Durchsuchen nach
Autor: Andreas Allgeyer

Redakteur und Autor auf Jazznrhythm.com. Interessiert an jeder Art Musik, lernt gerne dazu, möchte alle Konzerte erleben und alle Platten gehört haben. Klappt nicht. Aber auf dem Weg dahin sollen alle mitkommen. Weitere Infos (Bild, FAQ, Mail etc.) Hört gerade folgendes (Externer Link): Jazznrhythm auf Last.FM
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Musik, in all ihren Schattierungen,  ist ein Privileg, das vor allem freie Gesellschaften auszeichnet. Die Geschichte der Bandura als ein ukrainisches Instrument ist daher eng verbunden mit der Kultur ihres Landes.

Sie gleicht mit ihrem Klangkörper entfernt einer Laute. Doch ist ihre Saitenanzahl ungleich höher. Bis zu 65 Saiten findet man aktuell auf dem Instrument. Damit zeigt sie eine nahe Verwandtschaft zur Zither oder Harfe.

In ihrer Spielweise, beidhändig, oftmals aufrecht zwischen oder auf die Knie gestellt, vereinigt sie die Zupftechniken dieser Instrumente. Das macht sie zu einem vielseitigen Duettpartner für Gesänge, aber auch zu einem beliebten Instrument für schwungvolle Tänze der ukrainischen Volksmusik. 

Wie lange Zeit üblich, bedingt durch Wanderschaften, beeinflussten die verschiedensten Stile Osteuropas die sogenannten Banduristen (die Spieler der Bandura).

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

In ihrem Spiel finden sich daher neben Tänze, beliebte Melodien und Verweise auf westeuropäische Kompositionen. Ebenso wie Zugänge zu den Werken aus dem Balkan.

Die Bandura gehört damit nicht nur zu einem sehr einflussreichen Instrument aus dem Spektrum der Saiten-Instrumente, sie konnte durchaus als Bindeglied zwischen den verschiedensten Kulturkreisen angesehen werden. 

Im 20. Jahrhundert, in einer Zeit, in der die Bandura eine große Popularität genoss, ging diese Beliebtheit mit einer Blüte der Künste und einem erstarkten Patriotismus der Ukraine einher.

Die Sowjetunion, die einem Erstarken der nationalen Identität der Ukraine nicht interessiert war,  lud die Banduristen im Jahr 1935 zu einer gemeinsamen Konferenz nach Charkiw. Vorgeblich ging es um Lieder und Geschichten, die auf diesem Weg gesammelt werden sollten, tatsächlich wurden die Musiker exekutiert. 

In den folgenden Jahren war die Geschichte der Bandura von Verfolgung und Leid geprägt. Viele Musiker gingen ins Exil, so dass sich die Bandura heute auch in Kanada oder den USA findet.

Seit fast fünf Jahren wehrt sich die Ukraine mittlerweile gegen den russischen Überfall vom Februar 2022. In dieser Historie zwingt sich die Bandura geradezu als ein symbolisches Instrument auf. Von der Sowjetunion lange Zeit unterdrückt, steht sie heute für ein starkes Selbstbewusstsein und Stolz gegenüber dem Versuch einer Vorherrschaft durch Russland. 

Das Konzert des Nationalen Banduristen-Chors – mit seinen 60 Spieler – bündelte auf diesem Weg verschiedene Aspekte. Zum Einen stärkte es die Verbindung in der Diaspora, aber vermittelte gleichzeitig auch eine reichhaltige Kultur. Deren Spektrum erschloss sich von ruhigen, dramatischen Melodien, bis zu einem Potpourri beliebter Stücke.

Vielschichtig und mannigfaltig, mit einem ungebrochenen Schwung, einem faszinierenden Können und einer Liebe zu ganz unterschiedlichen Schattierungen ihrer Musik spielten die Banduristen auf. Gekleidet in den traditionellen Gewändern, deren typische Blusen mit Stickereien verziert sind, erhoben sie ihre Stimmen in der St.Bonifatiuskirche. 

Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026
Der Nationale Banduristen-Chor der Ukraine in der St. Bonifatius Kirche am 25.10.2026

Dieser, über 100 Jahre alte Sakralbau bot jene hervorragende Klangqualität, die es erlaubte, einen Fächer aus Arien, Tänzen und traditionellen Gesängen zu spannen.

