Der Spieler – Teil 53

Der Spieler – Teil 53

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der dreiundfünfzigste Teil, und jetzt geht es nur um Schlaf, Schlafanzüge und Wasserlassen. Sorry. Muss ja auch mal sein.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 23.03.2026

Ich schlief einen schweren, traumlosen Schlaf der Erschöpfung. Als ich aufwachte, vollkommen ahnungslos, zu welcher Uhrzeit oder wie lange ich geschlafen hatte, schien ich in der selben Position zu verharren, in der ich zuvor eingeschlafen bin. Mein Körper fühlte sich noch immer eher zerschlagen als erfrischt an, aber ich musste auf die Toilette, und so stieg ich mit wackeligen Beinen, die eher Gummistümpfen glichen, aus dem Bett. 

Einen Rollator hätte ich danken angenommen. So jedoch stützte ich mich an den Wänden und dem Schreibtisch ab, um irgendwie vorwärts zu stolpern. Jemand hatte mich – aber das beunruhigte mich gerade überhaupt nicht – entkleidet. Ich sah an meinem nackten Körper verwundert herunter. Konnte mir nichts dergleichen erklären, und hätte im ersten Moment diese Erhebung aus Haut und grauen Haaren auch nicht direkt mir zugeordnet. 

Gerechnet hatte ich mit dem schlimmsten. Tod, Teufel, Kerker. Jetzt entpuppte sich dieser seltsame Ort als eine Art Sanatorium. Ich war versucht davon auszugehen, dass ich mir das alles nur einbildete. 

Beim Wasserlassen allerdings, als ich breitbeinig vor der Toilette zielte, sah ich für einen Moment zu sehr in den Spiegel und erschrak. Wer mich da ansah, das war der Leichnam meines Vaters auf dem Weg zur Verwesung. Mein Haupt sah aus, als gehöre es nicht mir, sondern einem Skelett, das noch mal auf Erden wandeln wollte. 

Mein Bauch stand aufgebläht hervor, meine Haare glänzten boshaft in einem wirren Weißgrau, dass sich nicht für eine Schattierung entscheiden konnte. Die Falten in meinem Gesicht hatten sich dramatisch vertieft, als wären sie mit Rasierklingen geschnitten. Ich war reif für schreckliche Schwarz-Weiß Portraifotos und der Bezeichnung Charakterkopf. Für die Jugend war ich jetzt restlos verloren.

Das Einzige was nun für Sicherheit und Verlässlichkeit taugte, war die Bestimmtheit, dass ich nichts, aber wirklich gar nichts geträumt hatte. Dieses war der vorläufige Höhepunkt einer Geschichte, die mich vom Handelnden zum Opfer machte. Unbestimmt blieb, wo das noch hinführen konnte.

Sie hatten mir alles hingelegt, was ich benötigen konnte. Zahnbürste, Kamm, Deo, Shampoo, Handtücher, Unterwäsche, Socken und eine Art Jogginganzug in einem Rot, dass ich bereits von den Wänden kannte. Versteckt, durch eine weitere Tür von der Toilette abgetrennt, war eine Dusche.

Mit der Dusche fühlte ich mich etwas fitter, glaubte wieder Kräfte zu bekommen, aber nun sah ich wie ein alter Mann in einem modernen Schlafanzug aus, und das machte es nicht wirklich besser.

Ich setzte mich auf die Bettkante und versuchte zu sortieren, was geschehen war. Ich war an einem unbekannten Ort. Wußte nicht, ob es Nacht oder Tag war. Hatte keine Ahnung, was man mit mir vorhatte, aber befand mich ganz offensichtlich in der Hand von Spinnern, die irgendwie in die Nazigeschichte verliebt waren. 

Immer wieder kramte ich in meinem Kopf herum, um die Zusammenhänge zu verstehen. Dinge, die ich mal gelernt hatte, vermischten sich mit Gerüchten, Theorien und einem Haufen Blödsinn, den man so in seinem Leben begegnete. Brach man das runter, führte es nicht zu einer Lösung, sondern bestärkte eher den Eindruck, dass Blumscheid ein grandioser Irrer war. 


Ich hatte jedoch keine Ahnung, was Inge damit zu tun hatte. Nicht die leiseste. 

Mir blieb nichts als warten. Ich legte mich wieder hin.

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