Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
Bekommt das eigentlich jemand mit? Was in einem geheimen Keller am Rande von Karlsruhe passiert?
Ich hatte schon mal darüber berichtet. Man and Friends sind eine Gruppierung, die ohne große Bühne, einfach so – mit einer selbst auferlegten Disziplin – und einem großartigen Gefühl für die Improvisation, immer wieder eine CD veröffentlicht.
Allerdings nur virtuell. Die CDs, mittlerweile 499 (!), werden nur auf der Webseite präsentiert. Es gibt keine haptisches Vergnügen daran. Was aber niemanden davon abhalten sollte, sie sich selbst zu brennen.
Es ist alles auf der Webseite vorhanden: Cover, Inlay, Titelliste, ein Bild für die CD selbst und alle Informationen über die Mitspielenden.
Und die Liste derer, die bisher zu Gast waren, ist lange, illustren und spiegelt einen großen Teil der Karlsruher MusikerInnen wieder.
Namen aus allen Richtungen kommen da zusammen, versammeln sich in dem Studio, spielen eine Session durch und dann kommt er wieder der Newsletter. Der mich, in seiner regelmäßigen Erscheinung, staunen macht. So erscheint jede Woche eine CD. Fast pünktlich, wie eine Zeitung, immer Freitags.
Wer auf Krautrock steht, wird es lieben. Wer auf Jazz steht, wird es verstehen. Und wer auf hypnotisch, verschleppte Beats, schlurfende Langsamkeit, geruhsame und spontane Lyrik abfährt, wird eine Menge Bezüge zu den Sachen erkennen, die in experimentellen Clubs laufen.
Die Aufnahmen sind mutig in ihrer Lässigkeit, mit denen sie die Zeit ausnutzen, keine Konventionen eingehen und irgendwo jenseits von Spotify eine Nische entdecken. Mane and Friends agieren jenseits der Hektik und des Zeitgeistes. Völlig losgelöst von jedem Kompromiss entstehen in diesem Format kleine, nicht wiederholbare Perlen.
Alles durchzuhören wird schwierig. Das Leben wird zu kurz, wenn man gleichzeitig Favoriten entdeckt. Aber die Webseite ist mit Empfehlungen aufgebaut. Man kann nach Musikern suchen, sich per Zufall überraschen lassen oder einfach mal durchsurfen.
Sie freuen sich übrigens über Kommentare und Rezensionen.
Zum Einstieg sei die 499ste Ausgabe übrigens empfohlen. Passt zu lauen Sommerabende, Rückblicke, verliebte Tagebuchschreibereien und die Katze mag es schon, weil einfach die Ruhe einkehren mag.
Mane Bock – Gitarre
Bernhard Finger – Vocals
Derek Hauffen – Keyboard, Drums
Werner Lapp – Woodwinds, Keys
Dieter Schult – Bass
Tonspur Nr.40: Mane and Friends „Der lange Weg (maf #499)“
Mane And Friends „krautjazz.de“ CD #472 vom 07.November 2025
Einleitung
Es bedarf einer Einleitung: Das Projekt „Krautjazz“ begleitet mich seit fast einem Jahr. Als ich der Webseite (https://krautjazz.de) zum ersten Mal begegnete, nahm ich mir vor, dieses Thema eines Tages genauer zu betrachten.
Zu groß schien das alles, zu umfangreich das Material und zu vielfältig im Detailreichtum. Präsentiert sich die Seite selbst unspektakuläre, einfach zu durchsuchen und frei von allem Unnötigem – so handelt es sich dennoch um die beste Beschreibung von Understatement.
Was ich bei der ersten Betrachtung jedoch nicht wußte, und mir erst im Laufe der Beschäftigung klar wurde: „krautjazz.de“ ist in seiner Form ein gewaltiges Arsenal an musikalischen Experimenten und Können, wie es in diesem Land bestimmt einmalig ist.
Um all das in seinem Umfang zu erfassen, bedarf es daher mehr als nur einen Text und diesen Artikel. Es wird also ein Mehrteiler, denn das Material und die Geschichte, mit der es zu tun hat, ist ausufernd und reich an Anekdoten.
472 Sessions online!
Vor einigen Tagen, am 07.November 2025, erreichte mich die Nachricht, dass auf der Seite von „krautjazz.de“ die „CD“ 472 von Mane and Friends (kurz: MaF) erschienen ist. Diese Nachricht bekommt man regelmäßig, zeitweise wöchentlich, wenn man den Newsletter der Seite abonniert hat. Die Release-Abstände sind manchmal faszinierend kurz, der Output gewaltig.
Bis zurück ins Jahr 2013 reichen die Veröffentlichungen von Manfred Bock und seinen Freunden. Er selbst, der Kopf und Initiatior hinter dem Projekt bedient in der Konstellation Gitarre, Bass, aber auch den Mischpult und ist letztendlich – so die Selbstbezeichnung – der Kurator. Zu den Musikern, die die Stammbesetzung darstellen, gehören: Derek Hauffen (Tasteninstrumente, Drums) , Bernhard Efinger (Gesang, Mundharmonika, Texte) , Erik Hartmann (Schlagzeug, Perkussion) und Werner Lapp (Holzblasinstrumente, akustische Gitarre).
