Durchsuchen nach
Schlagwort: Schallplatte

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche
Ankündigung: Der Vinyl-Flohmarkt am 10.10.2026 in der Kulturküche

Bereits zum 9. Mal veranstaltet der Vinylexpress seinen Vinyl-Flohmarkt. Immer nach dem Motto: Klasse statt Masse.

Mittlerweile ein Anziehungspunkt auch weit über die Grenzen von Karlsruhe hinaus, zeigt der Vinyl-Flohmarkt wieder mal, wie breit und bunt das Spektrum des Schallplattensammels sein kann. Kein reiner Schnäppchenmarkt, und auch nicht der Platz, an dem sich fünfundzwanzig Kisten mit den immer gleichen Ladenhütern finden, sondern eine faszinierende Mischung aus Neu-, Importwaren und sehr seltenen Stücken.

Wie immer eine gute Auswahl aus befreundeten Händlern aus den benachbarten Städten und Regionen. Legendär ist dabei schon der Anteil französischer Spezialisten, die teilweise ganz erstaunliches aus dem asiatischen oder afrikanischen Sektor anbieten.

Natürlich bietet der Vinyl-Flohmarkt auch ambitionierten, privaten Sammlern die Möglichkeit ihre guten Stücke anzubieten. Es ist die Zusammensetzung und der hohe Kenntnisstand der Beteiligten, der den Vinyl-Flohmarkt zu einem viel besprochenen Event macht. Plattenbörsen gibt es viele, der Vinyl-Flohmarkt jedoch grenzt sich schon mit seinem Namen ab.

Die Location in der Kulturküche ist kein Zufall. Hat sie sich doch in den letzten Jahren als Glücksgriff erwiesen. Sie bietet einen geräumigen, atmosphärisch angenehmen Innenhof, und in ihrer zweiten Etage Rückzugsorte, die für manches Fachgespräch taugen.

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Die Kulturküche ist einem der ältesten Häuser in Karlsruhe untergebracht, damit in einem genutzten Denkmal, betreibt ein ambitioniertes Setting aus bezahlbarer Küche und Platz für die unterschiedlichsten Initiativen und Aktionen. Vom Konzept auf einer Basis aus ehrenamtlichem Engagement, gespendeten Kuchen und relaxten Cafe aufgebaut, ist sie für positive Überraschungen gut und hat dem Vinyl-Flohmarkt einem ganz eigenen Charme verliehen. 

Unterm Strich hat der Vinyl-Flohmarkt mit seinem breiten Charakter und fein justiertem Angebot bisher für alle etwas geboten und trotzdem die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Man kennt sich mittlerweile, pflegt die familiäre Grundstimmung und ist nicht dem bloßen Wachstum, sondern der Qualität verpflichtet. Etwas, was man in dem mittlerweile unüberschaubaren Plattenmarkt zu schätzen weiß. 

Vinylflohmarkt in der Kulturküche
Vinylflohmarkt in der Kulturküche

Während die Industrie versucht das Preisgefüge nach oben aufzuschrauben, alles mit Reiusses und Deluxe-Ausgaben zu überschwemmen, bedienen die kleinen Händler in ihren Shops oft die Nischen, Eigenheiten und skurrilen Veröffentlichungen. Eine ganze Gruppe von Ihnen – mal gesammelt anzutreffen – das bringt so manche begehrte Scheibe ans Tageslicht und macht Entdeckungen möglich. Daher: Sehr empfohlen. Nicht entgehen lassen.

