Durchsuchen nach
Kategorie: Bands

Liv Solveig (& Nico Schnepf) beim Tollhaus Jahresempfang am 19.04.2026

Liv Solveig (& Nico Schnepf) beim Tollhaus Jahresempfang am 19.04.2026

Liv Solveig (& Nico Schnepf) beim Tollhaus Jahresempfang am 19.04.2026

Eigentlich nur ein Teaser, und daher wenig um das man viele Worte machen sollten: Trotzdem – es sei erwähnt: Liv Solveig ist ein erstaunliches Talent, dass in nur drei Songs eine Bandbreite an stimmlichen und spielerischen Fähigkeiten zeigte, die neugierig machen.

Auf dem Jahresempfang des Tollhauses, für den sie eigentlich nur ein Teil des Rahmenprogramms darstellten, präsentierten sich Liv Solveig und Nico Schnepf als ein eingestimmtes Duo, und dennoch auf die zusammen geschrumpfter Version des aktuellen Vereinsheims. Den darum ging es: Das Vereinsheim, eine Veranstaltung, die mit wechselnden Gastmusikern in regelmäßigen Abständen stattfindet, hat dieses Mal Liv Solveig in ihre Mitte genommen. 

Nico Schnepf, am Piano einer des Vereinsheim-Stampersonals, liess sich zusammen  mit ihr, dazu überreden an dem morgendlichen Jahresempfang teilzunehmen. Der Jahresempfang ist der Rückblick und die Vorausschau des Wirkens des Tollhauses. Es bedarf eine größeren Textes, dieses noch mal gesondert vorzustellen, daher sei hier nur darauf eingegangen: Liv Solveig gastiert mit dem Vereinsheim an zwei Abenden im Tollhaus, stellt dabei ihre Songs vor, spielt Geige, und schaffte es in dieser kurzen Vorstellung genug Energie reinzulegen, um sowohl einer solchen Veranstaltung den richtigen Auftakt zu geben, aber auch zu zeigen, dass es sich bei ihr um eine Künstlerin handelt, die kraftvolles, ausgeklügeltes Material mitbringt.

Hat selbst in dieser Kombination alles was es braucht.

Nico Schnepf hatte sich vor einigen Woche schon mal mit Flavian Graber als ein Musiker gezeigt, der flexibel mit Anforderungen umgehen kann, für Begleitungen den richtigen Ton findet, und wahrscheinlich vor keinem Tasteninstrument zurückschreckt. 

Liv Solveig gastiert mit einem neuen Album in Karlsruhe, und wenn jemand noch Zeit hat, diesen Artikel gerade liest, dann heißt es sputen: Heute abend ist sie nochmal im Tollhaus. Ansonsten gastiert sie in einigen Wochen solo in unserer Stadt. Hiermit empfohlen. Offiziell.

Externe Links:

Liv Solveig – https://livsolveig.com

Tollhaus –https://www.tollhaus.de

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Mit Tamara van Esch und Immen begrüßte der NUN, Kulturraum, zwei SongwriterInnen aus den Niederlande. Sowohl mit Tamara van Esch, wie auch mit Immen, verbindet das NUN eine längere Geschichte, die bereits einige Jahre zurück reicht. So war sowohl Immen, wie auch Tamara van Esch schon in unterschiedlichen Kombinationen anwesend. Die aktuelle Konstellation, in der sie derzeit auf Tournee sind, ist dagegen neu. 

Immen besuchte das NUN bereits mit der Band  I am Oak, während Tamara van Esch bei einem ihrer letzten Auftritte von Chima und Kohei Kondo, zwei japanischen KünstlerInnen begleitet wurde. In der Verbindung mit den Letztgenannten zeichneten sich Tamaras Auftritte durch die Livemalerei von Kohei Kondo fast alles multimediale Experimente aus.

