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Kategorie: Karlsruhe

Karlsruhe und Schallplatten

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Er nennt seine Kunst Americanoir. Abgeleitet von dem Kunstwort Americana, das den Stil – eine Melange aus Country, Western, Folk und Blues – ganz gut treffen würde. Doch Ben de la Cour schätzt die ruhige Stimme, den leisen Ton und die feine Ironie im Text. Er kommt auf stillen Sohlen, mit scharfen Worten.

Ben de la Cours Liedgut ist wie geschaffen für die Räumlichkeiten des NUN. Ganz alleine, nur mit einer Gitarre, damit Mittelpunkt und einziger Protagonist seiner Geschichten, erzählt er sie in einem ruhigen, zurückhaltenden Ton. Das mit aller Zeit, die er sich dafür nehmen kann. Ein gefühlvoller Barde, der die Traditionen aus Amerika pflegt und mit warmer Stimme zu berichten weiß.

Er zeigt sich dabei in einer filigrane Langsamkeit, die transparent über jeden Ton schwebt. Ben de la Cour ist wie einer dieser modernen Helden, die im Bild verharren können, um den Details die notwendige Liebe zukommen zu lassen. Das ist so authentisch wie warmherzig, und verletzlich in den schönsten Momenten. 

Im Rahmen einer ehemaligen Eckkneipe, am Rande eines viel zu warmen Sommertages, war er einer jener umtriebigen Interpreten, die mitnehmen wollten – auf den staubigen Reisen, an die vergessenen Orte, in eine Zeit, die sich dem Trend widersetzen möchte.

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Melodien, die – fein gesetzt, gut gespielt und seit vielen Jahren geschliffen – ohne Bruch ihren Weg fanden, und eine Intonation, die so klar und deutlich war, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn man auf die verstärkende Elektronik verzichtet hätte.

Ben de la Cour nimmt man es ab. Die vielen Orte, die Ehrlichkeit, die Widrigkeiten der Welt, die Verbundenheit mit seiner Musik und der Straße. Wenn er es Americanoir nennt, dann mit einer ihm eigenen Poesie, die der Schwärze im Wort und Ausdruck eine Leuchtkraft verleiht.

Ein ausgesprochen unaufgeregtes Konzert, das sich in einer scheinbar sehr einfachen Weise präsentierte, zeigte wie wenig Musik es braucht, um eine Nähe und Verbundenheit zu erzeugen, aber auch das Publikum zu fesseln und dem Abend jenes zu geben, was er zum Ausklang braucht. 

Ben de la Cour schafft es mit leisen Tönen den Texten eine prägnante Farbe zu geben, die auch Schattierungen berücksichtigt und die Grautöne zur puren Kunst erhebt. Und das alles mit wenigen Gesten und einer natürlichen Bescheidenheit. Ein Konzert, das wie geschaffen war, um das NUN in die Sommerpause zu geleiten. 

Der Herbst kann kommen und spannend werden. Der Sommer hatte den Höhepunkt seiner Lässigkeit fast erreicht.

Externe Links:

Ben de la Cour (Bandcamp) – https://bendelacour.bandcamp.com/album/new-roses

NUN – https://nun.cafe

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026
Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Brasilien wird von einigen Menschen als jenes Land bezeichnet, dessen musikalischer Reichtum unschätzbar und gleichzeitig mit keinem anderen Land der Welt zu vergleichen ist. Das mag zu weit gegriffen und auch nicht ganz fair sein, aber trotzdem gibt es kaum ein Land der Welt, in dem die Musik so tief verwurzelt ist, dass man fast davon ausgeht, alle die dort beheimatet sind, könnten singen und Gitarre spielen.

Die Zahl der KünstlerInnen, die mit brasilianischen Wurzeln immer wieder auf dem Tonträger- und Streamingmarkt auftauchen, scheint unüberschaubar. Die Spuren des Bossa Nova, des Sambas, aber auch der allgemeinen traditionellen Forro-Gesänge, sind immer wieder und überall anzutreffen. Es ist dem Tollhaus anzurechnen, dass sie es schaffen, die Unüberschaubarkeit aufzuschlüsseln, aber auch immer wieder die wichtigsten Namen im Rahmen des Zeltivals zu präsentieren.

