Der Spieler – Teil 15

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfzehnte Teil, und wenn Flucht eine Sackgasse ist, dann gibt es nur einen Weg: Zurück und ran an den Feind.Andreas Allgeyer. 04.02.2026
Cörd, der nichts anderes als Krimis las, hatte darauf bestanden, dass ich mein Smartphone daheim lasse. Tatsächlich war ich aufgeschmissen. Die Smartwatch vermisste ich am meisten. Ich konnte weder meine Schritte zählen, noch meinen Puls messen. Außer Inge wusste niemand wo ich war. Kein Tracking. Und wehe, ich würde nach meinen Mails schauen. Oder mich in die Cloud begeben. Oder überhaupt irgendwo mein Passwort eingeben.
Das Notebook war von ihm. Ein altes, rauschendes Teil, dessen Akku nach einer Stunde japsend am Ende war. Das Display war zu Hälfte vergilbt und kam gegen die ersten Sonnenstrahlen nicht an. Ich musste das Comic darüber halten, um die Artikel zu erkennen.
Die letzten Nachrichten stammten von dem Abend zuvor. Ich hatte alles gelesen, und versuchte in den sozialen Medien etwas heraus zu bekommen. Es gab Videoaufnahmen, die sie auswerten wollten. Von einer Gabel stand nirgendwo etwas.
Ich konnte mich mit Mühe nur an einen Kurti erinnern, der mich keinen Deut interessierte, nicht auffiel und viel zu schweigsam war. Er verschenkte sein Pausenbrot und erreichte damit einen gewissen Grad der Beliebtheit, aber auch seinen Spitznamen. Die Schule war hart.
Warum Cörd heute noch Kontakte pflegte, deren Verschwinden im Zeitstrom zu meiner Ruhe beitrug, war mir ein Rätsel. Klassentreffen waren meine persönliche Hölle. Jetzt, nach all den Jahren, war mir bewußt und klar, welchen geringen Teil meines Lebens das betraf. Ich hatte mit diesen Menschen nichts gemein. Sie konnten in der Hölle schmoren. Elende Mobber.
Je länger ich auf der Veranda saß und in die Ferne blickte, umso verrückter erschien mir die Situation. Ich konnte hier nicht bleiben. Nichts würde sich klären. Ich würde der erste und wichtigste Verdächtige werden. Entsprach das mit der Gabel der Wahrheit, dann musste ich hier weg. Über die Felder konnte ich ungesehen nach Bruchsal wandern. Das würde funktionieren, ich könnte mir irgendwie eine Zugfahrkarte besorgen, aber weit würde ich nicht kommen. Alle Vergünstigungen, Bahnkarte, Deutschlandticket – nichts würde funktionieren. Ich müsste den vollen Preis zahlen um heute eine Distanz zu überwinden. Soviel Bargeld hatte ich nicht bei mir. Gab es noch Automaten, die Bargeld annahmen?
Egal wie: Verkaufsstellen, Bahnhöfe, Automaten – das war alles videoüberwacht. Ich saß in der Falle. Cörd hatte mich in eine Sackgasse chauffiert. Ich legte mich zurück, beobachtete die Wolken. Bald würden die ersten Spaziergänger kommen.
Am frühen Nachmittag zog ich mir die Boots an, schnappte mir einen Hoodie, der wohl von Cörd war, und den Rucksack, den ich am Tag zuvor schnell gepackt hatte. Ich krempelte meine Jeans über die Boots, schob die Kapuze über meinen Kopf, senkte diesen, und vergrub meine Hände in den Taschen. Ich sah aus wie ein überalterter Fünfzehnjähriger.
Das Notebook ließ ich in der Hütte. Ohne W-Lan und Stromnetz war es unnütz wie ein Sandsack. Nur Ballast. Im Rucksack war eine Plastikflasche mit Wasser, zwei Unterhosen, zwei T-Shirts, ein Brotmesser, eine Gabel und drei Äpfel. Die Äpfel hatte ich in der Hütte gefunden. Waren leicht angeschrumpelt, hatten aber keine braunen Stellen.
Ich kannte die Feldwege, die mich nach Karlsruhe führen konnten. Kaum jemand würde mir begegnen. Ein paar Jogger. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wäre ich zurück in der Stadt. Ich musste herausbekommen, was passiert war.