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Schlagwort: Jazzrock

Embryo im Kohi 23.06.2026

Embryo im Kohi 23.06.2026


Embryo im Kohi 23.06.2026

Nun liegt der Auftritt von Embryo schon einige Tage zurück. Doch, wenn eine solche legendäre und geschichtsträchtige Band ihren Weg ins KOHI findet, dann sollte das nicht unterschlagen werden.

Der Name Embryo ist fast schon ein Synonym für jene hohe Zeit der deutschen Rockmusik, die weltweit unter dem Begriff Krautrock firmierte. 1969 gegründet, gehört Embryo zu den dienstältesten immer noch aktiven Bands.

Sichtlich verjüngt, aber nicht nicht weniger enthusiastisch und ekstatisch, sind Embryo auch in diesen Tagen auf den Bühne anzutreffen. 

Embryo war dabei immer mehr als eine Band. Es war ein Kollektiv.  Vor allem eine Idee. Diese erlaubte es, spannende Fusion-Experimente in aller Breite auszuspielen. 

Einst gegründet von Christian Burchard ist es heute seine Tochter Marja, die das Erbe in seinem Sinn und Verständnis fortführt. 

Reduziert auf die fast spartanische Dreierbesetzung ( Marja Burchard, Maasl Maier und Jakob Thun) bereiteten sie an einem mehr als lauen Vorsommerabend einen breiten, tanzbaren Teppich aus Weltmusik und Jazzrock-Elementen aus. 

Embryo zeigten durch ihre Konzeption schon immer ein großes Verständnis und Vermögen an Tönen. Ein Sammelsurium nicht nur aus Instrumenten, sondern auch aus Klängen, die ihren Ursprung irgendwo auf der Welt haben. 

Ein Kapital, mit dem es Ihnen zu hypnotischen, fesselnden Rhythmen und ausufernden Improvisationen gereichte. Das Ihnen aber auch die Möglichkeit bot, aus dem Vollem zu schöpfen.  Wie der Titel der wahrscheinlich wichtigsten LP unter all den unzähligen Veröffentlichungen, ist Embryo vor allem eine Reise durch Sounds und Eigenheiten. 

Wenn Marja Burchard das Vibraphon bearbeitete, Jakob Thun die Percussion-Möglichkeiten ausnutzte und Maasl Maier an der Querflöte, die Grenzen zwischen Jazz und World verschwimmen liess, dann war er spürbar. Jener faszinierende Sound, der seit den frühen Siebzigern, die Fusionexperimente geprägt hatte. Aber vor allem in den letzten Jahren eine verdiente Wiedergeburt und Wertstellung erlebt hatte.

Krautrock galt lange Zeit als schweres, in sich gekehrtes Konstrukt. Dabei enthielten sie sowohl die Wurzeln zum Rare Groove, die Grundlage für den Acid Jazz und eine lockere Verbindung zum Soul. Extrem tanzbar in den wildesten Details, geradezu träumerisch in seinen Einleitungen und dennoch mit aller Zeit der Welt ausgestattet,  führten Embryo – auch wenn sie nur zu dritt waren – durch ein Erbe, dass farbig und kraftvoll in die Jetztzeit übertragen wurde.

Der Bandbus litt unter einem Transportschaden. Im Grunde war es also nur die Hälfte der Mannschaft, die es ins KOHI schaffte. Tat der Musik keinen Abbruch. Alle Mitwirkenden auf der Bühne waren versierte Mulitinsitrumentalisten, die zwischen Keyboard, Bass und weiteren Elementen wechseln konnten.

Aber nicht zu vergessen sei: Zum Schluss hin wurden sie von einer lokalen Größe an der Gitarre verstärkt, kamen daher rockiger und improvisationsreicher in die Endphase, um geradezu furios im letzten Drittel den Geist des Fusions zu huldigen. 

Embryo stehen mit beiden Füßen in der Moderne, schleppen genug mit sich rum, um Generationen zu vereinen, lassen Erinnerungen entstehen und sind in der Lage den Sound der Zukunft zu prägen. Spannende Konstellation mit exzellenten MusikerInnen.