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Hingegen geradezu schlicht gestaltete sich dagegen der diesjährige Auftritt. In Friesisch eröffnete Immen das Doppelkonzert, leitet dabei in einer zerbrechlichen Ruhe den Abend ein, den kaum ein Applaus zu unterbrechen wagte. Immens Kunst zeigte sich in einer gewagten Anmut als eine spartanische Ausdrucksform, die mit den kleinsten Elementen und Klängen zu berühren vermochte. Die Faszination einer musikalischen Poesie, die noch das Brummen der Verstärker als Teil akzeptieren wollte. In der Wirkung gebot es Schweigen und ein andächtiges, berührtes Lauschen. 

Immen Songs beschränkten sich auf ihrer Stimme, die fast sphärisch und transparent ihre fremden Worte transportierten und einem Saitenspiel, das sich wie passende Puzzleteile in ein Gedicht einfügte. Mit großer Ernsthaftigkeit dargeboten, entpuppte sich die Schlichtheit ihrer Werke als glänzendes, beeindruckendes Objekt, das nach Beschreibungen suchen lässt. Um auch nur annähernd die Größe zu erfassen. Immen offenbarte eine ganz eigene Musikalität, die an Dichtkunst erinnert, und die kurze Pause nach ihr benötigte.

Tamara Van Esch präsentierte, neben ihren bekannten Songs aus den vergangen Alben, ein komplexes neues Werk, das auf der Erinnerung einer zukünftigen Frau aus ihrem hundertjährigen Leben beruht. Sollte diese Beschreibung nicht ausreichend sein, so muss man sich ein Klangbild aus ruhigen Elementen vorstellen, die sie auf dem Klavier und mit der Gitarre schuf.

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Dazu vorsichtig einfließende Loops, vielstimmige Gesangselemente, die mechanischen Stimmen (vulgo: Robotern) glichen und hypnotische, verzögerte Grundstimmungen, mit hervorgehobenen Tönen. Tamara van Eschs Songs waren damit Teil einer Geschichte, die sich die Zeit nahmen, aus dem geschaffenen Rahmen ein rundes Ding zu machen. Im Aufbau und dem Nutzen der Bestandteile ihres Instrumentariums different, waren beide Künstlerin verbunden durch Wirkung ihrer Werke. Auch in ihrem Part zeichnete sich die Lauschenden durch eine andächtige Zurückhaltung aus. 

Im letzten Stück kam es zu einem Zusammenspiel der beiden Künstlerinnen. Ein Duett, das eine Verwandtschaft in Gestaltung und Stimme zeigte. Stimmen, die in ihrer Ergänzung zur Größe und Verdichtung gereichte. Tamara Van Eschs Gesang und Klavierspiel in Kombination mit Immens Background offenbarte Möglichkeiten für Klangwelten, die man sich noch wünschen könnte. Für den nächsten Besuch. Der kommen wird.

Externe Links:

Tamara van Esch – https://tamaravanesch.nl

Immen – https://www.instagram.com/immennimmen/

NUN – https://nun.cafe

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026

Angekündigt als der Abschluss – damit das letzte seiner Art in der Konzertreihe im Laden Zwei – sollte eigentlich die Americana-Band „No sugar, no cream“ an jenem Samstag auftreten. Jedoch: Krankheitsbedingt änderte sich das Programm, und überraschend sprangen Sandie Wollasch und Matthias Hautsch kurzfristig ein. 

Zwar ist das eigentliche, offizielle Veröffentlichungsdatum ihrer CD „Lifetime Companions“ erst am 02/03.05, doch auf diesem Weg kam es zu einem exklusiven Pre-Release-Termin. Noch einmal wurde verdeutlicht, wo der Charme und Reiz der Location lag. 

Zwischen den restlichen Waren, die bis zu den letzten Tagen des Monats April noch verkauft werden, sammelten sich eine Handvoll Gäste. Man kannte und umarmte sich, kam aus der Nachbarschaft, gehörte zum Kreis aus Freunden, Familie und Bekannten. So blieben die Konzerte zum einen immer ein Geheimtipp, aber auch ein verlässlicher Treffpunkt. 

