Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026
Vom Ambiente kommt das BIX einem historischen Jazzclub wahrscheinlich am Nähesten. Ausgestattet mit Tischen und einer Bar bietet es für eine überschaubare Anzahl Gäste (vermutlich 60-100, aber es gibt auch noch Stehplätze am Rand) Platz. Die Gastronomie offeriert eine kleine, aber durchaus exquisite Speisekarte, und die Getränkeauswahl ist erschöpfend. Eine Stunde vor dem Konzert und während des Abends wuseln Bedienungen durch die Reihen, die Plätze werden gewechselt und unglaublich beeindruckende Musiker brillieren mit großartigem Material.
So ungefähr muss man sich das vorstellen. Dass das Klaus Wagenleiter Trio mit seinen versierten und bekannten Drei hier zu Gast war entsprach schon einer gewissen Logik, denn schaut man sich die Namen der nächsten Acts auf der Vorschau an, so begegnet man dem Veranstaltungsort mit einem gewissen Respekt. Eigentlich kommen da alle hin, von denen man schon mal gehört hat. Alle, die man eben genau in einer solchen Kulisse sehen will. Vorne, vor dem Eingang im Bohnenviertel – direkt gegenüber einer Kirche – gibt es noch eine Art beschirmter Biergarten, so dass man die Zeit vor dem Auftritt hier verbringen kann. Die Sitzplätze vor der Bühne sind sowieso reserviert.
Sandie Wollasch war ursprünglich mit dem Klaus Wagenleiter Trio angekündigt. Leider ist in der letzten Woche, nach langer Krankheit, ihr Vater – der bekannte Musiker Jochen Wollasch – verstorben, daher begleitete das Trio und Klaus Graf nicht nur Sandrine Neye, sondern auch Vivien Zippert.
Es sind die Kombinationen, die Jazzkonzerte zu etwas außergewöhnlichem machen. Das Zusammenspiel, die Improvisationen, aber auch das gegenseitige Eingehen auf die einzelnen Parts und das Können der Beteiligten.
Mit Sandrine Neye wurde das Trio, sowie Klaus Graf am Saxophon, um eine weiche, beachtliche Soul- und Jazzstimme ergänzt, die schon bei einigen Auftritten von Sandie Wollasch glänzen durfte. Sie gehört mit ihrer außergewöhnlichen Interpretation einiger Klassiker, aber auch dem einen oder anderen Werk von Sandie selbst, zu jenen Namen, die man sich merken darf, denn ihre Art der Darbietung erscheint mühelos und ausdrucksstark zugleich, deckt aber ein Spektrum ab, das Staunen macht. Ohne Zweifel eine der Stimmen, die in den nächsten Jahren noch auf einigen Plakaten zu finden sein wird.
Die Musiker um Klaus Wagenleiter, sowie der Pianist selber, sind wohlbekannt, in ihren Solis bemerkenswert, versiert fehlerfrei und in der Spielweise von einer warmherzigen Freude begleitete. Das Fehlen von Sandie war – ohne Zweifel – immer im Raum, auch wenn Vivien Zippert mit leidenschaftlicher Stimme im Dialog mit Klaus Graf sang, scattete und begeistern konnte.
Sandrine Neye, Vivien Zippert, Klaus Graf und das Klaus Wagenleiter Trio im Bix, Jazzclub, Stuttgart am 30.07.2026
Die Stärke des Abends waren die nahtlosen Übergänge, das Einfließen der Klassiker, der Eigenkompositionen, sowie die Fähigkeiten aus bekannten Stücken neue Varianten zu entlocken und, vor allem aber die Persönlichkeiten und Klangfarben der InterpretInnen, die es schafften, den Abend zu einer Entdeckung und Gewinn zu machen, auch wenn man die Abwesenheit von Sandie Wollasch bedauerte.
Für ihre Familie und Sie selbst möchte ich alles Mitgefühl ausdrücken. Für Jochen Wollasch, dem ich viel zu spät persönlich begegnet bin, mein Bedauern.
Auch wenn Sandrine Neye und Vivien Zippert zusammen mit den Musikern von Klaus Wagenleiter und Klaus Graf ein wundervolles Konzert präsentierten, bleibt der Wunsch nach einer Wiederholung mit der Stimme von Sandie in einer ähnlichen Kombination.
