Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Treten sie solo auf, leisten sie schon beachtliches, wagen sich an Interpretation und glänzen mit eigenem Material. Sandie Wollasch gehört zu den profiliertesten Jazz-Sängerinnen der Region, ist auf internationalen Produktionen zu hören und kann auf ein umfangreiches Repertoire und einer unglaublichen Anzahl an Konzerten in den verschiedensten Kombinationen zurückschauen.
Matthias Hautsch ist ein virtuoser Gitarrenkünstler, der verliebt und mit einer erstaunlichen Experimentierfreude sein Instrument beherrscht, ihm neue Töne abverlangt und dem ganz verwunderliche Varianten gelingen, wenn er scheinbar altbekanntes anstimmt.
Als Team sind sie perfekt eingespielt, und ergänzen sich in einer Weise, dass ihnen etwas gelingt, was weit über die reinen Coverversionen hinaus geht. Mit ihrem letzten Album haben sie jenen Songs ein Denkmal gesetzt, die sie seit Jahren begleiten, uns allen im Ohr liegen und fast jedem ans Herz gewachsen sind.
Diesem Repertoire, das sie mit persönlichen Geschichten verbinden, haben sie eine ganz eigene Note hinzugefügt. Den Charakter des Songs beibehalten, seiner Soundfarbe aber neue Aspekte abgerungen. Und damit in etwas verwandelt, was nur in dieser Verbindung geschehen kann.
Wenn sie von ihren Vorbildern erzählen, den Begegnungen, die sie mit diesen Melodien hatten, und von der Begleitung über die Jahre berichten, dann vermitteln sie eine Ehrfurcht vor den Kompositionen, denen sie mit akustischen Neuinterpretation zu einem ganz eigenen Glanz verhelfen. Sie überraschen dabei in ihrer Spielfreude und dem Witz im Detail.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch ist es damit gelungen, einen Abend zu gestalten, der Vertrautes in einem neuen Gewand präsentiert und zu einer Entdeckung macht. Am 18.10.2026 lassen sie in einem intimen Konzert im Bürgerzentrum Mühlburg daran teilhaben. Man sollte die Chance nutzen.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Man muss auf vieles gefasst sein, wenn Matthias Hautsch seine Gitarre spielt. Im Laufe eines Konzertes entpuppt er sich als Tüftler, ewig Suchender und erfindungsreicher Virtuose seines Instrumentes.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch stellten mit einem Releasekonzert im Kulturhaus Osterfeld ihr neues Album „Lifetime Companions“ vor. Eine Hommage an jene KünsterlerInnen und Songs, die sie ein Leben lang begleiteten. Aber gleichzeitig auch ein die Bezeichnung für das Zusammenspiel zweier herausragenden MusikerInnen, die seit Jahrzehnten schon zusammen arbeiten, Alben aufnehmen und auf vielen Bühnen gemeinsam zu erleben sind.
Das Kulturhaus Osterfeld ist in einer ehemaligen Volksschule untergebracht. Die großen, luftigen Gänge, die breiten Treppen erinnern noch an die einstige Bestimmung, aber auch der gemeinsame Bereich im Innenhof, der heute ein Restaurant und weiterhin einen Schulhof beherbergt, verweist darauf.
Die Stockwerke des massiven Baus, der in den Jahren 1904-1907 fertiggestellt wurde, unterhalten heute ein ganz unterschiedliches Angebot aus dem Kulturbereich, zu dem auch verschiedene Bühnen gehören.
Im Studio, einem Raum im 3.OG des Gebäudes, der für bis zu 96 Personen Sitzplätze anbietet, bot sich eine Atmosphäre, die sowohl dem Charakter der Präsentation gerecht wurde, aber auch jene Nähe ermöglichte, die einen detaillierten Blick auf die Fingerfertigkeit des Gitarristen zuließ.
Es waren die charmanten Anekdoten beider, die bekannte Songs in neuen Interpretationen kleideten, und dabei die eigenen Bezüge verdeutlichten.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Wenn Matthias Hautsch, ganz begeisterter Fan und mit leuchtenden Augen, von seinen Idolen erzählt, um dann in einer verzwickten, akustischen Instrumental-Version von Van Halens “5051“ überzugehen, ist vieles aus der gemeinsamen Geschichte spürbar.
