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Schlagwort: Ukraine

Interview mit Bloshka (Bloshka and the Love Spirits)

Interview mit Bloshka (Bloshka and the Love Spirits)

Bloshka & the Love Spirits
Bloshka & the Love Spirits

Vor nicht all zu langer Zeit fand in dem neuen Club 8 lights (Kaiserpassage 1) ein Konzert ukrainischer Bands aus Karlsruhe statt.

Die Liste der Bands machte neugierig. Handelte es sich doch um Gruppen und MusikerInnen, die bisher noch nicht mal im Karlsruher Archiv aufgeführt waren.

Eine der Bands waren Bloshka and the Love Spirits, die bereits kurze Zeit später auf einem Hoffest in der Karlsruher Südstadt zu sehen war.

Bloshka and the Love Spirits sind eine junge, vierköpfige Band, bestehend aus

  • Bloshka – Gesang und Akustikgitarre
  • Joachim– Kontrabass
  • Jonnie – Schlagzeug/Cajon
  • Yulia – Piano


Auf dem Hoffest des Vintage Hunter in der Karlsruher Südstadt, traten sie allerdings zu dritt auf. Es handelte sich um einen der ersten heißen Tage des Jahres. Die Sonne brannte herunter, Schattenplätze waren rar. Es war Mittag, und die  Hitze erreichte ihre höchsten Temperaturen. Trotzdem wählte die Keyboaderin Yulia eine Skimütze als Kopfbedeckung. Bloshka and The Love Spirits fallen auf.

Nicht nur, weil Bloshka in ukrainischer Sprache singt. Die Artikulation bewegt sich zwischen Höhen und Tiefen, die Songs sind geprägt von einem filigranen Konstrukt, das eine Art poetischen Pop präsentiert. Müßte man ein Genre nennen, würde man den Begriff Dreampop wählen, um die akustisch geprägten Songs zu beschreiben.

Einige Tage später traf ich die Sängerin in einem Cafe, um mich mit ihr über die Geschichte der Band, die Entwicklung und die ukrainische Szene zu unterhalten. Es zeigte sich eine der spannendsten Bands, die derzeit in Karlsruhe Fuß fassen.

Bloshka & the Love Spirits werden in den nächsten Wochen an den verschiedensten Locations auftauchen. Zeit also, sich den Namen zu merken. 

Bloshka & the Love Spirits
Bloshka & the Love Spirits

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Eure Gruppe heißt Bloshka & The Love Spirits. Wie lange gibt es euch schon?

Bloshka

Mit meinem Schlagzeuger spiele ich seit Sommer 2023 zusammen, mein Kontrabassist kam wenige Monate später dazu, meine Pianistin vor etwas mehr als einem Jahr. Die Band gibt es insgesamt seit etwa zweieinhalb Jahren. Den Namen „The Love Spirits“ tragen wir allerdings erst seit letztem Sommer.

Andreas Allgeyer

Und du schreibst die Songs?

Bloshka

Ja. Ich schreibe die Lieder und bringe sie als Demo mit in die Probe. Danach entwickeln wir die Arrangements gemeinsam weiter. Jeder bringt Ideen ein, bei denen ich einschätze, wie es sich in das Stück einfügt.  Wenn meine Musiker bei einem neuen Song improvisieren und mich etwas besonders berührt, dann bestehe ich darauf, dass dieser Teil erhalten bleibt.

Andreas Allgeyer

Du hast eine sehr flexible Stimme. Hast du eine musikalische Ausbildung?

Bloshka

Ich bin eigentlich Saxophonistin. In meiner Heimat habe ich Saxophon studiert. Schon als Kind war ich auf einer Musikschule, mit Musiktheorie, Chor und Gehörbildung. Später habe ich zusätzlich Gesangsunterricht genommen.

Andreas Allgeyer

Mit Saxophon hätte ich nicht gerechnet.

Bloshka

Viele nicht. Aber als Saxophonistin beschäftigt man sich automatisch mit Jazz, Standards und vielen verschiedenen Stilrichtungen. Das hat mich musikalisch geprägt.

