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Schlagwort: Concert

Roforofo (Tommy Baldu and Ómar Guðjónsson) im Tempel, Karlsruhe, 22.05.2025

Roforofo (Tommy Baldu and Ómar Guðjónsson) im Tempel, Karlsruhe, 22.05.2025

Roforofo im Tempel Karlsruhe am 22.05.2025
Roforofo im Tempel Karlsruhe am 22.05.2025

Roforofo feierten eine Art Bühnenjubiläum im Tempel. Das heißt, jeder kannte sie. Ich nicht.  Ein paar kurze Worte:

Roforofo sind der Isländer und Gitarrist Ómar Guðjónsson und der deutsche Schlagzeuger Tommy Baldu. Am Schlagzeug streichelte Letzterer, zumindest in einem Teil des Konzertes sein Instrument fast sanft. Beflissen auf Pedal Steel-Guitar – beheimatet in der Country- und Bluegrass-Musik – wandelte Ómar ihren klagenden Sound in z.B. isländische Weisen. So funktionierte Roforofo. In einem ganz eigenen Soundkosmos, der es ihnen erlaubte, die ruhigen Töne in den Vordergrund zu stellen und die Lauten dagegen überraschend zu präsentieren.

Den Hintergrund bebildert dabei eine opulenten Lightshow, die poetisch, psychedelisch und absolut aktuell wirkte. Verantwortlich dafür: Ein drittes Mitglied. Hägar. Lichtkünstler und Beleuchter, sowie Ausstatter in einem. 

Alles in allem, ein melodisches Gesamtkunstwerk, das einen verschleppten, geradezu schlurfenden Blues bot. Wenn nicht das, dann etwas, dass sich dem Blues locker annähern konnte. Aber dann vielleicht doch Americana war ? Oder die nordische Version davon ? Also Nordicana?

So einfach machte es Roforofo  nicht. Die Spannbreite war überraschend groß, der Mut zu ausgefallenen Ideen ebenso. Mal setzten sich an einen Tisch, bereitete Text und Musik auf eine sehr akustische, fast zerbrechliche Art privat und intim zu, lediglich begleitet von einem furiosen Lichtspiel, einem gigantischen Ball, einem Planeten oder etwas ganz anderes. Blüten. Quallen. See. Meer. Wasser. 

Mal verstärkte am Keyboard Marcus Zimmermann den puren, reinen, verzerrten und knallenden Rock’n’Roll. Roforofo hatten Humor. Nahmen sich nicht ernst, unterstützen die Songs mit kurzen Anekdoten, einem Augenzwinkern und der Lust am Experiment. 

Mit dem Puzzelspiel offenbarte sich ein fast familiäres Verhältnis. Eingespielter konnte es nicht sein. Kaum rücksichts- und humorvoller. Roforofos Zugang zur Musik blieb immer spielerisch, immer ein wenig verschroben. Aber vor allem Anlehnung an die Weite und Möglichkeiten, die sich in der Verzögerugen und Besinnung auf die Details boten. 

In der Summe war es ein tiefer Schluck aus den großen Musiktraditionen, die sich in von hier bis Island über die Prärie bis in die Appalachen der Vereinigten Staaten boten. Ein Augenzwinkern und Moment in der Poesie, den sich Roforofo mit Humor und Verständnis erlaubten. Ausgesprochen angenehm, empfehlenswert und auf jeden Fall wünschenswert für weitere Jubiläen.

Externe Links:

Roforofo – Facebook – https://www.facebook.com/roforofotheband/?locale=de_DE

Tempel Karlsruhe – https://www.kulturzentrum-tempel.de/

The Devil and the Almighty Blues / Temple Fang im P8 Karlsruhe, am 20.05.2025

The Devil and the Almighty Blues / Temple Fang im P8 Karlsruhe, am 20.05.2025

Temple Fang im P8, Karlsruhe, am 20.05.2025
Temple Fang im P8, Karlsruhe, am 20.05.2025

Historisch gesehen gab es immer großartige Stücke, die aus den Vollen schöpften. Alle Register zogen, kompositorisch eine Abrechnung mit allem und jeden waren und es wagten, die komplette Rockgeschichte in einem Song zu verarbeiten.

