Der Spieler – Teil 42

Der Spieler – Teil 42

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der zweiundvierzigste Teil, in dem es im Grunde genommen nur um einen Krankenwagen geht. Im Grunde genommen.

Andreas Allgeyer, 17.03.2026

Teil 42

Es war zutiefst beunruhigend, dass nicht mehr wußte, was um mich herum passierte. Der Junge schlenderte nun hinter mir her. Die Waffe immer vor sich haltend. Der Vater jedoch war weder zu hören, noch zu sehen. 

Meine Gedanken rasten kreuz und quer, schlugen Kapriolen und verrannten sich in Irrtümer. Ich spürte wie mir heiß und kalt wurde. Mein Gesicht brannte. Mein Körper sowieso. Hätte ich einen Spinnensinn gehabt, er hätte wie verrückt vibriert. Ich ahnte, ja spürte geradezu, dass irgendwas passieren würde. Etwas, das so gar nichts mit der Polizei oder dem was angekündigt war, zu tun hatte. Aber vor allem brauchten wir einen Krankenwagen. Das Blut quoll in wilden Schlägen unter meiner Hand hervor, das Tuch, was ich unter seine Schulter gelegt hatte, nahm nichts mehr auf und Cörd, der mich angstvoll ansah, verlor allen Glanz in seinem Auge.

„Cörd, mach nicht schlapp, alter Junge, das ist es wirklich nicht wert.“

Er sagte kein Wort mehr. Der Speichelfaden, der rot aus seinem Mund hing, trocknet an, und sein Atem kam so stoßweise als würde er gegen einen Würgegriff ankämpfen. Man konnte doch nicht an einem Schuss in die Schulter sterben. Schrie es in mir. Immer wieder. Ständig. Das konnte nicht sein. Das war nicht der Sinn, nicht das Konzept, nicht der Deal. 

Und dann hörte ich die Eingangstür, schnelle Schritte, schwere Schritte, Stiefel und plötzlich war er wieder da, der Richter, mit einem wutverzerrten Gesicht deutete er auf mich und schrie die zwei, die hinter ihm kamen, nur an: „Das ist er!“

Sein Finger tanzte vor meinen Augen, als wüßte er nicht, wo der verletzlichste Punkt war, während die zwei schwarzbekleideten Männer hinter mich sprangen, meine Arme packten, meinen Kopf zu Boden drückten, sich auf mich knieten und meine Hände fesselte. Das geschah in Sekunden. Das geschah so schnell, das es wahrscheinlich nicht mal Sekunden waren. Das war ein Moment in meinem Leben, in dem mein Gesicht gegen die Fliesen gedrückt wurde, die Welt sich verdrehte, mir die Luft wegblieb und ich wie ein Paket verschnürt wurde. 

Ich japste, mir blieb die Luft weg. Spürte auf meiner Haut Cörds Blut, sah sein Gesicht, dessen Auge sich gerade schloss und wußte, dass waren keine Polizisten. Sie sagten kein Wort, verrichteten ihre Arbeit, erklärten mir keine Rechte oder taten irgendwas, dass mir bekannt vor kam.

Rissen mich einfach nur hoch, schlugen mir in den Magen und führten mich gebückt den Flur entlang. Ich spuckte. Bekam einen Schlag auf den Mund. Spuckte wieder. 

Sah den jungen Blumscheid, wie er vorauseilende die Türen öffnete, dabei ein erstauntes, fragendes Gesicht machte. Sah den Richter mit einer triumphierenden Fratze, die sich auf dem Höhepunkt des Jubels befand und wurde in einen Transporter geschmissen.

Keine Ahnung, was für eine Marke war, keine Ahnung, was für ein Typ. Ich kannte mich nicht sow aus. Es war dunkel, alles schwarz, so musste ein Container von innen aussehen und ich lag auf Metall. 

Sie banden mir die Füße zusammen, legten eine Plastikschnur um meinen Hals, zogen mich in eine gekrümmte Stellung und verknüpften diese mit meinen Füßen. Ich konnte mich nicht einen Zentimeter rühren. Sie schmissen die Tür zu. Die Geräusche erstarben. Und irgendwann fuhren wir. Ich hörte den Motor, spürte seine Kraft unter mir, fühlte die Straße.

Hätte ich nur irgendwas in meinem Magen gehabt, ich hätte alles ausgekotzt. Cörd würde sterben.

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