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Monat: Mai 2026

N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026

N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026

N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026
N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026

Alles scheint so einfach und doch steckt viel Liebe im Detail dahinter. Die Wohnzimmerkonzerte im Tollhaus sind ein Projekt, das ausschließlich von den Auszubildenden des Tollhauses auf die Beine gestellt wird. Dabei werden sie von Jahrgang zu Jahrgang weitertransportiert, und erfreuen sich schon seit einer Weile einer geschätzten Tradition. 

2026 wurde das rein musikalische Konzept erweitert. Es geht nicht mehr ausschließlich um Artists, die etwas vortragen, sondern bietet nun auch Platz für junge, bildende KünstlerInnen, die innerhalb des Tollhauses ihre Werke präsentieren. 

Vieles ist anders als gewohnt, aber das gehört zum Charme der Veranstaltung. Die Theke ist geschlossen, Getränke gibt es auf Vertrauensbasis aus einem Kühlschrank. Man holt sie sich selbst, zahlt in eine bereitgestellte Kasse. Überhaupt: Die Reihe ist für das Publikum ausgesprochen günstig, kostet der Eintritt doch gerade mal 5 Euro. Bietet damit also auch für ein junges Publikum einen bezahlbaren Anlaufpunkt. Denn darum geht es: Regionalen Kreativen eine Plattform zu schaffen, die sie bekannt macht, aber auch eine Chance gibt, sich auf unbekanntes einzulassen.

Nicht die üblichen Bühnen werden hier bespielt, sondern das Foyer auf Seiten des großen Saals wird genutzt, um in ein Wohnzimmer umgestaltet zu werden. Dazu gehören Sessel, Kissen, Sofas, Wände, Lampen und viele kleine Details, wie Teppiche, um der Räumlichkeit einen ganz anderen Charakter zu geben. 

N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026
N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026

Aber auch um eine intime Atmosphäre zu schaffen, die zum Chillen und Verharren einlädt. Nichts muss, alles kann. Somit sind es relaxte, zurückgelehnte, kleine Konzerte. Die sind mittlerweile für aufgeschlossenen Audience als Events bekannt. 

Also wurde ein Venue geschaffen, das zum einen dazu dient, den Azubis eine Möglichkeit für eigene Kreativität und Gestaltungsmöglichkeiten zu finden, aber gleichzeitig auch als Herausforderung dienen kann, das Ding einfach mal zum Laufen zu bringen.

Was sich in erster Linie atmosphärisch nur für Singer-/Songwriter anzubieten scheint, kann – und das bewies N O A – auch für die Lyrikkünstlerinnen aus dem Rap-Lager eine gute Adresse sein. Zusammen mit Magdalena Huonker wußten sie den Raum und Abend zu nutzen. Magdalena Huonker als Schöpferin verschiedener Skulpturen und Zeichnungen, die ganz bewußt mit den Sehgewohnheiten und scheinbaren Begrenzungen des Materials und der Themen brechen wollen –  N O A mit einer Reise durch ihre Entwicklung.

Vom Ambiente vergleichbar mit Unplugged-Konzerte, die in einer ähnlichen Konstellation stattfinden, diente hier ein Notebook für die Beats, während N O A mit Präsenz und Reim überzeugte. 

Hier hatte sich etwas getan. Mit Erklärungen und zeitlichen Einordnungen führte sie durch die verschlungenen Pfade der Entstehung ihrer Texte. Und schon bald zeichnete sich ab, der Weg ist nicht immer gerade, aber zielgerichtet.

Die Beats, chronologisch über die Jahre in dem einstündigen Auftritt präsentiert, wurden farbiger, stammten vermehrt aus fruchtbaren Kooperationen und führten weitere Akzente in ihre Stücke ein. Sie wurden lässiger, die Texte intensiver, kamen näher, aber auch der Dancefloor wurde bespielt. 