Temple Fang standen auf der Bühne als hätten sie das die letzten sechzig Jahren genauso gemacht. Wo andere drei bis vier Stücke unterbringen, Riff an Riff, Hit an Hit kleistern, hörten Temple Fang einfach nicht auf. Sie machten weiter. Und weiter. Und gruben noch eine Variante aus, schlugen noch eine Bresche für den starken Sound, hieben das Ding kurz und klein, wirbelten herum, zeigten alle Varianten, die ihnen einfielen und kamen dabei auf 25 Minuten. Oder mehr. Pro Song, pro Stück, pro Werk und man könnte sagen Sinfonie. Denn es hatte alles. Heldenreisen. Ganze Erzählungen. Dicht, fett, lang und laut. 

Einleitung, Haupteil, Schluss. Aber, verdammt noch mal, nicht da, wo man es vermutete. Räucherstäbchen auf der Bühne. Kenntnisse von der Geschichte des Rock’n’ Roll bis zu den Zeiten, in denen Bands noch eingeschworene Gemeinschaften waren, die an dem Opus frickelten, als gäbe es kein Morgen. Aber jede Menge lustiger Kräuter. So malten Temple Fang ein Bild, das so groß und farbig war, wie es nur sein konnte. Die Albenseite, sofern es sie noch gibt, wurde zur Single. Die Energie, die sie ausströmten um die 25 Minuten am Stück mal so locker durch zu ziehen, gerade zu greifbar. Temple Fang zwang einem die Einladung auf, noch mal tiefer einzusteigen, um all die Feinheiten zu erkennen, die sie in einen Song reinpressten. 3 Gitarren, Chorgesang, und ein verzwicktes, erstaunlich vielseitiges Schlagzeugspiel waren genug für ein dichtes, spannendes musikalisches Gestrüpp mit allen Zutaten.

Man nehme eine Sumpf, und jenen Blues, den man nur in den Hütten, nie in den Palästen spielt. Vor allem dort, wo man den Catfish noch aus dem Schlamm reißt, und den Crawfish auf dem Sandwich serviert. Egal, ob es das noch gibt. Egal, ob wir nur davon träumen. Das ist genau dort, wo „The Devil and the almighty blues“ ihre Variante gewinnen. Ausgepresst, auf das Gitarrenspiel Torgeir Waldemars, exzessiv vorangetrieben in eine schwarze, düstere Welt.

„The Devil and the almighty Blues“ brachten den Blues in seiner dreckigsten und klarsten Art. Wo andere um Authenzität bemüht sind, griffen sich „The Devil and the almighty Blues“ die Inspiration der Straße, um sie laut und mit unbändiger Freude schneller und härter voran zu treiben. So wie der Blues gespielt wird, wenn es nur um Schweiß und Tanz, Whiskey und Bier geht. So wurde er bei „The Devil and the almight blues“  gestrippt, nochmal in die Ekstase getrieben, und mit einem tiefen, satten Gebrummel, auf das zurückgeworfen was er sein kann: Das pure Klagelied in einer exzessiven Nacht.

„The Devil and the almighty Blues“ zeichnete eine große Hochachtung vor der Reinheit des Blues aus, und eine große Respektlosigkeit vor all jenen, die ihn in die heiligen Hallen, neben dem Jazz konservieren wollen. Sie gingen dabei mit ihm um, als würden ihnen gehören. Machten ihn damit zu einer starken und lauten Tanzmusik für Headbanger. Und solche die es werden sollten. Die reine Lehre eben, direkt und geradeaus. Immer voran. Immer mit dem Verweis, dass es so gehen kann. Nur so. 