Externe Links:

Vinylexpress (Instagram)- https://www.instagram.com/vinylexpress_karlsruhe/?hl=de

Kulturküche Karlsruhe – https://kulturkueche-karlsruhe.de

Tonspur Nr. 6 : Reinhard Mey „Als de dag van toen.“

Tonspur Nr. 6 : Reinhard Mey „Als de dag van toen.“

Reinhard Mey - als de dag van toen

Titelliste:

  1. Ich wollte wie Orpheus singen
  2. Uit min dagboek
  3. Es gibt keine Maikäfer mehr
  4. Als de dag van toen
  5. Über den Wolken
  6. Mein Testatment
  7. Vertreterbesuch
  8. In Tyrannis
  9. Der Mörder ist immer der Gärtner
  10. Komm, giesz mein Glas nochmal ein
  11. Diplomatenjagd
  12. Goede Nacht Vrienden

Schaut man zurück auf die große Zeit der Liedermacher, die Siebziger Jahre, dann ist eine große Ruhe eingekehrt. Die wenigsten Namen haben überdauert und sind heute noch bekannt. Reinhard Mey ist einer der wenigen, die unermüdlich und regelmäßig Alben herausbringen. Mir war bekannt, dass er auch auf französisch unter dem Namen Frederik Mey veröffentlicht. Bei seiner Liebe zum Chanson war das naheliegend. Und funktioniert auch gut. Hört man sich seine französischen Songs, dann verortet man automatisch seinen Stil in Frankreich. 

Dass er auch niederländisch sang, war mir bisher nicht bekannt. Es finden sich nur wenige Lieder in der entsprechenden Übersetzung auf der Platte, aber es ehrt ihn, denn wir alle wissen: Die Niederländer verstehen und können zumeist deutsch, umgekehrt trifft man es selten.

Reinhard Meys Lieder haben in ihrer persönlichen Sicht eine zeitlose Note, die es einfach macht, sie auch nach all den Jahren zu hören. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, war er nicht verhaftet in Wellen und Aufregungen der Jahre, in denen er seine Erfolge schrieb. Die Platte beinhaltet die wichtigsten Werke jener Zeit und ist damit gleichzeitig eine „Best of“. Niemals unangenehmen und manchmal wie heimkommen.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Mae.Sun – „Vol. 3 Reverence“

Mae.Sun – „Vol. 3 Reverence“

Zu Vol.3 Reverence, der dritten Platte von Mae.Sun, muss ich eine kleinere Geschichte erzählen. Mae.Sun ist ein Projekt von Hailey Niswanger, einer jungen, sehr begabten Saxophonistin aus Los Angeles. Auf Vol.3 Reverence spielt sie jedoch nicht nur Saxophone, auch der Gesang, Flöten, Klarinetten, Synthesizer und Piano wurden von ihr eingespielt.

Mitgewirkt an dem Album haben Nikara Warren, Vipraphone,  Asher Kurtz an der Gitarre, Axel Tosca an den Keyboards und Synthesizer, sowie Kyle Miles am Bass und David Frazier Jr an den Drums.

Hailey Niswanger fiel mir das erste Mal auf, als ich sie 2024 mit Kinga Glyk auf dem NorthSeaJazz-Festival in Rotterdam sah. In einem bemerkenswerten Auftritt begeisterte Kinga ihr Publikum auf einer relativ kleinen Außenbühne. Derselben Bühne auf der ich schon vor vielen Jahren Jon Batiste auf einem seiner wenigen Auftritte in Europa sah.

Hailey Niswanger, die nicht zur festen Band von Kinga gehörte, begleitete sie auf dem Saxophone. Mit einer auffallenden Begeisterung und Präzision unterstützte sie den Bass von Kinga und war eine der herausragenden Musikerinnen innerhalb des Sets. Kingas Spiel ist sowieso immer von einer besonderen Wärme und Sympathie gezeichnet.

Die Nahbarkeit, die ihre Bühnenpräsenz ausmacht, wurde durch Hailey verstärkt. Um es einfach und kurz zu machen, Kinga Glyk mit ihrer Band, in der Kombination mit Hailey Niswanger gehörten zu einem der Highlights des Rotterdamer Jazz Festivals.

