Der Spieler – Teil 17

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der siebzehnte Teil, und man erfährt darin etwas – nicht viel – über Karlsruhe. Ist eine Fächerstadt. Soviel sei verraten.Andreas Allgeyer. 05.02.2026
Karlsruhe ist eine Fächerstadt. Fremden Besuchern, die mit dem Stadtbild nicht vertraut sind, erklärt man das gerne, in dem man darauf verweist, dass der Turm in der Mitte des Schlosses, den Scheitelpunkt eines Fächers darstellt. Alle Straßen gehen von ihm ab oder deuten auf ihn.
Wie ein Fächer liegt die Stadt – vom Schloß aus gesehen – vor einem. Hinter dem Schloss, dass die untere Seite des Fächers darstellt, befindet sich ein Park und dahinter ca. 30 km Wald.
Ähnlich wie die Stadt, führen auch im Wald alle asphaltierten Wege zum Turm des Schlosses. Dieser stellt das Zentrum dar. Das Schloss, inspiriert von dem Gebaren des französischen Sonnenkönigs, bildet damit eine Art Sonne. Die Strahlen sind die Straßen in alle Himmelsrichtungen.
Nähert man sich zu Fuß oder auf einem Fahrrad von der Rückseite des Schlosses der Stadt, so wählt man den Weg durch den Wald.
Den Wald kannte ich. Seit meiner Jugend hatte ich viel Zeit in ihm verbracht. Es war ein fast zusammenhängendes Waldstück, das ein Forschungszentrum barg und einige ehemalige Bunker und Lagerstätten für Munition. Einige Schnellstraßen durchbrachen ihn. Doch es waren auf der gesamten Wanderstrecke nur drei. Diese waren um diese Zeit kaum befahren.
Das Forschungszentrum hatte ich schon eine Weile hinter mir gelassen. Ich sah bereits das erste Tor zum Park. Das Gefühl die falschen Entscheidungen zu treffen, wollte nicht weichen. Eine richtige konnte ich jedoch nicht erkennen. Und natürlich war das Tor abgeschlossen.
Der Park zu umgehen, aber aus meiner Jugend kannte ich die Wege, die auch um diese Zeit hinein führten. Es war ein leichtes, mit ein wenig Geschick, das Tor an seinen Seiten zu überwinden. Diese waren zwar mit überlangen Stacheln aus Metall geschützt, aber kein Hindernis. Man musste nur sich nur festhalten, daran entlang hangeln, dem angedeutete Graben vor der Mauer umgehen, und gelangte auf die andere Seite. Ich atmete durch.
Vor mir lag nun ein kleiner See, und dahinter – nach einer Wiese, die zwischen ihm und dem Schloß lag – der zentrale Turm. Um den See gab es einige Sitzplätze. Sie waren fest verankert auf Steinplatten. Diese waren angeordnet als eine Art Steg in geometrischen Formen. Mit ein paar Stufen auf verschiedene Höhen. Ich setzte mich auf einen Metallstuhl und versuchte zur Ruhe zu kommen.
In den vier Stunden, die ich alleine auf dem Weg hierher verbracht hatte, konnte ich viel nachdenken. Nichts davon ergab einen Sinn. Oder wollte mir gefallen. Ich musste mit meinen Kräften haushalten. Aber auch mein Gehirn weigerte sich einen Sinn oder Strukturen zu erkennen.
Der See wirkte wie trübes Glas, in dem sich der Mond spiegelte. Auch ohne künstliches Licht, strahlte die Stadt soviel ab, dass ich die Schatten, die zwischen mir und dem Schloss auftauchten, erkennen konnte. In der Ferne bewegten sich einige Menschen. Studenten oder Kiffer. Es war relativ normal, dass um diese Zeit noch gefeiert wurde.
„Sie sollten mir mal verraten, wohin sie wollen.“
Ich drehte mich erschrocken um. Ein Schemen stand hinter mir, männlich, groß gewachsen, stimmlich etwas jünger als ich. Ich sprang auf. Wir standen uns gegenüber. Er bewegte sich nicht.
„Bleiben Sie ruhig. Sie wollen doch nicht noch tiefer reinrutschen. In diese – Scheiße. Oder?“
Wie er „Scheiße“ aussprach, offenbarte, dass es nicht zu seinem regulären Wortschatz gehörte. Er wirkte angewidert.
Ein Gegenstand funkelte in seiner Hand, den er langsam auf mich richtete.
„Versprechen Sie mir ruhig zu bleiben?“