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Schlagwort: Schallplatten

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Interview mit dem Vinylexpress zum 8ten Vinylflohmarkt am 16.05.2026

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Am 16.05.2026 ist es wieder soweit: Der Vinylexpress präsentiert den 8ten Vinylflohmarkt in der Kulturküche Karlsruhe. In der Kombination handelt es sich um eine einmalige und liebenswerte Tradition, über die schon auf jazznrhythm.com berichtet wurde.

Der Vinylflohmarkt ist eine Institution für Plattensammler, Vinyl-Liebhaber, aber vor allem für jene Sorte Mensch, die sich freut auch ein bißchen neben dem Mainstream zu fischen und die Händler persönlich kennen zu lernen. Dabei in einer sehr gemütlichen Atmosphäre den Tag zu verbringen.

Zu loben sind die beiden Beteiligten: Der Vinylexpress als Veranstalter, und die Kulturküche als Location, die ebenfalls ein sehr gelungenes, eigenständiges Konzept anbieten kann. Bei der Kulturküche handelt es sich um ein soziales Angebot für die Gemeinschaft. Untergebracht in einem der ältesten Häuser der Innenstadt bietet die Kulturküche einen Treffpunkt für alle an, an dem keine festen Preislisten ausliegen, sondern mit gespendeten Kuchen das gezahlt wird, was angemessen ist bzw. das Portmonee hergibt.

Es war also an an der Zeit mit Lucas vom Vinylexpress über das Konzept und die Idee hinter dem kleinen Vinylflohmarkt zu sprechen. Da er sowohl mit der Ausrichtung, aber auch der Gestaltung sehr eigene Wege geht – und der Erfolg ihm Recht gibt -war es sehr interessant, einmal die Unterschiede zu den bekannten Schallplattenbörsen aufzeigen.

Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe
Vinylflohmarkt am 16.05.2026 in der Kulturküche Karlsruhe

Andreas (Jazznrhythm.com):
Ich habe viele Jahre nicht in Karlsruhe verbracht und deine Vinylexpress-Zeit gar nicht mitbekommen. Ich stelle mir das so vor: Du bist mit dem Fahrrad zu Flohmärkten gefahren und hast dort Platten verkauft. Stimmt das?

Lucas (Vinylexpress):
Halb. Ich bin tatsächlich mit dem Fahrrad gefahren, aber es war ein altes Lastenrad, so eine frühe „Long John“-Variante mit Ladefläche vorne. Die wurden früher für Post oder Bäckereien genutzt. Die Idee kam von jemandem aus der Schweiz, den ich auf Instagram gesehen habe – der hat genau so Platten verkauft. Ich fand das super und habe mir innerhalb einer Woche selbst so ein Rad besorgt.

Wir haben dann eine Box draufgebaut und ich bin damit auf Flohmärkte gefahren. In der Praxis war das aber ziemlich anstrengend. Mit 200 Platten, Box und meinem eigenen Gewicht war das kaum noch fahrbar. Es sah gut aus und hatte einen starken Werbeeffekt, aber praktisch war es nicht. Deshalb hat oft ein Freund meine Platten mitgenommen und ich bin nur hinterhergefahren.

Andreas:
Warst du nur in Karlsruhe unterwegs?

Lucas:
Ja, hauptsächlich lokale Märkte, Messplatz, Stephanplatz oder kleinere Aktionen wie Hof-Flohmärkte. Aber es war insgesamt überschaubar. Später hat sich das Ganze ohnehin verlagert, weil ich einen Platz im Laden in der Südstadt bekommen habe. Dort wurde der Raum zum eigentlichen Anlaufpunkt, das Fahrrad stand eher als Blickfang davor.

Irgendwann habe ich es verkauft – kurz vor der Geburt meines Kindes. Es war schön, aber stand am Ende mehr rum, als dass ich es genutzt habe.

Andreas:
Dein Schwerpunkt liegt klar im Hip-Hop-Bereich, oder?

Lucas:
Ja. Ich komme ursprünglich aus dem Hip-Hop, habe über ein Schulpraktikum eine Radiosendung gemacht und darüber viele Künstler kennengelernt. Später habe ich auch Konzerte organisiert, vor allem im Bereich 90er-Hip-Hop. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden, und so hat auch das Sammeln angefangen.

Mein Musikgeschmack ist privat inzwischen breiter – viel Gitarrenmusik, auch Elektronisches, ein bisschen Jazz. Aber beim Verkaufen konzentriere ich mich bewusst auf wenige Genres, vor allem 90er-Hip-Hop. Das ist der Bereich, in dem ich mich auskenne.