Andreas Allgeyer

Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Bloshka

Meistens sagen wir Indie Dream Rock oder Alternative Rock. Viele meiner Songs folgen nicht den klassischen Popstrukturen. Oft sind es eher Geschichten oder emotionale Entwicklungen, die sich langsam aufbauen.

Andreas Allgeyer

Fast alle Texte sind auf Ukrainisch?

Bloshka

Ja. Das ist für mich eine sehr bewusste Entscheidung. Ich komme aus einer Stadt nahe der russischen Grenze. Dort wurde fast ausschließlich Russisch gesprochen. Auch ich habe bis zum Beginn des Krieges hauptsächlich Russisch gesprochen und geschrieben.

Nach dem 24. Februar 2022 habe ich mich gefragt, wie ich weiterhin Kunst in einer Sprache machen kann, die für mich plötzlich mit dem Angriff auf meine Heimat verbunden war. Seitdem schreibe ich ausschließlich auf Ukrainisch.

Andreas Allgeyer

Seit wann lebst du in Deutschland?

Bloshka

Seit März 2022. Wir sind sehr früh geflohen, weil wir die Angriffe direkt erlebt haben. Helikopter, Explosionen – das war alles sehr nah. Also haben wir beschlossen zu gehen.

Andreas Allgeyer

Wie reagieren Menschen hier auf die ukrainischen Texte?

Bloshka

Viele sagen nach Konzerten: „Ich habe kein Wort verstanden, aber es hat mich berührt.“ Das freut mich sehr. Musik muss nicht immer übersetzt werden. Man kann Gefühle auch ohne Sprache verstehen.

Andreas Allgeyer

Wie viele Konzerte habt ihr inzwischen gespielt?

Bloshka

Mehr als zehn, wahrscheinlich eher fünfzehn oder mehr. Unser erstes Konzert war ein Wohnzimmerkonzert im Tollhaus. Seitdem spielen wir regelmäßig, besonders im vergangenen Sommer fast jeden Monat.

Andreas Allgeyer

Wie kommt ihr an Auftritte?

Bloshka

Teilweise werden wir inzwischen eingeladen. Ansonsten schreiben wir Veranstalter an, bewerben uns auf Ausschreibungen oder organisieren Konzerte selbst.

Andreas Allgeyer

Sind die ukrainischen Musiker in Karlsruhe gut vernetzt?

Bloshka

Ja. Die Community ist ziemlich groß. Es gibt viele kulturelle Veranstaltungen, und dadurch kennt man sich meistens zumindest vom Sehen.

Andreas Allgeyer

Die anderen Musiker deiner Band sind keine Ukrainer?

Bloshka

Nein. Trotzdem würde ich uns als ukrainische Band bezeichnen, weil die Texte, Themen und die kulturelle Perspektive ukrainisch sind.

Andreas Allgeyer

Wie geht es weiter?

Bloshka

Wir arbeiten gerade an einer EP mit fünf Songs. Wenn alles klappt, erscheint sie im September. Auf Spotify findet man mich weiterhin unter dem Namen „Bloshka“, weil ich schon vor der Band unter diesem Namen Musik veröffentlicht habe.

Andreas Allgeyer

Woher kommt eigentlich der Name?

Bloshka

Das ist mein Spitzname. Mein Nachname hat sprachlich etwas mit einem Floh zu tun. Weil ich klein bin, nannten mich Freunde früher „Bloshka“, also ungefähr „kleiner Floh“. Daraus entstand später mein Künstlername.

Andreas Allgeyer

Du hast vorhin erwähnt, dass es eine wichtige Geschichte gibt, die erklärt, warum du heute Musik machst.

Bloshka

Ja. Mein erstes Lied habe ich mit zehn Jahren geschrieben. Damals war ich bei meiner Großmutter im Garten. Irgendwie kam plötzlich eine Melodie, und obwohl ich damals fast nur Russisch sprach, war das Lied auf Ukrainisch.

Später wollte ich eigentlich Gesang studieren. Mein Saxophonlehrer sagte jedoch zu mir: „Vergiss das. Du kannst nicht singen.“ Ich war sechzehn und habe ihm geglaubt.

Einige Zeit später gründete derselbe Lehrer eine Band und suchte eine Sängerin. Ich habe vorgesungen, wurde aber nicht genommen. Das hat mich sehr verletzt.

