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Schlagwort: Singer-/songwriter

Micor im KOHI am 29.11.2025

Micor im KOHI am 29.11.2025

Micor im Kohi am 29.11.2025
Micor im Kohi am 29.11.2025

Sie sagten es frühzeitig an. Sie hätten auch ein paar Uptempo-Nummern. Man dürfte ruhig tanzen, wenn man wollte. Dabei ist es die doch dunkle Entschleunigung, die die Musik von Micor prägt.

Sie stellten ihr erstes Album vor. Eine Premiere im Kohi. Eine Geburtstagsparty also. Für ein Werk, dass sich aufmachte, sein Publikum zu erobern. 

Spürbar ist eine ausgiebige, vielschichtige Beschäftigung mit den Arrangements. Konstruktionen, die den Musikern Zeit und Raum liessen, die Dinge langsam, fast geruhsam anzugehen. 

Den Stücken eben das zu geben, was sie brauchten. Und den Instrumenten einen Spielraum zu verschaffen, der der Dramatik ein Fundament – für die Lyrik und die damit verbundenen Stimmungen –  zu schaffen. 

So erzählen sie von den Katzen, die uns in ihren Entscheidungen voraus sind.  Auch der Liebe, wie sie Brecht einst beschrieb. Als temporäre, wichtigste Quelle des Lebens. 

Transportieren in ihren Worten eine durchaus positive Botschaft, die sie in einem Soundgewand kleideten, das eine Spannbreite zwischen Americana und dem rührigen Gitarrengewitter großer Barden aufwies. 

Sie traten zu fünft auf. Drums, Bass, Geige, Stimme mit Gitarre, sowie Keyboard und Posaune. Präsentierten auf diesem Weg eine instrumentale Breite, die die prägnante Stimme von Robert Besta ein Konzept mit oft sehr verhaltenen Drums, klagenden Geigentönen und akzentuierten Keyboardklängen schufen.

In den intimsten Phasen von Tragik durchzogen, konnte man durchaus Vergleiche wagen. Die schleppenden Rhythmen, die Verlangsamung als Element – das zeichnet auch all jene aus, die detailverliebt die Methodik der Rockmusik in ihre Bestandteile zerlegen. Um zurück zu den Wurzeln des Schreibens eines Songs zu kommen. Wo einem die Melancholie übermannt, und die Uhr einfach stehen bleibt. So lange bis es zur Erlösung führt. „Redemption“ (Erlösung) ist auch der Titel des Albums. Diese kann dann ja durchaus in einer Eruption erfolgen.

Micor nutzen die Möglichkeit, mit Bläsereinsatz und Geige, in verschiedenen Graustufen und Schattierungen, ihrer Melodik eine bestimmte Farbigkeit zu geben. Sie verlieh den Brüchen in der Stimmung eine wichtige Fragilität. 

Micor im Kohi am 29.11.2025
Micor im Kohi am 29.11.2025

So könnte es der langsame Walzer sein, ein verhaltener Two-Step oder das Verharren vor einer Steigerung, das den angekündigten Tanz ausmachte. 

Aber doch, sie hatten recht, der Tanz ist möglich. 

In den Zugaben noch mal beschleunigt, verarbschiedeten sich Micor mit einer Entschlossenheit, die sie krachend, lautstark, und einer anderen Facette präsentierte. Uptempo. Tatsächlich, das geht. Sie können auch das. 

Besetzung:

Robert Besta (Voc, Vl, Git)

Johannes Frisch (B)

Stefan Breuer (Dr)

Marcus Franzke (TRB,B)

Aktuelles Album:

Redemption

  1. Redemption I
  2. It’s everywhere
  3. Love is deeper
  4. Cat’s wouldn’t do it
  5. After all
  6. All in my head
  7. I saw the land
  8. Peace of mind
  9. Redemption II

Externe Links:

Websitehttps://www.micor.band/

Bandcamphttps://micor.bandcamp.com/album/redemption

YouTubehttps://www.youtube.com/@micor_band

Instagram https://www.instagram.com/m_i_c_o_r/

KOHIhttps://kohi.de

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025
Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Es ist fast ein Jahr her, als ich Gipsy Rufina zum ersten Mal sah. Seit dem habe ich seinen Werdegang mit einem halben Auge verfolgt. Der Mann hat wirklich eine aufwändige Zeit hinter sich mit einem stolzen Tourprogramm. Von Europa nach Amerika und wieder zurück. Seit einigen Tagen ist er auch in Deutschland unterwegs.