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Andreas:
Warum diese klare Fokussierung?

Lucas:
Weil alles andere mich überfordern würde. Wenn du auf Flohmärkten einkaufst, müsstest du sonst jede Kiste komplett durchgehen. Das ist extrem anstrengend. Ich konzentriere mich lieber auf das, was ich kenne – da weiß ich, was Sinn ergibt, was gefragt ist und was Qualität hat.

Mir ist auch wichtig, keine Massenware zu haben. Lieber eine kleine, gut kuratierte Auswahl. Ich habe meist vier Kisten dabei, und die sollen so zusammengestellt sein, dass man nicht überfordert ist. Qualität statt Masse.

Andreas:
Du hast dich bewusst für einen Vinyl-Flohmarkt entschieden und nicht für eine klassische Börse. Warum?

Lucas:
Weil mir Börsen oft zu stressig und ungemütlich sind. Es geht dort hauptsächlich ums Verkaufen, die Atmosphäre ist häufig hektisch. Ich komme aus dem Veranstaltungsbereich und habe einen anderen Anspruch: Für mich muss ein Event als Ganzes funktionieren.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich gern aufhält. Gute Location, Essen, Getränke, Musik – und natürlich Platten. Aber eben nicht nur als Verkaufsfläche, sondern als Treffpunkt. Auf Börsen gehst du rein, kaufst und gehst wieder. Bei mir sollen die Leute bleiben.

Andreas:
Das Konzept ist also bewusst kuratiert?

Lucas:
Ja. Ich schaue genau, wer kommt. Keine großen Händler mit riesigen Ständen, sondern eher kleinere Anbieter, Semiprofis und Privatleute. Unterschiedliche Genres, aber keine Massenware.

Mir ist wichtig, dass es eine Mischung gibt: Spezialisten, Plattenläden und auch private Verkäufer. Gerade die privaten sind spannend, weil man nie weiß, was sie dabeihaben. Das macht für mich den Flohmarkt-Charakter aus.

Andreas:
Man merkt auch, dass Händler aus dem Ausland kommen, etwa aus Frankreich. Das ist ungewöhnlich.

Lucas:
Ja, viele davon trifft man sonst nirgends. Die kommen gezielt, weil sie das Konzept mögen. Und umgekehrt wissen die Besucher auch: Da sind Leute, die man nicht überall sieht. Das schafft eine andere Dynamik als auf klassischen Börsen.

Andreas:
Ist dein Publikum anders als bei klassischen Börsen?

Lucas:
Ja, deutlich jünger und gemischter. Viele Studenten, viele Leute aus der Szene, auch Menschen, die zum ersten Mal Platten kaufen. Dazu kommen natürlich auch erfahrene Sammler, aber insgesamt ist es weniger dieses klassische „Nerd-Publikum“.

Das liegt auch daran, wie ich werbe – viel über Social Media und weniger über klassische Plakate.

Andreas:
Bleibst du bei der Kulturküche als Location?

Lucas:
Ja, solange es für alle passt. Das Konzept dort finde ich sehr besonders – viele Nischenangebote, viel Engagement, ein offener Rahmen. Das passt gut zum Flohmarkt.

Die Einnahmen aus den Standgebühren gehen komplett an die Kulturküche. Ich verdiene daran nichts, das ist bewusst so. Für mich ist das ein Hobby und ein Projekt, das sich inhaltlich stimmig anfühlen muss.

Andreas:
Planst du Erweiterungen, etwa größere Events?

Lucas:
Ich habe überlegt, im Sommer etwas Größeres oder auch draußen zu machen, vielleicht in Kombination mit anderen Veranstaltungen. Aber das ist organisatorisch nicht so einfach. Viele Locations überlegen genau, ob sich so etwas lohnt.

Grundsätzlich will ich das Format aber bewusst klein halten. Sobald es zu groß wird, verliert es seinen Charakter.

Andreas:
Wie wählst du die Teilnehmer aus?

Lucas:
Es gibt Stammleute, die ich früh informiere. Dazu kommen neue Anfragen, sowohl von Privatleuten als auch von Händlern. Ich schaue mir immer an, wer sich bewirbt und was angeboten wird.

Private Verkäufer ziehe ich oft vor, weil sie den Flohmarkt-Charakter stärken. Wichtig ist mir eine gute Mischung. Wenn es zu einseitig wird, verwässert das Konzept.