Danach habe ich beschlossen, Gesangsunterricht zu nehmen und herauszufinden, was wirklich möglich ist.

Ein halbes Jahr später veröffentlichte ich meine erste Single und spielte mein erstes Wohnzimmerkonzert vor ungefähr zwanzig Menschen.

Andreas Allgeyer

Wie alt warst du damals?

Bloshka

Gerade zwanzig geworden.

Und eine Woche später begann der Krieg.

Andreas Allgeyer

Das verändert natürlich alles.

Bloshka

Ja. Als ich nach Deutschland kam, wusste ich zunächst nicht, wie es weitergehen sollte. Eines Nachts träumte ich, dass ich mit einer Gitarre auf der Straße stehe und singe.

Das Kuriose daran: Ich konnte damals überhaupt keine Gitarre spielen.

Nach diesem Traum habe ich mir eine Gitarre besorgt und angefangen, sie selbst zu lernen.

Andreas Allgeyer

Spielst du heute noch Saxophon?

Bloshka

Nur selten. Meine Stimme ist inzwischen mein wichtigstes Instrument geworden.

Andreas Allgeyer

Hast du Lampenfieber?

Bloshka

Natürlich bin ich vor Konzerten nervös. Aber ich habe keine Angst vor der Bühne. Ich stehe seit meiner Kindheit auf Bühnen.

Mir ist wichtig, meine Gedanken und Gefühle mit Menschen zu teilen. Deshalb finde ich es manchmal schade, dass viele die Texte nicht verstehen. Gleichzeitig freue ich mich, wenn die Emotion trotzdem ankommt.

Andreas Allgeyer

Gibt es etwas, das dir besonders wichtig ist?

Bloshka

Ja.

Man sollte Kindern nicht sagen, dass sie etwas nicht können.

Lehrer, Eltern oder andere Erwachsene können mit einem einzigen Satz sehr viel beeinflussen. Viele Menschen tragen solche Aussagen ihr ganzes Leben mit sich herum.

Deshalb finde ich es wichtig, Menschen zu unterstützen, statt sie kleinzumachen.

Andreas Allgeyer

Du wirkst heute sehr selbstbewusst.

Bloshka

Das war nicht immer so. Früher hielten mich manche für seltsam oder zu anders. Irgendwann habe ich verstanden, dass genau das in Ordnung ist.

Anders zu sein ist nichts Schlechtes.

Andreas Allgeyer

Und heute?

Bloshka

Heute habe ich mein Leben in Deutschland, meine Arbeit, meine Freunde und meine Band. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Aber ich bin dankbar, dass ich weiterhin Musik machen kann. Und vor allem, dass ich Menschen um mich habe, mit denen ich das gemeinsam verwirklichen kann.

Den nächsten Termin bei dem man Bloshka & the Love Spirits sehen kann ist übrigens das Unifest in Karlsruhe (10-11.07.2026)

Externe Links:

Bloshka & the Love Spirits (YouTube)https://www.youtube.com/channel/UCLjY8csr8XOG5CuJRP_lGSQ

Bloshka & the Love Spirits (Instagram) https://www.instagram.com/bloshka_and_the_love_spirits/

Bloshka & the Love Spirits (Linktree)https://linktr.ee/bloshka

Bloshka (Instagram) https://www.instagram.com/bloshkaaa_?igsh=aTZ4NWdyZWR1NjBj

Interview mit Nik Prana (Singer-/Songwriter mit ukrainischen Wurzeln)

Interview mit Nik Prana (Singer-/Songwriter mit ukrainischen Wurzeln)

Nik Prana (Photo from himself)
Nik Prana (Photo from himself)

Vor einigen Wochen fand im 8 Lights (Kaiserpassage 1, Karlsruhe) ein gemeinsames Konzert verschiedener ukrainischer Musiker statt. Interessant daran war, dass es – obwohl anscheinend gut besucht war – weitgehend unbeachtet blieb und einen Querschnitt durch eine Szene zeigte, der vielleicht bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Ukrainischen Verein in Karlsruhe konnten sich im Laufe des Abends einige MusikerInnen aus der Region präsentieren, die in ganz unterschiedlichen Genres unterwegs sind. 