Und als noch Fubi als Gastact auftauchte, im Duett unterstützte, verwandelte sich das kleine Wohnzimmer fast in einen intimen Club. Da waren die Moves, die Armbewegungen, die mitgesungenen Refrains und alles stimmig genug, um zu beweisen, das es funktioniert.

N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026
N O A (& Fubi) und Magdalena Huonker in der Wohnzimmerkonzert Kunstedition #07 im Tollhaus Karlsruhe am 12.05.2026

So zeigte das kleine Wohnzimmerkonzert das es Potential für mehr hat. Kann viel, macht viel und Genregrenzen braucht es nicht. N O A schaffte es locker, etwas da hinein zu verlagern, was dann trotzdem lehrreich und authentisch daher kam. 

Externe Links:

N O A – Instagram – https://www.instagram.com/noabc_/

N O A – Soundcloud – https://soundcloud.com/noa-250601379

FUBI – Instagram – https://www.instagram.com/fubi_schr/

Magdalena Huonker – Instagram – https://www.instagram.com/magdalenahuonker/

Wohnzimmerkonzerte – https://www.instagram.com/wohnzimmerkonzerte_tollhaus/

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Es war noch einer dieser lauen Frühsommertage, die der Mai der Stadt gönnte. Die Fenster standen weit offen, so die Klänge der Probe schon früh durch das ehemalige amerikanische Viertel klangen. Das Mikado liegt am Ende einer Straße, die einst von den US-Soldaten als Hauptquartier in Karlsruhe genutzt wurde. Heute beherbergt das Gebäude ein Kulturgebäude mit einer englischsprachigen Bibliothek, Gastronomie und Veranstaltungsräume.

Anne Pe ist eine Singer-/Songwriterin aus Offenburg, die zusammen mit dem Koraspieler Moussa Cissokho und dem Bassisten Tobias Hölscher in dem Kulturzentrum in der Nordstadt gastierte. In der Kombination aus Stehbass, Gitarre, sowie dem afrikanischen Instrument und ihrer Stimme gewannen die Songs ein angenehmes Volumen und Eingängigkeit.

Die Kora, die sicherlich zu einem der ungewöhnlichsten Instrumente zählt, unterstrich dabei mit ihren Harfenähnlichen Klängen die Möglichkeiten, die sich aus der ungewöhnlichen Verbindung ergeben. Anne Pe Stücke sind geprägt von der angloamerikanischen Folk- und Popmusik, wandern auf diesem Grad selbstsicher mit einer ausdrucksstarken jungen Stimme, und nutzen in ihrer Klangfarbe verschiedene Sprachen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass sie innerhalb ihrer Lyrics von Deutsch auf Englisch wechselt, aber auch mal französisch intoniert oder italienisch singt. 

Dieser unbefangene Umgang mit den Eigenheiten und Prägungen aus verschiedenen Kultur-Räumen, setzt sie innerhalb der musikalischen Begleitung fort. 

Das ihr das erstaunlich unbeschwert und leicht gelingt, bewies sie auch bei ihrem Auftritt im Mikado, als die Einflüsse aus dem Senegal in ihren Werken markante Punkte setzte. So wob sich der er Gesang von Moussa, der sie in der Sprache der Griots bei einem traditionellen Lied aus der Heimat seiner Ahnen unterstützte, in das Programm des Abends bündig ein.

Überhaupt ist Anne Pe eine Leidenschaft und tiefes Verständnis für das Handwerk des Songwriting anzumerken. Ihre Stücke wirken sowohl geschnitzt, wie geschmiedet und geschliffen, aber vor allem in jeder Art auf ihre Tauglichkeit geprüft und ausgereift. Da war jemand, die an ihrem Liedgut gefeilt hatte und es in mannigfaltiger Ausprägung zu interpretieren wußte. 

Begleitet von ihren beiden Mitspielern zeigte sich ihr Album als vielseitiges Kleinod, das in verschiedenen Kombinationen zu bestehen wußte. Dass man gleichzeitig etwas über die Geschichte des Senegals, den Vorfahren von Moussa und die mündliche Übertragung deren Gesänge erfuhr, zeichnete die Bühnenpräsenz der kleinen Gruppe aus.