Andreas:
Also bewusst Auswahl statt „jeder kann kommen“?

Lucas:
Genau. Nicht aus Arroganz, sondern weil es sonst nicht funktioniert. Der Rahmen ist klein, und ich möchte, dass das Gesamtbild stimmt – für die Verkäufer und für die Besucher.


Mit ziemlicher Sicherheit wird auch der aktuelle Vinyl-Flohmarkt auch wieder über die Grenzen von Karlsruhe Sammler anziehen, und man darf gespannt sein, wer sich alles einfindet. Soweit bekannt wird auch der Podcast „Vinyl und“ anwesend sein und Live vom Flohmarkt berichten. Auch hier handelt es sich um ein sehr neues, für Karlsruhes Szene interessantes Konzept.

Externe Links:

Vinylexpress – https://www.facebook.com/vinylexpresskarlsruhe

Kulturküche Karlsruhe – https://kulturkueche-karlsruhe.de

Vinyl und – https://www.instagram.com/vinylund/

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Wer Norwegen kennt, vor allem im Winter, wird wissen, wie sehr das Land von geprägt ist von seinen scheinbaren endlosen Wäldern, schneebedeckten Bergen, aber auch welch eine spannende Musikkultur dort möglich ist. Meine Reise durch einen kleinen Teil Norwegens führte mich vor allem durch Konzerthallen und Plattenläden der Städte Oslo und Bergen. Geprägt von einer einzigartigen Metalkultur, hat sich in Norwegen auch eine lebendige Jazzszene und etwas, das sich Nordicana nennt, etabliert.

Im Rahmen meiner Reise lud ich Eindrücke auf diese Webseite, aber auch in Social Media, hoch Und lernte dabei DJ Wendelgaard durch einen Austausch auf den bekannten Plattformen kennen. Sie überraschte mich durch sehr eigene Events in beneidenswerten Locations. Fernab von den Tanzflächen dieser Welt bewegt sich dabei in einem Ambiente, das neidisch und staunen macht. Es ist die nicht zu unterschätzende Aufgabe des kuratierens, die in der Wirkung mit Ort und Gelegenheit einem Event zur entsprechenden Stimmung verhelfen kann. Ich wollte mehr darüber wissen, und wir verabredeten die Aufnahme eines Podcasts. 

Ich bin der langsamste, und unentschlossenste Podcaster, der sich im Netz findet, hadere immer mit der Tonqualität und so kommt es nun zu dazu, dass das, was einst als Podcast geplant war, ein transkribiertes Interview ist. 

Andreas (JAZZNRHYTHM.com): Samanta, ich freue mich sehr, dass wir unser Gespräch wiederholen können. Beim letzten Mal ist die Aufnahme leider verloren gegangen. Umso schöner ist es, dass wir heute noch einmal zusammenkommen. Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Wendelgaard (DJ): Das verdanken wir deiner Norwegen-Reise. Du warst in Oslo und Bergen unterwegs und hast Konzertlocations, Plattenläden und Veranstaltungen porträtiert. Besonders dein Bericht über den Plattenladen Apollon Records in Bergen hat mich angesprochen. Ich habe mir daraufhin deinen Blog und deine Instagram-Seite angesehen und war beeindruckt von deiner Leidenschaft für Musik. So sind wir schließlich in Kontakt gekommen.

Andreas: Ich erinnere mich gut. Aufgrund deines Namens dachte ich zunächst, du würdest aus Norwegen stammen.

Wendelgaard: Das passiert tatsächlich häufig. Ich komme zwar nicht aus Norwegen, aber ich liebe Skandinavien. Seit etwa fünf oder sechs Jahren reise ich regelmäßig dorthin und verbringe viel Zeit in Norwegen und Schweden. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in meinem Künstlernamen wider.

Andreas: Was fasziniert dich so sehr an Skandinavien?

DJ Wendelgaard  bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg
DJ Wendelgaard bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg

Wendelgaard: Es ist die Kombination aus Natur, Kultur und Lebensgefühl. Die Weite der Landschaften, das besondere Licht und die Ruhe inspirieren mich. Gleichzeitig sind die Menschen offen für Kunst und neue musikalische Ideen. Diese Mischung hat mich von Anfang an begeistert.