Anfang dieses Jahres besuchte ich ein Bluegrass Festival in Rotterdam. Als ich Yes Ma’am dort sah, erinnerte ich mich an Gipsy Rufina. Sein enthusiastisches Banjo Spiel, die Authentizität, die er ausstrahlte und die Art und Weise, die sehr nahe an dem, was ich vom Bluegrass und Blues erwartete, passte perfekt zu dieser Band. 

Tatsächlich erfuhr ich später, dass Yes Ma’am, die wirklich eine großartig, energische Bluegrass Band sind, genau mit ihm in den USA unterwegs waren. Eine Konzertreihe, die ich gerne miterlebt hätte. 

Ähnlich wie Yes Ma’am spielt Gipsy Rufina eine sehr ehrliche, klare Variante der Americana Musik. In Ausstrahlung und auf die Lyrik seiner Songs reduziert, sind es die prägnanten Elemente der Countrymusik, die stimmig und kompakt genau die Bilder erzeugen, die von Weite und dem Blues erzählen.

Es war mir daher fast schon eine Ehre und Freude ihn auf einem kleinen Konzert in den Räumen des Musikhauses Schlaile zu sehen. Gipsy Rufina kommt ursprünglich aus Italien. Seine Songs, teils italienisch, teils englisch, berichten von seinem Leben, der Liebe, klingen nach Reisen, Erfahrungen und den Ursprüngen, die irgendwo zwischen hier und den Appalachen liegen. 

Er spielt die Gitarre und das Banjo, als wäre er in den Bergen Amerikas oder an den Ufern des Mississippis aufgewachsen. Der Sound des Country, eigentlich Bluegrass, färbte seine Songs. Sie werden begleiten von seinem kantigen Timbre und einer überzeugenden Leidenschaft für diese Musik

Er klingt nach Staub und Sonne als wäre er in die Fußstapfen der Barden Amerikas getreten. Gipsy Rufina kam alleine, ohne Band. Gradlinig, nur mit Gitarre und Banjo trug vor den Anwesenden seine Songs vor. Es war ein kleine, andächtige Runde, die seinen Lieder lauschen durften. Fast ein Geheimkonzert. 

Gipsy Rufina ist aktuell noch unterwegs. Der Mann hat es verdient. Wer für eine klare Stimme, virtuosen Gitarrenspiel und vor allem für das Banjo ein Herz hat, der sollte seine Konzerte besuchen. 


Für eine kurze Zeit sitzt man am Lagerfeuer, in einem Folkschuppen in den Staaten und lauscht den Geschichten eines fahrenden Barden. Fast zeitlos fühlt sich das an, und taugt dazu es durch die kalte Zeit zu tragen.

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025
Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Berichte vom Konzert von Tom Mess mit Gipsy Rufina:

Externe Links:

http://www.gipsyrufina.com

Tonspur Nr. 8 : Sophie B. Hawkins „Free Myself“

Tonspur Nr. 8 : Sophie B. Hawkins „Free Myself“

Sophie B. Hawkins- Free Myself“

Titelliste:

  1. Love yourself
  2. Better off without you
  3. Green eyes
  4. Free myself
  5. Consume me in your Fire (Demo)
  6. Hungered for love
  7. Fairy Tales
  8. Angel in Disguise
  9. I‘m tired of taking care of you
  10. You Are my ballon

Es gibt Namen, die tauchen kurz auf, haben einen veritablen Hit und scheinen dann zu verschwinden. Aber selten ist es genauso. In der Regel produzieren sie weiter Platten, verfeinern ihre Kunst und tauchen vielleicht irgendwann wieder auf.

Sophie B. Hawkins produzierte dieses Album 2023, die prägnante Stimme, die immer noch etwas herausfordernder und rauer klingt, kombiniert sie weiterhin mit dem gekonnten Schreiben ihrer Songs. Das funktioniert. Das Cello im Hintergrund sorgt für die richtigen Momente. Als ob nicht viel Zeit vergangen wäre. Routiniert möchte man sagen. Fast nahtlos schließt sich das an die alten Alben an. 

