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Schlagwort: HipHop

Tonspur Nr. 33: Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Tonspur Nr. 33: Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“
Birdy SanJazz x Hydrogenii x Johannes Onetake „Goldener Schnitt“

Birdy SanJazz ist ein Soundtüftler. Einer Bastler, der in einem wilden Sammelsurium aus vergessenen Klängen lebt. Alles was er irgendwo zusammenklaubt wird zwischen seinen Fingern zu Ton, Erde und formbarem Material.

Man mag sich ihn vorstellen, wie er abgegriffene Cover durch die Finger flippen, das Mikrofon an  und die verschleppten Loops laufen lässt.

Dort wo sich vielleicht andere nicht hinwagen, aber genau der Rhythmus abhängt, mit dem die Lässigkeit über die Straße und in den Club schlurft.

Es ist die Liebe zum Detail, die dieser Platte ihre Würze gibt. Sie also sowohl im Hintergrund, wie auch als Tagesrhythmus funktionieren lässt. Ganz locker scheinbar, und doch ungewohnt in der Tiefe und im Fokus. Der „Goldene Schnitt“ wird eingangs erklärt, zieht sich wie ein roter Faden durch und verdeutlich eine Philosophie, die so angenehm wie mystisch ist. 

In der Zusammenarbeit mit Hydrogenii und Johannes Onetake präsentiert sich hier ein übergreifender Flow, der sich vom Jazz nährt, in der Zukunft angelehnt ist und in seinen Lyrics konkret-verspielt in einem Level bleibt, um  – farbig und fett – unbedingt das aufkommend Jahr zu feiern.

Kannst du hören, wenn du die Sonne im Baggersee versinkt, aber auch, wenn du mit dem Roller durch die warme Stadt cruist.

Wer Quellenforschung machen will, ist hoffnungslos verloren. Es wimmelt vor Zitaten, Verweisen, Versatzstücken, Samples, aber greift so ineinander, dass die Eigenständigkeit alles überlagert, und in der Stimmung so rund wie die Scheibe bleibt. 

Die Wörter fließe, als würden sie auf den Beats reiten. Gesurft wird in Zeitlupe, das Stakkato bleibt erhalten. Der Jazz unterlegt den Gang durch die Gassen und die Betrachtung der Szene. Es macht Sinn, das alles noch mal zu hören. Oder drei mal, vier mal. Wird nicht langweilig. Weder im instrumentalen, noch in seinen Zeilen. Ein Werk, dem man anhört, das an den Ecken geschliffen , die Schichten einzeln betrachten wurden und es einfach gereift ist.  

Ein Angebot an alle, die mal was entdecken wollen. Geht auch am Schreibtisch, und mit dem Bier in der Küche sowieso.

Externe Links:

Birdy SanJazzhttps://birdysanjazz.bandcamp.com

Johannes Onetakehttps://johannesonetake.bandcamp.com

Hydrogeniihttps://www.instagram.com/hydrog3nii/

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Make a Move im Franz K. In Reutlingen am 02.05.2025

Wenn man Make a Move über die Jahre beobachtet, ihre Konzerte besucht – immer wenn sich die Gelegenheit bietet – dann zeichnet sich eine Entwicklung ab. Es sind die Clubtouren, die ihr Profil schärfen. Und, was sich auch schon in Karlsruhe (meinem ersten Konzert von ihnen) früh zeigte: Sie bekommen langsam aber sicher ihr Publikum. 

Wer sie einmal sah, kommt wieder. Denn was bleibt, das sind fette Events, breite Beats, und eine ganze Menge Animation. 

Das erste Konzert, im Tollhaus vor zwei Jahren, war noch eines der typischen, günstigen Veranstaltungen, die man gerne mitnimmt. Zum Probierpreis. Geradezu ungewöhnlich günstig, zögerlich besucht, um dann in einem wilden Fest zu enden. Die Studenten hatten es wohl schon gewußt. Standen am Schluss im eigenen Schweiß.

Sah man die Anwesendend – wie auch in Reutlingen – bis Konzertbeginn eher vereinzelt im Saal, so drängte sich spätestens nach dem zweiten Song alles vor der Bühne. Es wurde getanzt, geklatscht, gefeiert und war Wiederkennen, Zurückkommen, Party.

In Bereich der Brass-Musik hat sich viel getan. Vorreiter von allem war bestimmt Labrassbanda. Aber wenn es um Popularität geht, dann liegt Meute aus Hamburg mit ihrem Techno-Sound weit vorne. Gefolgt schließlich von Moop Mama mit Alice, die  im Rap daheim sind.

In der Nische, zwischen all den Variante, haben sich Make a Move platziert. Aus Berlin und ungleich stärker im Funkbereich – breit, basslastig und zu siebt auf der Bühne – probieren sie alles aus. Was ihr Sound so erlaubt. Fordern nicht nur sich selbst, sondern vor allem ihr Publikum.

Ihre dritte Vinylscheibe „Hol mich ab“ (zweite LP – gibt‘s auch als CD) stellten sie im Franz K. In Reutlingen vor. Mit einer Bläsersektion aus drei individuellen Talenten, dazu Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard. 

Make a Move schöpften ihr Potential aus. Die Stärken der einzelnen Musiker sind ihr Kapital. Das Saxophon, dass im Duett auf den Tanzboden springt, Sofia, die das Keyboard bedient und rappt, sowie der Schlagzeuger Jürgen Meyer, der moderiert, rappt und den Laden zusammenhält. Alles choreografiert, stimmig bis ins Detail, ist auch der französische Part von Matthieu, der nicht nur singt, die Trombone spielt, tanzt, und die Zugabe fast alleine zum Siedepunkt brachte.

Make a Move beherrschen die Bassline, den puren Funk, die HipHop-Geraden, die klare Linie in „Laber mich nicht voll“ und jene Gradwanderung zwischen Erkennen, Erstaunen und Abtanzen.

Sie sind noch zu entdecken. Erstaunlicherweise. Saßen vor dem Konzert verwundert mit einem Bier vor dem Franz K. Beobachteten, wie langsam die Menschen eintrudelte. rätselten, wer ist BesucherIn. Wer geht weiter. Und warum überhaupt?

Gib ihnen einige Festivals, und sie werden ihren Weg gehen, die Hallen werden den größer und die Springkreise ganz andere Dimension erreichen. Seid gewarnt, die Band überwindet den Graben, und dann brechen sie aus, aus den kleinen hübschen Locations von hier bis Buxtehude. Das Franz K. war erstaunlicherweise noch zurückhaltend besucht, aber lange kann das nicht mehr gehen.

Externer Link: Make a move – https://make-a-move.net/de/

Externer Link: Franz K. – https://www.franzk.net/