Park Walker releasen ein neues Album und stellen es am 23.01.2026 im P8 vor. Sind als Slowcore-Helden angekündigt, aber für mich tatsächlich der unbekannte Act des Abends, daher zwei-drei Worte zu den Support Acts.
Beides Bands, die mir in den letzten Wochen immer wieder in den sozialen Medien, auf Platte, und zum Teil auch live begegnet sind. TOM MESS spielen Americana wie es sein sollte. Kernig und sentimental. Spannend und sensibel, verwurzelt im US-Folk, und nahe genug an der Seite des Countrysongs, der seine Verwandtschaft zum Blues stolz mit sich trägt.
Das ist rau und erdig, beherzt und authentisch genug um nicht in den hiesigen Landen angesiedelt zu sein. TOM MESS gehört zu den Bands, bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht öfters schon live gesehen habe. Schon von daher Grund genug, das P8 zu besuchen.
Zu HOW I LEFT ist zu sagen: Alles bisher verpasst. Leider noch nie begegnet. Das Album „Birds in the City“ verrät ein ruhiges Händchen für stimmige Songs, die cool und frisch auf den nächsten Sommer einstimmen können.
Die kommen so lässig und leicht daher, als sei sie schon immer dabei gewesen. Schmeicheln sich ein und begleiten mit kleinen, feinen Melodien und einem zurückhaltenden, erzählenden Gesang durch den Tag. HOW I LEFT haben viel dafür getan, dass die Dinger rund sind und eine spröde Schönheit ausstrahlen. Pop, den es zu entdecken gilt. Grund genug fürs P8.
Plattenbörse in der Festhalle Durlach am 10.01.2026
Jeder redet von Vinyl, doch wenn es um jene Treffpunkte geht, die mehrmals jährlich stattfinden und die Sammelnden zusammenbringen, dann heißt es doch wieder Plattenbörse.
Die Plattenbörse ist eine Institution. Meistens findet sie in einer Halle statt, die den Charme vergangener Feste oder sportlicher Leistungen beinhaltet, und lockt HändlerInnen aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometer an. Angeboten werden Schallplatten, neudeutsch Vinyl, oft auch CDs, und manchmal kommen DVDs und Blu-Rays dazu. Letztere Kategorie bedarf manchmal Altersbeschränkungen und damit auch separate Zutrittsmöglichkeiten. Wenn Comics angeboten werden, dann ist das eine nette Erweiterung, aber eher selten.
Beim ersten Besuch einer Plattenbörse ist das Angebot erschlagend, die Preiskategorien verwirrend, und sehr schwer einen Überblick zu gewinnen. Die meisten Anbietenden haben Schwerpunkte, aber auch eigene Ordnungskriterien, sowie oft sehr unterschiedliche Preisvorstellungen.
Daher ein paar Hilfestellungen (die natürlich nicht beachtet werden müssen, da es im Detail immer Abweichungen gibt).
Schallplatten werden gerne in Hüllen ausgestellt. Plastikhüllen müssen nicht im Preis enthalten sein, können jedoch mitgegeben werden. Dieses ist nicht selbstverständlich, machen aber viele. Wer keine Hüllen benötigt, sollte das beim Kauf sagen. Die Anbietenden nutzen sie gerne für die nächsten Platten. Wegwerfen sollte vermieden werden. Plastikhüllen verhindern, dass Cover beim Durchsehen beschädigt werden. Da Platten aufrecht stehen, und von oben zugegriffen wird, und dabei die Cover mit Finger und Fingernägel berührt werden, kann es sein, dass ein Börsentag ausreichend ist, um die Außenhülle zu beeinträchtigen.
Schallplatten, wenn gebraucht (Second-Hand) sollten betrachtet werden (vor dem Kauf). Umtausch ist auf Börsen i.d.R. nur mit der Kulanz der Verkaufenden möglich. Wer eine Scheibe gerne betrachten möchte, sollte kurz rückfragen, ob das möglich ist, dem nichts entgegensteht oder ob derjenige hinter dem Stand, sie lieber gerne zeigen möchte. Fremde Schallplatten betrachtet man, in dem man mit Hand in die Innenhülle fährt, die Finger in der Mitte der Schallplatte platziert – als Berühungspunkt – und den äußeren Rand (nicht die Rillen, nicht die Einlaufrille)- locker am Daumen anlegt, so daß nur der Rand, nicht jedoch die Oberfläche der Platte die Haut berührt. Das bedarf etwas Übung, führt aber dazu, dass die Oberfläche schmutzfrei bleibt. Das berühmte Knistern beim Aufsetzen der Nadel rührt in der Regel daher, das Platten mit zwei Fingern auf der Einlaufrille (oben und unten, Seite A und B) aus der Hülle gezogen wurden. Neuwertige Platten knistern nicht. Müssen eigentlich nie knistern.