Auch wenn nicht der Hit drauf ist, den man sich ihr wünscht, ist alles aus einem soliden Guß, der durchlaufen kann, und zum Sommer, den langen Autofahrten und Nächten an der offenen Theke passt. Sophie B. Hawkins beherrscht die Kunst, hat nichts verlernt. Im Gegenteil alles mitgenommen, was es an Blues und Southern-Anklänge gibt, um zu zeigen, dass sie zu Recht in die Geschichte passt. Und weiß was sie tut. 

Alben, die man gerne nebenher mitnimmt.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Noah Derksen (Support: Civi Blue) im NUN Kulturaum in Karlsruhe, 07.02.2025

Noah Derksen (Support: Civi Blue) im NUN Kulturaum in Karlsruhe, 07.02.2025

Noah Derksen plus Band im Nun

Es ist Februar. Die Temperaturen sind wieder gefallen. Das NUN war ausgebucht bis auf den letzten Platz. Das Publikum saß hinter der Bühne. Auf der Fensterbank. Standen an der Theke, am Merchstand und in den Zwischenräumen.

Noah Derksen hatte sich angekündigt. Support war ein lokaler Künstler. Merlin stellte sein Bandprojekt „Civi Blue“ vor. Reduziert auf eine Gitarre, alles ein bißchen ruhiger. Geschichten eines Sommers. Und während die Gradzahlen im NUN stiegen, erzählte er vom Strand, und von den Zeiten, die hoffentlich bald wieder kommen.

Merlin (Civi Blue) im Nun an der Gitarre

Andächtige Ruhe, um ein Bündel Songs zu genießen, das er verstärkt, kräftiger und mit den versprochenen Verzerrern am 07.März mit der kompletten Band im Jubez vortragen wird. Sozusagen ein Teaser. Passend für Noah Derksen, und wie gemacht als  Einleitung für das,was nach der Pause kam.

Noah Derksen hat große Vorbilder. Cohen, Dylan. Namen, die für uns alle mit Themen, Bilder und Songs verbunden sind. Er und seine Band kommen aus Winnipeg, einen jener Orte, die man gerne ausspricht, oft hört, selten besucht und daher als Sehnsuchtsorte und Projektionen taugen. Winnipeg kennen wir alle, irgendwie und niemand war dort. Die Frage war Anlass für ein Schmunzeln. Ein kleiner, feiner Humor, der sich durch die Ansagen zog. 

Begleitet von einem Keyboarder, einem Schlagzeuger, offenbarte Noah Geschichten über die beginnende und endende Liebe. Die kanadische Variante des langsamen Folks, der sich an Eigenheiten einer neu interpretierten Zuneigung zum Country orientiert. Starke, heruntergefahren Stücke, die sich die Zeit lassen um mit einer angerauten Stimme vorgetragen zu werden. Die Zeit, die notwendig ist nimmt sich seine Musik. So gönnte er sich die Ruhe eines Vortrags, der den Balladen ihre Kraft gab. Und den Covern (z.B. U2) eigenständige Varianten.

Noah Derksen im Nun an der Gitarre

Es war sein vorletztes Konzert auf seiner Europatournee. Fast mochte man zwischen all der Leichtigkeit ein bißchen Wehmut erkennen. Vielleicht war das auch nur die extreme leise, zurückhaltende Atmosphäre im NUN.

Er kommt, wie erwähnt, aus Kanada. Man möchte es gar nicht Americana nennen. Wer jedoch den Stoff liebt, denn Bands aus der Richtung produzieren, der wird an Noah Derksen seinen Gefallen finden. Gutes Songwriting, akzentuiertes, klares Spiel, das sich für lange Fahrten oder Abende auf der Veranda eignet.

Die Professionalität hat überrascht, das Händchen für gute Melodien sowieso. Merken!

Externer Link: Noah Derksen Noahderksen.com

Externer Link: Civi Blue Instagram.com/civi_blue

Externer Link: NUN nun.cafe