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Ansa Sauermann im NUN, Karlsruhe am 12.12.2024

Ansa Sauermann im NUN, Karlsruhe am 12.12.2024

Ansa Sauermann im NUN,Kalrsruhe

Es gibt Namen, denen begegnet man so oft, dass man denkt: Hast du schon gehört. Kennst du. Aber etwas konkretes verbindet sich damit nicht. Und, um das zu steigern, reden alle, die ein bißchen oder ein mehrfaches jünger sind, von diesem Namen so, als wäre er selbstverständlich. Oder es einfach nur ein Unding, wenn man ihn nicht kennt.

So ging mir das mit Ansa Sauermann. Ich nickte beflissen und verständig. Und wühlte verzweifelt in meinem Gedächtnis, um nicht als vollkommend unwissend da zu stehen.

Um es kurz zu machen: Das NUN, zwar nicht sehr groß, aber immerhin, war voll. Die Menschen sangen mit, den die kannten die Texte. Ich nicht. Manche tanzten, spätestens in der letzen halben Stunde. Das ist selbst für das NUN eher ungewöhnlich. Weil, schlicht zu wenig Platz. Im Allgemeinen. Doch, wo ein Wille..

Die Wurzeln von Ansa liegen in Dresden. Musikalisch in der langen Tradition deutscher Liedermacher und Songwriter. Immer wenn man denkt, da fehlt noch etwas, da ist doch etwas abgebrochen, dann tauchen Erben wie Ansa auf und erneuern alles. Anders als man es bisher kannte. Frecher, authentischer, mit einfacheren Worten, und einer klaren ungekünstelten Sprache. Denn es gab ja irgendwann auch Punk.

Und wenn Ansa davon spricht, dass er eigentlich lauter spielt, dann mag man ihm das sofort glauben. Denn so sehr, wie er die kleine Bühne nutzte, um mit allen möglichen und unmöglichen Barrieren zu brechen – wenn sie jemals da waren – so kann man ihn sich auf großen Bühne, auf Festivals und mit lauten Gitarren vorstellen. Kann man. Hier wurde er begleitet von einem wunderbar humorvollen Bassisten, und einem Schlagzeuger, der damit perfekt harmonierte. Die Band präsentierte sich – eigentlich größer – als Trio. Mit einer Brise Zurückhaltung, einem eher akustischen Set, einem kleinen, nahen Clubkonzert eben. 

Komplett in Deutsch, was wahrscheinlich nur deswegen auffällt, weil ich auf viel zu viele Konzerte gehe, die egal aus welchem Land, anglo-amerikanisch dominiert werden. Wie sehr man das vermissen kann, merkt man dann, wenn Menschen wie Ansa wissen, wie sie Akzente setzen, die Sprache gebrauchen können, die Melodie daraus formen und die Worte stilsicher einsetzen. Die bewußte Reduzierung, der Mangel an Ausschweifung und die ungebremste Leidenschaft zeichnet seinen Vortrag aus. Und das kam im NUN, wo man ihm so nahe wie möglich, und im Grunde nicht mal ein Mikrofon nötig war, bestens zur Geltung. 

Im NUN sitzt man bei den Interpretetinnen. Manchmal auch dahinter. Die Nähe ist der Reiz und die Atmosphäre, aber kann für das Publikum bedeuten, dass es zu zwei Drittel nur den Rücken sieht. Und egal wie faszinierend der Rücken ist, sympathischer wurde es, als Ansa, sich mit der akustischen Gitarre ohne Mikrofon auf den Sessel des herrenlosen Schlagzeugs setzte und einfach sang. Zu jenen, die ihn bisher eben nur von hinten gesehen hatten. Es sind die Momente, ohne Filter, ohne Technik, die bewahrheiteten, dass mit dem Namen Ansa auch immer von Authentizität und Ehrlichkeit, sowie Nachvollziehbarkeit gesprochen wurde. 