Stühle, Fensterbänke und Sitzkissen wurden gereicht, und die Events – bei großem Andrang – in zwei Hälften nachmittags und abends gelegt. Manuela Seith hat die richtigen Kontakte, ist bewundernswert gut vernetzt, hatte es mit viel Enthusiasmus geschafft, dem Wohlfühlfaktor eine Heimat zu geben und Namen einzuladen, die man auch im Nachhinein staunend zur Kenntnis nimmt. 

Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026

So sah man sich wieder, um quasi Abschied zu nehmen, von einer Geschichte, die über die Jahre zu einem der kulturellen Schwerpunkte im Umfeld des Gutenbergplatzes wurde. Sandie Wollaschs und Matthias Hautschs Auftritt war damit im Grunde folgerichtig. Der Zeitpunkt war passend, die Verbundenheit aber auf jeden Fall gut dokumentiert. Führte sie doch moderierend durch die Reihe, die während der Corona-Zeit, für kleine Sessions auf der Plattform YouTube sorgte. 

Beide KünstlerInnen – in ihrer Eigenständigkeit mit genug Anekdoten ausgestattet, um einen Abend zu bestreiten – zeigten in der Kombination, wie fruchtbar es sein kann, wenn sie sich den Klassikern annehmen. Dabei ihre Erinnerungen schweifen und die großen Namen einfliessen lassen. Wenn Matthias Hautsch von Eddie Van Halen erzählte, spürte man eine ähnliche Begeisterung, wie bei Sandies Bericht über die Tina Turner-Tournee, die sie als Mitglied der Vorband, erleben durfte. 

Wenn Matthias die akustische Gitarre ausreizt, ein Vermögen an Griffen präsentiert, denen kaum zu folgen ist, und Sandie fast das Mikrofon beiseite legt, wenn sie den Umfang ihrer Stimme ausreizt, dann zeigt sich auch, dass ganz unterschiedliche Herkunftsgeschichten zu etwas Spannendem zusammen gewachsen sind.

Die neue CD ist eine Sammlung jener Stücke, die sie ein Leben lang begleiteten und beeinflussten. Material also, dass jedem vertraut ist, und dem man wenig Neues zutraut. Jedoch auch ein guter Werkstoff, um genau damit noch etwas zu schaffen, das es zu entdecken gilt.


Die Interpretation ist die Hohe Kunst, die Persönlichkeit der Vortragenden – ohne sie in den Vordergrund zu drängen – in ein Werk einfliessen zu lassen. Dabei dem Respekt soviel zu gewähren, dass ein Erkennen mit Freuden genossen wird und die Zitate bleiben.   

So, wie Matthias Hautsch die Mähne wirft,  die Saiten anschlägt, ist er dem Rock’n’Roll auf jeden Fall so verbunden, dass dieser immer erhalten bleibt. Wie auch Sandie den Spagat zwischen Jazz, Soul und Pop bewusst und gekonnt zu gehen vermag.

Sie schafften es in einer breit ausgelegten Stunde zu fesseln, mit zu reißen, Staunen zu erwecken und die kleine Gemeinschaft, die sich da versammelt hatte, zu einem festen Verbund zu schweißen. 

Tauglich für die große Bühne ist das Programm auf jeden Fall, dass es auch auf kleinstem Raum funktioniert, zeigte sich mal wieder in einer Variante, die vermisst werden wird. Überhaupt, aber im Umfeld der Goethestraße sowieso. Es werden viele Bilder bleiben, eine lange Geschichte, und eine Handvoll Videos, die hoffentlich nie verschwinden.