Die Weststadt ist einer jener Stadtteile, die sich durch ihren Charakter auszeichnen, und damit als Anziehungspunkt weit über die eigenen Grenzen dienen. In der Umgebung des Gutenbergplatzes hat sich – vor allem in den letzen Jahren – ein Flair und Charme gebildet, der mit gutem Gewissen, mediterran genannt werden kann. Man trifft sich in den Cafés, feiert gemeinsam, es gibt kulturelle Schwerpunkte und dadurch entstand eine kreative Basis, deren Wirkung in der ganzen Stadt spürbar ist.
Zu den Eckpunkten dieses Netzwerkes, gehören verschiedene Spielstätten, gastronomische Betriebe, kleine Unternehmen und inhabergeführte Läden. Einer davon war der Laden Zwei, der mittlerweile – seit diesem Monat – Geschichte ist. Der Laden Zwei führte während seines Bestehens Mode und Accessoires von kleinen, unabhängigen Labels, die in einem regionalen Bezug standen.
Damit bot das, von Manuela Seith, geführte Geschäft, eine Plattform für künstlerische und kreative Geister, schuf einen Ort für Unikate und Seltenes und hatte einen qualitativen Anspruch, der ihn auszeichnete.
Sandie Wollasch, Klaus Wagenleiter, Sarah Lipfert im Laden Zwei am 07.03.2026
Für die Weststadt war er neben diesem Angebot, ein kultureller Eckpunkt und kommunikativer Ort, an dem KünstlerInnen die Möglichkeit hatten in einem kleinen Rahmen aufzutreten. Die sogenannten Ladenkonzerten waren fast ein Geheimtipp, fanden sie doch in den Räumlichkeiten des Laden Zwei zwischen all den bunten Waren – in einem Sammelsurium aus Erstaunlichem und Wunderbarem – statt.
Es wurden die Tische beiseite geräumt, eine Unmenge Sitzgelegenheiten aufgestellt, um dem geneigten Publikum, dass sich an die Schaufensterscheiben von innen drängte, ein Programm zu bieten, dass an Exklusivität schwer zu übertreffen war. Bands wie „No sugar, no cream“ traten hier akustisch auf, Sandie Wollasch erschien mit verschiedenen Gästen und viele andere mehr präsentierten sich innerhalb des Konzeptes.
No Sugar, no cream Im Laden Zwei
Während der Corona-Phase gab es, wie bei vielen anderen Veranstaltungsorten, einen Bruch in dem Ablauf. Die Kontaktsperre verlangte nach neuen Wegen und Formaten. Mit „Musik aus der Ladenecke – Love is the answer“ fanden Sandie Wollasch,Rolf Ableiter und Manuela Seith eine neue Möglichkeit, um KünstlerInnen in dieser schweren Zeit ein Publikum zu bescheren.
Aus nah und fern luden sie FreudInnen und bekannte KollegInnen ein in einem Videoformat mit zumachen, das kleine Konzerte vorstellte, die innerhalb des Ladens – ohne weitere Beteiligte – stattfanden. Eine Webseite zeugt noch davon unter http://ladenecke.de/ , auf YouTube finden sich noch alle Videos: https://www.youtube.com/@loveistheanswer1803 .
Mittlerweile wurde die Reihe mit einer Abschiedsfolge (Nr.40) im April 2026 beendet. Noch einmal fanden sich Sandie Wollasch und Rolf Ableiter für einen Rückblick zusammen. Es war ein letzter Blick in den fast leergekauften Laden Zwei, dessen üppige Ausstattung bis dahin die Bühne darstellte.
Wieder war das Sofa Mittelpunkt, zum letzten Mal saßen die beiden moderierenden MusikerInnen darauf. Bis dahin war die Liste der KünsterInnen illustren: Zelia Fonseca,Liv Solveig, AnaDjan, Maurice Moel, Marcel Millot, Matthias Hautsch, Miri in the Green und viele andere mehr waren da, um nur einige zu nennen.
Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025
Dieses Interview wurde geführt, lange bevor wir an die Schließung des Laden Zwei dachten. Ich traf mich mit Manuela Seith auf dem berühmten Sofa der Ladenkonzerte, um mich mit ihr über das Konzept zu unterhalten.
Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt viel vorgenommen und wollte die Karlsruher Szene etwas genauer anschauen. Das dieses Interview nun viel zu lange schlummerte und bisher noch nicht veröffentlicht wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass in Karlsruhe eine sehr umtriebige, stark vernetzte Musikergemeinde existiert, die schwer zu erfassen und noch schwerer in Griff zu bekommen ist. Das „Karlsruher Archiv“, mit dem ich einen Überblick über die Situation und die Veranstaltungsorte geben will, ist immer noch in Arbeit und wird es noch lange Zeit bleiben.
Das dieses so ist, ist vor allem der Initiative von Menschen wie Manuela zu verdanken, die es schaffte einen Anziehungspunkt für Kreative zu etablieren. An vielen verschiedenen Orten innerhalb dieser Stadt wird mit Engagement und Enthusiasmus für die kulturelle Vielfalt gearbeitet. Wie es von Seiten Manuelas dazu kam, beleuchtet dieses Interview, dass nun leider zu einer Art Rückblick wurde.
Andreas (Jazznrhythm.com) Ich freue mich, dass ich hier bin. Wir wollten über die Konzerte im Laden Zwei sprechen, über die Geschichte dahinter. Vielleicht stellst du zuerst mal den Laden Zwei vor – damit wir wissen, worum es eigentlich geht.
Manuela Seith (Laden Zwei) Dann fange ich mal damit an: Der Laden Zwei heißt Laden Zwei, weil es tatsächlich der zweite Laden ist. Davor gab es einen anderen Laden, der hieß „Energie & Farbe – der Laden“. Der war hier um die Ecke, direkt neben der Hemingway Lounge. Und dort hat die Musikgeschichte eigentlich schon begonnen.
Im ersten Laden hatten wir – ich habe das vor unserem Gespräch nochmal nachgeschaut – etwa 30 bis 40 Konzerte. Ich habe das damals schon „Ladenkonzerte“ genannt. Wir haben auch ein paar Experimente gemacht: einmal im Treppenhaus, einmal sogar draußen auf der Straße. Da haben wir tatsächlich die komplette Uhlandstraße blockiert, weil so viele Zuschauer da waren. Zum Glück hat sich an dem Tag niemand beschwert.
Das Thema Musik war also schon immer mein Ding. Ich habe eine große Liebe zur Musik, habe aber irgendwann entschieden, dass ich lieber auf die organisatorische Seite gehe. Ich habe früher selbst Musik gemacht – Schulband, ein bisschen Gitarre, Klavier – aber die Leidenschaft war stärker als das Talent, würde ich sagen.
Also habe ich im ersten Laden ungefähr einmal im Monat ein Konzert veranstaltet. Anfangs während der Öffnungszeiten, bis ich gemerkt habe: Das funktioniert wirtschaftlich nicht. Der Laden ist zwar schön gefüllt, aber ich verkaufe nichts an diesem Tag.
Dann kam vom Bürgerverein Weststadt immer wieder der Hinweis, dass hier in der Goethestraße eine Fläche frei wird. Ich habe das mehrfach abgelehnt. Bis es irgendwann Klick gemacht hat und ich dachte: Vielleicht mache ich einfach zwei Läden.
Ich habe dann die Mode ausgelagert und hier im zweiten Laden untergebracht. Ich hatte sogar jemanden, der spontan zugesagt hat, den Laden Zwei zu managen. Eine Zeit lang lief das parallel – Kunsthandwerk und Farbkonzept im ersten Laden, faire Mode hier im zweiten.
Aber das hat mich ziemlich schnell überfordert. Zwei Läden sind einfach zu viel. Und dann habe ich an einem Freitagabend beschlossen: So mache ich nicht weiter. Ich lege alles zusammen und konzentriere mich auf diese Location hier.
Konzert mit Mami und die PappalaPapis vor „Energie & Farben – der Laden“
Andreas (Jazznrhythm.com) Das heißt, du hast schon im ersten Laden Konzerte gemacht?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja.
Andreas (Jazznrhythm.com) Wie viele Leute waren da ungefähr?
