitglieder geprägt. Marcel Millot an den Drums, die er gedämpft, mit Fellen und Tüchern ausgestattet, akkurat, aber mit einem beeindruckend Understatement bediente, sorgte ebenso wie Henrik Mumms für eine solide, selbst in ruhigen Tönen, angenehm schwingende Basis.  

Mit  Sean Ian Guptill an der Trompete hatten sie sowieso, neben Klaus Buchner selbst, einen Frontmann, der an den richtigen Stellen den Drive zu nutzen wusste, und in den herausragenden Passagen mit Sarah Lipfert eine spannende Duettpartnerin an seiner Seite. 

Präsentierten sich die Sonic Harmonics im ersten Teil vorwiegend als eingespieltes Team mit instrumentalen Stücken, so gewann sie durch den vokalen Einsatz von Sarah Lipfert eine Komponente hinzu. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sie unterstrich den Ausdruck, bereicherte durch Artikulation und brachte eine erfrischende Abwechslung in das Programm.  Das zeigte sich dann auch vor allem im letzten Drittel –  als das Tempo anzog – und  die Fähigkeiten der Sonic Harmonics nochmal zu einem weiteren Level (z.b. mit einer Komposition von Sean Ian Guptill) angehoben wurden.

Die Sonic Harmonics brachten Steffen Schuhmacher zum ersten Mal an den Keyboards mit, aber offenbarten dieses erst zum Schluss in der Bandvorstellung. Gemerkt hätte das allerdings sowieso niemand. Fügte er sich doch nahtlos in den Sound ein, und konnte sowohl in den leisen, wie in den treibenden Phasen die richtigen Akzente setzen.

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Selbst wenn innerhalb der Band, die Geschichten hinter den Songs zu einem Running-Gag gestalteten wurden, ist es –  neben der entspannten Atmosphäre durch die Stücke – vor allem der freundschaftliche Nähe zu verdanken, die Klaus Buchner und Sean Ian Guptill, über die Bühne hinaus weitergaben, um die Herzen des Publikums zu erobern. 

So vermittelten sie gekonnt, mit ihrer Musik eine Stimmung, die ja – so die Anekdote und Aussage – die Intelligenz hob, die Menschen zueinander brachte und dem Frieden in der Welt hilfreich sein sollte. Hieß es. Glaubhaft. Unbedingt.

Besetzung:

Klaus Buchner — Handpan und Saxophon
Sarah Lipfert — Gesang
Marcel Millot — Drums
Henrik Mumm — Bass und Cello
Steffen Schuhmacher — Piano und Keys
Sean Ian Guptill — Trompete

Externe Links:

Klaus Buchner & Sonic Harmonics – https://www.klausbuchner.de/

Jazzclub Karlsruhe – https://www.jazzclub.de

Sarah Lipfert – https://www.sarahlipfert.de

Henrik Mumm – http://www.henrikmumm.de

Steffen Schuhmacher – https://keys-n-stix.de

Marcel Millot – https://millot.de

Sean Ian Guptill – https://www.instagram.com/seanguptill/

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lia J hatte wohl nur zwei Tage vorher von ihrer Chance erfahren als Support von Lady Blackbird in Karlsruhe auf der Bühne zu stehen. Ohne Band, nur mit Gitarre und Ukulele, sowie einer virtuellen Begleitung durch ihr Notebook, wagte sie sich auf die Bühne. 

Ein Vorprogramm war nicht angekündigt, ihr Name dem Großteil der Anwesenden unbekannt und dennoch – Lia J wusste die Bühne zu nutzen. Kraftvolle Stimme, ein unbekümmerter Charme und die Möglichkeit auf spontane Zurufe zu reagieren gehörten zu den Punkten auf ihre Habenseite. So war es kein Wunder, dass sie das Publikum, das eigentlich auf Lady Blackbird wartete kurzweilig und erfolgreich unterhielt. 

Als Singer/Songwriterin, normalerweise mit einer Band unterwegs, war es vor allem ihre Stimme, die in den Bann zog und die knappe Stunde, die ihr zur Verfügung stand, zu einem Bündel eingängiger Songs zusammen schmelzen ließ. Lia J bot ein Repertoire an, dass sich sowohl der spanischen, wie englischen Sprache bediente. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

In der dargebotenen Form clever ausbalancierte Popsongs, die mit der prägnanten Kraft ihres Gesangs an Persönlichkeit gewannen und in der Darbietung entsprechend schnell die Anwesenden für sie einnahmen. War dann auch kein Wunder, dass Alle zum mitsingen bereit waren, somit der Boden für Lady Blackbird vorbereitet war und alles qualitativ locker zueinander passte. 

Spricht man von Lady Blackbird, so bleibt es nicht aus, zumindestens in zwei Worten auf ihr Outfit einzugehen. Schon immer waren ihre Auftritte geprägt von ihrer Ausstrahlung und ihren phantasievollen Gestaltungen. Barfuss, bekleidet mit einer bestickten Jacke, an deren Schultern ausladende Pfauenfedern angebracht waren, offenbarte sich in Stimme und Präsenz wieder: Hier ist die Queen des aktuellen Souls, mit einem Können, das nicht viel Begleitung braucht, aber sich mit allen messen kann. 