Der Ton, den die 60 Banduristen gemeinsam formten, wurde in seiner voluminösen Kraft nur von der erstaunlichen Virtuosität der Solisten übertroffen. Dabei vollzog das Programm – gleich einem Ritt durch einen Parkour – eine Leistungsschau der Möglichkeiten. Erhebend und beeindruckend in ernsten Momenten, mitreißend in den schwungvollen Augenblicken, dennoch dargeboten mit einer Liebe zum Detail und den ekstatischen Augenblicken.

Die Professionalität der Leistung war genauso nachhaltig, wie die Übergänge faszinierend. Allein die Menge der Solisten, die nach vorne vor das Mikrofon traten und ganz unterschiedliche Stimmen zum Ausdruck brachten, zeugten von einem gut justiertem und eingespielten Orchester. Im Instrumentarium fanden sich daher neben Schlagzeug, Klarinette, Flöte und anderen, auch wesentlich unbekanntere Klangerzeuger, wie z.B. die Buhaj. 

Letztere ist einer Trommel sehr ähnlich, aber wird über ein Seil aus Roßhaar gespielt, das oben aus der Mitte der vermeintlichen Trommel herausreicht und durch dessen Reibung ein klagender, a nhaltenderTon erzeugt wird.

Es war bereits das zweite Mal, dass ein Konzert der Banduristen in der Bonifatiuskirche stattfand. Zur Mittagszeit, bei freiem Eintritt, war es die faszinierende Möglichkeit eine außergewöhnliche Klangwelt zu betreten, die viele Gemeinsamkeiten aufzeigte. Sie offenbarte dem geneigten Blick eine reichhaltige, teilweise noch zu entdeckende Kultur. 

Es ist eben jenes – eingangs genannte –  Privileg, sie zu erhalten und zu geniessen.

Externe Links:

Ukrainer in Karlsruhe – https://ukrainer-in-karlsruhe.org

St.Bonifatiuskirche – https://www.allerheiligen-ka.de/ueber-uns/sieben-kirchen/st-bonifatius-2/

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026
Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Kaffee, Kunst und Musik sind schon immer eine Verbindung eingegangen. Sind die Kaffeehäuser Wiens doch bekannt für ihre Zirkel, Treffen und dem inspirierenden Austausch. Daher war es fast schon naheliegend, wenn im Röstwerk des Herzogkaffees in Waldbronn eine Vernissage stattfand.

Anlass war die Präsentation der Bilder des Straßburger Künstlers Marc Felten. Großformatige Abbildungen farbenfroher Fantasiegeschöpfe, oft Tier-Mensch Hybriden, die wuchtig mit versteckten Details glänzen.

Mit kräftigen Tönen, angestrahlt von bunten Scheinwerfern, wirkten sie wie Unikate aus einer anderen Welt, die sich den menschlichen Posen anglichen, aber sie auch gleichzeitig karikierten.

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026
Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Ausgelassen und ungehemmt zugleich, offenbarten sie Stärke, eine ungezügelte Extrovertiertheit, große Münder und ein herausforderndes Gebiss. Marc Feltens Werke, präsentiert zwischen den Gerätschaften und einzelnen Produktionsprozessen, wirken ebenso zufällig, wie bewußt komponiert.

Das Spiel mit Farbe und Technik ist gleichzeitig bewußte Provokation mit Verweis auf Pop-Art, Graffiti und Punk, als ein Verweis an die Göttlichkeit seiner Tierwesen, die soviel mehr sein können als bloßer Mensch. Selbst wenn sie diesen in Posen und Handlung kopieren, scheinen sie doch erhaben, stark und von einer ironischen Dominanz.

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026
Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Aufgestellt in einer Werkstatt-Atmosphäre genoss jedes Bild, zwischen Kaffeesäcken, Fässer, Röstmaschinen und Computer, ein Alleinstellungsmerkmal, das es mit Strahlkraft zu nutzen wußte.

Das Röstwerk, untergebracht in einer ehemaligen Schreinerei in Waldbronn, spielt den Charme der Kaffersherstellung aus, aber fühlt sich auch den Kleinigkeiten und der urigen Umgebung verpflichtet. 