Manuela Seith (Laden Zwei) Zwischen 20 und 30. Am Anfang auch mal weniger, klar. Das musste sich erst entwickeln. Aber irgendwann wurde es so eine Art Weststadt-Kultur. Man wusste: Da sind Konzerte. Eintritt gab es nicht, nur Hut. Und manchmal war es so voll, dass wir die Tür offen lassen mussten.
Einmal haben wir sogar ein Konzert vor dem Laden gemacht – dann war die Straße der Gastraum.
Andreas (Jazznrhythm.com) Wie lange machst du das schon insgesamt?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ich habe 2012 angefangen. Also inzwischen sind das 13 Jahre. Wie so oft bei mir: ziemlich spontan entstanden.
Andreas (Jazznrhythm.com) Und die Konzerte im Laden Zwei – die gab es auch schon vor Corona?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, durchgehend. Dann kamen die Lockdowns. Und dann entstand etwas ganz Neues.
Ich hatte dieses Sofa hier im Laden stehen, weil eine Nachbarin es bei mir zwischenlagern wollte. Sandie und Rolf waren da, schauen das Sofa an und sagen: „Das ist doch wie ein tiny desk concerts.“ Und sofort war die Idee im Raum: Wir machen daraus unser Format.
Rolf hatte zu der Zeit schon einen YouTube-Kanal gestartet. Und dann haben wir gesagt: Wir nutzen den Kanal und machen unser eigenes Format. Das hieß dann „Musik aus der Ladenecke“.
Wir haben während der Lockdowns 37 Konzerte produziert.
Andreas (Jazznrhythm.com) 37 Stück – das ist eine Menge. Und da waren ja auch bekannte Namen dabei.
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, wir haben natürlich zuerst Freunde eingeladen – Musiker aus unserem direkten Umfeld. Sandie und Rolf haben moderiert und auch selbst gespielt.
Dann kamen auch bekanntere Namen dazu. Zum Beispiel Chris Cacavas. Oder das norwegisches Randi Tytingvåg Trio, das gerade in der Hemingway Lounge gespielt hat und auf Tour war – die haben wir dann einfach auch eingeladen.
Die Konzerte waren etwa 20–25 Minuten lang, ohne Publikum, und wurden komplett aufgezeichnet.
Und jetzt machen wir im September Folge 38 – diesmal hybrid, also mit Publikum.
Andreas (Jazznrhythm.com) Das heißt, das Konzept läuft weiter – aber jetzt wieder mit Gästen im Raum?
Manuela Seith (Laden Zwei) Genau. So etwa 10 bis 20 Leute passen rein. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, das alles unterzubringen, weil hier ja eigentlich ein Laden ist – mit Kleiderständern und allem drum und dran.
Aber genau das macht auch den Reiz aus.
Andreas (Jazznrhythm.com) Das erinnert ein bisschen an dieses intime Konzertgefühl – fast wie ein Wohnzimmer.
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, genau das ist es. Man ist nah dran, sieht die Musiker vor und nach dem Auftritt, kann ins Gespräch kommen. Das ist etwas ganz anderes als eine klassische Bühne.
Andreas (Jazznrhythm.com) Wie war die Resonanz auf den YouTube-Kanal?
Manuela Seith (Laden Zwei) Während der Lockdowns war das eine kleine Community. Wir haben die Premieren immer sonntags gemacht und uns im Chat getroffen. Da waren Leute dabei, die wir gar nicht persönlich kannten.
Das hat sich inzwischen etwas verlaufen, weil wir das Format nicht mehr so häufig machen. Aber es war eine besondere Zeit.
Andreas (Jazznrhythm.com) Haben sich daraus auch neue Kontakte ergeben?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, es kamen Anfragen rein. Aber wir konnten nicht alle annehmen. Unser eigenes Umfeld war schon sehr groß, und wir wollten auch gezielt Leute unterstützen, die plötzlich keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatten.
Andreas (Jazznrhythm.com) Wie wählst du die Bands für die Ladenkonzerte aus?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ich schaue mir Webseiten an, höre Musik an, schaue auf Instagram. Es geht aber viel über Bauchgefühl. Manchmal sind es Formulierungen, eine Geschichte, ein Bezug zu Karlsruhe – irgendetwas, das mich anspricht.