Das sie es schafften, ein fast volles Mikado zu begeistern und dabei ein entspanntes, ruhiges Konzert mit eingängigem Material zu präsentieren, bewiesen sie dem Publikum. Offenburg ist nahe genug, um auf eine Wiederholung zu hoffen, die sich sicherlich bald wieder ergeben wird. 

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026
Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Es war noch einer dieser lauen Frühsommertage, die der Mai der Stadt gönnte. Die Fenster standen weit offen, so die Klänge der Probe schon früh durch das ehemalige amerikanische Viertel klangen. Das Mikado liegt am Ende einer Straße, die einst von den US-Soldaten als Hauptquartier in Karlsruhe genutzt wurde. Heute beherbergt das Gebäude ein Kulturgebäude mit einer englischsprachigen Bibliothek, Gastronomie und Veranstaltungsräume.

Anne Pe ist eine Singer-/Songwriterin aus Offenburg, die zusammen mit dem Koraspieler Moussa Cissokho und dem Bassisten Tobias Hölscher in dem Kulturzentrum in der Nordstadt gastierte. In der Kombination aus Stehbass, Gitarre, sowie dem afrikanischen Instrument und ihrer Stimme gewannen die Songs ein angenehmes Volumen und Eingängigkeit.

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026
Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Die Kora, die sicherlich zu einem der ungewöhnlichsten Instrumente zählt, unterstrich dabei mit ihren Harfenähnlichen Klängen die Möglichkeiten, die sich aus der ungewöhnlichen Verbindung ergeben. Anne Pe Stücke sind geprägt von der angloamerikanischen Folk- und Popmusik, wandern auf diesem Grad selbstsicher mit einer ausdrucksstarken jungen Stimme, und nutzen in ihrer Klangfarbe verschiedene Sprachen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass sie innerhalb ihrer Lyrics von Deutsch auf Englisch wechselt, aber auch mal französisch intoniert oder italienisch singt. 

Dieser unbefangene Umgang mit den Eigenheiten und Prägungen aus verschiedenen Kultur-Räumen, setzt sie innerhalb der musikalischen Begleitung fort. 

Das ihr das erstaunlich unbeschwert und leicht gelingt, bewies sie auch bei ihrem Auftritt im Mikado, als die Einflüsse aus dem Senegal in ihren Werken markante Punkte setzte. So wob sich der er Gesang von Moussa, der sie in der Sprache der Griots bei einem traditionellen Lied aus der Heimat seiner Ahnen unterstützte, in das Programm des Abends bündig ein.

Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026
Anne Pe (mit Moussa Cissokho und Tobias Hölscher) im Mikado am 09.05.2026

Überhaupt ist Anne Pe eine Leidenschaft und tiefes Verständnis für das Handwerk des Songwriting anzumerken. Ihre Stücke wirken sowohl geschnitzt, wie geschmiedet und geschliffen, aber vor allem in jeder Art auf ihre Tauglichkeit geprüft und ausgereift. Da war jemand, die an ihrem Liedgut gefeilt hatte und es in mannigfaltiger Ausprägung zu interpretieren wußte. 

Begleitet von ihren beiden Mitspielern zeigte sich ihr Album als vielseitiges Kleinod, das in verschiedenen Kombinationen zu bestehen wußte. Dass man gleichzeitig etwas über die Geschichte des Senegals, den Vorfahren von Moussa und die mündliche Übertragung deren Gesänge erfuhr, zeichnete die Bühnenpräsenz der kleinen Gruppe aus.

Das sie es schafften, ein fast volles Mikado zu begeistern und dabei ein entspanntes, ruhiges Konzert mit eingängigem Material zu präsentieren, bewiesen sie dem Publikum. Offenburg ist nahe genug, um auf eine Wiederholung zu hoffen, die sich sicherlich bald wieder ergeben wird. 