Haily Niswanger in Rotterdam auf der Bühne des Northsea Jazz Festivals mit der Band von Kinga Glyk (2024)

Das Jahr 2025 dagegen begann nicht gut. In Los Angeles kam es zu einigen katastrophalen Feuern, deren Auswirkungen immer noch aktuell sind, während ich diese Zeilen schreibe. Noch immer schwellen Brände auf. Noch immer sind die Feuer aktiv. Das Thema scheint noch nicht vorbei zu sein. Und es ist abzusehen, dass es in Kalifornien ein wachsendes Problem bleiben wird.

Hailey Niswanger berichtete auf Instagram davon, dass bei den verschiedenen Feuern auch Altadena betroffen war. Hierzulande wurde hauptsächlich von den Pacific Palisades berichtet, einem Stadteil, der ebenfalls stark unter den Flammen gelitten hat. Altadena war dabei in der Berichterstattung gar nicht so sehr im Focus. Und es wurde der Eindruck erweckt, als seien die Feuer vor allem in den Vierteln aktiv, in den begüterte Stars leben. Das konnte natürlich nicht so stimmen. Nach den momentanen Schätzungen betraf es über 12.000 Häuser. 

Altadena ist eine relativ mittelständische Gegend. Das Haus von Hailey Niswanger brannte dabei komplett nieder. Es blieb, außer der Garage und den Grundmauern nichts übrig. Ihr komplettes Leben, ihre Instrumente, Erinnerungen, ihr Auto, alles wurde ein Opfer der Flammen.

Auf Instagram postete sie Videos und Fotos des Unglücks. 

Seit ihrem Auftritt in Rotterdam hatte ich mir überlegt ihre Platte zu bestellen und tat es nun spontan über Bandcamp. Aber ich schrieb sofort dazu, dass sie mir die Platte nicht senden muss, es ja wohl wichtigeres gäbe und ich die Music digital von Bandcamp zum Kauf der Platte dazu bekam. Das würde reichen. Bitte nicht senden. Ich wollte wirklich nicht, dass sie sich damit belastet. Mir ging es einfach nur darum, irgendetwas zu tun. Das veranschlagte Porto war sowieso höher als der Preis selbst. Insofern dachte, alles okay. Soll sie einfach annehmen.

Einige Tage später erreichte mich eine Mail, in der sie sich bedankte, und meinte, sie würde mir aber wirklich gerne die Platte senden. Ihre Mutter, die in einem anderen Staat lebt, hätte noch Exemplare.

Ich war überrascht und berührt, aber bekräftigte nochmal, dass alles okay sei, ich Ihre Musik genieße und hoffe, dass sie ein neues Zuhause findet.

Die Platte kam eine Woche später.

Ich drücke ihr wirklich die Daumen, dass sie in Kalifornien ein neues, sicheres Haus findet, dass ihr und allen anderen Betroffen geholfen wird.

„Vol 3. Reverence“ ist ein sehr einfühlsames, naturverbundenes Werk, mit einem angenehm ruhigen Rhythmus. Wie schon bei der Vorstellung der Stücke auf den sozialen Medien, zeichnet es sich durch ein Liebe zu der Umgebung und den grundsätzlichen Werten aus.

Die Stücke heißen denn auch Eternal, One, Complete, Rising, Nutur, Worthy, Elemental und Honest. Das Album gewinnt nach mehrmaligen Hören, denn es gibt in den Arrangements viel zu entdecken.

Ich muss zugeben, dass ich mich einige Tage nicht an die Rezension gewagt hatte, weil ich nicht wusste, wie ich die Geschichte erzählen soll. Immer wieder wurde in den Nachrichten davon berichtet, dass die Winde, die Feuer neu entfachten. Gleichzeitig sah ich, dass Hailey wieder Konzerte gab. Also war es an der Zeit sie darin zu unterstützen. Wie alle ihre Platten, die unter dem Projektnamen Mae.Sun erschienen, handelt es sich bei „Vol. 3 Reverence“ um den Versuch ein Entwicklung in einem Gesamtwerk zu schaffen, dass sich anschließt an das Vorangegangene, aber vor allem die Liebe zeigt, die sie für die Dinge empfindet, die sie umgeben. 