Andreas (Jazznrhythm.com) Gibt es Genres, die du bevorzugst?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, Singer-Songwriter, Jazz, Pop, Americana – solche Sachen. Aber wir hatten auch richtig laute Bands hier – mit E-Gitarren und allem. Das geht auch.
Andreas (Jazznrhythm.com) Und das funktioniert in einem Wohnhaus?
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, hier wohnen viele Studenten. Das hilft. In einem klassischen Wohnhaus wäre das schwierig.
Andreas (Jazznrhythm.com) Gibt es noch etwas, das du sagen möchtest?
Manuela Seith (Laden Zwei) Musik gleicht unglaublich viel aus. Gerade in einem Ladengeschäft, wo vieles auch anstrengend ist. Diese Konzerte – das bleibt lange hängen. Das ist einfach erfüllend.
Jochen Seiterle, Sandie Wollasch, Sandrine Neye und Rolf Ableiter beim Konzert im Laden Zwei am 06.09.2025
Andreas (Jazznrhythm.com) Ich finde, es hat etwas sehr Familiäres. Wie ein Wohnzimmerkonzert.
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, genau.
Manuela Seith (Laden Zwei) Und vielleicht noch eine Geschichte zum Sofa: Wir hatten immer ein bisschen Angst, dass wir es irgendwann zurückgeben müssen, weil es ja die Kulisse unseres Formats ist.
Dann kam am Samstag vor Heiligabend 2020 ein Bekannter, und hat mir einen Brief gegeben. Darin stand: Das Sofa gehört eigentlich ihm, es stammt von seinem Opa – und noch nie hat jemand so viel damit gemacht wie wir. Er hat es uns geschenkt.
Andreas (Jazznrhythm.com) Dann ist es ja genau am richtigen Ort.
Manuela Seith (Laden Zwei) Ja, es gehört einfach dazu.
Andreas (Jazznrhythm.com) Vielen Dank dir.
Manuela Seith (Laden Zwei) Sehr gerne.
Manuela Seith in den Siebzigern in der Schülerband „Katastrophenorchester“
Auch wenn der Laden Zwei mittlerweile einen neuen Namen trägt, neue Besitzer hat und ein neues Konzept beherbergt, ist jemand wie Manuela Seith schwer aus dem Kulturleben des Stadtteils wegzudenken. Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht, was noch geschehen wird, und welche Ideen sie noch voranbringen wird.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Man muss auf vieles gefasst sein, wenn Matthias Hautsch seine Gitarre spielt. Im Laufe eines Konzertes entpuppt er sich als Tüftler, ewig Suchender und erfindungsreicher Virtuose seines Instrumentes.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch stellten mit einem Releasekonzert im Kulturhaus Osterfeld ihr neues Album „Lifetime Companions“ vor. Eine Hommage an jene KünsterlerInnen und Songs, die sie ein Leben lang begleiteten. Aber gleichzeitig auch ein die Bezeichnung für das Zusammenspiel zweier herausragenden MusikerInnen, die seit Jahrzehnten schon zusammen arbeiten, Alben aufnehmen und auf vielen Bühnen gemeinsam zu erleben sind.
Das Kulturhaus Osterfeld ist in einer ehemaligen Volksschule untergebracht. Die großen, luftigen Gänge, die breiten Treppen erinnern noch an die einstige Bestimmung, aber auch der gemeinsame Bereich im Innenhof, der heute ein Restaurant und weiterhin einen Schulhof beherbergt, verweist darauf.
Die Stockwerke des massiven Baus, der in den Jahren 1904-1907 fertiggestellt wurde, unterhalten heute ein ganz unterschiedliches Angebot aus dem Kulturbereich, zu dem auch verschiedene Bühnen gehören.
Im Studio, einem Raum im 3.OG des Gebäudes, der für bis zu 96 Personen Sitzplätze anbietet, bot sich eine Atmosphäre, die sowohl dem Charakter der Präsentation gerecht wurde, aber auch jene Nähe ermöglichte, die einen detaillierten Blick auf die Fingerfertigkeit des Gitarristen zuließ.