Externe Links:

Temple Fang – Bandcamp – https://templefang.bandcamp.com/album/fang-temple

The Devil and the almioghty Blues – Bandcamp – https://thedevilandthealmightyblues.bandcamp.com/album/tre

Bernhard Eder im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 17.05.2025

Bernhard Eder im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 17.05.2025

Bernhard Eder und Lüder Apel im NUN Kulturraum in Karlsruhe, am 17.05.2025

Wien, Erfurt, Karlsruhe. Dann wieder zurück, alles mit der Bahn und den Merch im Handgepäck. Bernhard Eder, ausgestattet mit der akustischen Gitarre und an der E-Gitarre Lüder Apel, begaben sich auf die harte Tour direkt in das NUN. 

Der Frühling ist ein Sommer, der Mai schon erstaunlich warm, und so sind die Biergärten voll, die Straßenfeste schon einige an der Zahl und leichte Kleidung angesagt. Karlsruhe war schon immer der Süden, die erste Hitze des Jahres und bereit sich auf alles Mediterrane einzulassen. 

Es ist die Phase, in der in vielen Clubs und Venues die besten Konzerte stattfinden und nochmal alle durch die Lande reisen. Noch nicht zu warm, nicht mehr zu kalt. Die Nächte beginnen länger zu werden. Und eigentlich müssten die Maikäfer gegen alles knallen. So ungefähr.

Das NUN kann eine Insel sein. Ein ruhiger Ort, um zurückgelehnt, in einem ganz eigenen Format, das zu genießen, was nur hier in so dargeboten wird. Bernhard Eder, eigentlich mit Band auf seinen Alben vertreten, und in seiner Heimat Österreich in dieser Besetzung auf Tour, schränkte sich ein, liess das Schlagzeug daheim und nahm Rücksicht auf die Nachbarn. 

Geschadet hat es ihm nicht. Im Gegenteil. Für Vielstimmigkeit, einem begleitetenden Chor, den unterstützenden Elementen, die den Beat anstimmten, sorgte der Loop, und ansonsten gab es ja die Slide- und Bottleneck-Effekte, die Lüder anstimmte. Zwischen Blues und Pop. Sowie der Harmonie großer Vorbilder und dem weiten Feld, auf dem man den guten Song aufspannt und entwickelt.

Das NUN war gut besucht. Trotz der großen Konkurrenz weiterer Veranstaltungen im Umfeld. Wer es kennt, lässt sich gerne drauf ein, wer es nicht kennt, wird überrascht von der hochkarätigen Auswahl sein. 

Auch Bernhard Eder schaute auf eine beachtlich Sammlung an Materialien und Songs zurück, die es wert sind neu entdeckt zu werden. Vor allem in der dargebotenen Variante. Essentielle Bestandteile seiner Kompositionen wurden dabei herausgestellt, und offenbarten sein gutes Händchen für die Möglichkeiten im Kleinen und Großen.

Im Hintergrund, fast kaum beachtet, steht im NUN ein Klavier, versteckt am Rand, eigentlich im Bereich des Publikums. Bisher wagte es noch niemand, es im Rahmen eines Auftritts zu benutzen. Bernhard Eder setzte sich daran. Ungeachtet der zeitbedingten Tonlage, die es mittlerweile hat. 

Seine Songs sind eingängige, geradlinige, ausgereifte und klar strukturierte Werke. Englisch gesungen, tauglich um dich durch den Tag zu begleiten, durchzogen von einem vielstimmigen Spiel und einer Begrenzung auf die nötigen Effekte. Diese kleinen – durchaus für sich stehenden – Erzählungen wirkten erfrischend rund und abgestimmt. Eigentlich so, als wäre diese kleine Besetzung ihre ursprüngliche und vorgesehene Form. 

In der Vergangenheit schon erwähnt, es ist sehr ruhig im NUN. Der Getränkeverkauf ist während dem Konzert eingestellt, die Stille ist die größte Prüfung und der heimliche Star eines jeden Auftritts. Bernhard Eder und Lüder Apel meisterten es mit Bravour, hatten die richtige Tour gemacht und ein wunderbares Kleinod an Konzert in einer einmaligen Besetzung angeboten.  Angenommen, gerne wieder, und drei Zugaben waren für die Anwesenden immer noch zu wenig. Ernsthaft.