Es ist ihr, und allen anderen in der Region zu wünsche, dass sie jede Unterstützung bekommen, die sie gerade benötigen. Auch damit wir sie bald wieder auf europäischen Bühnen begrüßen können.

Externer Link: Mae Sun – maesunmusic.com

Externer Link (Instagram): Mae Sun – https://www.instagram.com/mae.sun.music/?hl=de

Ben Böhmer – Bloom

Ben Böhmer – Bloom

Das weite Land, in dem sich Neo Klassik, Ambient, Lounge, Downbeat und ähnliche Genres tummeln, wird ganz allgemein Electronica genannt. Es öffnet damit die Möglichkeit, spielerisch alles in sich zu vereinigen und die Grenzen zwischen U- und E-Musik zerfasern zu lassen. Gottseidank, möchte man sagen. 

Ben Böhmer nimmt mit, was er mitnehmen kann, um ein komplexes Werk zu formen, dass die Unruhe des Clubs in sich trägt, aber trotzdem die Sphären der Ruhe anstrebt. Die Vocals werden dabei von Lykee Li, Jonah, Malou, Erin LeCount und Enfant Sauvage, Max Milner und Oh Wonder bedient. So breitgefächert wie das Personal am Mic, ist daher auch die stilistische Bandbreite. 

Ninja Tune hat der Platte ein sanftes Karamell fürs Auge gegönnt, und ähnlich fluffig angenehm schleichen sich die eröffnenden Stücke ins Ohr. Wie Sonnenaufgänge, die einen angenehmen Tag verkünden, kommen sie daher. „Martin“ auf Seite A, „Memory Cassettes“ auf Seite B möchte man beide gerne anwachsen lassen und begleitend auf die Reise durch die Stadt nehmen. „Rust“ auf Seite C passt gut zu den S-Bahnen deiner Großstadt, und den ersten Schritten aus dem Club am frühen Morgen. Allgemein scheint das Gefühl des Aufbruchs sehr passend.

„Rain“ auf der letzten Seite eröffnet zwar mit Ruhe, und balladeske Konzentration auf die Stimme Max Milners, trägt aber auch den Blick auf das was kommt und hinter sich gelassen wird. Raum und Zeit für eine Betrachtung.

Überhaupt: Wo Stimmen auftreten wird das Konzept erweitert und durchbrochen. „Hiding“ von Lykke Li ist ein atmosphärisch dichtes, von ihr getragenes Werk, das auf verschiedenen Ebenen funktionieren mag. Sowohl in seiner Ruhe  und wie in dem begleitenden Rhythmus. „Best Life“ und „Beautiful“ haben, in ihrem vereinenden Pop-Charakter, das Zeug für Hymnen, während Erin LeCourts verlangsamte Ballade „Faithless“ im urbanen Umfeld seine anklagende Kraft entfalten möchte.

Dagegen wirkt „Riverside“ geradezu geschaffen für sakrale Betrachtungen der Tanztempel. Mit volltönenden, vielschichtigen und verhallenden Klängen einer orchestralen Bearbeitung verwoben, unterstützt es eine Umarmung aus einem Wall of Sound, der die Tanzenden in gleichmäßigen Bewegungen einwickelt. Das kommt und geht in Wellen. Allein die Kürze mag ein Manko sein.

Fast minimalistisch und zurückhaltend mutet „The Sun“ an. Ein kleines folkloristisches Popwerk, das seine Kraft in den Akzenten setzt, die den Gesang in die erste Reihe stellen. So formt das instrumentale „Blossoms“ einen Abschluss, der in das Abendrot mündet. Von seiner Triebkraft entschleunigt, genügt ein letzter Blick über die Felder.