Mari Froes gehört zu den jungen MusikerInnen, des MPB (Musica Populare Brasileira). Einer neuen Generation, die auf dem Können ihrer Vorgängerinnen aufbaut, aber mittlerweile sehr eigenständig unterwegs sind.

MPB war immer eine Richtung, die dem Ohr schmeichelt, den Fuß wippen lässt, aber gleichzeitig eine sehr persönliche Mischung aus Liebe, Beziehungen, aber auch sehr kritischen Texten präsentiert. Wenn man wie Mari Froes dabei beweisen kann, dass auch die Musikalität zwischen Jazz, akustischem – nur auf der Gitarre vorgetragenen – Songs und ausschweifenden Improvisationen tänzelt, dann symbolisiert das schon sehr gut die Leichtigkeit, mit der diese Musikgattung daher kommen kann.

Mari Froes konnte mit Charme, Eingängigkeit, aber auch einem verschwenderischem Spielraum für ihre Mitmusiker beweisen, dass sie nicht nur Charterfolge im Gepäck hat, sondern auch die Selbstsicherheit und das Vermögen professionell ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. 

Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026
Mari Froes im Tollhaus, Karlsruhe am 21.07.2026

Die Trompete durfte überraschende Solis, breitgefächerte Interpretationen, aber vor allem ein Können beweisen, das unproblematisch einen ganzen Abend hätte bestreiten können. 5 MusikerInnen standen ihr zur Seite (besagte Trompete, Percussion, Bass, Drums und Gitarre) und zeigten eine Spielfreude, die die Anwesenden zum Tanzen, schwitzen und feiern brachte. 

Mari Froes überzeugte nicht nur mit der Anmutigkeit ihrer Stimme, sondern auch einer beschwingten, ansteckenden Choreografie, aber auch dem richtigen Gefühl, für Pausen und dem Vortritt für die Band. 

Mochte man erfahren, wie sich derzeit der Trend in Brasilien entwickeln mag, welche Varianten der MPB noch erreichen kann und wie er in einem zeitgemäßen Gewand aussieht, erlebte mit Mari Froes ein zeitgemäßes Talent, von dem man noch einiges hören wird. Sie war schon mal in Karlsruhe, sie kommt wieder, meinte sie, und man möchte es ihr wünschen, denn wer sie gehört und gesehen hatte, war sie sowieso sicher, dass da noch eine Menge Potential ist.

Externe Links:

Mari Froes – https://www.instagram.com/froesmari/

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“

Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“

Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“

Bekommt das eigentlich jemand mit? Was in einem geheimen Keller am Rande von Karlsruhe passiert? 

Ich hatte schon mal darüber berichtet. Man and Friends sind eine Gruppierung, die ohne große Bühne, einfach so – mit einer selbst auferlegten Disziplin – und einem großartigen Gefühl für die Improvisation, immer wieder eine CD veröffentlicht.

Allerdings nur virtuell. Die CDs, mittlerweile 499 (!), werden nur auf der Webseite präsentiert.  Es gibt keine haptisches Vergnügen daran. Was aber niemanden davon abhalten sollte, sie sich selbst zu brennen.

Es ist alles auf der Webseite vorhanden: Cover, Inlay, Titelliste, ein Bild für die CD selbst und alle Informationen über die Mitspielenden. 

Und die Liste derer, die bisher zu Gast waren, ist lange, illustren und spiegelt einen großen Teil der Karlsruher MusikerInnen wieder.

Namen aus allen Richtungen kommen da zusammen, versammeln sich in dem Studio, spielen eine Session durch und dann kommt er wieder der Newsletter. Der mich, in seiner regelmäßigen Erscheinung, staunen macht. So erscheint jede Woche eine CD. Fast pünktlich, wie eine Zeitung, immer Freitags. 