Externe Links:

Bernhard Eder – https://bernhardeder.net/

NUN –https://nun.cafe/

SAFI im Kohi, Karlsruhe 15.05.2025

SAFI im Kohi, Karlsruhe 15.05.2025

Safi im Kohi am 15.05.2025

Es war anders. Und das umschreibt schon vieles. Bei SAFI war es anders. In der Regel, wenn es ganz normal läuft, komme ich heim, und schreibe über ein Konzert. Manchmal, wenn ich müde bin, oder nochmal darüber nachdenken will, dann findet es am nächsten Tag statt. Zu einer Tasse Kaffee. Vielleicht in der Sonne, häufig bei Zugfahrten. Wenn es läuft, dann läuft es.

Bei SAFI war es anders. Ich hatte eine Menge Bilder vor mir, die mir passend erschienen, aber im Kontext dann doch nicht funktionierten. Es wurde nicht rund. SAFI war schwer fassbar.

Die aktuellen Berichte, Texte und Beschreibungen ihrer Musik stellen ihre exaltierte, stark ausgeprägte Gesangsleistungen in den Vordergrund. Die raue, brüchige Stimme, die Schreie, und die Art und Weise ihrer Intonation mit sich selbst. Ihrem eigenen Chorgesang und den Bildern ihrer Lyrics

Gitarre.Bass und Schlagzeug, sowie Keyboard. SAFI reduzierte den Sound auf die stärksten Elemente. Es war dieses Singen, Schreien, Krächzen, in allen Klangfarben. Sie bediente sich bei den Möglichkeiten. Jene der deutschen Sprache. Und all ihre Bruchstücke. 

SAFI nahm den Metal, den Punk und den Chanson in der rohesten Fassung. Zerpflückt dieses. Und behielt nur das Beste. 

All das, was wir in den letzten Jahrzehnten gelernt habe. Das von der Neue Deutsche Härte, aber auch ihren ZerstörerInnen.

Was blieb, das waren Töne und Metaphern, gepaart mit dem rohem Schlagzeug. Dem treibenden Bass und der Stimme von Safi. 

Für SAFI war es ein Comeback ins KOHI. Vor 6 Jahren war sie schon mal da, vergessen jedoch nicht. Die Energie war fokussiert, die Wut geballt und die Bilder mehrdeutig. SAFI machte es ihren HörerInnen nicht einfach. 

Sie konfrontierte, modulierte mit Sprache und Ausdruck, startete das Gewitter, um es abzumildern und spätestens im nächsten Stück wieder losbrechen zu lassen. Natürlich war das ein Ausreizen, ein Ranholen, ein Spiel mit den Möglichkeiten. Das war die Kraft des Schlagzeugs, der Loop eines Chores, die brachialen Klänge des Keyboards, nur übertroffen von ihrer Gitarre. 

Der Fundus, aus dem sie schöpfte, das Liedgut, das sie bemühte und die – sagen wir – die Tradition, auf die sie sich berufen könnte, wären in all seiner überfrachteten Theatralik, auch das Kunstlied avantgardistischer Bewegungen gewesen. Um hier den Bezug zum Eingang zu schaffen, den Bogen zu spannen und das Thema zum Ende zu führen: SAFI suchte die Grenzen und ihre Überwindung. Das schmerzte und machte bewusst. 

Diese Art der Musikbetrachtung und die Beschreitung des Weges – deutsch, mit schweren Methaphern und Bildgebungen – in dunklen Räumen und der Mitte des Publikums, das hat auch etwas von Beschwörung, Einschluss und einem Kunstverständnis, dass über die Schönheit hinaus die Wahrheit sucht. Dafür gebührt Respekt. Und Hochachtung vor dem Mut. 

Und ganz ehrlich – man braucht seine Zeit um ihr gerecht zu werden.

Externe Links:

SAFIhttps://safimusic.com/

Kohi- https://kohi.de/