Heute würde man es Slowcore nennen, wenn – inspiriert von Shawn Colvin – der Elvis-Klassiker „Viva Las Vegas!“ In einer bedächtigen Ruhe, den Staub der Wüste beschwört und die Tragik des Spiels offenbart.
Dass die Mischung aus Tina Turner, Simon and Garfunkel, Britney Spears, aber auch Queen homogen und passend in einem Programm funktioniert, ist den Fähigkeit des Duos zu verdanken, das sowohl mit der Stimme, wie auch in der Begleitung die schwierigsten Passagen zu meistern wußte.
Während Sandie Wollasch selbst vor einer Variante von „Bohemien Rhapsody“, die Teile einer Arie enthielt, nicht zurückschreckte, so überraschte Matthias Hautsch mit dem Einsatz einer Nagelfeile, die als Ersatz für einen Geigenbogen ähnliche Töne seinem Instrument entlockte.
Es sind die feinen Details, die immer zu begeistern vermochten. Die Verquickung eines Marlene Dietrich-Klassikers mit der ehrfürchtigen Schnoddrigkeit jener Fassung von Udo Lindenberg, oder die Verneigung vor Edo Zankis Werk, aber ebenso die apokalyptische Schilderung eines fast aktuellen Zustands (hier in dem Stück „Sign o’ the times“ von Prince) wurden in neuen Versionen arrangiert.
Versionen, die den Beiden die Möglichkeit liess, sich darin wiederzufinden, die Herausforderung anzunehmen, und in der Gesamtleistung etwas zu schaffen, was ihren Fähigkeiten gerecht wurde.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Die Gitarre diente dabei als Rhythmusgeber, Percussion, wurde gestreichelt, geklopft, angeschlagen, mit Vibrato und zurückhaltenden Effekten zu einem Synthesizer. Mehr bedurfte es gar nicht. Weniger sollte es nicht sein. Denn die Stimme von Sandie Wollasch, kraftvoll und variantenreich, zwischen Pop, Soul und Jazz wandernd, unerschrocken gegenüber Klippen und Hürden, scheint ihn zu benötigen – den Gegenpart aus spielfreudiger Einsatzbereitschaft und neugieriger Erfindungsgabe.
Nichts wurde vermisst. Im Gegenteil, es gab viel zu erfahren und manches wird im Nachhinein den Blick auf so manchen Klassiker verändert haben.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026
Angekündigt als der Abschluss – damit das letzte seiner Art in der Konzertreihe im Laden Zwei – sollte eigentlich die Americana-Band „No sugar, no cream“ an jenem Samstag auftreten. Jedoch: Krankheitsbedingt änderte sich das Programm, und überraschend sprangen Sandie Wollasch und Matthias Hautsch kurzfristig ein.
Zwar ist das eigentliche, offizielle Veröffentlichungsdatum ihrer CD „Lifetime Companions“ erst am 02/03.05, doch auf diesem Weg kam es zu einem exklusiven Pre-Release-Termin. Noch einmal wurde verdeutlicht, wo der Charme und Reiz der Location lag.
Zwischen den restlichen Waren, die bis zu den letzten Tagen des Monats April noch verkauft werden, sammelten sich eine Handvoll Gäste. Man kannte und umarmte sich, kam aus der Nachbarschaft, gehörte zum Kreis aus Freunden, Familie und Bekannten. So blieben die Konzerte zum einen immer ein Geheimtipp, aber auch ein verlässlicher Treffpunkt.
Stühle, Fensterbänke und Sitzkissen wurden gereicht, und die Events – bei großem Andrang – in zwei Hälften nachmittags und abends gelegt. Manuela Seith hat die richtigen Kontakte, ist bewundernswert gut vernetzt, hatte es mit viel Enthusiasmus geschafft, dem Wohlfühlfaktor eine Heimat zu geben und Namen einzuladen, die man auch im Nachhinein staunend zur Kenntnis nimmt.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Laden Zwei am 18.04.2026
So sah man sich wieder, um quasi Abschied zu nehmen, von einer Geschichte, die über die Jahre zu einem der kulturellen Schwerpunkte im Umfeld des Gutenbergplatzes wurde. Sandie Wollaschs und Matthias Hautschs Auftritt war damit im Grunde folgerichtig. Der Zeitpunkt war passend, die Verbundenheit aber auf jeden Fall gut dokumentiert. Führte sie doch moderierend durch die Reihe, die während der Corona-Zeit, für kleine Sessions auf der Plattform YouTube sorgte.
