Haphazard sind Wiedergänger oder die Erben einer großen, dicken und fetten Plattensammlung.
Es muss mehr als ein vollgestopftes Regal sein. Sie kommen aus dem Land der Schlaghosen und der ausufernden Solis.
Das Rockverständnis von Haphazard ist beachtlich und fußt irgendwo in einer tiefen und nostalgischen Vergangenheit und Liebe.
Der Sound ist nicht aus dieser Zeit, aber das Image sowieso auch nicht. Haphazard haben den Geist aus der Flasche, der Grube oder sonst wo wiedergeholt, um mit einem Flair zu bezaubern, den man verloren glaubte.
Wer sein den Rhythmus der frühen, goldenen Jahrzehnte der berühmten Jahre verloren glaubt, kommt an ihnen sowieso nicht vorbei. In einer Beschreibung zu dem, was sie auf der Bühne bieten, fließen automatisch jene Namen ein, die heute noch für Bewunderung sorgen. All die Gruppen, die aufgelöst oder mittlerweile schlicht zu alt sind, um eine solche Show zu bieten.
Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Sie haben, ohne Zweifel, große Vorbilder, aber auch das handwerkliche Können, um an sie ran zu kommen. Dass sie das so kompromisslos und enthusiastisch verfolgen, gebührt alleine schon Respekt. Muss man mal sagen.
Dabei sind sie so viel jünger als die Zitate, die sie nutzen – und so viel ernsthafter als die Altvorderen. Sie lehnen sich damit gegen den Trend und kreieren ihr eigenes Image. Vor allem sind sie eine entschlossene Liveband, die ihren Weg gehen wird.
Nicht geradlinig, schon wie eine Zeitreise, aber es macht einen Heidenspaß, Ihnen dabei zuzusehen.
Fast eine Zeitreise, was das KOHI am 07.02.2026 anbot. Die Goblyns besuchten die Stadt, taten das beschwingt und mit leichtem Fuß, doch einleiten liessen sie sich von den erdigen Rhythmen Haphazards. Die wiederum frönen dem Geist der frühen Jahre. Als hätte es Punk nie gegeben, hätte Metal nie das Ruder übernommen, halten sie die Flagge hoch für jene Richtung, die den Übriggebliebene die Tränen in die Augen treibt.
Und alle andere staunen machen.
Haphazard müssen sich alles auf YouTube reingezogen haben, was in den Archiven gefunden wurde. Haben wahrscheinlich alle Plattensammlungen ihrer Ahnen geerbt und rocken nun den Stammbaum runter, als hätten sie die letzten 50 Jahre im Proberaum überwintert. Dabei sind sie jung, überraschend talentiert, schon verflixt nahe an den Vorbildern und damit auf dem besten aller Wege.
Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Wer sie nicht kannte, wird sie sich merken. Der Rest war schon im Fanmodus angekommen. Haphazard leitete das Ding ein, in klassischer Besetzung: Gitarre, Bass (mit Vocals) und Schlagzeug. Bewiesen wieder mal – mehr braucht es nicht. Das reicht, das funktioniert, das geht vor allem, wenn man die Riffs aufgesogen hat wie ein Schwamm.
Vieles war noch Charme, musikalisch aber faszinierend ausgereift und packend. Ein gehöriges Bündel Zitate, dass sie da unter dem Arm trugen, ohne zur Kopie oder Cover zu werden. Eigenständig in Melodie, Komposition und dem Konstrukt.
Haphazard im KOHI am 07.02.2026
So waren sie den großen Namen auf den Fersen, hielten das Level oben, trieben es voran und konnten den Goblyns die Fackel locker übergeben.
Sollte man sich merken.
Die Goblyns, in ähnlicher Besetzung, präsentierten sich sehr viel instrumentaler. Ausgezeichnet mit einer treibenden Leichtigkeit, die irgendwo zwischen Jazz und Surf einen Rhythmus ausmachte, der in den Tiefen der Zeit verankert war, aber nur heute so funktionieren konnte.
Verliebt in detailreiche Melodien luden sie zum Tanz, verzückten mit einem herausfordernden Beat und Kompositionen, die sich überall bedienten. Aber eine eindeutige Signatur aufwiesen.
Goblyns im KOHI am 07.02.2026
So schufen sie die Partymusik der abhebenden Generation. Sie zitierten orchestrale Sounds, verzichteten aber ganz locker auf den großen Instrumentenkasten. Ebenfalls nur ausgestattet mit der klassischen Besetzung aus Gitarre, Drums (Vocals) und Bass, lieferten sie dem KOHI den Soundtrack aus Raum und Zeit, Nostalgie und Vorschau.
Die stilistische Versiertheit, die das Konzept bündig, nahtlos und ohne Brüche – dennoch mit Steigerungen und Abstufungen präsentierte – zeigt eine verträumte Beatband, die genug Soundtracks gehört und Lightshows gesehen hatte, um etwas zu erschaffen, was nun als Einheit herüberkommt.
Im Gesang verträumt und knackig in der Präsentation. Wie ihr Support holten auch die Goblyns Bilder hervor, die von einer besseren, unkomplizierten Welt zeugen möchten. Wilde Träume einer neuen Generation, verheißungsvolles Utopia für die nächsten und rauschende Nächte für die, die sich darauf einliessen.
Beindruckend in der Konsequenz, der ausgelebten Liebe zu den Versatzstücken aus einer verspielten Zeit. Wurzeln überall und Mosaiksteinchen, wo man sie finden möchte.
Die Goblyns sind der relaxte Spaziergang durch einen Park in San Francisco, wenn man in der Filmkulisse der Sechziger umherwandert.
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