Andreas: Als ich mich näher mit deiner Arbeit beschäftigt habe, fiel mir auf, dass du an außergewöhnlichen Orten auflegst – nicht in Clubs, sondern in stilvollen und exklusiven Locations. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Wendelgaard: Sehr gern. Ein besonders prägendes Engagement hatte ich in den historischen Frescohallen in Bergen. Dort habe ich klassischen Jazz auf Vinyl aufgelegt. Die Atmosphäre war einzigartig – die Musik fügte sich perfekt in die Architektur und das Ambiente ein. Es war ein unvergesslicher Moment für mich.

Andreas: Wird bei solchen Veranstaltungen getanzt, oder steht die Musik eher im Hintergrund?

Wendelgaard: Beides ist möglich. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Atmosphäre. Die Musik begleitet das Essen und die Gespräche, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht um Genuss und Entspannung.

Andreas: Ein ähnliches Setting hattest du auch in Schweden, richtig?

Wendelgaard: Ja, in Strömstad, das oft als „schwedische Riviera“ bezeichnet wird. Dort habe ich in einem Spa- und Resort-Hotel Lounge-Musik auf Vinyl gespielt. Die Musik fügte sich harmonisch in die Umgebung ein und schuf eine besondere Stimmung.

Andreas: Wie kommst du zu solchen Engagements?

Wendelgaard: Sowohl durch eigene Initiative als auch durch Anfragen. Wenn ich eine Location entdecke, die mich inspiriert, spreche ich die Betreiber an. Oft entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig melden sich Veranstalter bei mir über Social Media oder Empfehlungen.

Andreas: Für viele Veranstalter dürfte das ein Experiment sein.

Wendelgaard: Das stimmt. Der erste Auftritt ist immer eine Art Versuch. Doch die Resonanz ist meist sehr positiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen die Musik genießen und gemeinsam besondere Momente erleben.

DJ Wendelgaard In der SPIN Bar - Listening Bar in München
DJ Wendelgaard In der SPIN Bar – Listening Bar in München

Andreas: Welche Rolle spielt Vinyl in deiner Arbeit?

Wendelgaard: Eine sehr große. Vinyl hat eine besondere Klangqualität und vermittelt ein Gefühl von Authentizität. Außerdem verleiht es den Veranstaltungen eine zusätzliche Wertigkeit. Das bewusste Auflegen von Schallplatten passt hervorragend zu stilvollen und ruhigen Settings.

Andreas: Welche Künstler finden sich typischerweise in deinen Sets?

Wendelgaard: Vor allem Klassiker des Jazz: Nina Simone, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Blossom Dearie. Auch Frank Sinatra und Dean Martin gehören dazu. Ergänzend spiele ich Künstler wie Gregory Porter, Norah Jones oder George Benson.

Andreas: Du bist musikalisch sehr vielseitig.

Wendelgaard: Ja, ich bleibe offen. Selbst Fleetwood Mac integriere ich gelegentlich in Lounge-Sets. Stücke wie „Dreams“ passen hervorragend in eine entspannte Atmosphäre.

Andreas: Das zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Jazz, Lounge und Pop sein können.

Wendelgaard: Genau. Entscheidend ist die Wirkung eines Songs. Wenn er zur Stimmung beiträgt, findet er seinen Platz im Set.

Andreas: Wie reagieren die Gäste auf deine Musik?

Wendelgaard: Oft sprechen sie mich an, wenn sie ein Stück wiedererkennen. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit der Musik. Das macht solche Momente besonders emotional und schön.

Andreas: Zu welchen Tageszeiten finden deine Auftritte statt?

Wendelgaard: Meist tagsüber – zum Frühstück, Brunch oder Dinner. Jazz ist vielseitig und eignet sich für viele Gelegenheiten.

Andreas: Spricht deine Musik ein bestimmtes Publikum an?

Wendelgaard: Nein, sie ist generationsübergreifend. Die gleichen Menschen, die abends im Club tanzen, genießen tagsüber entspannte Jazzmusik.

Andreas: Wie bist du selbst zur Musik gekommen?

Wendelgaard: Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik allgegenwärtig war. Das Radio lief ständig, und ich wurde mit unterschiedlichsten Genres vertraut. Musik war immer ein Bestandteil des Lebens.

Andreas: Gab es einen konkreten Moment, der dich zum Auflegen brachte?

Wendelgaard: Ja, in Schweden. In einem Secondhandladen entdeckte ich rund dreißig Jazzplatten für jeweils einen Euro. Ich nahm sie alle mit und fragte mich anschließend, was ich mit ihnen tun sollte. Mir wurde klar, dass Musik gehört werden muss – und so begann meine Reise als DJ.

Andreas: Wann hattest du deinen ersten Auftritt?