Es war natürlich der Charme, gepaart mit einem schalkhaften Witz, der es ihm sogar erlaubte, ohne Unterbrechung eine Saite auszuwechseln, seinen Merch dabei anzupreisen und das Konzert damit am Laufen zu halten. Die Band spielte dazu beflissen, jene Melodie, die jeden Fahrstuhl schmelzen lässt. Klappte, funktionierte, zielsicher. Der Mann ist seit zehn Jahren im Musikgeschäft. Glaubt man erst nicht, weil so jung. Glaubt man dann, wenn er nach Sekunden das Publikum erobert hat. So halt. Mit einem Lächeln. Einwandfrei. Feines Entertainment, wunderbare  Geschichten, wie wir sie alle kennen. Und gerechte Leidenschaft und Wut, über die Dinge, die uns alle wütend machen. Das Publikum bekam alles, was es wollte. Die Zugabe, den Spaß und sehr viel Freude. Das hätte die ganze Nacht gehen können. Mal ganz im Ernst.

Nina Caroline – NUN Kulturraum, 23.11.2024

Nina Caroline – NUN Kulturraum, 23.11.2024

Keine Ahnung, ob ich es schon mal erwähnt habe: Das NUN ist Nachbarschaft, das liegt quasi um die Ecke rum, und ich gehe auf die Konzerte, wann immer ich kann. Und: Ich höre mir definitiv nichts vorher an. Mache keine YouTube-Recherche und schaue selten bis gar nicht in die Instagram-Profile der Künstler. 

Dazunoch: Hut-Konzerte hatte ich bisher im NUN immer verpasst. Warum? Weil es dazu schlicht keine Tickets im Shop gibt. Soll heißen, Hutkonzerte sind umsonst, und am Schluss schmeißt man in den Hut das, was einem der Abend wert war. 

Manche Locations machen das gerne an den eher unattraktiven Abenden, das NUN verzaubert einem damit den Samstagabend. Und das sollte man den Veranstaltern hoch anrechnen.

Denn tatsächlich ist ein Hutkonzert keine Aussage zur Qualität, sondern eher ein Experiment um jungen Künstlern eine Bühne zu bieten. Und: Wenn es stimmt, dass dieses das erste Konzert von Nina Caroline als Headliner war, dann hat sie es mehr als gekonnt gemeistert. Und es war, wie erwähnt, ein Hutkonzert!

Nina Caroline ist eine junge Singer-/Songwriterin aus Frankfurt am Main, die begleitet von einem Gitarristen/Bassisten, ihre Songs mit einer Klarheit und stimmlichen Reinheit vortrug, die schlichtweg überzeugte. Sie erzählte von Liebe, dem Verlassenwerden, den Irrtümern, die damit verbunden sind, und erzeugt eine Nähe, die sie mit ihrem Charme zu einem fragilen Kunstwerk aus Text und Musik formte.

Die Nachvollziehbarkeit der Geschichten, die sie in ihrem Repertoire verwob, machte es dem Publikum leicht ihr zu folgen und in den Räumlichkeiten, die das NUN anbietet, jene Atmosphäre zu erzeugen, die Publikum und Künstlerin für einen schönen, kleinen Zeitraum verbindet. 

Das Überraschendste des Abends war nun eher die Tatsache, dass ihr Name noch nicht die vermuteten Bekanntheitsgrad hat. Und über allem noch der Moment lag, in dem man dachte, dass man einen neuen Namen auf der Liste hat und nächstes Jahr bestimmt noch mehr hört und überhaupt, das kann doch nicht mehr lange dauern?

Nina Caroline schreibt, nach eigenen Aussagen, seit dem achten oder neunten Lebensjahr Songs, und so überrascht es nicht, dass ihre Werke, vorgetragen in einem kleinen Rahmen und Arrangement, schon den Schliff haben, der sie rund wirken lässt und tauglich für ein Bandprojekt. Das man ihr wünschen möchte. 

Um ein Fazit zu ziehen, und etwas lehrreiches hinter her zu schieben: Abende, wie jener mit Nina Caroline sind natürlich der Grund, warum ich mir vorher keine Videos anschauen muss, denn am Schluss bin ich so positiv überrascht, dass ich es eher bedauere keine Tonträger mit heim nehmen können. Dafür wird Nina Caroline demnächst in der zweiten Folge  von „What Remains?“ auftauchen, dem Blick auf all jene, von denen es noch keine Tonträger gibt.

