Die Entdeckung der Langsamkeit als erstrebenswertes Ziel. So Soon gönnen sich alle Zeit, nähern sich in kleinen Schritten und großer Harmonie dem guten Song-Handwerk. Das klingt internationaler als man bei dem Cover vermutet. Erstaunlich bescheiden in der Aufmachung, verfrickelt im Sound-Design. Nähe, Ferne, orchestrale Vermutungen. In den paar Minuten presst man viel rein, was man von großen Vorbildern gelernt hat. Das Understatement, das ihnen den Raum lässt für lakonische Bilder, bereitet ihnen den Teppich für leichte Annährungen an die großen Stücke. Hier noch ein Tupfer Hall, dort mal klassisches Melodienstricken. Sie können – muss man mit Respekt anerkennen – viel, haben eine Menge mitgenommen von denen Sachen, die man schon seit Jahren liebt und wissen das zu verwenden.
Bei Black Sea Dahu im Tollhaus tauchten sie als Vorgruppe auf. Sitzend und nahezu unplugged, ohne Hektik, spielten sie ihr Set. Fast kammermusikalisch. Harmonischer Chorgesang. Und wußten mit all dem zu überzeugen.
„Then“ ist ihre EP. Es gibt noch eine LP. Then ist ein verspieltes, folkiges Experiment mit viel liebenswerter Tüftelei, das man vielen, vielen Leuten schenken kann.
So Soon im Tollhaus Karlsruhe als Vorgruppe von Black Sea Dahu am 17.07.2025
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.
Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025
An einem einzigen Tag gönnt sich der Aufbau des Festes auf der Günther-Klotz-Anlage etwas Ruhe, um die letzten Dinge vor der Eröffnung am Donnerstag noch zu testen und auf den besten Stand zu bringen.
Das traditionelle „Fest am See“, das in der Zeit vor dem Festival stattfindet, wird dann in die Räumlichkeiten des alten Schlachthofs verlegt. Der „Alte Schlachthof“ entwickelt dabei eine eigene Dynamik und Tradition, die alle Spielstätten und Lokalitäten vor Ort mit einbezieht.
In diesem Sinne öffnet auch das Tollhaus seine Pforten, verlagert das Zeltival, das zur Zeit stattfindet, in den Innenhof und baut eine Open Air Bühne auf. Tatsächlich fühlt sich alles noch mal an, als ginge es zurück zu den Wurzeln.
„Das Fest goes Schlachthof“ vermischt dabei in angenehmer Weise das Publikum der Events. So kommt es, das FEST-Besucher in Berührung mit den Aktiven der kleinen Veranstaltungsorte kommen, aber auch im umgekehrten Fall, das FEST seine Vorteile hinsichtlich der Vielfalt ausspielen.
In diesem Rahmen ist die Black Sea Shipping Company bestens angesiedelt. Seit 2021 erspielen sie sich ein bunt gemischtes Publikum, das die Bandbreite der jungen Band zu schätzen weiß. Auch im Tollhaus ist die Mischung aus Swing, Balkan, Klezmer und Americana die Aufforderung zum Tanz.
Es geht mitllerweile wild und ungestüm auf den Konzerten her. Es wird gewippt, geschnippt, die Menge wird unruhig, springt herum und feuert die Band an. Ein fester Stamm an Fans hat sich etabliert. Darunter Lindy-Hop-Tänzer, Folkfans und alle die, raue Songs, ukrainische Poesie und handgespielte Instrumente mögen.
Die Stimmung ist ausgelassen. Die Freude der Band darüber anzusehen, und so ist das Wechselspiel zwischen den MusikerInnen und ihren Fans, ein wachsendes Potential. Ihr Ruf wird ihnen voraus eilen. Die Freunde ihnen folgen.
Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis die Konzerte voller, die Räume größer werden und die Black Sea Shipping Company ihren Namen und ihre Zugkraft voll einsetzen kann. Musikalisch sind sie eingespielt, beherrschen die Vielzahl ihrer Instrumente und bieten dabei eine Spannbreite an Möglichkeiten, die scheinbar von Konzert zu Konzert erweitert wird.
Ich konnte sie leider nur bis zur ersten Hälfte verfolgen, denn das Angebot auf dem „Fest goes Schlachthof“ läuft weitgehend parallel ab. Das heißt, es gab unweit noch weitere Gruppen, auf die ich gerne einen Blick werfen wollte. Die Black Sea Shipping Company werde ich wieder sehen. Empfohlen ist das Konzert am 24.10.2025 im Tempel. Vermutlich wird es voll. Und sicher wird getanzt. Macht euch auf was gefasst.