Es waren die charmanten Anekdoten beider, die bekannte Songs in neuen Interpretationen kleideten, und dabei die eigenen Bezüge verdeutlichten.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Wenn Matthias Hautsch, ganz begeisterter Fan und mit leuchtenden Augen, von seinen Idolen erzählt, um dann in einer verzwickten, akustischen Instrumental-Version von Van Halens “5051“ überzugehen, ist vieles aus der gemeinsamen Geschichte spürbar.
Heute würde man es Slowcore nennen, wenn – inspiriert von Shawn Colvin – der Elvis-Klassiker „Viva Las Vegas!“ In einer bedächtigen Ruhe, den Staub der Wüste beschwört und die Tragik des Spiels offenbart.
Dass die Mischung aus Tina Turner, Simon and Garfunkel, Britney Spears, aber auch Queen homogen und passend in einem Programm funktioniert, ist den Fähigkeit des Duos zu verdanken, das sowohl mit der Stimme, wie auch in der Begleitung die schwierigsten Passagen zu meistern wußte.
Während Sandie Wollasch selbst vor einer Variante von „Bohemien Rhapsody“, die Teile einer Arie enthielt, nicht zurückschreckte, so überraschte Matthias Hautsch mit dem Einsatz einer Nagelfeile, die als Ersatz für einen Geigenbogen ähnliche Töne seinem Instrument entlockte.
Es sind die feinen Details, die immer zu begeistern vermochten. Die Verquickung eines Marlene Dietrich-Klassikers mit der ehrfürchtigen Schnoddrigkeit jener Fassung von Udo Lindenberg, oder die Verneigung vor Edo Zankis Werk, aber ebenso die apokalyptische Schilderung eines fast aktuellen Zustands (hier in dem Stück „Sign o’ the times“ von Prince) wurden in neuen Versionen arrangiert.
Versionen, die den Beiden die Möglichkeit liess, sich darin wiederzufinden, die Herausforderung anzunehmen, und in der Gesamtleistung etwas zu schaffen, was ihren Fähigkeiten gerecht wurde.
Sandie Wollasch und Matthias Hautsch im Kulturhaus Osterfeld, Pforzheim am 03.05.2026
Die Gitarre diente dabei als Rhythmusgeber, Percussion, wurde gestreichelt, geklopft, angeschlagen, mit Vibrato und zurückhaltenden Effekten zu einem Synthesizer. Mehr bedurfte es gar nicht. Weniger sollte es nicht sein. Denn die Stimme von Sandie Wollasch, kraftvoll und variantenreich, zwischen Pop, Soul und Jazz wandernd, unerschrocken gegenüber Klippen und Hürden, scheint ihn zu benötigen – den Gegenpart aus spielfreudiger Einsatzbereitschaft und neugieriger Erfindungsgabe.
Nichts wurde vermisst. Im Gegenteil, es gab viel zu erfahren und manches wird im Nachhinein den Blick auf so manchen Klassiker verändert haben.
Wenn es passt, dann entstehen Kombinationen, die wirken, als seien sie aus einem Wunsch entstanden. Das können z.B. Duos sein, die Songs veredeln. Und inspirierend wirken.
Lifetime Companions ist der Titel des neuen Albums von Sandie Wollasch und Matthias Hautsch. Beides herausragende KünstlerInnen in ihrem Metier, ergänzen sie sich in der Zusammenarbeit zu einem bemerkenswerten Paar.
Während Matthias Hautsch den Eindruck erweckt, als lege er seine akustische Gitarre nie aus der Hand, um möglichst alle ihre Geheimnisse zu entdecken, gehört Sandie Wollasch zu den charakteristischsten Jazz- und Soulstimmen in der hiesigen Szene. Verfolgt man ihren Werdegang gelangt man in alle möglichen Sessions, Produktionen und Auftritte.
So scheint das Album beim ersten Hören mit leichter Hand gestrickt, doch verrät es in den Details eine faszinierende Musikalität. Es ist genau jene, fast spontan wirkende Atmosphäre, die den Grundton auszeichnet, aber natürlich der Vielseitigkeit der Beteiligten zu verdanken ist.