Externe Links:

Anne Pe – https://annepe.de

Moussa Cisshoko – https://www.princemoussacissokho.com/de

Tobias Hölscher – https://www.backstagepro.de/musiker/tobias-hoelscher-kontrabassist-nordrach-1sw5YP86w4

Mikado – https://mikadokultur.de

Interview mit Manuela Seith: Ein Rückblick auf den Laden Zwei und die Ladenkonzerte

Interview mit Manuela Seith: Ein Rückblick auf den Laden Zwei und die Ladenkonzerte

Manuela Seith vor dem Laden Zwei
Manuela Seith vor dem Laden Zwei

Die Weststadt ist einer jener Stadtteile, die sich durch ihren Charakter auszeichnen, und damit als Anziehungspunkt weit über die eigenen Grenzen dienen. In der Umgebung des Gutenbergplatzes hat sich –  vor allem in den letzen Jahren – ein Flair und Charme gebildet, der mit gutem Gewissen, mediterran genannt werden kann. Man trifft sich in den Cafés, feiert gemeinsam, es gibt kulturelle Schwerpunkte und dadurch entstand eine kreative Basis, deren Wirkung in der ganzen Stadt spürbar ist.

Zu den Eckpunkten dieses Netzwerkes, gehören verschiedene Spielstätten, gastronomische Betriebe, kleine Unternehmen und inhabergeführte Läden. Einer davon war der Laden Zwei, der mittlerweile – seit diesem Monat – Geschichte ist. Der Laden Zwei führte während seines Bestehens Mode und Accessoires von kleinen, unabhängigen Labels, die in einem regionalen Bezug standen. 

Damit bot das, von Manuela Seith, geführte Geschäft, eine Plattform für künstlerische und kreative Geister, schuf einen Ort für Unikate und Seltenes und hatte einen qualitativen Anspruch, der ihn auszeichnete.

Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026
Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026

Für die Weststadt war er neben diesem Angebot, ein kultureller Eckpunkt und kommunikativer Ort, an dem KünstlerInnen die Möglichkeit hatten in einem kleinen Rahmen aufzutreten. Die sogenannten Ladenkonzerten waren fast ein Geheimtipp, fanden sie doch in den Räumlichkeiten des Laden Zwei zwischen all den bunten Waren –  in einem Sammelsurium aus Erstaunlichem und Wunderbarem – statt.

Es wurden die Tische beiseite geräumt, eine Unmenge Sitzgelegenheiten aufgestellt, um dem geneigten Publikum, dass sich an die Schaufensterscheiben von innen drängte, ein Programm zu bieten, dass an Exklusivität schwer zu übertreffen war. Bands wie „No sugar, no cream“ traten hier akustisch auf, Sandie Wollasch erschien mit verschiedenen Gästen und viele andere mehr präsentierten sich innerhalb des Konzeptes.

No Sugar, no cream Im Laden Zwei
No Sugar, no cream Im Laden Zwei

Während der Corona-Phase gab es, wie bei vielen anderen Veranstaltungsorten, einen Bruch in dem Ablauf. Die Kontaktsperre verlangte nach neuen Wegen und Formaten. Mit „Musik aus der Ladenecke – Love is the answer“ fanden Sandie Wollasch, Rolf Ableiter und Manuela Seith eine neue Möglichkeit, um KünstlerInnen in dieser schweren Zeit ein Publikum zu bescheren. 

Aus nah und fern luden sie FreudInnen und bekannte KollegInnen ein in einem Videoformat mit zumachen, das kleine Konzerte vorstellte, die innerhalb des Ladens – ohne weitere Beteiligte –  stattfanden. Eine Webseite zeugt noch davon unter http://ladenecke.de/ , auf YouTube finden sich noch alle Videos: https://www.youtube.com/@loveistheanswer1803 .

Mittlerweile wurde die Reihe mit einer Abschiedsfolge (Nr.40) im April 2026 beendet. Noch einmal fanden sich Sandie Wollasch und Rolf Ableiter für einen Rückblick zusammen. Es war ein letzter Blick in den fast leergekauften Laden Zwei, dessen üppige Ausstattung bis dahin die Bühne darstellte. 