The Bony King of nowhere – live im NUN 09.11.2024

The Bony King of nowhere – live im NUN 09.11.2024

Man kann es nur immer wieder sagen: Das „Nun“ (Externer Link: https://nun.cafe) in der Oststadt (Karlsruhe) hat ein glückliches Händchen was seine Bookings anbelangt. Ist direkte Nachbarschaft und eine ehemalige Eckkneipe. Nichts, was ins Auge fällt. Und Tagsüber eher unscheinbar.

Nach zwei Konzerten war mir klar, wann immer ich Zeit habe, werde ich dort vorbeigehen, und was immer mein Kalender zu lässt, wird mit Tickets fürs „Nun“ bedacht. Sie machen es einfach gut. Das Programm ist rund, stimmig und verlässlich. Das „Nun“ ist sowas wie das Wohnzimmer der hiesigen Konzert-Locations.

Das Publikum sitzt auf Stühlen, lehnt an der Wand oder macht es sich auf der Fensterbank bequem. Die Bar bietet genug Auswahl für einen gelungenen Abend, inklusive eines lokalen Craft-Beers, Pøbelbräu (Externer Link: https://www.poebelbräu.com) , das ich komischerweise nur dort bekomme. Und wenn ich zuviel davon trinke, dann dauert es vierzehn Tage bis die nächste Lieferung eingetroffen ist. Das sind die harten Zeiten. Aber darum geht es nicht.

„The Bony King of Nowhere“ traten auf. Und ich muss dazu sagen, ich habe es mir angewöhnt, vor einem Konzert im „Nun“ komplett auf die weitere Recherche zu verzichten. Ich gehe dahin ohne vorher YouTube, Spotify oder auch nur ChatGPT bemüht zu haben. Und dann, wie in diesem Fall, mit 3 Vinyl Platten der Band wieder heim. Die Konzerte im „Nun“ sind ausgesprochen günstig, die Preise oft weit unter 20 Euro. Aber, so wird es teuer.

Die klassische Besetzung: 2 Gitarren, davon eine logischerweise Bass, die andere E- und akustisch, und ein Schlagzeug. Der Vokal-Part oblag dem E-Gitarristen, soweit so normal, und was man hörte, das enthielt alle Farben, die die Palette bietet. Es fehlte nicht viel, um es sich all das größer vorzustellen, auf der Bühne, vor den Massen, in der Arena oder im TV. Es funktionierte, es wurde laut, es wurde furios, es war Rock’n’Roll, es wurde zu einem finalen Gewitter, und im nächsten Song zur Ballade. 

„The Bony King of Nowhere“ hatte all die Schlaksigkeit, die Lässigkeit, aber auch die Ernsthaftigkeit, die vonnöten war, um das Publikum davon zu überzeugen, dass sie gerade teilhaben an einer Entdeckung. 

Sofern sie die Band nicht schon vorher entdeckt hatten. 

Denn – wie gesagt – es gibt drei Alben, und noch zwei, drei CDs mehr. 

Fast anderthalb Stunden stand „The Bony King of Nowhere“ auf möglicherweise der kleinsten Bühne in Karlsruhe, wußten das Haus zu rocken, aber waren sichtlich überrascht, von der konzentrierten Ruhe der Anwesenden. Abende im „NUN“ gleichen den legendären MTV-unplugged Konzerten. Man ist sich nahe, lächelt glücklich und obwohl der Raum sehr begrenzt ist, lässt man der Band den Platz, den sie braucht. Den auch für die Band gibt es keinen weiteren Raum, zu dem sie fliehen kann. So standen „The Bony King of Nowhere“ zwischen dem Abschluss und der Zugabe, die pünktlich um 22:00 beendet sein muss, etwas unschlüssig im Publikum, bevor sie sich  mit dem einen, letzten Song unter Applaus verabschiedeten.

„The Bony King of Nowhere“ haben das Zeug zum Großen, zu Hallen, zu frenetischem Jubel und großen Touren. Da ist ein stimmiges Songwriting eine gute Grundlage, aber mehr noch das richtig Timing um den Lärm poetisch zum Höhepunkt zu formen. Sie können das.