Kein Name der Auftretenden war mir bisher bekannt, und auch die Sprache, die ich auf den Videos von dem Konzert sah, verstand ich nicht. Aber eine Szene, die lokal existiert und es schafft ein eigene Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die gut besucht ist und gleichzeitig von den üblichen Veranstaltungskalendern nicht bekannt gemacht wurde, machte neugierig.

Ich nahm in den folgenden Tagen mit einigen der Aktiven über Social Media und persönlich Kontakt auf, um mir ein Bild zu verschaffen, um wen es sich handelte.

Nik Prana ist ein junger Singer-/Songwriter aus der Ukraine. Angelehnt an der amerikanischen Tradition des Folk und Country, kurz Americana genannt, tendiert er mittlerweile zu einer eigenen Art von Country Pop.

Er war einer der jungen Musikerinnen, die ich traf, um mich in einem kurzen Gespräch über die Szene und die musikalische Entwicklung zu unterhalten. Ich begegnete dabei einen ernsthaften jungen Mann, der sehr reflektiert die Optionen und die allgemeine Situation im Business betrachtet. 

In einem stark Anglo-amerikanischen Markt, der geprägt ist von einer westlichen Pop- und Rockkultur, finde ich es ausgesprochen interessant, wenn es junge Kreative wagen eine neue Klangfarbe mit ihrer Sprache einfließen zu lassen. 

An einem dieser bereits erstaunlich warmen Tage im Frühling 2026 trafen wir uns in der Karlsruher Innenstadt, um das folgende Gespräch zu führen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Mir ist euer Konzert aufgefallen, weil dort mehrere Leute aufgetreten sind, von denen ich noch nie gehört hatte. Meine Website beschäftigt sich mit der Karlsruher Musikszene, und plötzlich habe ich gemerkt: Die ukrainische Community fehlt bei uns praktisch komplett. Deshalb wollte ich einfach mal nachfragen. Du bist Singer-Songwriter und singst auf Ukrainisch und Englisch?

Nik Prana

Ja, beides. Früher hauptsächlich auf Englisch, inzwischen aber zunehmend auf Ukrainisch. In den letzten Jahren habe ich die Musik etwas zurückgestellt, weil andere Dinge wichtiger waren. Ich habe mich beruflich weiterentwickelt und arbeite als Softwareentwickler. Ursprünglich bin ich allerdings Physiker.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Viele Physiker landen irgendwann in der Softwareentwicklung. Wie hat deine musikalische Entwicklung angefangen?

Nik Prana

Als Jugendlicher habe ich Hardrock und Metal gespielt. Ich war großer Metallica-Fan, hatte lange Haare und eine Explorer-Gitarre. Aber schon damals mochte ich auch ältere Bands wie Scorpions oder Deep Purple. Später habe ich gemerkt, dass ich eher ein ruhiger, sensibler Typ bin. Deshalb bin ich irgendwann bei akustischer Musik gelandet und habe die E-Gitarre praktisch komplett aufgegeben.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Und dann kamen die Singer-Songwriter?

Nik Prana

Genau. James Blunt war ein großes Vorbild, später auch Ed Sheeran. Heute höre ich vor allem Country-Pop. Besonders Brett Young hat mich beeinflusst. Über ein Cover seines Songs „In Case You Didn’t Know“ bin ich überhaupt erst auf ihn aufmerksam geworden. Seine Musik hat mich direkt angesprochen. Ich war inzwischen sogar mehrfach auf seinen Konzerten in Deutschland.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Country-Pop verbindet man hier nicht unbedingt mit ukrainischen Texten.

Nik Prana

Deshalb finde ich das ja spannend. Mein Umfeld besteht hauptsächlich aus ukrainischen oder russischsprachigen Menschen. Ich habe viele Jahre auf Englisch gesungen, aber irgendwann gemerkt, dass die Leute auf ukrainische Texte viel stärker reagieren. Außerdem ist Country-Pop auf Ukrainisch etwas eher Ungewöhnliches. Diese Nische gefällt mir.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du kommst ursprünglich aus Charkiw?