Wieder war das Sofa Mittelpunkt, zum letzten Mal saßen die beiden moderierenden MusikerInnen darauf. Bis dahin war die Liste der KünsterInnen illustren: Zelia Fonseca, Liv Solveig, AnaDjan, Maurice Moel, Marcel Millot, Matthias Hautsch, Miri in the Green und viele andere mehr waren da, um nur einige zu nennen. 

Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025
Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025

Dieses Interview wurde geführt, lange bevor wir an die Schließung des Laden Zwei dachten. Ich traf mich mit Manuela Seith auf dem berühmten Sofa der Ladenkonzerte, um mich mit ihr über das Konzept zu unterhalten. 

Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt viel vorgenommen und wollte die Karlsruher Szene etwas genauer anschauen. Das dieses Interview nun viel zu lange schlummerte und bisher noch nicht veröffentlicht wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass in Karlsruhe eine sehr umtriebige, stark vernetzte Musikergemeinde existiert, die schwer zu erfassen und noch schwerer in Griff zu bekommen ist. Das „Karlsruher Archiv“, mit dem ich einen Überblick über die Situation und die Veranstaltungsorte geben will, ist immer noch in Arbeit und wird es noch lange Zeit bleiben.

Das dieses so ist, ist vor allem der Initiative von Menschen wie Manuela zu verdanken, die es schaffte einen Anziehungspunkt für Kreative zu etablieren. An vielen verschiedenen Orten innerhalb dieser Stadt wird mit Engagement und Enthusiasmus für die kulturelle Vielfalt gearbeitet. Wie es von Seiten Manuelas dazu kam, beleuchtet dieses Interview, dass nun leider zu einer Art Rückblick wurde.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Ich freue mich, dass ich hier bin. Wir wollten über die Konzerte im Laden Zwei sprechen, über die Geschichte dahinter. Vielleicht stellst du zuerst mal den Laden Zwei vor – damit wir wissen, worum es eigentlich geht.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Dann fange ich mal damit an: Der Laden Zwei heißt Laden Zwei, weil es tatsächlich der zweite Laden ist. Davor gab es einen anderen Laden, der hieß „Energie & Farbe – der Laden“. Der war hier um die Ecke, direkt neben der Hemingway Lounge. Und dort hat die Musikgeschichte eigentlich schon begonnen.

Im ersten Laden hatten wir – ich habe das vor unserem Gespräch nochmal nachgeschaut – etwa 30 bis 40 Konzerte. Ich habe das damals schon „Ladenkonzerte“ genannt. Wir haben auch ein paar Experimente gemacht: einmal im Treppenhaus, einmal sogar draußen auf der Straße. Da haben wir tatsächlich die komplette Uhlandstraße blockiert, weil so viele Zuschauer da waren. Zum Glück hat sich an dem Tag niemand beschwert.

Das Thema Musik war also schon immer mein Ding. Ich habe eine große Liebe zur Musik, habe aber irgendwann entschieden, dass ich lieber auf die organisatorische Seite gehe. Ich habe früher selbst Musik gemacht – Schulband, ein bisschen Gitarre, Klavier – aber die Leidenschaft war stärker als das Talent, würde ich sagen.

Also habe ich im ersten Laden ungefähr einmal im Monat ein Konzert veranstaltet. Anfangs während der Öffnungszeiten, bis ich gemerkt habe: Das funktioniert wirtschaftlich nicht. Der Laden ist zwar schön gefüllt, aber ich verkaufe nichts an diesem Tag.

Dann kam vom Bürgerverein Weststadt immer wieder der Hinweis, dass hier in der Goethestraße eine Fläche frei wird. Ich habe das mehrfach abgelehnt. Bis es irgendwann Klick gemacht hat und ich dachte: Vielleicht mache ich einfach zwei Läden.

