Der Spieler – Teil 14

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der vierzehnte Teil, und jetzt ist Flucht angesagt. Warum auch immer. Gottseidank gibt es ja W-LAN.Andreas Allgeyer. 03.02.2026
Natürlich – das war mir sofort klar – war es keine sonderlich kluge Entscheidung. Schon gar nicht mich von Cörd herfahren zu lassen. Verdächtig war ich jetzt sowieso. Auf jeden Fall. Es erschien mir so, als reihte ich gerade einen Fehler an den anderen.
Das Beste war das WLAN. Nicht zu unterschätzen.
Man kam nur über einen abschüssigen, glitschigen Pfad zu seiner Gartenparzelle. Diese Grundstücke wurden wohlweislich nicht mehr verkauft. Gerade mal vererbt. Viele lagen brach, die Wege waren zwischen den einzelnen Landstücken ungepflegt. Bei naßem Wetter oft unbegehbar.
Erreichte man sein kleines Stückchen Land, dann fanden sich dort Obstbäume, sowie eine übergroße Wiese. Aber alles in bester Hanglage. Der Ausblick dagegen war unbeschreiblich.
Cörds Verwandtschaft war weit verzweigt und tief verwurzelt. Onkel und Tanten im Badischen. Einst Bauern, Selbstversorger, im dörflichen angesiedelt und kreuz und quer verheiratet über die nächsten Gemeinden.
Die Hütte hatte wohl schon einiges hinter sich. Angebaut, ausgebaut, umgebaut. Cörd hatte sich ebenfalls daran versucht, aber mehr als eine Veranda und die Installation eines modernen Heizkörpers mit Solarpanel hatte er nicht hinbekommen. Im Winter macht es warm, im Sommer gab es genug Strom. Ausreichend für mein Notebook.
Setzte man sich auf die Veranda, was ich am nächsten Morgen tat, dann konnte man bis zu den Pfälzer Bergen sehen. Weites Land. Bei klarem Wetter unbeschreiblich schön.
Es gab einige Comics und Bücher in der Hütte. Die Abenteuer von Superman im Multiversum lagen neben mir. Doch ich verstand kein Wort. Aufgeschlagen auf der dritten Seite, mit einem Stein beschwert, versuchte der leichte Wind es trotzdem umzublättern. Als wäre er neugierig wie es weiter geht.
Ich hatte meinen Schlafanzug vergessen, und saß in der Unterhose auf dem kalten Betonboden. Mehr als das hatte Cörd nicht hinbekommen. Zweieinhalb Meter vor der Hüttentür erstreckte sich nun ein kaltes, raues Grau, auf dem ich saß und spürte, wie die Kälte durch meinen Körper kroch. Es gab sonst nichts zu tun.
Das WLAN stammt von einem Nachbarn über mir. Zwei Parzellen höher, und näher an der Kirche auf der Bergspitze. Der Berg war eigentlich ein Hügel, aber man konnte von hier oben sehr genau sehen, wer die Wege heraufkam. Nur deswegen traute ich mich überhaupt, so halbnackt hier zu sitzen.
Der Nachbar mit dem WLAN arbeitet in einer großen Bürosoftware-Firma, die einen ganzen Ort in der Nähe für sich eingenommen hat. Er hatte eine geschickte Teilzeit oder Homeoffice-Regelung.
Diese erlaubte es ihm, einen bestimmten Teil seiner Zeit mit dem E-Auto den Berg hochzukriechen, um hier oben zu arbeiten. Die meiste Zeit jedoch war er nicht da. Die Firma schickte ihn weltweit auf Konferenzen.
So sendete das W-LAN ohne Empfänger. Cörd bekam die Erlaubnis es mit zu nutzen. „Frisst ja kein Brot!“ Und „Trifft keinen Armen“ war die Begründung. Es war erstaunlich schnell. Satellitennetz. Sehr angenehm. Auf der einen Seite das Comic, auf der anderen Seite das Notebook, versuchte ich mir einen Reim auf das zu machen, was bisher raus gekommen war.
Weder mein Name, noch Cörds tauchte irgendwo auf. Dafür erfuhr ich, dass mein Freund hinter der Theke mal ein spanischer Wrestler war. Wer hätte damit gerechnet? Es gab einen Link zu einer Seite, auf der er behaart, aber maskiert in einer Art Badeanzug wie ein wütender, mexikanischer Berggeist agierte. Ich sah mir das Bild genau an. Er war die letzte Person, die ich gesehen hatte, bevor der Film riß. Er wollte mich rauswerfen. Hatte mir etwas angedroht. Hinter mir war Bewegung in die Jungs gekommen. Keiner von den blieb mir Gedächtnis haften.
Nur dieser Wrestler. Pedro hieß er, las ich. Pedro hatte mich zuletzt mit klarem Verstand gesehen. Er musste wissen, was danach passierte. Ich kratze mir zwischen den Beinen. Noch drei Tage und mich würde es hier überall jucken. Ich musste zurück in den Club.