Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026

Die Hemingway Lounge gehört schon zu den legendären Orten unter den Jazzfans der Region. Emsig bemüht sich die kleine Location immer wieder namhafte Künstler für die abendlichen Auftritte zu gewinnen, aber öffnet auch Samstagmorgens um 11:30 Uhr schon die Türen für Experimente, Nachwuchskünstler und Hoffnungsträger.
Hierbei handelt es sich dann um sogenannte Hutkonzerte. Der Eintritt ist frei, der Hut, in dem man je nach Gefallen und finanzieller Lage etwas hinterlassen darf, steht am Ausgang beim Verlassen des Lokals und dient als Spendentopf und Honorierung der Band.
Als Nachwuchs möchte man Miri in the Green nicht mehr bezeichnen, dafür sind sie zu aktiv und mit MusikerInnen besetzt, die schon in länger und in anderen Bands unterwegs waren. Dennoch gastierte die Band um Miriam Kühnel (Miri) zum ersten Mal in der Hemingway Lounge.
Von eigentlich sechs Mitglieder traten fünf auf, brachten eine Vielzahl an Instrumente mit und damit die kleine Bühne an den Rand der Möglichkeiten. Mit Herbie Erb an der Gitarre, Jürgen Zimmermann am Bass, Regina Fischer am Saxofon und H.T. Rothermel am Schlagzeug, sowie Miriam am Akkordeon, der Autoharp, sowie am Keyboard, präsentierten sie sich in aller Vielseitigkeit, aber bewiesen auch flexibel, dass der engste Raum kein Hindernis sein muss.
Beheimatet im französischen Chanson fließen in die Kompositionen die unterschiedlichsten Elemente ein. So wie sie – je nach Thematik und dazugehöriger Geschichte – gerne die Sprache in ihren Stücken wechseln, so führt ihre Experimentierfreude in den Swing, greifen sie sich eine Melodie aus der reichen amerikanischen Roots-Musik und lassen den europäischen Folk anklingen, aber beweisen vor allem und immer wieder eine bestechende Eingängigkeit.
Stilistisch daher schwer einzukreisen, ist sicherlich die Nähe zu Frankreich die vorherrschende Färbung in dem vorgestellten Liedgut. Und damit eine verführerische Leichtigkeit. Ein Stil, der auch wunderbar zu ihren nächsten Konzerten in Jockgrim passt, wo die pfälzische Toskana bereits beginnt, der Sommer weinselig ist, und die Abende lau.
In der Hemingway Lounge, wo man sich nach dem Marktgang nieder lässt, ein leicht mediterranes Lebensgefühl vom Gutenbergplatz mitbringt, und vor allem auf ein geniessendes Publikum trifft, bewiesen Miri in the Green, dass sie eine gute Wahl waren.

Ergänzten somit den frühen Sekt, liessen sich zu einem ausklingenden Frühstück oder einem nahen Mittag geniessen. Leiteten den Tag also genau in die richtige Stimmung ein.
Die Mischung machte es. Seien es das Kontrabass, die vorgestellte Autoharp, oder das Spiel des Gitarristen – Miri in the Green bringen viele Einflüsse und Wurzeln mit. Material genug für ein abwechslungsreiches Konzert, das zum Mitschleppen einlädt, aber auch zum Tanz auffordert.
Wiedersehen möchte man sie abends. Auch wenn nichts dagegen spricht, mit ihnen den Tag zu eröffnen, aber es ist leicht vorstellbar, wie sie ihr Publikum zur nächtlichen Stunde mitreißen.
Mehr als nur eine Ahnung davon war spür- und erlebbar. Für ein Matinee-Konzert war es voll – für einen dieser warmen Frühlingstage sowieso erstaunlich – und damit zeichnet sich schon eine Wiederholung ab. Und diese ist sicherlich nicht bloß ein Geheimtipp.
Externe Links:
Miri in the Green – https://www.miriinthegreen.de
Hemingway Lounge – https://www.hemingwaylounge.de