Charme of finches im UGZWO, Heidelberg am 05.08.2026

Rumgesprochen hat es sich bisher noch nicht, dass Heidelberg eine neue Location für Konzerte hat. Bisher war Understatement ein Markenzeichen und wenn man davon erfährt, dann am ehesten über die Tourdaten der Gäste oder aufgrund von seltenen Tipps.
Das UGZWO befindet sich auf dem Gelände des umgebauten Betriebswerks Heidelbergs. Eine Örtlichkeit, die vor allem von Startups bzw. jungen und innovativen Unternehmen genutzt wird. Aber auch einige Orte für Gastronomie und eben das UGZWO haben ihr Domizil dort. Irgendwie hat das alles mit dem TANKTURM zu tun, doch das Betriebswerk ist fast 100 Meter davon entfernt und steht hinter dem großen Möbelhaus XXL-Lutz. Visiert man das Bauhaus als möglichen Zielort an, dann liegt man nicht so falsch.
Das Betriebswerk zeichnet sich durch eine moderne Kulisse im historischen Gewand aus. So wurden einige Charaktereigenschaften des ehemaligen Betriebswerks erhalten und mit modernen Glasfassaden und Beton ergänzt. Im Grundriss ist es daher den alten Werkstätten noch ähnlich, das Fundament und die Räumlichkeiten zeugen noch von der massiven Bauweise, aber im Detail offenbart sich durch einen großzügigen Innenhof, verschachtelten Treppen und differenten Raumgestaltungen ein offenes und mediterranes Klima.
Das UGZWO findet sich in den unteren Räumlichkeiten, und offenbart eine hohe Kellerhalle , sowie lichten Einblicken aus dem oberen Bereich. Es ist ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort mit einem nüchternen, konzentrierten Ambiente, der aber dadurch auch viel Raum für die unterschiedlichsten Events bieten kann. Alles befindet sich noch in einer Opening-Phase, kann über die sozialen Medien beobachtet und abonniert werden, doch gestaltet sich noch frisch und mit einem sehr familiären, offenen Charakter.
Das Publikum ist durchweg erstaunt und angetan, aber in der Regel zum ersten Mal dort.

Charme of Finches sind eine australische Band der Schwestern Mabel und Ivy Windred-Wornes, die aktuell auf einer kleineren Europatournee auch in Heidelberg zu Gast waren. Ihre Musik und ihre Liebe zu Vintage-Shops ergeben eine Kombination, die sich an den frühen englischen Folksongs und deren Harmonien orientiert.
Das UGZWO kämpfte noch etwas mit zurückhaltenden Möblierung des hohen Raums und seinem hallenden Effekt. So wirkten die zweistimmigen Gesänge der Schwestern, die wie in einem Kanon sich ergänzen und ineinander greifen, nicht ganz so differenziert, wie zum Beispiel bei einem ihrer letzten Auftritte im Ettlinger Park vor einigen Wochen, aber dennoch war der faszinierende Hang zu einer dunklen Poesie zu erkennen. Vor allem sind es die wilden Träume, und Geschichten von den Reisen durch Australien, die sie inspirierten – und von zarten Melodien begleitet- vorgetragen.
Geprägt von großen Vorbildern, intonierten sie auch ein Stück von Kate Bush. Dieses konnte dann sehr gut aufzeigen, wie different ihre vokalen Parts bei den schwierigen Hürden wirkten.
Ausgestattet mit Keyboard, Geige und Gitarre hatte all das fast kammermusikalische Anklänge, und verwies in Lyrik und Ausdruck auch auf die angloamerikanischen Traditionen. Da verschmolz die Eingängigkeit des Pops mit Ansätzen altenglischer Chorgesänge, die sich in ihrer Stimmlichkeit und Zwiesprache ergänzten.
Charme of finches nutzen eine unaufgeregte, zurückhaltende Variante des zeitgenössischen Pops, pflegen dabei die Erbschaft der Singer-Songwriter und wissen sie zu nutzen. In ihrem Auftritt und seiner Gestaltung hielten sie den filigranen Eindruck aufrecht und wußtenmit ihrem Liedgut zu überzeugen.
Das UGZWO ist eine überschaubare Location, deren Qualität sich auch in der Nähe zu den Auftretenden zeigt. Im Falle der Charme of Finches wären die Verstärkung durch den Einsatz der Lautsprecher fast nicht nötig gewesen, zeigt sich doch vor allem bei den akustischen, quasi unplugged vorgeführten Songs, dass sie mühelos – ohne Hilfsmittel – überzeugen konnten. Im Gegenteil: Nur mit ihren Stimmen und der Gitarre offenbarte sich wie passend ihr Name doch gewählt war.
Das UGZWO hat noch einige Events für dieses Jahr angekündigt – darf also gerne empfohlen werden. Die Chame of Finches, die versprochen haben, das nächste Jahr wieder zu kommen, sollte man sowieso in Erinnerung behalten.
Externe Links:
UGZWO – https://betriebswerk.de/ugzwo/
Charme of Finches – https://www.charmoffinchesband.com