Externe Links:

Sandie Wollasch – https://www.sandiew.de

Matthias Hautsch – http://www.matthiashautsch.de

Laden Zwei – http://www.ladenzwei.com

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026
Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Vinyl-Enthusiasten wird es immer schmerzen, wenn Joke Lanz an den Turtables agiert als seien es die Saiten einer Gitarre. Er spielt sie rückwärts, er spielt sie vorwärts, er geht mit den Schallplatten um, wie es sich für einen Klangkörper gehört. Das ist nicht nur Scratching, das bezieht den Plattenspieler mit ein, erschüttert ihn, lässt die Nadel hüpfen, den Tonarm springen und die Beats krachen.

Joke Lanz Musik findet sich auf keinem Stück Papier. Sie wird nicht niedergeschrieben, sie entsteht nur in einem Prozess der Improvisation. Dabei lotet er ganz bewusst die Grenzen aus, klettert über sie hinaus, provoziert mit dem einen Ton und schmeichelt mit dem Beat aus der Drummachine.

Im KOHI werkelte er mit allem, was er mitbrachte. Zwei Turntables, eine Hupe, eine Glocke, eine Sprayflasche und eine Rezeptions-Klingel fanden sich auf seinem Pult. Dazu eine Loop- und eine Drummachine. Und dazwischen er selbst, ekstatisch, vehement, mit einer Leidenschaft, die das ganze Set auszeichnete.

Und das war es – ein Set, das quer durch die Beete der Vinyl-Geschichte ging. Seine Herangehensweise war so gnadenlos wie verliebt. Der Ton, wo immer er herkam, wurde exerziert, zerlegt, in seine höchsten Höhen und seine tiefsten Tiefen getrieben. Dazwischen brachial genutzt, um von leichten Jazzsolos, Worfrequenzen und Satzstücken zerrieben zu werden.

Eine Kooperation zwischen dem Forum Freie Musik und dem KOHI bedeutete auch, dass Musik in ihrer Gestaltung in Frage gestellt und neue Formen erlangen durfte. Joke Lanz gilt als Veteran der improvisierten Musik.

Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026
Joke Lanz im KOHI,Kulturraum in Karlsruhe am 16.04.2026

Man mag davon ausgehen, dass das Brechen  der Regeln eine Pflicht ist, die Harmonie neu definiert wird und Joke Lanz wahrscheinlich die obskursten Platten besitzt, die aufzutreiben sind. Wie man bei manchen Gitarrenhelden vermutet, dass das Ding, das sie gerade benutzen wohl kein Saiteninstrument mehr sein kann, so musste es sich bei den Exemplaren, die er auf den Tellern stapelte, schon um sehr eigene Klangschätze handeln.

Und er stapelt sie wirklich. Landete sie nicht irgendwo hinter ihm, so blieb keine Zeit, und die eine Scheibe wurde auf die andere gelegt. Es knisterte und knarzte, knallte in die Ohren, um in einem ganz eigenen Zusammenhang einen Rhythmus zu erfinden, der dann wieder in der Begleitung eines anmutigen Jazzsolos mündete.

Dabei verlor sich der Meister hinter seinen Gerätschaften, fand sich wieder, tanzte fast und war mit einer Ernsthaftigkeit und einer lässigen Könnerschaft dabei, die darauf hindeutete, dass er diese Mauer aus Geräuschen in tausend verschiedenen Anstrichen schon überall errichtet hat. 

Wer den Ton orten, die Herkunft erkennen oder Spuren identifizieren wollte, hatte sogleich verloren. Wo Joke Lanz Musik erkannte, war vorher wahrscheinlich keine. So mochten es Reden, Opernarien, Volksmusik oder afrikanisches Liedgut gewesen sein. Was weiß denn ich?

Unter seinen Fingern wurde das alles ein vielstimmiger Synthesizer, den er malträtierte, liebkoste und ausreizen wollte. Spannend im Detail. Raffiniert in dem Zusammenfügen der einzelnen Teile – Und in seiner Hingabe bei ihrem Zerlegen sowieso.

Externe Links:

Joke Lanz – http://www.suddeninfant.com

Kohi – https://kohi.de

Forum Freie Musik (Facebook) – https://www.facebook.com/forumfreiemusikkarlsruhe/?locale=de_DE