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Schlagwort: Neo-Classic

Triosence im Tollhaus am 7.12.2025

Triosence im Tollhaus am 7.12.2025

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

In ungewohnter Umgebung zeigte sich Triosence am 7.12.2025 im Tollhaus. Nach all den Jahren, in denen sie an den verschiedensten Orten in Karlsruhe gespielt hatten – und dabei ihr Publikum eroberten – fand sich die Musiker nun in dem kleinen Saal der Kulturstätte wieder.

Triosence sind akribische, detailfreudige Instrumentalisten, die mit einer überschäumenden Spielfreude eigentlich im Jazz angesiedelt sind, aber durchaus andere Genres bis hin zur Neo-Classic einfließen lassen. Das machen sie mit einem Verve und einer Nonchalance, die den Abend zu einem einzigartigen Event gestalten. 

Ihr Können aus der 26jährigen Bandgeschichte offenbart eine Harmonie und einen Zusammenhalt, der das Fundament ihrer Partnerschaft, aber auch ein punktgenaues Spiel erlaubt. Triosence sind akkurate Handwerker, verspielte Musiker und im Kleinen wie Großem mit einer verschmitzten Experimentierfreude unterwegs.

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

Angereichert mit Anekdoten des Komponisten und Pianospielers Bernhard Schüler, stellte die Band – unterstützt von dem Bassisten Omar Rodriguez Calvo und dem Drummer und Percussionisten Tobias Schulte – ihr neues Album „Stories of Life“ vor. 

Dabei zeigten sie wieder einmal ein einfühlsames, dennoch swingendes, faszinierend groovendes und differenziertes Werk. Dabei war ganz offensichtlich, dass dem ein Fundament aus Erfahrung und fruchtbarerer gegenseitigen Beeinflussung zugrunde liegt. Denn es gehen – und darauf legten sie Wert-  den Stücken Prozesse der Diskussion und der internen Kritik voraus, die es allen ermöglichen ihren Fähigkeiten eine Bühne zu bieten.

So nutzte Tobias Schulte ein Sammelsurium aus knisternden, raschelnden Percussioninstrumente. Er bespielte sie in allen möglichen Varianten, um sie dann mit allem – was ihm zur Verfügung steht –  ganz überraschend zum Klingen brachte. Während Bernhard Schüler das Piano in gleitenden, verlierenden, aber auch gewaltigen Tönen, sowie an den Saiten gezupft und gestrichen, spielte. 

Dem Reichtum an Möglichkeiten folgte Omar Rodriguez Calvo problemlos. Mit geradezu zarter Vehemenz vermochte er dem Swing, den klassischen Jazz, die wilden Jahre in kurzen Zitaten zu beleben, und den Werken einen Drive zu geben, der viel Raum für Einflüsse und kunstvollen Fahrwassern ließ.

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

Triosence gehören seit Jahren zu den schwungvollsten und gleichzeitig berührendensten Jazz-Trios, die sich als Grenzgänger betätigten und ihre Nummern wieder mal humorvoll, gespickt mit kleinen Geschichten und Erzählungen vortrugen. Im Gesamtkonzept bündig, konnten sie auf eine Diskographie zurückgreifen, die zwar homogen mit den Coverbildern des Onkels von Bernhard Schüler eine Galerie schmücken mag, aber in der Vielseitigkeit der Komposition für eine lebendigen, farbigen Abend voll den verschiedensten Elementen stand.

Wie die Documenta in Kassel der Stadt zu einem Namen verhalf, so ist das Jazz-Verständnis von Triosence in ihrer Heimatstadt begründet und trägt ihren Ruf durch die Konzerthallen und Clubs der Region. Im Tollhaus führte Triosence zu einer Atmosphäre, die zwischen aufgeregtem Mitwippen und geschlossen Augen schwankte. 

Was wie eine Unvereinbarkeit klingt, gelang der Band innerhalb der einzelnen Kompositionen. Wege und Wanderungen durch musikalische Erzählungen zu gehen, die ein Reichtum an Möglichkeiten und Zitaten bot. 

So klangen vieles heraus, was bekannt und gewohnt nur für Sekunden aufflammte, um zu berühren und ein Lächeln hervor zu zaubern. Triosence offenbarten einen ganz eigenen Humor, der sie und ihr Publikum begleitete und zum Abschluss unwillkürlich zu Standing Ovations führte. 