Wendelgaard: Ein Bekannter vermittelte mir einen Gig in einer Bar in Köln. Dort konnte ich erstmals auflegen und merkte sofort, wie viel Freude mir das bereitete.

Andreas: Deine Musik richtet sich eher an Genießer als an Tänzer.

Wendelgaard: Genau. Wenn getanzt wird, dann eher langsam – und manchmal hilft auch ein Glas Wein. (lacht)

Andreas: Du verbringst viel Zeit in Skandinavien. Wie verteilt sich das?

Wendelgaard: Etwa 30 Prozent meiner Zeit verbringe ich in Norwegen und Schweden, den Rest überwiegend in Köln und Umgebung.

Andreas: Wie erlebst du die Jahreszeiten im Norden?

Wendelgaard: Die Winter sind lang und dunkel, während die Sommer von nahezu endlosen Tagen geprägt sind. Beide Extreme haben ihren eigenen Reiz und inspirieren mich auf unterschiedliche Weise.

Andreas: Bergen hat dich besonders beeindruckt.

Wendelgaard: Ja, es ist eine echte Jazzstadt mit einem eigenen Jazzfestival. Die Offenheit gegenüber neuen Klängen ist faszinierend.

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Andreas: Während meiner Norwegenreise fiel mir auf, dass das Land stark von Heavy Metal geprägt ist. Umso überraschender war deine Jazzpräsenz.

Wendelgaard: Das macht den Reiz aus. Skandinavien ist musikalisch vielseitig – von Metal bis Free Jazz. Diese Vielfalt ist inspirierend.

Andreas: Welche musikalischen Einflüsse prägen dich besonders?

Wendelgaard: Neben den Jazzklassikern schätze ich auch Bossa Nova, Swing und Lounge-Musik. Entscheidend ist für mich die emotionale Wirkung.

Andreas: Gibt es besondere Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Wendelgaard: Ja, wenn Gäste lächelnd zuhören oder sich für die Musik bedanken. Diese Augenblicke sind unbezahlbar.

Andreas: Du schaffst also Klangräume, die Erinnerungen entstehen lassen.

Wendelgaard: Das ist ein schönes Bild – und genau das ist mein Ziel.

Andreas: Zum Abschluss eine Gegenfrage: Welche musikalische Entdeckung hat dich zuletzt überrascht?

Wendelgaard: Eine musikalische Entdeckung, die zwar schon ein paar Jahre her ist, aber mich bis heute immer wieder begeistert, ist die US-amerikanische Jazz-Pop-Band Lake Street Dive. Die Musiker mischen herausragend Jazz, Pop und auch Soulelememte und setzen mit ihren guten Texten noch einen oben drauf. Ich bin nachhaltig begeistert von der musikalischen Leichtfüßigkeit und Authentizität. Welche musikalische Entdeckung ist es denn bei dir?

Andreas: Mich beeindrucken immer wieder junge Bands in kleinen Karlsruher Locations wie dem KOHI oder dem nun. Zuletzt haben mich Flora Falls, Paula Paula und die Punkband Sexbeat nachhaltig beeindruckt. Außerdem freue ich mich auf ein Wohnzimmerkonzert der Singer-Songwriterin Anne P.

Wendelgaard: Das klingt wunderbar. Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

Andreas: Samantha, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

Wendelgaard: Ich danke dir. Es hat mir große Freude bereitet.

Andreas: Bis zum nächsten Mal.

Wendelgaard: Sehr gern. Auf Wiedersehen!

Externe Links:

DJ Wendelgasard – https://linktr.ee/dj.wendelgaard?

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026
Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Vinyl-Enthusiasten wird es immer schmerzen, wenn Joke Lanz an den Turtables agiert als seien es die Saiten einer Gitarre. Er spielt sie rückwärts, er spielt sie vorwärts, er geht mit den Schallplatten um, wie es sich für einen Klangkörper gehört. Das ist nicht nur Scratching, das bezieht den Plattenspieler mit ein, erschüttert ihn, lässt die Nadel hüpfen, den Tonarm springen und die Beats krachen.

Joke Lanz Musik findet sich auf keinem Stück Papier. Sie wird nicht niedergeschrieben, sie entsteht nur in einem Prozess der Improvisation. Dabei lotet er ganz bewusst die Grenzen aus, klettert über sie hinaus, provoziert mit dem einen Ton und schmeichelt mit dem Beat aus der Drummachine.