So finden sich überall Hinweise auf die Geschichte der Firma, aber auch verspielte Momente, wie einen immer wieder auftauchenden Hulk, einem Tischkicker, dem Fitnessraum und schließlich auch eine ganze Palette Goldmedaillen, die man sich mit der Qualität des Kaffees verdient hat. 

Durch die Vielzahl der Elemente – hier spektakuläre Kunst, die ihren Raum forderte, dort Mechanik, und die Zeugen eines gut justierten Handwerks- , sowie dem allgegenwärtigen Duft des Kaffees, ergab sich der Rahmen für ein Konzert, wie man es sich im Grunde wünscht. 

Nahezu akustisch, begleitet von einer Gitarre, einem Schlagzeug und einem Keyboard, trug Daënk seine Songs in einer zurückhaltenden Version vor.

Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026
Daënk beim Röstwerk Herzogkaffee zur Vernissage von Marc Felten am 24.10.2026

Sitzend auf einem Barhocker, umgeben von Pflanzen, und all den Verweisen und Utensilien der Kaffee-Geschichte, ergab sich daraus ein ausdrucksstarke Annäherung an das rockige Material. 

Seine Geschichten, deutsch vorgetragene Beobachtungen des eigenen Lebens und Betrachtungen der Entwicklungen, leben von der leidenschaftlichen Erzählung und Ausdrucksweise seiner Stimme.

Jenen Elementen, die den Charakter seiner Songs prägen. Die voluminöse Kraft, die ihren Ursprung in den Hymnen und der Liebe zum Rock hat. 

In den Räumlichkeiten des Röstwerks, mit all den Kunstwerken um ihn herum, wurden die Songs getragen von einer intimen Stimmung und Nahbarkeit. Nichts was ihnen geschadet hat, und auch nichts was ihnen die Kraft nahm.

Im Gegenteil, offenbarte sich doch, dass sie auch durchaus so funktionieren. Ja, fast eine eigene Art Dunkelheit zu produzieren vermögen, wie man sie vielleicht allerhöchstens vom Blues kennt.

Daënks Stücke sind Hymnen, sie möchten einen Weg weisen. Auch in die Zukunft hinein, sie möchten vereinen, und für sich gewinnen. In der Ruhe offenbarten sie ihren Ursprung, verloren aber nicht ihre Botschaft. 

Zwei Dinge konnte man dabei erkennen. Eine Location, die es verdient hätte, nochmal bespielt zu werden, und einen Sänger, der im kleinen Rahmen ein Potential entwickelt, auf das er sich stützen kann.

Externe Links:

Daënk (Instagram) – https://www.instagram.com/daenk_official/

Marc Felten (Instagram) – https://www.instagram.com/felten.marc/

Röstwerk – Herzogkaffee (instagram) – https://www.instagram.com/roestwerk_herzogkaffee/

Konzertkalender vom 24.10. -1.11.2026

Konzertkalender vom 24.10. -1.11.2026

Symbolfoto (Death South) Konzertkalender

Wichtig!

Ohne Gewähr und Garantie! Bitte schaut euch auf den Seiten der Veranstalter um, ob sich dort etwas geändert hat!

Konzert- und Musiktermine · 24.Oktober – 1. November 2026

Samstag, 24.10.2026

  • 19:00 | Capriccio Fridericiana | Auferstehungskirche Rüppurr
  • 19:00 | Hattler – 25 Jahre Jubiläumskonzert | Tollhaus
  • 20:00 | Karlsunruhe: Feintonfilter + Zweifel | Substage
  • 20:00 | Miri in the green | Tempel
  • 20:00 | Four Imaginary Boys (The Cure Tribute) | Die Stadtmitte
  • 20:30 | Sophie Chassée | NUN Kulturraum
  • 21:00 | Dietah und Thorsten – Das erste Grindcore-Musical der Welt | P8
  • 21:00 | Wisecräcker + Kaptain Kaizen | Alte Hackerei

Sonntag, 25.10.2026

  • 16:00 | Das Klingende Klassenzimmer – Kindermusical | Ökumenisches Gemeindezentrum Oberreut
  • 17:00 | Himmelwärts – Chormusik zwischen Himmel und Erde | Paul-Gerhardt-Gemeindezentrum
  • 18:00 | Echt? Orgel! – Konzert VI | Christuskirche Karlsruhe
  • 18:00 | Jubilate Deo | Christkönig
  • 18:00 | Johann Sebastian Bach: h-Moll-Messe | Evangelische Stadtkirche Karlsruhe
  • 18:00 | Benefizkonzert: Klassik trifft Pop | Begegnungsstätte Grötzingen
  • 18:30 | By Candlelight (Live Acoustic Music mit Bloshka)| 8 Lights
  • 19:00 | Red Hot Chilli Pipers – „Back To Roots Tour 2026“ | Tollhaus

