Fernanda Tarrech beim Wunderwerk Conceptstore, Esslingen am 22.05.2026

Das Schöne an Fernanda Tarrech ist, dass man sie – gefühlt – überall antreffen könnte. Das Bedauerliche daran, dass dieses zukünftig wohl eher in den Straßen von Berlin gelingt, als in der hiesigen Region.
Doch eine Erklärung zu Beginn: Das Wunderwerk, – ein Geschäft mit Geschenkartikel, Karten und Designangeboten – zog von der Bahnhofstraße zum Roßmarkt in Esslingen am Neckar.
Die richtige Zeit also für eine kleine Eröffnungsfeier um dem Umzug einen entsprechenden Rahmen zu geben. Und damit eine der, mittlerweile, wenigen Möglichkeiten Fernanda Tarrech noch einmal live zu sehen (mal abgesehen von ihren Auftritten am darauf folgenden Samstag in der Fußgängerzone von Esslingen).
Vor nicht allzu langer Zeit sah man sie in Karlsruhe bei verschiedenen Gelegenheiten. So zuletzt bei dem Jubiläum der Finca Roasters in Südstadt.
Wie auch dort, gelang es ihr nun in Esslingen, mit südamerikanischen Melodien und einem Timbre, dass an die Leichtigkeit des Bossa Nova erinnert, dem Sommertag den richtigen Charakter zu verleihen.
In einer Mischung aus Laden- und Straßenkonzert, umgeben von Kindern, Sekt und Selters, war es die ausgeruhte Balance zwischen Coverstücken und Eigenkompositionen, die Jung und Alt in den Bann zog. Fernanda Tarrech gelingt ihr immer wieder jenes kleine Kunststück: Mit scheinbarer Schlichtheit und selbstsicherer Ruhe, die Werke anderer mit ihren eigenen zu verweben, so dass ein gemeinsamer Nenner in den Stücken zu einem prägenden Element wird. Die Hektik verschwindet, der Lärm nimmt ab, die Tage vergehen und der Abend kommt. Alles wird etwas lässiger, geruhsamer und die Schwere des Tages fast vertrieben.

Es war und ist dieser Flair, der mit ihrer Stimme jenen gefühlvollen Balladen entspricht, die wohl nur in dem lateinamerikanischen Kontinent beheimatet sind. Selbst wenn sie die Zaz, die große französische Sängerin, die ebenfalls auf der Straße begann, interpretierte, oder „Clandestino“ von Manu Chao anstimmte, schien es dann doch etwas mehr von ihr zu sein, als man bisher geahnt hatte.
Dem Ausdruck Fernanda Tarrechs wohnt eine Unbeschwertheit innen, die selten anzutreffen ist, aber genau zu jener Komponenten wird, die ihre Konzert mit ausmacht. In der Art ihres Gesangs offenbart sich Herkunft und Fähigkeit, Kontinente und Stile so friedvoll miteinander zu transportieren, dass man sich erinnert fühlt, an die schönsten und angenehmsten Tagen.
In ihrem eigenen Songs findet sich der Mut, einen Weg zu gehen, der sich nicht der Geschwindigkeit anpassen möchte, sondern diese bewußt drosselt. Es geht dabei um die Liebe, das Vertrauen, das Miteinander und all die Dinge, die es wert sind. Und um die Möglichkeit, kurz innen zu halten, durchzuatmen, den Stress einer Fußgängerzone zu vergessen, um ihn ihr zu schlendern.
Das erstaunlichste an den kleinen Auftritten ist, dass man dort immer noch ihre selbstgebrannten CDs kaufen kann. Obwohl vieles auf den üblichen Plattformen vorhanden ist. Noch ist niemand in Berlin aufgewacht, um sie auf die großen Bühnen zu bringen. Verdient hätte sie es.
(Merci an das Wunderwerk, Esslingen für die Gelegenheit sie noch mal zu sehen)
Externe Links:
Fernanda Tarrech – https://www.fernandatarrech.com
Wunderwerk (Instagram) – https://www.instagram.com/wunderwerk.conceptstore/