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Kategorie: Rezension

Tonspur Nr. 3 : Yes Ma’am „Bless this mess“

Tonspur Nr. 3 : Yes Ma’am „Bless this mess“

Yes Ma'am - Bless this mess - CD

Titelliste:

  1. Deep Chatham (The D Song)
  2. Dig your Grave
  3. Weight of the world
  4. Squishin’ Bees
  5. Chancey’s Train
  6. Metzakukkia
  7. Sweet Tender
  8. Better Luck next time
  9. Beggars would ride
  10. Bad man
  11. Circles
  12. Treat me right

Bluegrass ist so das Ding, um das Country Fans manchmal auch einen großen Bogen machen. Diese Richtung aus Western-Swing und irgendwas, die einst Bill Monroe zur Größe brachte, kann konservativ, steif, zurückhaltend, introvertiert und tief verwurzelt in irgendwelchen Traditionen rüber kommen. Oder schlichtweg chaotisch. Yes Ma’am vermischen den Stoff mit einem Blues, wie er nur aus den Sümpfen Louisianas kommen kann. Ein Spagat zwischen allen Americana-Richtungen, als wären diese nur für die Fusion geschaffen. Yes Ma’am spielen das Zeug, und man glaubt, sie haben es erfunden. Erdig, nah und tief verwurzelt im Hier und Jetzt. Live sieht man sich zwischen Whiskeyflaschen, harten Burschen und Bierbüchsen in einer Scheune sitzen. Sie fetzen den Kram runter, verharren in der Traurigkeit, um dann wieder zu zeigen, was eine Harke ist. Das Problem mit Yes Ma’am ist, dass alle Alben ständig in meine Player geschoben werden, und ich jede Woche über sie berichten könnte. Und , verflixt, vielleicht mache ich das sogar.

Yes Ma'am auf dem Rotterdam Bluegrass Festival

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.

Tonspur Nr. 2 : Amsterdam Funk Orchestra „Samba Soul“

Tonspur Nr. 2 : Amsterdam Funk Orchestra „Samba Soul“

Amsterdam Funk Orchestra with Lilian Vieira and Efraim Trujillo " Samba Soul"

Titelliste:

  1. Xami Xami (feat. Lilian Vierea)
  2. Palco ( feat. Lilian Viera)
  3. Bananeira
  4. Vestido Longo
  5. Homenagem a Mongo
  6. Vidigal
  7. Bom Senso
  8. Mina Do Condomínio (feat. Lilian Vieira)

Das Amsterdam Funk Orchestra unterschätzt man leicht. Dabei kommen die Truppe möglichst fett und dicht anmarschiert, hat satte Bläsersätze und ist fest verwurzelt in ihrem Genre. 3 Alben gibt es bereits. Vorhergehend ist eine Afrobeat-Scheibe, daraufhin ein komplettes Werk ausschließlich mit Stampfern von James Brown und nun nahm man sich der brasilianischen Musik an. Authentizität  an erster Stelle, merkt man dem kompletten Orchester an, dass sie sich tief in die aktuelle und historische Szene um Rio gewagt haben. Nur um dann einen Wall of Sound mit feinem Chor, deftigen Instrumentalparts und möglichst viel Jazzfunk einzuspielen. Und das so erstaunlich professionell, dass Hörtests sie niemals – never – in den Niederlanden vermuten würden. Alles kommt leichtfüssig, swingend, mit der richtigen Brise Tanzbarkeit daher. Das Amsterdam Funk Orchester begeisterte auch Live auf dem diesjährigen North Sea Jazz Festival 2025. Dort mit mehr Afrika im Beat, aber genug Groove aus Brasilien, um jeden zu überzeugen. Gute Truppe. Hat alles verdient.

Amsterdam Funk Orchestra auf der Mississippi-Bühne des North Sea Jazz Festivals 2025
Amsterdam Funk Orchestra auf der Mississippi-Bühne des North Sea Jazz Festivals 2025

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.