Montag, 26.10.2026

  • 20:00 | Soulcafé Karlsruhe | Jazzclub Karlsruhe

Dienstag, 27.10.2026

  • keine Meldung

Mittwoch, 28.10.2026

  • keine Meldung

Donnerstag, 29.10.2026

  • 20:00 | Huun-Huur-Tu | Tollhaus
  • 20:00 | Klima Kalima | Jazzclub Karlsruhe

Freitag, 30.10.2026

  • 20:00 | Dreiviertelblut – „Prost Ewigkeit“ | Tollhaus
  • 20:00 | Max Mutzke – Live Tour 2026 | Tollhaus
  • 20:00 | The Dynamite Daze | KOHI
  • 20:00 | Traumkonzert: Reise zu den Sternen | Evangelische Stadtkirche

Samstag, 31.10.2026

  • 16:00 | Lords of the Sound – Die Musik von Ennio Morricone | Stadthalle (Brahms-Saal)
  • 19:00 | Across the Border – 35-jähriges Jubiläum (+ Special Guests) | Substage
  • 20:00 | Guru Guru | Jazzclub Karlsruhe
  • 20:00 | Michael Krebs – „Optimismus. Jetzt stark reduziert.“ | Tollhaus
  • 20:00 | Titanic – Eine unendliche Liebe (Live-Show) | Konzerthaus

Sonntag, 01.11.2026

  • keine Meldung

Es gibt noch weitere gute Veranstaltungskalender:

Ein vorbildlicher, KI-generierter Veranstaltungskalender ist ka-heute.de, der die Informationen von über 700 Seiten abdeckt, und dabei nicht nur Konzerte berücksichtigt. Sehr ergonomisch sind die Filter und Möglichkeiten, die Seite auf seine eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Tex Dixigas informiert regelmäßig auf Instagram über interessante Konzert in Karlsruhe und der Region: https://www.instagram.com/dixigas/?hl=de

Auch Fächerstadt-Hardcore hat eine gute Übersicht über Metal- und verwandte Konzerte: https://www.instagram.com/faecherstadt.hardcore/

Links zu den Veranstaltern findest du hier

Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026

Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026

Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026
Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026

Eine Art Vorwort (weil es an der Zeit ist)…

Die Lage ist schwierig. Es kann gar nicht falsch sein, auch darüber zu schreiben. 

Als Aufhänger ein Konzert von Musa Dagh zu wählen, ist bedauerlich, aber das Thema zieht sich durch alle Genres und betrifft alle KünstlerInnen, die in dieser Zeit auf Tour sind. 

Auffallend bei Musa Dagh ist: Es handelt sich um eine gut bewertete Band, deren Relevanz von Wikipedia anerkannt ist. Ihre Zusammensetzung basiert auf bekannte Namen und das aktuelle Album erntet gute Kritiken.

Der Gitarrist Aren Emirze (ehemals Harmful), die Bassisten und Sängerin Sandra Fink (Safi), sowie der Schlagzeuger Martin „Dog“ Kessler (z.B. ehemals H-Blockx) sind also durchaus innerhalb der Kreise, die ihr Publikum darstellen, bekannt und beliebt. 

Trotzdem, und das ist auffallend, wurde das Konzert am Donnerstag von gerade mal geschätzten 20 Leuten besucht, die sich selbst in der Stadtmitte etwas verloren wirkten. 

Wenn es sich um Ausnahmen handelt, dann mag man das abhaken. Man kann mögliche Gründe vermuten, und sich damit zufrieden geben. Dann ist es kein Thema.

Aber es häuft sich. Es kommt gar nicht so selten vor. Touren werden abgesagt. Konzerte neu geplant, manche trotzdem durchgezogen und hin und wieder wird das Problem schon vorher transparent genannt.