Im KOHI werkelte er mit allem, was er mitbrachte. Zwei Turntables, eine Hupe, eine Glocke, eine Sprayflasche und eine Rezeptions-Klingel fanden sich auf seinem Pult. Dazu eine Loop- und eine Drummachine. Und dazwischen er selbst, ekstatisch, vehement, mit einer Leidenschaft, die das ganze Set auszeichnete.

Und das war es – ein Set, das quer durch die Beete der Vinyl-Geschichte ging. Seine Herangehensweise war so gnadenlos wie verliebt. Der Ton, wo immer er herkam, wurde exerziert, zerlegt, in seine höchsten Höhen und seine tiefsten Tiefen getrieben. Dazwischen brachial genutzt, um von leichten Jazzsolos, Worfrequenzen und Satzstücken zerrieben zu werden.

Eine Kooperation zwischen dem Forum Freie Musik und dem KOHI bedeutete auch, dass Musik in ihrer Gestaltung in Frage gestellt und neue Formen erlangen durfte. Joke Lanz gilt als Veteran der improvisierten Musik.

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026
Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Man mag davon ausgehen, dass das Brechen  der Regeln eine Pflicht ist, die Harmonie neu definiert wird und Joke Lanz wahrscheinlich die obskursten Platten besitzt, die aufzutreiben sind. Wie man bei manchen Gitarrenhelden vermutet, dass das Ding, das sie gerade benutzen wohl kein Saiteninstrument mehr sein kann, so musste es sich bei den Exemplaren, die er auf den Tellern stapelte, schon um sehr eigene Klangschätze handeln.

Und er stapelt sie wirklich. Landete sie nicht irgendwo hinter ihm, so blieb keine Zeit, und die eine Scheibe wurde auf die andere gelegt. Es knisterte und knarzte, knallte in die Ohren, um in einem ganz eigenen Zusammenhang einen Rhythmus zu erfinden, der dann wieder in der Begleitung eines anmutigen Jazzsolos mündete.

Dabei verlor sich der Meister hinter seinen Gerätschaften, fand sich wieder, tanzte fast und war mit einer Ernsthaftigkeit und einer lässigen Könnerschaft dabei, die darauf hindeutete, dass er diese Mauer aus Geräuschen in tausend verschiedenen Anstrichen schon überall errichtet hat. 

Wer den Ton orten, die Herkunft erkennen oder Spuren identifizieren wollte, hatte sogleich verloren. Wo Joke Lanz Musik erkannte, war vorher wahrscheinlich keine. So mochten es Reden, Opernarien, Volksmusik oder afrikanisches Liedgut gewesen sein. Was weiß denn ich?

Unter seinen Fingern wurde das alles ein vielstimmiger Synthesizer, den er malträtierte, liebkoste und ausreizen wollte. Spannend im Detail. Raffiniert in dem Zusammenfügen der einzelnen Teile – Und in seiner Hingabe bei ihrem Zerlegen sowieso.

Externe Links:

Joke Lanz – http://www.suddeninfant.com

Kohi – https://kohi.de

Forum Freie Musik (Facebook) – https://www.facebook.com/forumfreiemusikkarlsruhe/?locale=de_DE

Plattenbörsen – 6 wichtige Punkte. Eine Art Anleitung

Plattenbörsen – 6 wichtige Punkte. Eine Art Anleitung

Plattenbörse in der Festhalle Durlach am 10.01.2026
Plattenbörse in der Festhalle Durlach am 10.01.2026

Jeder redet von Vinyl, doch wenn es um jene Treffpunkte geht, die mehrmals jährlich stattfinden und die Sammelnden zusammenbringen, dann heißt es doch wieder Plattenbörse.

Die Plattenbörse ist eine Institution. Meistens findet sie in einer Halle statt, die den Charme vergangener Feste oder sportlicher Leistungen beinhaltet, und lockt HändlerInnen aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometer an. Angeboten werden Schallplatten, neudeutsch Vinyl, oft auch CDs, und manchmal kommen DVDs und Blu-Rays dazu. Letztere Kategorie bedarf manchmal Altersbeschränkungen und damit auch separate Zutrittsmöglichkeiten. Wenn Comics angeboten werden, dann ist das eine nette Erweiterung, aber eher selten.

Beim ersten Besuch einer Plattenbörse ist das Angebot erschlagend, die Preiskategorien verwirrend, und sehr schwer einen Überblick zu gewinnen. Die meisten Anbietenden haben Schwerpunkte, aber auch eigene Ordnungskriterien, sowie oft sehr unterschiedliche Preisvorstellungen.