Die Black Sea Shipping Company hat übrigens im englischen Wikipedia einen legendhaften Eintrag über eine einst real existierende Schiffahrtsgesellschaft. Es ist fast an der Zeit, dass dieser Eintrag um einen berühmten zweiten Punkt für eine weitere Bedeutung ergänzt wird, denn die Karlsruher Gruppe macht gerade ihren Weg.
Die Akkordeonale ist Familientreffen, Werkschau und aktuelle Bestandsaufnahme eines Instrumentes, das verschrien ist und gleichzeitig geliebt wird. Am Akkordeon scheiden sich die Geister. Ungeachtet aller Widrigkeiten hat es dieses Instrument geschafft, alle Migrationsbewegungen, Auswanderungen und Zusammentreffen verschiedener Kulturen zu bereichern. Dem Akkordeon ist in die Vita geschrieben, dass es laut, kräftig, wütend, klagend, aber auch ungemein offen für neue Wege ist. So findet es sich in fast allen Kreisen, in denen Menschen zusammenkommen, tanzen und ihr Leben feiern. Es ist fester Bestandteil der Cajun- und Zydeco-Musik, des Klezmer und vielen weiteren Volksmusiken.
So ist es nur folgerichtig, dass Servais Haanen in schöner Regelmäßigkeit, einen Abend ganz alleine diesem Instrument und seiner Vielseitigkeit widmet. Seit 2009 präsentiert er, selber aktiver Musiker und Komponist auf diesem Instrument, eine bunte Truppe aus allen Ländern und Stilrichtungen, die innerhalb eine kleinen Tournee die Varianten und Möglichkeiten aufzeigen. Es steckt viel in dem Instrument. Und so manches erstaunt immer wieder.
Das Akkordeon ist die volksnahe Orgel. Das wuchtige Instrument, dass in seiner Lautstärke dominieren kann, aber gleichzeitig klassischen, kunstvollen Pfaden aufgeschlossen ist.
Andrew Waite aus Schottland schwelgte in den Jigs – den lebhaften, heiteren Tänzen seiner Heimat – gab mit dem Fuß den Takt an und das war fast mehr als eine Aufforderung.
Auch Peppino Bande, aus Sardinien, der begleitet wurde von Roberto Tangianu auf der Launeddas, stellte mit flirrenden Fingern seine sardischen Tänze vor. Ungemein schwungvoll, energisch, entschlossen, mit einer Kraft, die in den Bann zog,.
Die Launeddas wurde launig von Servais vorgestellt. Sind es doch Rohrpfeifen, die aus drei, gleichzeitig zu spielenden Elementen bestehen, und allein die Beschreibung klang kompliziert genug, um Anerkennung zu zollen.
Es sind die Anekdoten, die kurzen Vorstellungen der Musiker, die dem Abend einen Teil seiner Einmaligkeit verliehen. In der Kuration der Titel, in der Auswahl seiner Musiker, und dem Mut der Zusammensetzung bewies Servais wieder einmal ein glückliches Händchen. Aber das, was es zusammenhält, war wie immer die Liebe zum Detail, der Spielfreude und dem versteckten Witz in den Erzählungen. Die oft unvermittelt Momentaufnahmen aus dem Charakter der Beteiligten darstellten.
Ergänzt wurde das Ensemble von Johanna Stein, die schon bekannt aus den vorhergehenden Tournee, sich als Bereicherung am Cello erwiesen hat, und das Spiel von Franziska Hatz (Österreich) sowie Helena Sousa Estevez ergänzte. Helena Sousa Estevez erstaunte und faszinierte mit einer Scarletti -Interpretation, aber auch mit dem Wagnis eines neueren Werkes japanischer Komposition.
Die Spannbreite zwischen dem österreichisch geprägten Spiel von Franziska Hatz , das die alpenländische Tradition erweiterte, und diesen eher klassisch beeinflussten Werken zeigte die Möglichkeiten auf. Aber auch, dass die Reise noch nicht zu Ende ist.