Kommt es zu Zahlen, die verdeutlichen können, wie es aktuell aussieht, dann darf man unproblematisch davon ausgehen, dass ein Konzertpreis von 40 Euro, wie er an der Abendkasse für Musa Dagh berechnet wurde, das Minimum für eine Band darstellt, die sich auf Deutschlandtournee befindet. 

Das mag für EinzelkünstlerInnen, die mit Gitarre und dem Zugticket durch das Land reisen – mit dem Einsatz von Nerven und Zeit – zu unterbieten sein. Aber für eine 3-köpfige Band, die Hotels, Equipment, einen Transporter und noch einiges mehr braucht (eventuell noch jemand für Merch und Sound) handelt es sich um einen Betrag, der kaum die Kosten deckt. 

Denn an der Gestaltung des Ticketpreises ist ja auch noch Veranstalter und weitere Kostenpunkte beteiligt.

Sieht man gleichzeitig, dass der Markt für physikalische Tonträger fast nicht mehr existent ist,  dann handelt es sich beim Merch um ein weitere Einnahmequelle. Aber diese kann maximal einen kleinen Teil der Kosten abfedern. Die Lage ist prekärer als viele sie sich eingestehen wollen. Oder sie sehen möchten.

Bei Streaming (also Spotify, Apple-Music, Deezer, Tidal etc.) handelt es sich nicht um die Option, ein geregeltes Einkommen zu erwirtschaften, sondern um einen Rückschritt in jene Zeiten, als MusikerInnen ihr Auskommen über Dienstleistungen, Nebenjobs und Hochzeiten oder ähnlichen Veranstaltungen verdienten. 

Egal wie viel ein Streamingdienst abwirft – keiner konnte bisher den Ertrag, den der Tonträgerverkauf früher gesichert hat, erreichen. 

Zwar gibt es auch über Streaming eine Handvoll großverdienende KünstlerInnen, doch handelt es sich um Ausnahmen. Die wachsende Mehrheit finanziert sich über endlose, fleißige Touren, bis ihre persönliche Entscheidung gegen die Musik fällt. Für ein stabiles Leben, möglicherweise mit Kind, ist die Situation oftmals zu prekär.

Wir befinden uns fast wieder in jener Zeit, in der es noch keine physikalischen Tonträger gab. Als fahrende Musikanten oder Mäzenatentum diese Kulturrichtung prägten.

Und dann stellt sich die Frage: Woran liegt es, das Konzerte wie dieses kein Publikum finden? Ist das Angebot zu groß? Der Konkurrenzdruck durch andere Konzerte ein Faktor? Ist der Preis zu hoch, das Geld zu knapp, der Markt zu unübersichtlich, die Werbung zu schlecht? Und wenn letzteres ein Faktor ist: Wie macht man mittlerweile gute Werbung?

….. und das Konzert

Die Stadtmitte, obwohl mittlerweile etabliert für ihre Clubkonzerte, wird oft immer noch als ein Club wahrgenommen, der so gar nicht zu jener Gangart passen will, die im hinteren Saal das Tempo bestimmt. Abgetrennt vom Lounge und Tanzflächen-Bereich, hat sich die Stadtmitte einen Ruf geschaffen, der durchaus experimentellen und ungestüme Acts eine Bühne bietet. 

Während sich vielerorts engmaschiger Filter über die Auswahl legt, wird in der Stadtmitte gerne den Genres gefrönt, die gewagt an das Dunkle und Laute gehen möchten. Musa Dagh befanden sich damit genau am richtigen Ort. 

Selina Cifric in der Stadtmitte am 22.10.2026
Selina Cifric in der Stadtmitte am 22.10.2026

Es zeichnet die Stadtmitte aus, als Support lokalen KünstlerInnen zu bevorzugen. Selina Cifric gehört zu den hart arbeitenden Singer-/Songwriterinnen in dem Metier. 

Umtriebig ist sie überall dort anzutreffen, wo man sie nicht vermutet. Sie reist weit, sie reist oft. Schätzt man die Häufigkeit ab, steht sie ein Drittel des Jahres auf irgendeiner Bühne. Etwas, was man ihr anmerkt. Nur mit akustischer Gitarre ausgestattet, zeigen sich selbst ihre eigenen Songs als kraftvoll, ausgeschliffene Stücke, die zwischen einem rauen Blues und ungehobelten Americana ihre Heimat suchen.