So das feststand: Alle werden wiederkommen, und ihrem Charme und Können erliegen.

Externe Links:

Triosencehttps://triosence.com

Tollhaushttps://www.tollhaus.de/

Lambert im Tempel, Karlsruhe, 28.11.2024

Lambert im Tempel, Karlsruhe, 28.11.2024

Lambert im Tempel, Karlsruhe, 28.11.2024

Also, über die Sache mit der Neo-Klassik müssen wir noch mal sprechen. Früher, so würden die altgedienten Sammler sagen, gab es ganze Labels, die bequemerweise  alles Jazz nannten – wahlweise New Jazz – und die Händler für Tonträger sortierten den Kram dann auch dort ein. Es gab und gibt auch noch heute „Neue Klassik“, aber das ist auch wieder etwas komplett anderes, und bezeichnet wahlweise auch nur Musik, die in den letzten hundert Jahren irgendwie klassischen Ansprüchen genügte.

„Neo Klassik“ könnte ein Phänomen der Streaming Zeit sein, in der wir uns gerade befinden, und für all jene die Zuflucht bedeuten, die Lounge und Ambient vielleicht doch etwas zu abgedroschen empfinden. Obwohl sich auch in diesen beiden Richtungen großartiges finden mag. Doch dazu komme ich wahrscheinlich zu einem angemesseneren Zeitpunkt, denn tatsächlich geht es hier um Lambert

Lambert ist so einer, der mit der Maske auf die Bühne kommt, wie vor ihm die Legenden aus einem ganz anderen Umfeld, sich an das Klavier setzt und vertrackte, verpuzzelte Melodien mit einer Detailtiefe spielt, von denen andere 20 Sekunden für ein ganzes Album nutzen möchten. Und wenn sich das Publikum sinnig und berührt zurücklehnt, weil all die Ansätze, Zitate und Feinheiten, doch schon irgendwie, aber auch nicht, mit der Klassik zu tun haben, dann fordert der Mann doch alle auf, mal ein bißchen mehr „Wow!“ und „Oh!“ zu rufen, an der Bar Getränke zu holen und überhaupt. Euphorie, Emotionen, Gläser an die Wand. Gut, letzteres hat er nicht gesagt.

Er weiß zu erzählen, er ist witzig, routiniert, fast schon ein Entertainer und dabei nahbar. Das wird honoriert. Spätestens als sein Schlagzeuger auf die Bühne kommt – Luca Marini, exzellenter Mann, nebenbei -nimmt das Tempo, etwas gemächlich, aber von Stück zu Stück, mehr zu. Ich habe ähnliches im Umfeld von Menschen erlebt, die Techno mit akustischen Instrumenten nachspielen. Erzähle mir keiner etwas von Neo-Klassik, wenn Lambert die Tasten mit dem Unterarm und dem Ellenbogen bedient. Dann klingt das eher so, als ob das Publikum gefälligst auf den Stühlen stehen soll, die Bühne brennen darf und wer tanzen will, sollte das verdammt nochmal tun. Er kann das alles.

Und das grandiose ist, selbst bei einer Verwandlung in einen alten Rock‘n‘Roller bleibt alles kunstfertig, setzt feine Akzente, ist sauber und mit viel Liebe für Kleinigkeiten, Möglichkeiten und Zitaten gespickt.

Ich gebe es zu, das Label „Neo-Klassik“ macht mich unruhig, weil es den Schirm zu weit aufspannt, jeden vereinnahmt, der mit einer klassischen Ausbildung Stücke verwandelt und modernisiert, und man bei Lambert sieht, dass ohne kontinuierliche Grenzüberschreitungen und dem Versuch Inspirationen aus anderen Welten zu bekommen, keine Größe und wirkliche Leistung möglich ist. Langer Satz? Ok, er kann es halt, und hebt sich damit aus der Masse der begabten Pianisten heraus, die ihren einzigen Trick gerne wiederholen. Die Vielfalt von Lamberts Spiel, die er in seinen Werken unterbringt, ist das Kapital, dem man stundenlang lauschen möchte.

Zwei Zugaben. Eine ohne Maske. Hey! Er hätte noch viel mehr machen können, und wir wären immer noch fasziniert gewesen. Er meinte, es ist Donnerstag, wir müssten ja alle morgen arbeiten. Mein Gott, wir wissen doch, dass das irgendwie geht.