Externe Links:

Embryo – https://embryo.jimdosite.com

KOHI – Kohi.de

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Kein Gesang, der komplette Verzicht auf Mikrofone und nur spartanische Ansagen, waren gestern das stilprägende Element des gemeinsameren Abends von Leech und Lucid Void im KOHI. Zwei Bands, die sich beide gegen den Zeitgeist der kurzen Songs sträuben, instrumental unterwegs sind, und die Möglichkeiten, die sich Ihnen dadurch bieten, komplett ausnutzen.

Lucid Void aus Darmstadt haben sich einem pulsierenden, geradezu warmen Klang verschrieben. Ein Eintopf aus Rock-, Jazz- und Soulelementen, den sie liebevoll vor sich hinköcheln lassen, mit allerlei Gewürzen versehen und ausgiebig zubereiten. Sie kamen zu viert, Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug, und weckten durch die Elemente ihrer Songs mannigfaltige Bezüge in die Tiefen der Rockgeschichte. 

Lucid Void im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Lucid Void im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Im Auftreten waren sie gelassen, in den Zitaten aber bewusst im Umfeld derjenigen, die Songs als große Leistungsschau zelebrierten, und in ihrer handwerklichen Qualität ganz nah am Geschehen dran. Lucid Void weckten Erinnerungen.  Könnten auch als jene genannt werden, die dem variantenreichen Jazzrock genauso nahe stehen wie dem Acid Jazz. Beides Label, die voraussetzen, dass ein Verständnis für eine breite Spanne vorhanden ist, und die Umsetzung einer Fusion gelungen ist.

Lucid Void brauchen Vergleiche nicht zu scheuen, denn ihr Respekt ist groß und ihre bescheidene Freude am Spiel mit diesen Zutaten spürbar. 

Mit einer Handvoll Songs – alle im gehörigen Maß ausgekostet und rhythmisch ansteckend waren – präsentierten sie einen kraftvollen Charme, der durchaus für größere Sets und Bühnen tauglich ist. 

Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe  am 12.03.2026
Leech (Support: Lucid Void) im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 12.03.2026

Leech sind Baumeister. Sie werkelten am Wall of Sound, kräftig, laut, herausfordernd, mit allem, was möglich war, und in voller Entschlossenheit etwas Großes zu schaffen. Ausgestattet mit drei Gitarren, einem Keyboard (in wechselnder Bedienung), einem breit ausgelegten Schlagzeug, und elektronischen, sowie akustischen Percussion-Instrumenten, traten sie in voller, fünfköpfiger Formation an. 

Leech kamen selbstbewußt, mit einer Bühnenshow und Gitarrenchoreographie, die wie geschaffen war für gewaltige Räume, aber dennoch in ihrer Wucht funktionierte. Das Spektrum aus Soundgewitter, Klangkaskaden, symphonischen Anklängen und druckvoller Präsentation wußten sie in auszureizen, die Messlatte entsprechend hoch zu legen, und dem KOHI eines seiner bebendsten Konzerte zu geben. 

Als Vertreter einer Richtung, die ausladend und in Details verliebt, Songs gestaltet – diesen farbenreiche Facetten hinzufügt – zelebrierten sie Übergänge fast fließend. Zementierten damit ein Konzept, dass wie ein bündiges Werk daher kam. Ein Strauß Songs, wie in Stein gemeißelt. In den Riffen kantig, geschaffen für die Füße, das Herz und den Nacken. So hatten ihre Songs eben jene Härte und Eingängigkeit, die geradeaus ging – aber auch bei allen schnellen Gangarten – eine Leichtigkeit mitbrachten, die haften blieb.

Der Anspruch war sichtbar hoch. Die Entschlossenheit, diesen umzusetzen, anzumerken. So gönnte sich Leech keine Pause, keine Ruhe, kam durchaus melodiös in Spuren, um der Dramatik Raum und ein Haus zu geben. Die Architektur strebte nach Großem, die Umsetzung meisterten sie glasklar und mit Bravour. 

Was sie mitbrachten, war routiniert, ausgefeilt, lang erprobtes Material, dass in Stürmen bestehen konnte, sichtbar lustvoll und schweißtreibend herangetragen wurde und das auf jeden Fall als Gesamtwerk bestehen und in Erinnerung bleibt. Großes Kino für alle Locations. 

Externe Links:

Lucid Void – https://lucidvoid.bandcamp.com

Leech – http://www.leech.ch

Kohi – https://kohi.de