Selina ist dort zuhause, wo die Stimme sich in den Vordergrund drängt, das Gitarrenspiel schnell und verwegen kling, aber vor allem die Tonart zwischen Wut und Sensibilität beeindruckt. Immer mit einem Fuß im Punk, aber mittlerweile viel zu versiert, um dort mehr als die Wurzeln zu haben, weiß sie mit ihrer Erfahrung sehr genau wie das Ding klingen muss.

Sie rockte sich daher – selbst in dieser schmalen Version, alleine mit der Gitarre – aus der puren Songwriter-Situation heraus und man konnte sich gut vorstellen, mit welchem Verständnis und Energie eine Band mit ihr das Ding vorantreiben könnte. Aber, und das sei erwähnt: Nötig wäre es nicht.

Neben eigenem Material band sie Coverversionen ein, die sie mit ihrem Timbre einfärbte, und damit ungeschliffener, aber auch entsprechend ehrlich, interpretierte. Da war Tracy Chapmans Hymne von der Revolution und der Wunsch nach dem Benz von Janis Joplin. Material, das wie geschaffen schien, in diesem Zusammenhang und dem allgemeinen Wunsch nach Veränderung. 

Die Entscheidung und Wahl für sie war gut getroffen, korrespondierte sie doch nur zu gut mit der brachiale Bereitschaft zum Lärm von Musa Dagh . 

Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026
Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026

In einer Dreibesetzung, nur bestehend aus Drums, Bass und Gitarre waren sie angetreten alles vor ihnen und nach ihnen zu zerlegen. Das brauchte Standvermögen, geschützte Ohren und die Bereitschaft sich darauf einzulassen. Das hatte seine Zeit und seinen Moment, aber vor allem war die Wucht nach Selinas Auftritt ein Vermögen, das sie problemlos ausspielen konnten.

Safi, hier am Bass und Gesang, hatte das KOHI schon erfolgreich besucht. Die Kombination als Frontfrau dieser Band war neu, die Vehemenz jedoch gewohnt entschlossen. Safis Performance ist immer geprägt von ihrer Entschlossenheit, mit der sie sich sowohl in ihrem Basspiel, wie auch in ihren Gesang beweist. 

Im Zusammenspiel mit Aren Emirze ergaben sich dabei, eingehüllt in einem Orkan aus Unbeschreiblichkeiten, sowie einem Tornado aus Geschwindigkeit und purer Lust am Lärm, ein feines Spiel aus Zitaten und klassischen Anklägen, die manchmal nur für Bruchteile eines Stückes erkennbar waren.

Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026
Musa Dagh (mit Safi und als Support: Selina Cifric) in der Stadtmitte am 22.10.2026

Ungeachtet der fast leeren Stadtmitte, konnte man keine Spielfreude vermissen. So gab die Band alles, vollführten die Reise durch das Zentrum des Sturms, zeigten sich dabei gelassen, sympathisch und dennoch so entschlossen, dass selbst die Gitarren-Saiten ihrem Anspruch nachgaben. 

Musa Dagh, vor allem mit Safi, hätten den Laden in seiner besten Füllung zum Schwitzen bringen können, das heutige Unwetter vorweg nehmen mögen und diese Chance mindestens verdient. 

In den Details und der Intensität, sowie einer hektischen Fingerfertigkeit, handelte es sich bei ihnen um eine Live-Band, die zur Entdeckung taugt. 

Geradlinig, einem Tempo und Sound verpflichtet, trotzdem verspielt, schoßen sie kurzweilig durch ein bündiges Programm. Es glich einem  beständigen Funkenflug durch die Verstärker.

Man nehme die Lust am frühen Rock’n’Roll, die Frechheit des Punks, jage das durch den Mixer, und schütte ein paar Oud-Weisen hinein. Und dann stelle man alles auf Anschlag, und erhöhe auf jeden Fall die Geschwindigkeit. So ungefähr. Und doch viel mehr. 

Nächstes Mal bitte voller. Der Saal. Nicht der Sound. Und bestimmt gibt mir mein Ohrenarzt auch noch einen Tipp. Aber auf jeden Fall wieder.

Externe Links:

Musa Dagh – https://www.musadagh.info

Safi – https://safimusic.com

Selina Cifric – https://www.selinacifric.com

Stadtmitte – https://die-stadtmitte.de