Daher ein paar Hilfestellungen (die natürlich nicht beachtet werden müssen, da es im Detail immer Abweichungen gibt).

  1. Schallplatten werden gerne in Hüllen ausgestellt. Plastikhüllen müssen nicht im Preis enthalten sein, können jedoch mitgegeben werden. Dieses ist nicht selbstverständlich, machen aber viele. Wer keine Hüllen benötigt, sollte das beim Kauf sagen. Die Anbietenden nutzen sie gerne für die nächsten Platten. Wegwerfen sollte vermieden werden. Plastikhüllen verhindern, dass Cover beim Durchsehen beschädigt werden. Da Platten aufrecht stehen, und von oben zugegriffen wird, und dabei die Cover mit Finger und Fingernägel berührt werden, kann es sein, dass ein Börsentag ausreichend ist, um die Außenhülle zu beeinträchtigen.
  2. Schallplatten, wenn gebraucht (Second-Hand) sollten betrachtet werden (vor dem Kauf). Umtausch ist auf Börsen i.d.R. nur mit der Kulanz der Verkaufenden möglich. Wer eine Scheibe gerne betrachten möchte, sollte kurz rückfragen, ob das möglich ist, dem nichts entgegensteht oder ob derjenige hinter dem Stand, sie lieber gerne zeigen möchte. Fremde Schallplatten betrachtet man, in dem man mit Hand in die Innenhülle fährt, die Finger in der Mitte der Schallplatte platziert – als Berühungspunkt – und den äußeren Rand (nicht die Rillen, nicht die Einlaufrille)- locker am Daumen anlegt, so daß nur der Rand, nicht jedoch die Oberfläche der Platte die Haut berührt. Das bedarf etwas Übung, führt aber dazu, dass die Oberfläche schmutzfrei bleibt. Das berühmte Knistern beim Aufsetzen der Nadel rührt in der Regel daher, das Platten mit zwei Fingern auf der Einlaufrille (oben und unten, Seite A und B) aus der Hülle gezogen wurden. Neuwertige Platten knistern nicht. Müssen eigentlich nie knistern.
  3. Die Preisgestaltung der meisten Händler orientiert sich oft an Discogs. Früher waren sogenannte Preiskataloge, oder Magazine wie Record Collector führend. Durch das Internet hat sich Discogs durchgesetzt. Eine Orientierung an Ebay und Amazon ist nicht zielführend. Diese Plattformen richten sich nicht an Sammler, sondern eher an Gelengenheitskäufer. Es ist zwar möglich, dort Schnäppchen zu machen, aber in der Preisgestaltung sind sie frei, richten sich nicht nach realistischen Marktwerten, und versuchen Trends zu setzen – die meist weit über dem tatsächlichen Wert liegen. Was bei Ebay oder Amazon hunderte Euro kosten kann, wartet dort nur auf einen Käufer, und liegt im richtigen Markt möglicherweise in der Grabbelkiste. Der Discogs-Preis ist ein durchschnittlicher Ideal-Wert, der sich auf ihrer Plattform durch Kauf und Verkauf ergab. In der Regel wird sowohl der niedrigste, wie auch höchste Preis dort genannt. Diese Preise dienen nur als Orientierung, nicht als verbindliche Aussage über den tatsächlichen Wert. Diese kann – wie bei einer Aktie – schwanken, sich ändern, aber auch im Markt eine Basis für Verhandlungen sein. Was nicht passieren sollte – der Preis auf einer Plattenbörse sollte sich nicht zu weit davon weg bewegen. Obwohl alle die Discogs-Preise kennen, macht es keinen guten Eindruck, mit dem Smartphone in der Hand nach Schnäppchen zu suchen. In fast allen Fällen versuchen die Verkaufenden den Preis nach unten zu regeln und ein Angebot zu machen, das als attraktiv aufgefasst werden kann. Der Handel vor Ort ist in den meisten Fällen, auf Börsen und stationär, günstiger als Discogs. Unter Berücksichtigung des Zustandes. (Natürlich gibt es auch Ausnahmen).
