Der Spieler – Teil 43

Der Spieler – Teil 43

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der dreiundvierzigste Teil, in dem eine Fahrt ewig dauert und Morde geplant werden.

Andreas Allgeyer, 18.03.2026

Ich konnte nicht klar denken. Ich spürte meinen Körper an den unmöglichsten Stellen, aber es war  vor allem die verkrampfte Haltung, die mir fast den Verstand raubte. Wenn man sich nicht mehr bewegen kann, beginnt irgendwann alles zu schmerzen. Selbst die Stellen, die nicht von der Fesselung betroffen waren. Ich konnte mich kaum mehr regen.

Millimeterweise, vielleicht auch Zentimeter, konnte ich über das Metall robben. Ich sah nichts, der Wagen war komplett schwarz. Es gab nicht einmal dieses berühmte Fenster zur Fahrerkabine. Oder es war übermalt. Hochsehen war unmöglich. Ich lag auf dem Boden, zusammenkrümmt, mit einer Schlinge um den Hals, die mich zu würgen begann, sobald ich mich regte.

Zu Beginn der Fahrt versuchte ich mir auf alles einen Reim zu machen. Unebenheiten, Schlaglöcher, der Klang des Motors, ich versuchte ein Verständnis für die Umgebung zu bekommen. Die Kurven, die Schwer- und Fliehkraft, aber je mehr ich mich darauf konzentrierte, um so höher kletterte die kalte Angst.

Denn wir fuhren weiter. Vermutlich, so dachte ich nach einer Weile, hatten wir die Stadt schon verlassen. Wo brachte mich dieser irre Richter hin? Er war die einzige Spur gewesen. Aber nicht mal die Beste. Eigentlich war er nur jener, der von der Platte wissen konnte. Weil er irgendwie Sex mit Cörd hatte. Unglaublich. Cörd verreckte gerade im Wohnzimmer dieses Typen. Das passte auf kein Blatt Papier.

Auf welcher Schutmulde sie mich verscharren wollten, würde sich noch zeigen. Wir fuhren geradeaus. Recht schnell. Ich tippte auf eine Autobahn. Das ständige Rauschen, dass sich unstet auf und ab bewegte, deutete auf andere Verkehrsteilnehmer hin, die sich ebenfalls schnell bewegten. Sie mussten sich sehr sicher fühlen, wenn sie die Autobahn nutzten. Es gab zwei Möglichkeiten. Wir fuhren gerade Richtung Frankfurt oder Richtung Basel. Sollten sie diese Ziele haben, so ging ich von einigen Stunden aus. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Uhr es bereits war. Mein Magen hatte revoltiert, aber selbst mit starkem Würgen, brachte ich nichts nach oben. Er brannte lediglich wie Feuer. Als ob Säure in einem Loch unterwegs war.

Es bereitete mir Mühe einen klaren Gedanken zu fassen. Sehr viel Mühe. Mein Kopf war so durchschwemmt von der irren Chemie, die sich meiner bemächtigen wollte, dass ich drauf und dran war zu grunzen und an meinen Fesseln zu zerren. Ich fühlte mich ohnmächtig, und das flimmerte wie ein Feuer, das beständig von Benzin genährt wurde, in meinem Hirn. Ich würde sie alle umbringen, alle, wie kamen, gingen oder erschienen. Wer jetzt auftauchte, der würde sterben. Weiß Gott, ich würde ihnen das Hirn einstampfen, die Gedärme raus reißen, sie von hinten aufschlitzen, bis sich Scheiße damit vermischte…ich war nur wütend, und wollte doch eigentlich nur wissen, was gerade passierte.

Ich konnte mich nicht bewegen, ohne dass die Schlinge sich mehr und mehr in meinen Hals fraß. Sie hatten mich behandelt wie ein Tier. Sie hatten mich auf die Pritsche geworfen. Sie hatten vor, mich hier verrecken zu lassen. In diesem Loch. Diesem Wagen. Dieser Hölle aus kaltem, dunklen Metall, das mich umgab.

Wir fuhren langsamer, wir hielten an. Die Türen öffneten sich.

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