Nik Prana

Ja. Als ich dort aufgewachsen bin, wurde fast überall Russisch gesprochen. Ukrainisch konnte ich verstehen, aber Russisch war meine Alltagssprache. Heute hat sich vieles verändert, aber damals war das ganz normal.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das hat mir heute Morgen auch Kateryna Blokhina erzählt. Viele Menschen hier wissen gar nicht, wie verbreitet Russisch in Teilen der Ukraine früher war.

Nik Prana

Das stimmt. Für mich ist Ukrainisch beim Singen deshalb auch ein Stück weit eine bewusste Entscheidung.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wann hast du angefangen, eigene Songs zu schreiben?

Nik Prana

Mein erstes komplettes Lied entstand vor über zehn Jahren. Das war eine sehr persönliche Geschichte. Vorher habe ich hauptsächlich Covers gespielt oder in Bands musiziert. Dieses erste Lied war das erste Mal, dass ich wirklich einen kompletten Song alleine geschrieben habe.

Danach habe ich zwar immer wieder Songs geschrieben, aber nicht besonders viele veröffentlicht. Inzwischen arbeite ich wieder regelmäßig daran. Gerade entstehen mehrere neue Stücke, darunter auch etwas schnellere Songs. Bisher war vieles eher ruhig und balladenhaft.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wie bist du eigentlich in die ukrainische Musikszene in Karlsruhe gekommen?

Nik Prana

Über das ukrainische Kulturzentrum und über andere Musiker. Es gibt hier deutlich mehr ukrainische Künstler, als viele denken. Wir haben eine eigene Telegram-Gruppe mit Musikern aus Karlsruhe und Umgebung. Darüber entstehen viele Kontakte und auch Auftrittsmöglichkeiten.

Nach Beginn des Krieges sind die ukrainischen Kulturvereine deutlich gewachsen. Das Kulturzentrum in der Gellertstraße spielt dabei eine wichtige Rolle. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Dort habe ich auch schon Viktor Pashnyk mit seiner Bandura gesehen. Vorher wusste ich gar nicht, dass es diese Szene überhaupt gibt.

Nik Prana

Genau. Viele Veranstaltungen bleiben innerhalb der Community. Deshalb bekommen Außenstehende oft gar nichts davon mit.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Besteht dein Publikum überwiegend aus Menschen aus der Ukraine?

Nik Prana

Ja. Ein eigenes Publikum habe ich bisher noch nicht wirklich aufgebaut. Natürlich kommen gelegentlich Freunde oder Bekannte. Aber ich bin noch an dem Punkt, an dem ich mir überhaupt erst eine feste Zuhörerschaft aufbaue.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast aber Musik auf Spotify veröffentlicht?

Nik Prana

Ja, einige Songs aus den Jahren 2022 und 2023. Danach kam erst einmal nichts Neues. Jetzt möchte ich wieder aktiver werden.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Hast du eine Website?

Nik Prana

Im Moment nicht mehr. Die Domain ist irgendwann ausgelaufen. Derzeit nutze ich hauptsächlich Instagram und YouTube.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Eigentlich könntest du mit deiner Musik auch gut in kleineren Karlsruher Locations auftreten. KOHI, NUN oder ähnliche Orte.

Nik Prana

Solche kleinen Formate mag ich sehr. Für mich ist das Schönste, wenn die Leute wirklich zuhören. Große Veranstaltungen sind oft schwieriger, weil dort viel mehr Ablenkung herrscht.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das NUN wäre wahrscheinlich tatsächlich ein passender Ort. Dort hören die Leute sehr aufmerksam zu.

Nik Prana

Genau solche Konzerte mag ich. Wenn die Atmosphäre ruhig ist und die Menschen wegen der Musik da sind.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast zuletzt auch mit Bloshka & the Love Spirits zusammen auf der Bühne gestanden.

Nik Prana

Ja. Das war eigentlich spontan. Sie kannte einen Song aus meiner Setliste, und dann haben wir beschlossen, ihn gemeinsam zu spielen. Geprobt hatten wir vorher praktisch nicht.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wie geht es jetzt weiter?