Nahbar, unaufgeregt, begleitet von 3 Bandmitglieder (Gitarre und Piano, Bass und Drums) bewies sie, dass sie jedem Ruf gerecht werden konnte. So war es eine Reise durch ihre bisherigen Veröffentlichungen, auf den Kern herunter gebrochen, und eine Stippvisite in Cover und Songs ihres nächsten Albums. Material, das ihre gesanglichen Leistungen in den Vordergrund stellte und dem Funk genug Platz ließ.

Mit „Come together“ leitete sie nach der erste Hälfte in einen Instrumentalpart, den ihre Band mit Bravour meisterte, schälten sie doch die groovigsten Anteile heraus, steigerten sie furios, klangen dann eher wie eine Fusion-Band aus dem Jazz-Rock-Lager, die dem Funk nicht abschwören wollten, aber holten Lady Blackbird damit natürlich auch wieder auf die Bühne. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Im zweiten Teil lockerte sich die Rhythmen auf, nahm das Tempo etwas zu, waren die Riffs tanzbarer – Melodien, die die Füße lockten und die weite Spannbreite ihrer Titel zeigte. Anzumerken ist, wieviel Spaß ihr das Konzert machte, wie locker sie von einer Verwechslung erzählte, die ihr die Niederländer verziehen, als sie sie diese dereinst mit „Hallo Germany!“ begrüßte. 

Die Aufregung der frühen Jahre war sichtlich gewichen und die Bühnenpräsenz vom Augenzwinkern und Flirt mit dem Publikum geprägt. Hier war die Lady, hier war der Soul, und selbst der vielbesungene „Major Tom“ wurde zu einer kleinen Hymne und dunklen Ballade.

Lady Blackbird war die Entertainerin und der klangvolle Paradiesvogel des Neo-Soul. Die Frau, die die Flagge hochhält, der die Sympathie entgegen fliegt und mit einem ausgeklügelten, guten Set aufwarten konnte. 

Externe Links:

Lady Blackbird –https://www.ladyblackbird.com

Lia J – https://lia-j.com

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026

Es war klar. Wenn der Drummer das Bett hüten muss und daher ausfällt – dann wird es ruhig. Aber bei St. Moon wirkte es wie die Manifestation eines Konzeptes. Mit Gitarre und Keyboard standen im NUN zwei Musiker auf der Bühne, die die Langsamkeit zelebrierten, alles noch eine Stufe tieferlegten und den Grundtakt eines Schlagzeuges fast nicht vermissen liessen. Mag es für andere eine Aufgabe sein, hier trafen sich die Atmosphäre mit der Ambition, und St. Moon verfingen sich im Geschwindigkeitsverlust, atmeten ihre Stücke in einer Gemächlichkeit aus, die passend zur Location einen weiten, tiefen Klangteppich ausbreiteten.

St. Moon stammen zu einem Teil aus zwei Mitglieder der Band „Lambs and Wolves“, die mit Alex Keiling vereint, dem Slowcore huldigten und sich in ihm die Zeit gönnten, die alles braucht. Mit Julian Tröndle an den Vocals (abgewechselt mit Alex), formten sie Balladen zu verlorenen, fast endlosen Wanderungen, in den sie die Geige genauso wie Loops einfliessen ließen, um ein Sound zu kreieren, der in der langen Nacht den Blick schärfen mag. Irgendwo über die Berge hinaus hat man dann die Zeit alles nochmal zu fokussieren. St. Moon gibt einem die Zeit ganz locker –  das ist alles drin. 

Ohne Percussion ging es dann doch nicht, und so sprang Nick Wheeldon ein. Nur leicht und zurückhaltend formte er einen Rhythmus, der seine Anwesenheit zwar zeigte, aber sich fast nahtlos der ruhigen Trägheit der Kompositionen anschloss.

Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026

Nick Wheeldon, ein Singer-Songwriter, beherrscht eine ausdrucksstarke, brüchige Stimme, die er verwegen einsetzte um ein Bündel Songs mit einem eigenen Charakter zu belegen. Im Gesang offenbarte sich daher eine Klage, die er leidenschaftlich in einem Umfeld aus Folk als ganz eigenen Blues, etablierte.

Kraftvoller als seine Vorgänger, entschlossener im Detail und nur im letzten Drittel von der Band St.Moon begleitet, zeigte sich Nick Wheeldon als ein Interpret, dessen Charme und Ernsthaftigkeit von purem Understatement geprägt war, aber in der Wucht seiner Aussage Respekt einflösste. Man konnte sich das gut vorstellen, in einem Raum – ganz anders als im NUN – in dem Gläser gehoben, die Gespräche nicht verstummen und Nächte lang sind. Nick Wheeldon würde seine Aufmerksamkeit bekommen.

Er offenbart eine Kraft, die ihm Platz verschaffte. Prägnant, erkennbar – im NUN wäre tatsächlich kein Mikrofon notwendig gewesen, um sein Publikum zu erreichen. Im Zusammenhang St.Moon erreichte er nochmal weitere Optionen. Die zeigten dann, dass der Mann mit einer Band seine Songs nochmal veredeln kann. 

Zurück bleibt der Eindruck seiner markanten Stimme, die mit seinen melancholischen Songs, einer Richtung frönt, die der Melancholie aufzeigte und die Story trotzdem mit einem leisen Witz erzählte.

Nick Wheeldon und St. Moon  im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon und St. Moon im NUN am 25.04.2026

Externe Links:

Nick Wheeldon – https://www.nickwheeldon.com

St.Moon – https://www.instagram.com/st.moon.band/

NUN – https://nun.cafe