  4. Wer viele Schallplatten kaufen möchte – sagen wir 20 und mehr – sollte sich bewußt sein: Hallen sind groß, Schallplatten sind schwer. Es gibt Rucksäcke, die das Tragen erleichtern und für Schallplatten tauglich. Selbstverständlich gibt es auch rollbare Einkaufskörbe und Koffer, die aber im Handling, auf Börsen – wo es sehr voll wird – eher nicht tauglich sind. Über die Schulter getragene Taschen, wie sie als Souvenir in Plattenläden zu erstehen sind, taugen auch nicht wirklich für große Mengen und machen Börsen zur Quälerei (wenn man mal richtig aufstocken will). Die Konstitution mag verschieden sein, aber Platten-taugliche Rucksäcke können ein Gamechanger sein.
  5. Geordnete und ungeordnete Stände: Es gibt Anbietende, die ihre Stände gut sortiert, sauber geordnet und fachlich versiert beschriftet haben. Und es gibt solche, die fünf Kisten hinstellen, auf denen jeweils ein attraktiver Preis steht. Dieser Preis bedeutet, dass jeder der darin enthaltenen Platten, zu diesem verkauft wird. Ungeachtet ihres Zustandes.  Aber, um komplett zu verwirren: Es gibt auch Stände, die beides haben. Ungeordnete und geordnete Kisten. Grobe Regel: Wer seine Platten ordnet, der weiß was sie im Einzelnen wert sind. Versucht Wertvolles gesondert hervorzuheben und hat Genres, in denen fachliche Kenntnis vorherrscht. Wer seine Platten nicht ordnet, favorisiert kein Genre, hat vieles und nichts, kann aber dafür eine Fundgrube sein. Wer beides hat – Ordnung und Wühlkiste – möchte Wertvolles von scheinbar Unnötigem und Unattraktiven trennen und Dinge loswerden, die vielleicht wie Blei im Regal liegen. Es gibt dazu – für Sammelnde – empfehlenswerte Vorgehensweisen: An Ständen, an denen Metal als Genre vorherrschend ist – können, in vorhandenen Wühl- und Grabelkisten, fantastische Jazzplatten liegen. Dieses ist nur ein Beispiel. Hier wird weder beim Verkauf, noch durch das Publikum, Wert auf Jazz gelegt. Diese Platten bewegen sich in dem Umfeld gar nicht, können aber als Beifang beim Ankauf einer Sammlung auftauchen. Sie landen für einen niedrigen Preis in der ungeordneten Kiste. Gerade dort, wo ein Genre vorherrschend ist, lohnt sich ein Blick in die Kiste. Wer z.b. – wie ich – gerne brasilianische Musik hört, schaut natürlich dort, wo es ein Fach dafür gibt. Aber auch dort, wo man sie niemals vermutet. Natürlich auch, wenn genügend Zeit ist, an den Ständen, an denen alles durcheinander in Billigkisten steht. Aber – die Billigkisten sind oft das Ergebnis von Sammlungsaufkäufen, die nicht in das Sortiment passen. Soll heißen, hinter fünf Billigkisten mit Preisangaben kann sich ein stationärer Laden verbergen, die diese Kisten im Laufe der Zeit durch Aufkäufe und Auflösungen angesammelt hat. Auf Börsen werden die Kisten zu attraktiven Preisen aufgestellt, damit andernorts das Sortiment sauber, aber auch für den Online-Handel auf Discogs ergonomisch bleibt. Es sind schlicht zuviele Platten im Umlauf.
  6. Bezahlung. Plattenbörsen, allgemein der Second Hand-Markt in Deutschland, funktioniert mehrheitlich über Barzahlung. Zunehmend wird auf Börsen auch Paypal angeboten. Eher selten sind Kreditkarten möglich. Das ändert sich von Jahr zu Jahr, aber es dominiert Bargeld. Man sollte das wissen, und darauf vorbereitet sein. Natürlich kann man auf Plattenbörsen Schallplatten zum Preis eine Cappucinos kaufen, aber es ist durchaus möglich – wenn es sich um seltene Aufnahmen, Bootlegs (nicht lizenzierte Liveaufnahmen, die eigentlich nicht gehandelt werden dürfen) oder andere Raritäten handelt -, dass Preise bei mehreren hundert Euro liegen. Aber um nicht unrealistisch zu wirken: Das ist selten. Oft liegen die Preise unter 10 Euro. Bei Klassik (ein verschmähtes Genre) und Schlager (noch so eine verschmähte Gattung) weit darunter, und wer Volkslieder sucht, der ist auf der Plattenbörse vielleicht sogar falsch.

Falls es Punkte gibt, die man dem noch hinzufügen kann, bitte unbedingt in das Kommentarfeld schreiben. Ich habe wahrscheinlich noch vieles vergessen, oder es gibt andere Meinungen dazu. Die sechs Punkte sollten eine kleine Orientierung geben, wie Plattenbörsen funktionieren.