Wer auf Krautrock steht, wird es lieben. Wer auf Jazz steht, wird es verstehen. Und wer auf hypnotisch, verschleppte Beats, schlurfende Langsamkeit, geruhsame und spontane Lyrik abfährt, wird eine Menge Bezüge zu den Sachen erkennen, die in experimentellen Clubs laufen. 

Die Aufnahmen sind mutig in ihrer Lässigkeit, mit denen sie die Zeit ausnutzen, keine Konventionen eingehen und irgendwo jenseits von Spotify eine Nische entdecken. Mane and Friends agieren jenseits der Hektik und des Zeitgeistes. Völlig losgelöst von jedem Kompromiss entstehen in diesem Format kleine, nicht wiederholbare Perlen. 

Alles durchzuhören wird schwierig. Das Leben wird zu kurz, wenn man gleichzeitig Favoriten entdeckt. Aber die Webseite ist mit Empfehlungen aufgebaut. Man kann nach Musikern suchen, sich per Zufall überraschen lassen oder einfach mal durchsurfen.

Sie freuen sich übrigens über Kommentare und Rezensionen. 

Zum Einstieg sei die 499ste Ausgabe übrigens empfohlen. Passt zu lauen Sommerabende, Rückblicke, verliebte Tagebuchschreibereien und die Katze mag es schon, weil einfach die Ruhe einkehren mag. 

Mane Bock – Gitarre

Bernhard Finger – Vocals

Derek Hauffen – Keyboard, Drums

Werner Lapp – Woodwinds, Keys

Dieter Schult – Bass

Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“

Externe Links:

Mane and Friends – Krautjazz – https://krautjazz.de

Ankündigung: Haphazard auf der Feldbühne auf dem Fest am 25.07.2026 um 16:30

Ankündigung: Haphazard auf der Feldbühne auf dem Fest am 25.07.2026 um 16:30

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

Haphazard sind Wiedergänger oder die Erben einer großen, dicken und fetten Plattensammlung. 

Es muss mehr als ein vollgestopftes Regal sein. Sie kommen aus dem Land der Schlaghosen und der ausufernden Solis. 

Das Rockverständnis von Haphazard ist beachtlich und fußt irgendwo in einer tiefen und nostalgischen Vergangenheit und Liebe. 

Der Sound ist nicht aus dieser Zeit, aber das Image sowieso auch nicht. Haphazard haben den Geist aus der Flasche, der Grube oder sonst wo wiedergeholt, um mit einem Flair zu bezaubern, den man verloren glaubte.

Wer sein den Rhythmus der frühen, goldenen Jahrzehnte der berühmten Jahre verloren glaubt, kommt an ihnen sowieso nicht vorbei. In einer Beschreibung zu dem, was sie auf der Bühne bieten, fließen automatisch jene Namen ein, die heute noch für Bewunderung sorgen. All die Gruppen, die aufgelöst oder mittlerweile schlicht zu alt sind, um eine solche Show zu bieten. 

Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Haphazard im KOHI am 07.02.2026

Sie haben, ohne Zweifel, große Vorbilder, aber auch das handwerkliche Können, um an sie ran zu kommen. Dass sie das so kompromisslos und enthusiastisch verfolgen, gebührt alleine schon Respekt. Muss man mal sagen.

Dabei sind sie so viel jünger als die Zitate, die sie nutzen – und so viel ernsthafter als die Altvorderen. Sie lehnen sich damit gegen den Trend und kreieren ihr eigenes Image. Vor allem sind sie eine entschlossene Liveband, die ihren Weg gehen wird. 

Nicht geradlinig, schon wie eine Zeitreise, aber es macht einen Heidenspaß, Ihnen dabei zuzusehen.

Haphazard - Aufkleber
Haphazard – Aufkleber

Externe Links:

Haphazard – https://www.instagram.com/haphazard.music/

Das Fest – https://www.dasfest.de/programm/das-fest