Nik Prana

Ich möchte neue Songs veröffentlichen und regelmäßiger Musik herausbringen. Früher habe ich relativ viel Geld in einzelne Produktionen investiert. Heute versuche ich, mehr selbst zu machen und dafür kontinuierlicher zu veröffentlichen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Dann wird Social Media wahrscheinlich auch eine Rolle spielen.

Nik Prana

Natürlich. Aber ich glaube trotzdem, dass die Musik wichtiger bleibt als jede Marketingstrategie. Social Media kann helfen, aber schlechte Musik wird dadurch nicht gut.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Viele Musiker kämpfen trotzdem damit, sichtbar zu werden.

Nik Prana

Ja. Ich sehe das inzwischen aber relativ entspannt. Natürlich freue ich mich über Wachstum. Aber ich habe keine unrealistischen Erwartungen. Mir macht Musik Spaß. Das ist die Hauptsache.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast vorhin etwas Interessantes über Fanbindung gesagt.

Nik Prana

Das habe ich von Damien gelernt. Es geht nicht nur um Streams oder Followerzahlen. Wichtiger sind die Menschen, die wirklich zuhören und einen unterstützen. Wenn jemand nach einem Konzert mit dir spricht oder einen Kommentar schreibt, solltest du darauf eingehen. Diese Beziehungen sind langfristig viel wertvoller als irgendwelche Zahlen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Die Künstler, die im Kontakt bleiben, bauen oft die stärkste Verbindung zu ihrem Publikum auf.

Nik Prana

Genau.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Letzte Frage: Wohin soll die Reise gehen?

Nik Prana

Ich möchte weiterhin Musik machen, auftreten und neue Songs veröffentlichen. Natürlich freue ich mich, wenn mehr Menschen zuhören. Aber für mich muss vor allem der Weg Spaß machen.

Der Weg ist das Ziel.

Wenn man nur auf Erfolg oder Zahlen schaut, wird Musik schnell anstrengend. Solange mir die Musik Freude macht, bin ich zufrieden.

Externe Links:

Nik Prana – You Tube – https://www.youtube.com/c/NikPrana

Nik Prana – Facebook – https://www.facebook.com/nikPrana/

Nik Prana – Instagram – https://www.instagram.com/nik_prana/

Nik Prana – Spotify – https://open.spotify.com/intl-de/artist/5PHGOOxOfIB8XFdatkT6BL

8 Lights – Instagram – https://www.instagram.com/8lights.space/

Deutsch – Ukrainischer Vereinhttps://ukrainer-in-karlsruhe.org

Bloshka & the Love Spiritshttps://www.instagram.com/bloshka_and_the_love_spirits/

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V. Karlsruhe am 21.05.2026

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V. Karlsruhe am 21.05.2026

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026
Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026

Zuerst war es das Instrument, dass meine Aufmerksamkeit erregte. Viktor Pashnyk, ein Singer-/Songwriter, besuchte die Räumlichkeiten des Deutsch-Ukrainischen Vereins e.V. mit der Gitarre und der Bandura. 

Der Deutsch-Ukrainische Verein e.V. hatte in den letzten Wochen ein Abend mit jungen, ukrainischen Musiker und Bands veranstaltet, der gut besucht war, aber von dem ich erst im Nachhinein hörte. 

Die Kenntnis, dass es einen regen, aktiven Verein in Karlsruhe gibt, der die Traditionen und kulturellen Entwicklungen der Ukraine repräsentiert, war weitgehend unbekannt. Die üblichen Quellen, die in der Regel Beachtung finden, hatten nicht darüber berichtet. Die Namen der Musiker und Bands fanden sich bisher nicht – obwohl in Karlsruhe ansässig – in der Liste für das Karlsruher Archiv.

Bei Viktor Pashnyk handelt es sich um einen Musiker aus der Ukraine, der aktuell auf seiner Tournee die Kulturzentren in den einzelnen Städten besucht. Der Bandura, die auf seinen Bekanntmachungen als fremdes Saiteninstrument auffällt, darf man eine tiefere Recherche widmen.