Die Preisgestaltung der meisten Händler orientiert sich oft an Discogs. Früher waren sogenannte Preiskataloge, oder Magazine wie Record Collector führend. Durch das Internet hat sich Discogs durchgesetzt. Eine Orientierung an Ebay und Amazon ist nicht zielführend. Diese Plattformen richten sich nicht an Sammler, sondern eher an Gelengenheitskäufer. Es ist zwar möglich, dort Schnäppchen zu machen, aber in der Preisgestaltung sind sie frei, richten sich nicht nach realistischen Marktwerten, und versuchen Trends zu setzen – die meist weit über dem tatsächlichen Wert liegen. Was bei Ebay oder Amazon hunderte Euro kosten kann, wartet dort nur auf einen Käufer, und liegt im richtigen Markt möglicherweise in der Grabbelkiste. Der Discogs-Preis ist ein durchschnittlicher Ideal-Wert, der sich auf ihrer Plattform durch Kauf und Verkauf ergab. In der Regel wird sowohl der niedrigste, wie auch höchste Preis dort genannt. Diese Preise dienen nur als Orientierung, nicht als verbindliche Aussage über den tatsächlichen Wert. Diese kann – wie bei einer Aktie – schwanken, sich ändern, aber auch im Markt eine Basis für Verhandlungen sein. Was nicht passieren sollte – der Preis auf einer Plattenbörse sollte sich nicht zu weit davon weg bewegen. Obwohl alle die Discogs-Preise kennen, macht es keinen guten Eindruck, mit dem Smartphone in der Hand nach Schnäppchen zu suchen. In fast allen Fällen versuchen die Verkaufenden den Preis nach unten zu regeln und ein Angebot zu machen, das als attraktiv aufgefasst werden kann. Der Handel vor Ort ist in den meisten Fällen, auf Börsen und stationär, günstiger als Discogs. Unter Berücksichtigung des Zustandes. (Natürlich gibt es auch Ausnahmen).
Wer viele Schallplatten kaufen möchte – sagen wir 20 und mehr – sollte sich bewußt sein: Hallen sind groß, Schallplatten sind schwer. Es gibt Rucksäcke, die das Tragen erleichtern und für Schallplatten tauglich. Selbstverständlich gibt es auch rollbare Einkaufskörbe und Koffer, die aber im Handling, auf Börsen – wo es sehr voll wird – eher nicht tauglich sind. Über die Schulter getragene Taschen, wie sie als Souvenir in Plattenläden zu erstehen sind, taugen auch nicht wirklich für große Mengen und machen Börsen zur Quälerei (wenn man mal richtig aufstocken will). Die Konstitution mag verschieden sein, aber Platten-taugliche Rucksäcke können ein Gamechanger sein.
Geordnete und ungeordnete Stände: Es gibt Anbietende, die ihre Stände gut sortiert, sauber geordnet und fachlich versiert beschriftet haben. Und es gibt solche, die fünf Kisten hinstellen, auf denen jeweils ein attraktiver Preis steht. Dieser Preis bedeutet, dass jeder der darin enthaltenen Platten, zu diesem verkauft wird. Ungeachtet ihres Zustandes. Aber, um komplett zu verwirren: Es gibt auch Stände, die beides haben. Ungeordnete und geordnete Kisten. Grobe Regel: Wer seine Platten ordnet, der weiß was sie im Einzelnen wert sind. Versucht Wertvolles gesondert hervorzuheben und hat Genres, in denen fachliche Kenntnis vorherrscht. Wer seine Platten nicht ordnet, favorisiert kein Genre, hat vieles und nichts, kann aber dafür eine Fundgrube sein. Wer beides hat – Ordnung und Wühlkiste – möchte Wertvolles von scheinbar Unnötigem und Unattraktiven trennen und Dinge loswerden, die vielleicht wie Blei im Regal liegen. Es gibt dazu – für Sammelnde – empfehlenswerte Vorgehensweisen: An Ständen, an denen Metal als Genre vorherrschend ist – können, in vorhandenen Wühl- und Grabelkisten, fantastische Jazzplatten liegen. Dieses ist nur ein Beispiel. Hier wird weder beim Verkauf, noch durch das Publikum, Wert auf Jazz gelegt. Diese Platten bewegen sich in dem Umfeld gar nicht, können aber als Beifang beim Ankauf einer Sammlung auftauchen. Sie landen für einen niedrigen Preis in der ungeordneten Kiste. Gerade dort, wo ein Genre vorherrschend ist, lohnt sich ein Blick in die Kiste. Wer z.b. – wie ich – gerne brasilianische Musik hört, schaut natürlich dort, wo es ein Fach dafür gibt. Aber auch dort, wo man sie niemals vermutet. Natürlich auch, wenn genügend Zeit ist, an den Ständen, an denen alles durcheinander in Billigkisten steht. Aber – die Billigkisten sind oft das Ergebnis von Sammlungsaufkäufen, die nicht in das Sortiment passen. Soll heißen, hinter fünf Billigkisten mit Preisangaben kann sich ein stationärer Laden verbergen, die diese Kisten im Laufe der Zeit durch Aufkäufe und Auflösungen angesammelt hat. Auf Börsen werden die Kisten zu attraktiven Preisen aufgestellt, damit andernorts das Sortiment sauber, aber auch für den Online-Handel auf Discogs ergonomisch bleibt. Es sind schlicht zuviele Platten im Umlauf.