Ich habe dann die Mode ausgelagert und hier im zweiten Laden untergebracht. Ich hatte sogar jemanden, der spontan zugesagt hat, den Laden Zwei zu managen. Eine Zeit lang lief das parallel – Kunsthandwerk und Farbkonzept im ersten Laden, faire Mode hier im zweiten.

Aber das hat mich ziemlich schnell überfordert. Zwei Läden sind einfach zu viel. Und dann habe ich an einem Freitagabend beschlossen: So mache ich nicht weiter. Ich lege alles zusammen und konzentriere mich auf diese Location hier.

Konzert mit Mami und die PappalaPapis vor "Energie & Farben - der Laden"
Konzert mit Mami und die PappalaPapis vor „Energie & Farben – der Laden“

Andreas (Jazznrhythm.com)
Das heißt, du hast schon im ersten Laden Konzerte gemacht?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Wie viele Leute waren da ungefähr?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Zwischen 20 und 30. Am Anfang auch mal weniger, klar. Das musste sich erst entwickeln. Aber irgendwann wurde es so eine Art Weststadt-Kultur. Man wusste: Da sind Konzerte. Eintritt gab es nicht, nur Hut. Und manchmal war es so voll, dass wir die Tür offen lassen mussten.

Einmal haben wir sogar ein Konzert vor dem Laden gemacht – dann war die Straße der Gastraum.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Wie lange machst du das schon insgesamt?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ich habe 2012 angefangen. Also inzwischen sind das 13 Jahre. Wie so oft bei mir: ziemlich spontan entstanden.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Und die Konzerte im Laden Zwei – die gab es auch schon vor Corona?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, durchgehend. Dann kamen die Lockdowns. Und dann entstand etwas ganz Neues.

Ich hatte dieses Sofa hier im Laden stehen, weil eine Nachbarin es bei mir zwischenlagern wollte. Sandie und Rolf waren da, schauen das Sofa an und sagen: „Das ist doch wie ein tiny desk concerts.“ Und sofort war die Idee im Raum: Wir machen daraus unser Format.

Rolf hatte zu der Zeit schon einen YouTube-Kanal gestartet. Und dann haben wir gesagt: Wir nutzen den Kanal und machen unser eigenes Format. Das hieß dann „Musik aus der Ladenecke“.

Wir haben während der Lockdowns 37 Konzerte produziert.

Andreas (Jazznrhythm.com)
37 Stück – das ist eine Menge. Und da waren ja auch bekannte Namen dabei.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, wir haben natürlich zuerst Freunde eingeladen – Musiker aus unserem direkten Umfeld. Sandie und Rolf haben moderiert und auch selbst gespielt.

Dann kamen auch bekanntere Namen dazu. Zum Beispiel Chris Cacavas. Oder das norwegisches Randi Tytingvåg Trio, das gerade in der Hemingway Lounge gespielt hat und auf Tour war – die haben wir dann einfach auch eingeladen.

Die Konzerte waren etwa 20–25 Minuten lang, ohne Publikum, und wurden komplett aufgezeichnet.

Und jetzt machen wir im September Folge 38 – diesmal hybrid, also mit Publikum.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Das heißt, das Konzept läuft weiter – aber jetzt wieder mit Gästen im Raum?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Genau. So etwa 10 bis 20 Leute passen rein. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, das alles unterzubringen, weil hier ja eigentlich ein Laden ist – mit Kleiderständern und allem drum und dran.

Aber genau das macht auch den Reiz aus.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Das erinnert ein bisschen an dieses intime Konzertgefühl – fast wie ein Wohnzimmer.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, genau das ist es. Man ist nah dran, sieht die Musiker vor und nach dem Auftritt, kann ins Gespräch kommen. Das ist etwas ganz anderes als eine klassische Bühne.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Wie war die Resonanz auf den YouTube-Kanal?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Während der Lockdowns war das eine kleine Community. Wir haben die Premieren immer sonntags gemacht und uns im Chat getroffen. Da waren Leute dabei, die wir gar nicht persönlich kannten.