Tonspur Nr. 1 : MXDMCN „Ready when you are“

Tonspur Nr. 1 : MXDMCN „Ready when you are“

MXDMCN "Ready when you are"
MXDMCN „Ready when you are“

Titelliste: 

  1. Butternotes
  2. Bouncing Ball
  3. Eyeblink
  4. Let’s go
  5. Sticky Pete
  6. Schooldays Cassette

2024 meiXmusic

MXDMCN sind ein kleines, sehr überschaubares Projekt, in dem drei Musiker aus dem Süden Deutschland versuchen alles aus ihren Instrumenten herauszuholen, was irgendwie möglich ist. Das sind Gitarre, Orgel, Schlagzeug. Vollmundig nennen sie sich unter der Hand „New Organ Trio“ und knüpfen im Sound am verspielten Jazz, manchmal Acid Jazz und einem ausschweifenden Gefühl für Soul an. Das wabbert nostalgisch, groovt schick, ist aber – trotz feinen und zu improvisierenden Arbeit an der Melodie, leider nur 32 Minuten lang. Man würde ihnen mehr gönnen. Könnten sie auch. Fingerschnippen  und mitwippen ist durchgehenden angesagt. Das klingt so familiär und heimelig wie auf einer Lavalampen-Party. Mit Flokati und Kugeldrehstühle inklusive ist die Coolness dieser Nostalgie nicht zu überbieten. MXDMCN haben den Sound einer unschuldigen Ära eingeatmet um ihn zu einer hippen Melange in die Jetztzeit zu transportieren. Großes, breites Kino für die Ohren. 

Wahrscheinlich gibt es die CD nicht mehr. Egal. iTunes hält den Sound noch bereit. Spotify sicherlich auch. 

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.

MXDMCN auf dem "Das Fest goes Schlachthof" am 23.07.2025
MXDMCN auf dem „Das Fest goes Schlachthof“ am 23.07.2025
IRMA – Neue Veröffentlichungen 06.2025 (Teil 2)

IRMA – Neue Veröffentlichungen 06.2025 (Teil 2)

IRMA - Releases 2
IRMA – Releases 2

Wie versprochen wollte ich einen kurzen Einblick in den Veröffentlichungskatalog von IRMA geben (Siehe auch https://jazznrhythm.com/irma-neue-veroeffentlichungen-05-2025-teil-1). IRMA hat ein sehr großes, umfangreiches Oeuvre, dass von Jazz, über Acid Jazz zu Latin und Disco reicht. Alle tanzbaren Spielarten, die irgendwo zwischen Soul und old-fashioned Clubtunes vorhanden sind, werden dabei locker mit eingepflegt. IRMA hat da relativ wenig Berührungsängste und ein gutes Händchen für eingängiges Material. Diese Liste soll einen kleinen Einblick in die Arbeit des Labels geben und wird regelmäßig, wenn es neue Veröffentlichungen gibt, etwas erweitert. Nicht alles wird jedermanns Geschmack treffen, aber das ist auch nicht unbedingt das, was hier bezweckt wird. Es geht eher darum ein kleines Label aus Italien mal ein bißchen breiter vor zu stellen.

Bop Gun - Clubbing
Bop Gun – Clubbing

Bop Gun – Clubbing

Jazz-Rock-Fusion für die neue Generation. Bop Gun zelebrieren einen fetten, alten Stil, der in einer breiten Welle angeschwappt kommt. Da ist das Bass so dick angelegt, das es mit dem Keyboard einen alten, wilden Funk kreiert. Kennen wir von den großen Planeten, die uns einst umkreisten. Das ist erste Sahne, laut und ungehemmt. Instrumental und verliebt.  Wie all jene 45er Scheiben, die einst in den dunkelsten Ecken gespielt wurden. Saftiger, triefender Jazz.

Anduze - Hologram Mannequin
Anduze – Hologram Mannequin

Anduze – Hologram Mannequin Vol.1 

Unverschämt. Diese Disco Reminiszenz. Gnadenlos. Billig, mit Handclaps und einem Sound, der einfach mal die Siebziger huldigt. Als hätte es spätere Jahrzehnte nicht gegeben. Die Orgel verharrt im Geknarze des Bassgebrummels.  Das hat Titel wie „Sex Worker“ und „Defibrillator“. Ist selbstbewusst und dick aufgetragen. Anduze geht seinen Siebziger Weg konsequent, hat das richtige Soul und Funk-Feeling, das man für den Spiegelsaal und die gedimmte Beleuchtung braucht. Immer mit Anspielungen auf alles was zählt. Sexy und Provokativ.