Bezahlung. Plattenbörsen, allgemein der Second Hand-Markt in Deutschland, funktioniert mehrheitlich über Barzahlung. Zunehmend wird auf Börsen auch Paypal angeboten. Eher selten sind Kreditkarten möglich. Das ändert sich von Jahr zu Jahr, aber es dominiert Bargeld. Man sollte das wissen, und darauf vorbereitet sein. Natürlich kann man auf Plattenbörsen Schallplatten zum Preis eine Cappucinos kaufen, aber es ist durchaus möglich – wenn es sich um seltene Aufnahmen, Bootlegs (nicht lizenzierte Liveaufnahmen, die eigentlich nicht gehandelt werden dürfen) oder andere Raritäten handelt -, dass Preise bei mehreren hundert Euro liegen. Aber um nicht unrealistisch zu wirken: Das ist selten. Oft liegen die Preise unter 10 Euro. Bei Klassik (ein verschmähtes Genre) und Schlager (noch so eine verschmähte Gattung) weit darunter, und wer Volkslieder sucht, der ist auf der Plattenbörse vielleicht sogar falsch.
Falls es Punkte gibt, die man dem noch hinzufügen kann, bitte unbedingt in das Kommentarfeld schreiben. Ich habe wahrscheinlich noch vieles vergessen, oder es gibt andere Meinungen dazu. Die sechs Punkte sollten eine kleine Orientierung geben, wie Plattenbörsen funktionieren.
Ankündigung: Hier wohnt Rosilein im Cafe Noir (P8) am 13.02.2026
Hier wohnt Rosilein im Linden’s Irish Pub am 21.12.2025
In der hiesigen Musikszene sind„Hier wohnt Rosilein“ ein Unikat. Fernab aller Gewohnheiten gehen Laura Eigbrecht und Daria Schirmer ungewöhnliche Wege. Sie brechen die Auftrittsrituale mit Spontanität, Charme und einer anarchischen Freude an ungewöhnlichen Konstellationen auf, beweisen damit aber eine umfassende Kenntnisse in der Handhabung ihrer Instrumente und dem stimmlichen Vermögen.
Ein Akkordeon, die Orgel der arbeitenden Klasse – einst ausgewählt um möglichst laut und kräftig zu unterhalten -, sowie Darias vokale Leistungen reichen , um das Ding zum Laufen zu bringen. Doch Hier wohnt Rosilein sind mehr als ein Projekt, das zu überraschen vermag und die Grenzen auslotet. Hinzugezogen wird alles, was Musik taugt, was der Harmonie nicht schaden kann und der Unterhaltsamkeit dient.
Im Cafe Noir präsentieren sie sich am 13.Februar zusammen mit Esels Alptraum um 20 Uhr. Letztere sind bestimmt eine Entdeckung wert, aber allein „Hier wohnt Rosilein“ ist die Empfehlung, die ich schon mal aussprechen will. Sollte man nicht verpassen, vor allem weil sie die Bandbreite der lokalen Richtungen faszinierend erweitern, und einen sympathischen Abend in der richtigen Umgebung versprechen.
Esels Alptraum (Jodel Punk aus Berlin) und Hier wohnt Rosilein (Lyrisches Akkordeongemetzel aus Karlsruhe) im Cafe Noir (P8) um 12 Uhr am 14 Februar 2026
Ich habe mich lange um den Cookie-Banner herumgemogelt.
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Auch in dem Kommentarformular muss man nun der Datenschutzerklärung zustimmen. Sorry, ich wollte es lange vermeiden. Aber je interaktiver die Seite wird, je mehr weitere Funktionen eingebunden werden, um so eher geht es auch um Sachen, die datenschutzrechtlich relevant sind.
Ich werde das transparent machen. Bei Fragen einfach direkt an mich (andreas@jazznrhythm.com) wenden, oder hier kommentieren.
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