Mane and Friends existiert in dieser Zusammensetzung als Studioband. Sie treten nicht live auf, ihr Material ist nicht transkribiert und ist – im Sinne von Jazz – „nur“ improvisiert. Der Reichtum und das Außergewöhnliche ergibt es sich aus der Qualität der Aufnahmen, dem versierten musikalischen Wissen der Anwesenden und vor allem den Gastmusikern.
Und alle, wirklich alle Aufnahmen, sind mit Cover, Label, Inlet liebevoll ausgestattet, und kostenlos unbegrenzt zum Download auf der Webseite bereitgestellt. 472 CDs warten damit auf ein Review!
Jede Session hat Gastmusiker, neue Besetzungen und mutige Kombinationen. Die Geschichte von Manfred Bock, Derek Hauffen und ihren Mitmusikern reicht weit zurück in die Rockgeschichte.
Im Rahmen der Recherche für das Karlsruher Archiv, das sich mit der Musikgeschichte von Karlsruhe und der Region beschäftigt, begannen wir alle Bandnamen, die uns bekannt waren, hin- und her zu werfen.
Es stellte sich dabei sehr schnell heraus, dass es einige Personen in Karlsruhe gibt, die all den Jahren – teilweise seit den frühen Sechzigern – in fast allen wichtigen Bands tätig waren und deren Geschichte Teil eines großen Netzwerks ist.
Kurz, wenn man sich mit der populären Musik In Karlsruhe beschäftigt, dann führt kein Weg an den Namen der Mitglieder von „Mane and Friends“ vorbei. In einem der folgenden Beiträge werde ich noch näher darauf eingehen. Hier sei schon mal gesagt: Wenn Manfred Bock und Derek Hauffen laden, dann kommen langjährige Freunde und viele Namen, die teilweise mit ganz anderen Genres und Geschichten verbunden sind.
Die Liste ist umfangreich und bunt: Gäste bei den bisher aufgenommenen Sessions waren z.B. Leonie Klein, Gabriel Herbst, Kibro, Mac Geyer, Claudia Olma, Elvira Novello, Sebastian Manuel Million, Giga Brunner, Gerhard Lesser, Jürgen Zöller, Wolle Koegel, Georg Stindl, Norbert Masino, Frank Benneter, Hubl Greiner, Klaus Becker, Rudi Metzler, Julia Neumann usw. usw.
Kraut und Jazz
So vielfältig, wie sich die Wahl der Gäste, präsentiert, so reich und verspielt ist die Musik, die bei den Sessions zustande kommt. Mane and Friends scheinen den Flow zu lieben, wirken entspannt, ausgesprochen professionell und geben sich und ihren Gästen immer wieder die Chance, kleine Diamanten zu erzeugen. Man möchte ihnen danken – für die Akribie und die Beständigkeit all das aufzunehmen und zur Verfügung zu stellen.
Verwunderlich ist, dass das seit Jahren weit unter dem Radar stattfindet, und der Umfang des Projektes von einer Bescheidenheit gezeichnet ist, die dem Können nicht gerecht werden kann.
Hört man sich die einzelnen Stücke an, so offenbart sich sehr schnell die Lässigkeit, der Witz, aber vor allem das Improvisationstalent der MusikerInnen. Der Name Kraut und Jazz ist Programm. Und wahrscheinlich die genialste Domain für das Thema.
Experimentierfreudig, wie sich ehemals der Krautrock auf die Reise begab und frei wie der Jazz, der alles in sich aufnimmt, sind die Aufnahmen. Durch die immer neuen Zusammenstellungen der Musizierenden ergeben sich neue Einflüsse und Konstellationen, die das Projekt spannend und gleichzeitig wild machen.
„Krautjazz“ ist daher ungehemmtes Improvisieren, aber wertvoll bleibt es durch seine Hörbarkeit, dem Hang zum Groove, und der Tauglichkeit für alle GenießerInnen. Mane and Friends arbeiten damit tapfer an einem Monument, das wöchentlich und über die Jahre wächst, aber vor allem für Musikliebhaber eine unglaubliche Fundgrube darstellt.
Die Gestaltung ist liebevoll, die CDs ergeben eine schlüssige Historie. Die Bedeutung für die hiesige Musikgeschichte ist noch nicht absehbar, denn auch wenn alles nach Spaß und viel Freizeit wirkt, dokumentiert es doch einen großen Teil der Verbindungen, die MusikerInnen untereinander aufbauen und welche wunderbare Sprache sie untereinander sprechen können.
Es kommt noch mehr
Manfred Bock und seine Freunde sind natürlich mittendrin, und ein Ende der Sessions ist nicht abzusehen. Wer jetzt einsteigt, der bekommt sicherlich den besten Eindruck, aber auch Jazznrhythm wird sich in den nächsten Wochen und Tagen nochmal damit beschäftigen. Dieses sollte nur ein kleiner Einstieg sein, der das Augenmerk ein bißchen auf diese Domain richtet. Hört euch das mal, wir werden noch mal darüber berichten. Reviews folgen selbstverständlich auch noch. Aber auch noch mehr!
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