Majorano - Rosa
Majorano – Rosa

Majorano – Rosa

Fast schon schwelgerisch. Ein Song für einen Strand, den es so nicht mehr gibt. Mit Cocktailschirmchen und einer Band, die – alle im gleichen Outfit – dem lässigen Lifestyle frönt. Das schwankt zwischen Tanztee und blauer Stunde unentschlossen hin und her. 

The Good Maurice - Capsize
The Good Maurice – Capsize

The Good Maurice – Capsize

House. Mit einem Teppich aus Wohlgefallen geknüpft. Läuft spät am Abend. Für einen entspannten Blick ins Aquarium wählt man dann einfach „Nakumy“. Fast schon nostalgisch, wenn die verfremdete Stimme an München und Paris erinnert. 

An „Tousled“ dagegen ist nichts falsch. Hat alle Zutaten, die sowas braucht. Das Strickmuster stimmt, die Geschwindigkeit taugt für das Auto, den ICE und alles was irgendwie dazwischen liegt. Soundtrack für jene Abenden, an denen man nicht so ganz sicher ist, ob man nur hübsch aussehen will, oder doch verschwitzt tanzen möchte. Geht ja beides. Dazu. 

Mit „El Bakunero“ ist das Ding rund, begrüßt orgelig die Siebziger, hat seinen Funk im dezenten Bass und jubelt dem House eine ordentliche Prise Lationo-Nostalgie rein. Wenn schon ein paar Drinks vernichtet sind, die Gäste jetzt aber auch mal Salsa und ähnliches tanzen wollen, dann taugt dieser Instrumental-Track auf jeden Fall. Genug Trompete und südamerikanisches Feeling um den Rest der Nacht einzuleiten.

Irene Loche - Thinking that I'm Crazy
Irene Loche – Thinking that I’m Crazy

 

Irene Loche – Thinking that I’m Crazy

Irene Loche formt eine Soulnummer, die mit einer großen Band, eingängig genug ist, um in verschiedenen Farben auch dem Jazz ganz gut zu Gesicht steht. Bluesig und verschleppt. Kann man an der Bar die Erdnüsse schnippen, den Kopf leicht neigen und mehr fordern. Name wird auf die Liste geschrieben. Muss mehr hören.

Kolosso - Ghost Dogs
Kolosso – Ghost Dogs

Kolosso – Ghost Dogs

Orientiert sich an Jim Jarmusch – Ghost Dog. Man erinnere sich an das wilde Samurai-Drama, das im New York der Taubenzüchter spielt. Kolosso fahren das episch auf. Ruhiger Jazz Funk, der sich die Zeit und Ruhe nimmt, die weite Sicht, die frickeligen Gitarren und das Trompetenspiel auszupacken. Lässt den Blick über die Stadt schweifen. Am Schluss so breit und fett, dass man das Orchester dazu man sehen will. Kolosso malen das große Bild und machen das gut.

D.O.V.E. Drums Organ Vibes Ensemble Vol. 3 Ten years Later
D.O.V.E. Drums Organ Vibes Ensemble Vol. 3 Ten years Later

D.O.V.E. Vol.3 Ten Years Later

Ist eigentlich viel mehr Soundtrack und damit eine Huldigung der großen Stücke, die am Strand von Capri und Nizza spielen, die nochmal die Straßenkreuzer durch die italienischen Straßen Cruiser lassen und keine jungen Frauen aus den Augen lassen. Großartige, perfekte, schwelgerische Orgel, die alles mitnimmt, was dazu gehört, ein trockenes Schlagzeug und ein verspieltes Xylophon. Der Rhythmus, der sich so vertraut anfühlt wie die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der überwucherten Gassen und weißen Wände. Einfach Kino. In all seinen Varianten. Für Verliebte, und andere Menschen mit Stil.

Giovanni Perin - Mambo Strambo
Giovanni Perin – Mambo Strambo

Giovanni Perin – Mambo Strambo

Tanzbarer Acid Jazz, instrumental. Xylophone-lastige Nummer zum Mitschnippen. Leicht beschwingt, und damit klassisch genug orientiert um den Abend voran schreiten zu lassen. In großem Respekt und massiver Verehrung für die großen Bands, die dem Latino-Rhythmus gefrönt haben. Macht Spaß, ist versiert und macht seinem Namen alle Ehre.