Sie ist als altes, ukrainisches Instrument bekannt. Ihre Form gleicht dabei einer großen, breiteren Laute. Ihre Spielweise jedoch ist hochkant, so dass man sie wie eine Harfe verwenden kann. Die Verwandtschaft zur Zither ist schon, aufgrund der Finger, denen kleine Metalringe zum zupfen übergestülpt werden, klar zu erkennen. Die Spielweise erinnert stark an das populäre Instrument.

Im Klang gleicht die Bandura auch der Harfe. Wie die Harfe wird sie auch gestrichen, gezupft, oder angeschlagen. Aufgrund der bis zu sechzig Seiten ist das Spektrum der Möglichkeiten als variantenreich zu bezeichnen. Kompositorisch kann man sich vieles vorstellen, und die Verwendungsmöglichkeiten für experimentierfreudige MusikerInnen dürften unendlich sein.

Geht es nach Wikipedia, dann wird das Instrument auch gerne als „ukrainische Lautenzither“ beschrieben. In der Tradition und im Rückblick offenbaren sich viele Gemeinsamkeiten mit der Laute, daher lassen sich auch Spuren bis in das 6. Jahrhundert feststellen, die auf diesen Bezügen beruhen. 

Die Bandura ist, nach allen Quellen tief in der ukrainischen Kultur verwurzelt und hat in dem Musikgeschehen der Region seit dem Beginn des 20sten Jahrhunderts eine Renaissance erlebt. Das führte dazu, dass sie vor allem im populären Liedgut der ukrainischen Kompositionen die Bandura ihren Niederschlag fand. 

Das Instrument ist so sehr verwurzelt in der Kultur der Ukraine, dass es innerhalb der Sowjetunion als feindlich und problematisch angesehen wurde. Im Rahmen einer Verfolgung wurden viele Musiker um 1935 exekutiert oder verliessen das Land. In Nordamerika findet sich heute noch eine Gemeinschaft aus aktiven Banduristen, die das in gerader Linie aus der damaligen Migration stammen.

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026
Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026

Ich muss gestehen, dass ich der ukrainischen Sprache nicht mächtig bin. Mein Verständnis für Viktor Pashnyks Lyrik ist daher begrenzt auf Wirkung seiner Darbietung. Dabei zeigte sich Viktor Pashnyk als kraftvoller, sympathischer Troubadour. Barfüssig, leutselig, nahbar für alle Anwesenden, verzichtete er auf jede elektronische Verstärkung oder mögliche Effekte. 

Nur mit einem der beiden Instrumente, vielen Erklärungen und einer tiefen Verbundenheit mit seinem Publikum präsentierte er sich als ein kenntnisreicher Künstler. Gekleidet in einem weiten Blouson, mit den typischen Stickereien seiner Heimat, wechselten seine Stücke zwischen wohlbekannten Volkslieder, einer Interpretation eines deutschen Stückes und Werken, die von schmunzelnden Akzenten durchsetzt waren.

Es war ein besonderer Tag, jener 21.Mai, der schon zu einem Zug der Anwesenden durch die Innenstadt geführt hatte. Man hatte schon im Laufe des Tages die weiten Kleider, Blusen und Hemden mit den bekannten Stickkünsten angezogen und in einem gemeinsamen Zug, auch mit Viktor Pashnyk, präsentiert. So war es nicht verwunderlich, alle in diesem Gewand und der Atmosphäre eines Festtages im Publikum anzutreffen. Die Stimmung war gelöst, die Bereitschaft im Chor mitzusingen und die bekannten Lieder gemeinsam zu interpretieren, gehörten zu den Höhepunkten des Abends. 

Viktor Pashnyk einnehmender Charme, sein Zwiegespräch mit dem Publikum, und auf deren Wünsche einzugehen, gemeinsam etwas anzustimmen, aber vor allem sich als Chansonier und Sänger der Balladen mit einem beachtenswerten Stimmvolumen auf zu treten, gehörte zu seinen erkennbaren Stärken. 

Als Bandurista konnte er die Stärken des Instruments ausspielen. Homogen floss der Sound in sein Programm und unterstützte die verbindenden Elemente. Aber es waren vor allem diese Anteile, die zeigten, das sei zu den emotionalsten gehörten – wenn der vollstimmiger Chor sich erhob und ihn unterstützte.