Beide KünstlerInnen – in ihrer Eigenständigkeit mit genug Anekdoten ausgestattet, um einen Abend zu bestreiten – zeigten in der Kombination, wie fruchtbar es sein kann, wenn sie sich den Klassikern annehmen. Dabei ihre Erinnerungen schweifen und die großen Namen einfliessen lassen. Wenn Matthias Hautsch von Eddie Van Halen erzählte, spürte man eine ähnliche Begeisterung, wie bei Sandies Bericht über die Tina Turner-Tournee, die sie als Mitglied der Vorband, erleben durfte.
Wenn Matthias die akustische Gitarre ausreizt, ein Vermögen an Griffen präsentiert, denen kaum zu folgen ist, und Sandie fast das Mikrofon beiseite legt, wenn sie den Umfang ihrer Stimme ausreizt, dann zeigt sich auch, dass ganz unterschiedliche Herkunftsgeschichten zu etwas Spannendem zusammen gewachsen sind.
Die neue CD ist eine Sammlung jener Stücke, die sie ein Leben lang begleiteten und beeinflussten. Material also, dass jedem vertraut ist, und dem man wenig Neues zutraut. Jedoch auch ein guter Werkstoff, um genau damit noch etwas zu schaffen, das es zu entdecken gilt.
Die Interpretation ist die Hohe Kunst, die Persönlichkeit der Vortragenden – ohne sie in den Vordergrund zu drängen – in ein Werk einfliessen zu lassen. Dabei dem Respekt soviel zu gewähren, dass ein Erkennen mit Freuden genossen wird und die Zitate bleiben.
So, wie Matthias Hautsch die Mähne wirft, die Saiten anschlägt, ist er dem Rock’n’Roll auf jeden Fall so verbunden, dass dieser immer erhalten bleibt. Wie auch Sandie den Spagat zwischen Jazz, Soul und Pop bewusst und gekonnt zu gehen vermag.
Sie schafften es in einer breit ausgelegten Stunde zu fesseln, mit zu reißen, Staunen zu erwecken und die kleine Gemeinschaft, die sich da versammelt hatte, zu einem festen Verbund zu schweißen.
Tauglich für die große Bühne ist das Programm auf jeden Fall, dass es auch auf kleinstem Raum funktioniert, zeigte sich mal wieder in einer Variante, die vermisst werden wird. Überhaupt, aber im Umfeld der Goethestraße sowieso. Es werden viele Bilder bleiben, eine lange Geschichte, und eine Handvoll Videos, die hoffentlich nie verschwinden.
Wenn es passt, dann entstehen Kombinationen, die wirken, als seien sie aus einem Wunsch entstanden. Das können z.B. Duos sein, die Songs veredeln. Und inspirierend wirken.
Lifetime Companions ist der Titel des neuen Albums von Sandie Wollasch und Matthias Hautsch. Beides herausragende KünstlerInnen in ihrem Metier, ergänzen sie sich in der Zusammenarbeit zu einem bemerkenswerten Paar.
Während Matthias Hautsch den Eindruck erweckt, als lege er seine akustische Gitarre nie aus der Hand, um möglichst alle ihre Geheimnisse zu entdecken, gehört Sandie Wollasch zu den charakteristischsten Jazz- und Soulstimmen in der hiesigen Szene. Verfolgt man ihren Werdegang gelangt man in alle möglichen Sessions, Produktionen und Auftritte.
So scheint das Album beim ersten Hören mit leichter Hand gestrickt, doch verrät es in den Details eine faszinierende Musikalität. Es ist genau jene, fast spontan wirkende Atmosphäre, die den Grundton auszeichnet, aber natürlich der Vielseitigkeit der Beteiligten zu verdanken ist.
