Der Spieler – Teil 22

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der zweiundzwanzigste Teil, in dem Klaus endlich eine Erklärung wünscht. In Cörds Küche. Wo sonst? Alles wichtige passiert in Küchen.Andreas Allgeyer. 12.02.2026
„Gott! Wie siehst du aus? Hast du noch jemand umgebracht?“
„Lass mich einfach rein.“
Er trat zur Seite, schloss die Tür und verfolgte mich in die Küche.
„Warum bist du hier? Warum nicht auf dem Michaelsberg? Die suchen dich doch…“
Ich holte die Milch aus dem Kühlschrank – was anderes war nicht trinkbar. Und vor Alkohol hatte ich ziemliche Angst.
Ich trank direkt aus der Packung.
„Die wissen sowieso wo ich bin, Cörd, die Spur ist so breit, als wären wir Panzer gefahren. Keine Chance.“
„Du siehst furchtbar aus. Wo kommt das ganze Blut her?“
„Nicht schlimmer als du. Das kann gar nicht sein. Ich habe gekotzt, das Blut ist von mir.“
Er sah mich erschrocken an. „Du kotzt Blut? Als das mit Doris so anfing, ging das nicht mehr lange…“
„Nicht so, Cörd, nicht so.“
„Was ist passiert?“
Ich setzte mich auf einen der Küchenstühle. Achtete darauf, von außen nicht sichtbar zu sein. Cörd wohnte im EG. Mit Sicherheit wurde sein Haus überwacht.
„Wie komme ich hier wieder raus? Gibt es einen zweiten Ausgang.“
„Nein.“Cörd schüttelte den Kopf. „Doch, du könntest durch den Fahrradkeller, aber du wärst erstmal im Hof.“
„Und da?“
„Vier Häuser, Innenhof. Keine Ahnung, ob das möglich ist, durch eines der Häuser zu kommen.“
„Müssen wir probieren.“
„Wann? Jetzt?“
„Später.“ Ich liess mein Kopf in meine verschränkten Arme auf dem Tisch sinken.“Cörd, was ist das für eine gottverdammte Scheiße? In was hast du mich reingezogen?“
„Ich habe dich nirgendwo reingezogen. Du bist losgegangen und hast dich reingeritten. Das war nicht meines. „
„Das war deine Scheiß-Platte!“
„Ja, gut, meine Platte, aber ich habe nicht gesagt, dass du ihn deswegen umbringen sollst. Das lohnt doch gar nicht…“
„Ich habe ihn nicht umgebracht.“
„Du weißt es nicht, dein Gehirn ist seitdem Brei. Du hast keine Ahnung!“
„So würde ich es nicht nennen.“
„Worte.“
Ich senkte den Kopf tiefer, vergrub ihn in die Hände. „Ich muss schlafen, Cörd. Ich bin echt am Ende.“
„Es ist mitten in der Nacht, willst du mir nicht sagen, was passiert ist?“
Ich zog die Waffe aus dem Hosenbund, legte sich neben mich, und sah ihn an. „Ich muss wissen, was Sache ist, Cörd! Erzähl mir mehr über den Burschen.“
Er sprang einen Schritt zurück, genau in dem Moment, in dem ich die Waffe gezogen hatte.
„Hohoo, Vorsicht, wo hast du die Knarre her? Verdammt, Klaus.“
Ich senkte wieder meinen Kopf.
„Von einem Cop. Der liegt halbtot im Park.“
„Was hast du gemacht?“
„Ich habe gar nichts gemacht, Cörd. Ich kenne noch nicht mal die Zusammenhänge. Ich bin müde, und ich habe den Eindruck, dass mich jeder verarscht. Am meisten jedoch du. Im Park wurden wir zusammengeschlagen.“
„Wir?“
„Ein Cop, der mich dort angesprochen hat.“
„Wer?“
„Keine Ahnung, Cörd, keine Ahnung. Älterer Typ, zivil, nie gesehen. Bevor er wirklich was erklären konnte, schlugen uns ein paar Jungs zusammen. Und, ganz ehrlich, ganz im Ernst: Ich habe keine Ahnung, ob das Zufall war. Oder ob die besoffen waren. Oder ob das diese ganze, verdammte Geschichte ist, von der ich nichts verstehe..“
Ich holte Luft, stürzt die Packung Milch nochmal runter, und fuhr fort:
„Erkläre mir eines, nur ein einziges: Woher wußte der verdammte Stricher von dieser Platte? Das ergibt doch keinen Sinn, dass der eine Platte klaut. Das geht mir nicht in den Kopf. So Typen machen alles für Kohle. Alles. Aber sie klauen doch keine Platte, die sie nirgendwo los bekommen. Das ist doch komplett bescheuert. Das geht nicht in meinen Schädel.“
Ich schmiss die leere Milchpackung in Richtung des Mülleimers. Verfehlte.
„Ich hatte Zeit zum nachdenken. Da ist noch was, Und das passt auch nicht. Erkläre es mir. Die kleine Ratte klaut deine Platte, dein wertvollster Besitz, schlägt dich zusammen, demoliert dir die Küche. Und du gehst nicht zur Polizei? Du rufst keinen Krankenwagen? Nur mich? Warum mich? Und wer schmeißt Backsteine in deine Wohnung? Das ist doch alles Schwachsinn…“
Er lehnte am Türrahmen. Beobachtete mich ruhig. Vergrub seine Hände in die Taschen. Sah zur Decke und meinte in ruhigem Ton: „Ok, du hast recht. Da gibt es noch mehr.“