Der Spieler – Teil 30

Der Spieler – Teil 30

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der dreißigste Teil, und der führt uns aus der Stadt raus, irgendwo hinter die Waldstadt und es ist wirklich nicht der beste Tag. Aber ein schöner Morgen. Mit viel Sonne.

Andreas Allgeyer, 23.02.2026

Cörd fuhr uns in einem alten Mercedes-Benz. Ich glaube, er besaß tatsächlich mehrere Autos. Das war nicht das, mit dem er mich vor ein paar Tagen auf sein Grundstück gebracht hatte. Schien Jahre zurück zu liegen, und es war dennoch gerade Stunden her. Ich spürte meine Knochen und die blauen Flecken. Nur eine nervöse Angespanntheit hielt mich vom Einschlafen ab. Ich gähnte, aber meine Hand zitterte, als ich sie vor den Mund halten wollte. Das war kein guter Morgen. 

Der Mercedes gluckerte friedlich – wie ein schlafendes Benzinbaby – vor sich hin. Es war eines jener Modelle, die aus einer Zeit stammten, in der Autofirmen noch Schiffe bauen wollten. Kästen,  in denen man versinkt. Fragt mich nicht nach Jahr und Modell. Mir fehlt der Sinn für Blech und Benzin. Ich bin da raus. Keine Ahnung von der Materie. Hat mich nie interessiert. Ich bin jemand, der Gangschaltungen ruiniert, und froh ist, wenn die Teile sich selbständig bewegen.

Die Sitze waren weich, durchgesessen, rochen nach jahrelanger Raucherei und hatten seltsame Flecken auf dem Leder. Das ganze Auto war ein abgeschlossenes Museum, in dem man sich vorkam wie ein Fisch in einem Aquarium. Jeder beobachtete einen, schaute genau hin und man fiel auf wie ein gelbes Unterseeboot. 

Es war früher Morgen und nur die LKWs der Stadtreinigung fuhren ähnlich langsam durch die Straßen. Cörd aber bewegte den Wagen als wollte er dem Asphalt nichts zu leide tun. Er steuerte den Kahn durch die Straßen wie eine Gondel in Venedig. Fast erschütterungsfrei verliessen wir den inneren Zirkel der Stadt, und befanden uns auf einer Schnellstraße in den Randbezirk. Die Bäume liessen wir an uns vorbei streifen, um sie einzeln betrachten zu können.

„Die Straße ist frei!“ Brummte ich. Manchmal konnte ich meine Klappe nicht halten. Da ich das wußte, tat ich es leise. Er hörte es trotzdem und schüttelte ungehalten den Kopf. 

„Das ist mir egal. Ich möchte auf keinem Bild erscheinen.“

„Das wirst du nicht, wenn du die Richtgeschwindigkeit fährst.“

„Schadet dem Getriebe.“

„Das würde sich freuen..“ 

Doch ich sah, die Eskalation auf uns zu kommen, stützte mich mit der Hand an der Tür ab und legte den Kopf an die kühle Scheibe. Die Sonne durchbrach die Äste, und  warf wie ein Stroboskop ihre Strahlen auf uns. 

In fast gleichförmiger Abfolge zogen sie über uns, verloren sich irgendwo und führten damit einen Tanz auf, der mich kirre machte. Ich befürchtete, ich würde einen Anfall bekommen, wenn er nicht schneller fuhr. Ich schloss die Augen. Aber egal wie fest ich sie zudrückte – der Wechsel des Lichts war trotzdem wahrnehmbar. Eine fast hypnotische Wirkung.

Hatte man es erstmal bemerkt, liess es nicht mehr los. Mein Kopf entwickelte dazu ein Geräusch, dass synchron zum Blubbern des Oldtimers einen Technotrack abspielte. Ich begann den Morgen, die Situation, und die verdammten Schmerzen zu hassen. Ich konnte kaum richtig sitzen. Wand mich in dem Sitz von einer in die andere Position. Der Schweiß auf meiner Stirn war spürbar, genauso wie das Adrenalin, das wahre Wunder in mir vollführte. 

Als ich die Augen wieder öffnete – weil es keinen wirklichen Unterschied machte – befanden wir uns einem Wohnviertel, in dem die Häuser klein, flach und genau das waren, was man in den Siebzigern mal Bungalow nannte. Eine Bauweise, die mittlerweile wahrscheinlich kein Luxus, sondern schlicht verboten war. 

„Wir sind da!“ Sagte er, bevor er vorsichtig, in seinem Schneckentempo, auf den Rand eines Bordsteins fuhr.

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