Die Akkordeonale zieht nach all den Jahren ein beflissenes Stammpublikum an. Spieler, Interessierte, Fans. Man kennt sich, man kehrt zurück, es ist ein Wiederkennen. Doch ändern sich die Mitmusiker um Servais Haanen jährlich. Allein Johanna Stein am Cello bleibt. Die Auswahl an jungen Talenten, die ihn auf der Tournee begleiten, zeigt auch, dass das Akkordeon aktueller denn je ist. Und schon lange seinen Platz in der Kunst gefunden hat, um trotzdem noch auf dem Tanzboden zu verharren. Man ist gespannt, wie es weitergeht. Denn wie immer wird es, unter der Leitung des bisherigen Moderators, ein virtuoser Abend mit Talenten werden, die es verdient haben, dass man sich ihre Namen merkt.
Es gab mal eine Zeit, in der ich versucht habe, jedes Konzert von Vienna Teng in der Region zu erleben. Was unter anderem daran lag, dass Vienna Teng Konzerte sich von Ort zu Ort, von Publikum zu Publikum unterscheiden. Allen gemeinsam ist: Sie steht alleine auf der Bühne, mit ihrem Piano und einem Instrumentarium, dass aus Loops, Keyboard, Synthesizer und geheimnisvollen Pedalen und Utensilien besteht.
Die Kraft ihrer klarer Stimme, sowie ihr wechselvolles Pianospiel, dass ausdruckstark, strukturiert und immer clever im Arrangement wirkt, ist die Grundlage für einen Abend, der in der Regel stark von Improvisationen und Songwünschen geprägt ist. Vienna forderte auch in Karlsruhe ihr Publikum dazu auf. Zurufe, Messages, egal auf welchem Weg, Vienna reagierte darauf, arrangierte um, reagierte charmant auf die Tücken der Technik und lud auch die Tochter der Gastfamilie zu einer gewagten, sehr freien Variante des Klavierspiels ein.
Vienna Teng gehörte schon in der frühen Vergangenheit, als sie mit ihren ersten Alben Erfolge verzeichnete, zu jenen jungen MusikerInnen, die einen großen Teil ihrer Live-Aufnahmen auf den Servern des Internet-Archivs hinterlegten (Externer Link: archive.org). Zu einer Zeit, in der die Digitalisierung und die Verfügbarkeit der Musik noch nicht durch Streaming-Dienste legalisiert war, und das Internet noch als Bedrohung wahrgenommen wurde. Heute, in diesen Tagen, in denen Vinyl wieder boomt, CDs irgendwie ebenfalls plötzlich wieder aktuell sind, und Streaming es nicht schafft, MusikerInnen ausreichend zu bezahlen, gerät auch das Internet-Archiv wieder in die Diskussion.
Erlebt man, wie Vienna Teng Musik macht, ihre Konzerte gestaltet, so ist die Wechselwirkung zwischen ihr und den BesucherInnen warmherzig, offen und frei von jeglicher künstlichen Distanz. Vienna erklärte gerne Ihr Instrumentarium, die Enstehungsgeschichte der Songs, aber auch, dass sie oft Lieder für ihr Kind singt, in dem sie es auffordert vor den großen Abenteuer – die auf Kinder immer warten – unbedingt nochmal die Toilette zu besuchen.
Es war eine Rückkehr nach Karlsruhe. In schöner Regelmäßigkeit stellt das Tollhaus ihr den kleinen Saal zur Verfügung, der gefühlt mit all jenen besetzt war, die schon letztes mal und davor dabei waren. Der Chor in der Zugabe brauchte nicht mehr erklärt zu werden, er war quasi geprobt und eingespielt. Das Instrument, das irgendwie einem elektronischen Wal glich, war wieder dabei, und ganz allgemein schien die Stimmung gelöst, gelassen und war für alle Varianten, Experimente und unvorhergesehnen Momente bereit.
Es ist die Höflichkeit und Freundlichkeit, die gepaart mit einer natürlichen Bescheidenheit, ihrem Auftritt sofort alle Sympathien entgegenfliegen lässt. Man glaubt sich zu kennen. Ist trotzdem immer wieder überrascht von der Virtuosität ihres Gesangs, den sie oft mit einem Chor aus Loops unterstützt, aber auch von der sehr deutlichen Intonierung und sprachlichen Reinheit ihrer Texte.
Man nimmt ihr ab, dass sie ihr Publikum liebt. Und Musik als weites Feld betrachtet, in dem es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Sie spielte mehr Coverversionen als früher (Paul Simon, Peter Gabriel), griff auch mal zur Gitarre und überraschte immer wieder im spielerischen, wie verzwickten Umgang, mit den technischen Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen. Ich habe es fast bereut, keine Karte für den Karlstorbahnhof erworben zu haben.
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