Mit dem Wissen um ein großes Repertoire suchten sie sich ein Dutzend Songs aus, die in Farbe, Bezug und ihrem zeitlichen Hintergrund nicht unterschiedlicher sein konnten.
Dennoch – beschränkt auf Stimme und Gitarre – erreicht das Album eine Transparenz und Klarheit, die viel Raum für die Fingerfertigkeit von Matthias Hautsch lässt, aber auch die Stimme von Sandie Wollasch gekonnt in den Vordergrund stellt. Zwei Aspekte, die unterstreichen, wie homogen und geschlossen, die Produktion im Gesamten wirkt.
Mit Lifetime Companions wird ein Bogen, der die Klassiker aus der Feder von Paul Simon und Art Garfunkel, über Tina Turner bis zu Britney Spears verbindet, gespannt. Dazwischen dürfen Prince und Janis Joplin, Elvis und selbst Edo Zanki nicht fehlen.
Vor allem im Hinblick auf Edo Zanki, dem großen Protegé und Produzenten vieler MusikerInnen, ist die Verbundenheit und Bewunderung für Sandie Wollasch erwähnenswert.
Voll des Lobes für sie und ihr Können wäre er daher auch für ihre Interpretation des Songs „Dein roter Mund“. Schufen sie damit doch ein geradezu liebevolles, intimes Tribut an sein Werk.
Ein Konzept, das sich so auch bei den weiteren Stücken zeigt: Begrenzt auf ein Instrumentarium, das nur aus dem Saitenspiel von Matthias Hautsch und den gesanglichen Künsten von Sandie Wollasch besteht, kristallisiert sich eine respektvoller Umgang heraus, der Möglichkeiten aufzeigt, die mit Können und Liebe zum Detail gemeistert werden.
Die klagende Hymne „Sign’ o’Times“ – von Prince bewußt spartanisch komponiert – verlässt sich sowieso nur auf diese beiden Komponenten, beweist aber, dass Matthias Hautsch auch ohne weitere Unterstützung in der Steigerungen vor allem mit seiner Spielfreude überzeugt.
Im Zusammenspiel spürt man die Bewunderungen und die Hochachtung vor den Fähigkeiten des Anderen. Wie sie sich begleiten in die Herausforderungen und dabei befruchten in der Beantwortung befruchten.
Etwas, das sich durch die komplette Aufnahme zieht und zu ihren Stärken zählt. Die Fähigkeit einen Dialog auf einem hohen Niveau aufrecht zu erhalten, bei einer gleichzeitigen Wanderung durch verschiedene Richtungen und Stile.
Zurückgelehnt nehmen sie das Tempo aus „Viva Las Vegas“, schleichen sich mit einer Prise Americana an den Sound der Metropole, als wollten sie die aufgehende Sonne nach einer durchzechten Nacht begrüßen.
„Toxic“ von Britney Spears wird zu einem kleinen Jazz-Juwel, angelehnt an jene Gitarrenabenden, wie man sie in den verschwiegensten Bars unter den schwierigsten Bedingungen erleben konnte.
Ein verspieltes Kleinod dessen Herkunft man mit Schmunzeln zur Kenntnis nehmen mag. Eine perkussive Herausforderung und einer der Songs, dessen Eingängigkeit Puristen zu überzeugen vermag.
Natürlich kennen wir alle diese Lieder, aber die Beiden laden uns zu Entdeckungsreise ein, sie nochmal neu zu erfahren, in einem anderen Gewand zu sehen. Eine gute Interpretation kann den Charakter betonen, das Material neu formen, ihm Dinge hinzufügen, und etwas gewinnen, was neu klingt. Letztendlich bereichert es und kann die Optionen aufzeigen.
Wenn Van Halens Botschaft „Why can’t this be love“ zu einem sehr persönlichen Liebeslied wird, Sandie und Matthias sich die Parts gegenseitig zuspielen, als wäre es gerade neu entstanden, dann handelt es sich um etwas, das genau dem entspricht, was man von dieser Art Deutung erwartet.
Und: Wenn Lifetime Companions auch bedeutet, dass die Zusammenarbeit noch lange währt, dann möchte man auf den zweiten Part hoffen, der bestimmt noch kommen wird.
(Der Tonträger wurde von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt)
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