Das hat sich inzwischen etwas verlaufen, weil wir das Format nicht mehr so häufig machen. Aber es war eine besondere Zeit.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Haben sich daraus auch neue Kontakte ergeben?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, es kamen Anfragen rein. Aber wir konnten nicht alle annehmen. Unser eigenes Umfeld war schon sehr groß, und wir wollten auch gezielt Leute unterstützen, die plötzlich keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatten.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Wie wählst du die Bands für die Ladenkonzerte aus?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ich schaue mir Webseiten an, höre Musik an, schaue auf Instagram. Es geht aber viel über Bauchgefühl. Manchmal sind es Formulierungen, eine Geschichte, ein Bezug zu Karlsruhe – irgendetwas, das mich anspricht.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Gibt es Genres, die du bevorzugst?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, Singer-Songwriter, Jazz, Pop, Americana – solche Sachen. Aber wir hatten auch richtig laute Bands hier – mit E-Gitarren und allem. Das geht auch.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Und das funktioniert in einem Wohnhaus?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, hier wohnen viele Studenten. Das hilft. In einem klassischen Wohnhaus wäre das schwierig.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Gibt es noch etwas, das du sagen möchtest?

Manuela Seith (Laden Zwei)
Musik gleicht unglaublich viel aus. Gerade in einem Ladengeschäft, wo vieles auch anstrengend ist. Diese Konzerte – das bleibt lange hängen. Das ist einfach erfüllend.

Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025
Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025

Andreas (Jazznrhythm.com)
Ich finde, es hat etwas sehr Familiäres. Wie ein Wohnzimmerkonzert.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, genau.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Und vielleicht noch eine Geschichte zum Sofa: Wir hatten immer ein bisschen Angst, dass wir es irgendwann zurückgeben müssen, weil es ja die Kulisse unseres Formats ist.

Dann kam am Samstag vor Heiligabend 2020 ein Bekannter, und hat mir einen Brief gegeben. Darin stand: Das Sofa gehört eigentlich ihm, es stammt von seinem Opa – und noch nie hat jemand so viel damit gemacht wie wir.
Er hat es uns geschenkt.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Dann ist es ja genau am richtigen Ort.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Ja, es gehört einfach dazu.

Andreas (Jazznrhythm.com)
Vielen Dank dir.

Manuela Seith (Laden Zwei)
Sehr gerne.

Manuela Seith in den Siebzigern in der Schülerband "Katastrophenorchester"
Manuela Seith in den Siebzigern in der Schülerband „Katastrophenorchester“

Auch wenn der Laden Zwei mittlerweile einen neuen Namen trägt, neue Besitzer hat und ein neues Konzept beherbergt, ist jemand wie Manuela Seith schwer aus dem Kulturleben des Stadtteils wegzudenken. Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht, was noch geschehen wird, und welche Ideen sie noch voranbringen wird. 

Externe Links:

Laden Zwei – http://www.ladenzwei.com

Energie & Farbe – http://www.energie-und-farbe.com

Ladenecke – http://ladenecke.de

YouTube: Musik aus der Ladenecke – https://www.youtube.com/channel/UCTPKybD5-s1JggiI8OFDDjA

Sandie Wollasch – https://www.sandiew.de

Rolf Ableiter – http://rolfableiter.de

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026

Man muss auf vieles gefasst sein, wenn Matthias Hautsch seine Gitarre spielt. Im Laufe eines Konzertes entpuppt er sich als Tüftler, ewig Suchender und erfindungsreicher Virtuose seines Instrumentes.

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch stellten mit einem Releasekonzert im Kulturhaus Osterfeld ihr neues Album „Lifetime Companions“ vor. Eine Hommage an jene KünsterlerInnen und Songs, die sie ein Leben lang begleiteten. Aber gleichzeitig auch ein die Bezeichnung für das Zusammenspiel zweier herausragenden MusikerInnen, die seit Jahrzehnten schon zusammen arbeiten, Alben aufnehmen und auf vielen Bühnen gemeinsam zu erleben sind.