Man darf ihn Erinnerung behalten, gerne wieder einladen und ihm ein großes Publikum wünschen. Er hat es verdient, kann das locker und braucht dennoch so wenig dafür. 

Respekt.

Externe Links:

Viktor Pashnyk (Facebook) – https://www.facebook.com/viktor.pashnyk/

Viktor Pashnyk (Instagram) – https://www.instagram.com/viktorpashnyk/?hl=de

Deutsch-Ukrainischer Verein e.V – https://ukrainer-in-karlsruhe.org/

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

An einem einzigen Tag gönnt sich der Aufbau des Festes auf der Günther-Klotz-Anlage etwas Ruhe, um die letzten Dinge vor der Eröffnung am Donnerstag noch zu testen und auf den besten Stand zu bringen.

Das traditionelle „Fest am See“, das in der Zeit vor dem Festival stattfindet, wird dann in die Räumlichkeiten des alten Schlachthofs verlegt. Der „Alte Schlachthof“ entwickelt dabei eine eigene Dynamik und Tradition, die alle Spielstätten und Lokalitäten vor Ort mit einbezieht. 

In diesem Sinne öffnet auch das Tollhaus seine Pforten, verlagert das Zeltival, das zur Zeit stattfindet, in den Innenhof und baut eine Open Air Bühne auf. Tatsächlich fühlt sich alles noch mal an, als ginge es zurück zu den Wurzeln. 

„Das Fest goes Schlachthof“ vermischt dabei in angenehmer Weise das Publikum der Events. So kommt es, das FEST-Besucher in Berührung mit den Aktiven der kleinen Veranstaltungsorte kommen, aber auch im umgekehrten Fall, das FEST seine Vorteile hinsichtlich der Vielfalt ausspielen. 

In diesem Rahmen ist die Black Sea Shipping Company bestens angesiedelt. Seit 2021 erspielen sie sich ein bunt gemischtes Publikum, das die Bandbreite der jungen Band zu schätzen weiß. Auch im Tollhaus ist die Mischung aus Swing, Balkan, Klezmer und Americana die Aufforderung zum Tanz.

Black Sea Shipping Company bei „Das Fest goes Schlachthof“ im Tollhaus am 23.07.2025

Es geht mitllerweile wild und ungestüm auf den Konzerten her. Es wird gewippt, geschnippt, die Menge wird unruhig, springt herum und feuert die Band an. Ein fester Stamm an Fans hat sich etabliert. Darunter Lindy-Hop-Tänzer, Folkfans und alle die, raue Songs, ukrainische Poesie und handgespielte Instrumente mögen. 

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Freude der Band darüber anzusehen, und so ist das Wechselspiel zwischen den MusikerInnen und ihren Fans, ein wachsendes Potential. Ihr Ruf wird ihnen voraus eilen. Die Freunde ihnen folgen. 

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis die Konzerte voller, die Räume größer werden und die Black Sea Shipping Company ihren Namen und ihre Zugkraft voll einsetzen kann. Musikalisch sind sie eingespielt, beherrschen die Vielzahl ihrer Instrumente und bieten dabei eine Spannbreite an Möglichkeiten, die scheinbar von Konzert zu Konzert erweitert wird. 

Ich konnte sie leider nur bis zur ersten Hälfte verfolgen, denn das Angebot auf dem „Fest goes Schlachthof“ läuft weitgehend parallel ab. Das heißt, es gab unweit noch weitere Gruppen, auf die ich gerne einen Blick werfen wollte. Die Black Sea Shipping Company werde ich wieder sehen. Empfohlen ist das Konzert am 24.10.2025 im Tempel. Vermutlich wird es voll. Und sicher wird getanzt. Macht euch auf was gefasst.

Die Black Sea Shipping Company hat übrigens im englischen Wikipedia einen legendhaften Eintrag über eine einst real existierende Schiffahrtsgesellschaft. Es ist fast an der Zeit, dass dieser Eintrag um einen berühmten zweiten Punkt für eine weitere Bedeutung ergänzt wird, denn die Karlsruher Gruppe macht gerade ihren Weg.

Externer Link: Black Sea Shipping Company – blackseashippingcompany.de

Externer Link: Tollhaus – Tollhaus.de