Mit dem Wissen um ein großes Repertoire suchten sie sich ein Dutzend Songs aus, die in Farbe, Bezug und ihrem zeitlichen Hintergrund nicht unterschiedlicher sein konnten.
Dennoch – beschränkt auf Stimme und Gitarre – erreicht das Album eine Transparenz und Klarheit, die viel Raum für die Fingerfertigkeit von Matthias Hautsch lässt, aber auch die Stimme von Sandie Wollasch gekonnt in den Vordergrund stellt. Zwei Aspekte, die unterstreichen, wie homogen und geschlossen, die Produktion im Gesamten wirkt.
Mit Lifetime Companions wird ein Bogen, der die Klassiker aus der Feder von Paul Simon und Art Garfunkel, über Tina Turner bis zu Britney Spears verbindet, gespannt. Dazwischen dürfen Prince und Janis Joplin, Elvis und selbst Edo Zanki nicht fehlen.
Vor allem im Hinblick auf Edo Zanki, dem großen Protegé und Produzenten vieler MusikerInnen, ist die Verbundenheit und Bewunderung für Sandie Wollasch erwähnenswert.
Voll des Lobes für sie und ihr Können wäre er daher auch für ihre Interpretation des Songs „Dein roter Mund“. Schufen sie damit doch ein geradezu liebevolles, intimes Tribut an sein Werk.
Ein Konzept, das sich so auch bei den weiteren Stücken zeigt: Begrenzt auf ein Instrumentarium, das nur aus dem Saitenspiel von Matthias Hautsch und den gesanglichen Künsten von Sandie Wollasch besteht, kristallisiert sich eine respektvoller Umgang heraus, der Möglichkeiten aufzeigt, die mit Können und Liebe zum Detail gemeistert werden.
Die klagende Hymne „Sign’ o’Times“ – von Prince bewußt spartanisch komponiert – verlässt sich sowieso nur auf diese beiden Komponenten, beweist aber, dass Matthias Hautsch auch ohne weitere Unterstützung in der Steigerungen vor allem mit seiner Spielfreude überzeugt.
Im Zusammenspiel spürt man die Bewunderungen und die Hochachtung vor den Fähigkeiten des Anderen. Wie sie sich begleiten in die Herausforderungen und dabei befruchten in der Beantwortung befruchten.
Etwas, das sich durch die komplette Aufnahme zieht und zu ihren Stärken zählt. Die Fähigkeit einen Dialog auf einem hohen Niveau aufrecht zu erhalten, bei einer gleichzeitigen Wanderung durch verschiedene Richtungen und Stile.
Zurückgelehnt nehmen sie das Tempo aus „Viva Las Vegas“, schleichen sich mit einer Prise Americana an den Sound der Metropole, als wollten sie die aufgehende Sonne nach einer durchzechten Nacht begrüßen.
„Toxic“ von Britney Spears wird zu einem kleinen Jazz-Juwel, angelehnt an jene Gitarrenabenden, wie man sie in den verschwiegensten Bars unter den schwierigsten Bedingungen erleben konnte.
Ein verspieltes Kleinod dessen Herkunft man mit Schmunzeln zur Kenntnis nehmen mag. Eine perkussive Herausforderung und einer der Songs, dessen Eingängigkeit Puristen zu überzeugen vermag.
Natürlich kennen wir alle diese Lieder, aber die Beiden laden uns zu Entdeckungsreise ein, sie nochmal neu zu erfahren, in einem anderen Gewand zu sehen. Eine gute Interpretation kann den Charakter betonen, das Material neu formen, ihm Dinge hinzufügen, und etwas gewinnen, was neu klingt. Letztendlich bereichert es und kann die Optionen aufzeigen.
Wenn Van Halens Botschaft „Why can’t this be love“ zu einem sehr persönlichen Liebeslied wird, Sandie und Matthias sich die Parts gegenseitig zuspielen, als wäre es gerade neu entstanden, dann handelt es sich um etwas, das genau dem entspricht, was man von dieser Art Deutung erwartet.
Und: Wenn Lifetime Companions auch bedeutet, dass die Zusammenarbeit noch lange währt, dann möchte man auf den zweiten Part hoffen, der bestimmt noch kommen wird.
(Der Tonträger wurde von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt)
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