Das Kulturhaus Osterfeld ist in einer ehemaligen Volksschule untergebracht. Die großen, luftigen Gänge, die breiten Treppen erinnern noch an die einstige Bestimmung, aber auch der gemeinsame Bereich im Innenhof, der heute ein Restaurant und weiterhin einen Schulhof beherbergt, verweist darauf.

Die Stockwerke des massiven Baus, der in den Jahren 1904-1907 fertiggestellt wurde, unterhalten heute ein ganz unterschiedliches Angebot aus dem Kulturbereich, zu dem auch verschiedene Bühnen gehören.

Im Studio, einem Raum im 3.OG des Gebäudes, der für bis zu 96 Personen Sitzplätze anbietet, bot sich eine Atmosphäre, die sowohl dem Charakter der Präsentation gerecht wurde, aber auch jene Nähe ermöglichte, die einen detaillierten Blick auf die Fingerfertigkeit des Gitarristen zuließ.

Es waren die charmanten Anekdoten beider, die bekannte Songs in neuen Interpretationen kleideten,  und dabei die eigenen Bezüge verdeutlichten. 

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026

Wenn Matthias Hautsch, ganz begeisterter Fan und mit leuchtenden Augen, von seinen Idolen erzählt, um dann in einer verzwickten, akustischen Instrumental-Version von Van Halens “5051“ überzugehen, ist vieles aus der gemeinsamen Geschichte spürbar.

Heute würde man es Slowcore nennen, wenn – inspiriert von Shawn Colvin – der Elvis-Klassiker „Viva Las Vegas!“ In einer bedächtigen Ruhe, den Staub der Wüste beschwört und die Tragik des Spiels offenbart. 

Dass die Mischung aus Tina Turner, Simon and Garfunkel, Britney Spears, aber auch Queen homogen und passend in einem Programm funktioniert, ist den Fähigkeit des Duos zu verdanken, das sowohl mit der Stimme, wie auch in der Begleitung die schwierigsten Passagen zu meistern wußte. 

Während Sandie Wollasch selbst vor einer Variante von „Bohemien Rhapsody“, die Teile einer Arie enthielt, nicht zurückschreckte, so überraschte Matthias Hautsch mit dem Einsatz einer Nagelfeile, die als Ersatz für einen Geigenbogen ähnliche Töne seinem Instrument entlockte.

Es sind die feinen Details, die immer zu begeistern vermochten. Die Verquickung eines Marlene Dietrich-Klassikers mit der ehrfürchtigen Schnoddrigkeit jener Fassung von Udo Lindenberg, oder die Verneigung vor Edo Zankis Werk, aber ebenso die apokalyptische Schilderung eines fast aktuellen Zustands (hier in dem Stück „Sign o’ the times“ von Prince) wurden in neuen Versionen arrangiert.

Versionen, die den Beiden die Möglichkeit liess, sich darin wiederzufinden, die Herausforderung anzunehmen, und in der Gesamtleistung etwas zu schaffen, was ihren Fähigkeiten gerecht wurde.

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026


Die Gitarre diente dabei als Rhythmusgeber, Percussion, wurde gestreichelt, geklopft, angeschlagen, mit Vibrato und zurückhaltenden Effekten zu einem Synthesizer. Mehr bedurfte es gar nicht. Weniger sollte es nicht sein. Denn die Stimme von Sandie Wollasch, kraftvoll und variantenreich, zwischen Pop, Soul und Jazz wandernd, unerschrocken gegenüber Klippen und Hürden, scheint ihn zu benötigen – den Gegenpart aus spielfreudiger Einsatzbereitschaft und neugieriger Erfindungsgabe. 

Nichts wurde vermisst. Im Gegenteil, es gab viel zu erfahren und manches wird im Nachhinein den Blick auf so manchen Klassiker verändert haben. 

Externe Links:

Sandie Wollasch – https://www.sandiew.de

Matthias Hautsch – http://www.matthiashautsch.de

Kulturhaus Osterfeld – https://kulturhaus-osterfeld.de