Amy Montgomery stampft die Bühne einen Stock tiefer, und hebt die Rhythmen eine Latte höher. Das sofort und mit voller Entschlossenheit. Die Shows von Amy Montgomery sind kraftvoll, archaisch und muten an wie wilde Stammesrituale, an denen sie uns teilhaben lässt.
Amy Montgomery besuchte das KOHI schon 2024, und ihr Auftritt gehörte zu jenen eigenständigen Events, die sich eingebrannt haben, ihren Namen festigten und die Abwesenden neidisch machte. (Rezension weiter unten).
Es ist also geradezu Pflicht, der neuen Formation, an deren Front sie erscheint, eine Chance zu geben, sie bloß nicht zu verpassen und gespannt zu sein, wie sie den Saal nochmal in ihren Bann zieht. Amy Montgomery liefert in ihren Shows ein gewaltiges und kraftvolles Spektrum an Emotionen ab. Wild, ausgelassen, und für viel größere Bühnen bestimmt.
Amy Montgomery am 20.12.2024 im KOHI
Das Genre braucht einen eigenen Namen. Ist aber vor allem intensiver, schlagfertiger Rock, in prägender Detailarbeit und mit viel Sinn für die richtige Wucht. Eben ein ausgelassenen Abend, der über das übliche Fußwippen hinausgeht.
Im KOHI komprimiert, nahbar und mitreißend. So wie sich das gehört, aber vor allem mit der richtigen impulsiven Energie und Begeisterung für den schönsten Lärm.
Lady Blackbird in der Alten Feuerwache in Mannheim am 18 Februar 2023
Zu den wahrscheinlich prägnantesten Stimmen im Soul und Jazz-Bereich dürfte Lady Blackbird gehören. Ihr kommender Auftritt im Tollhaus kann damit zu den Highlights der diesjährigen Konzertsaison gezählt werden. Stark an den Vorbildern der klassischen Ära orientiert, ist sie bekannt für ihre außergewöhnlichen Shows, die auch in ihrem Design und Konzept einer Linie folgen, die eine Verbindung zwischen der Erneuerung und der traditionellen Einflüsse der Richtung darstellen.
Lady Blackbird inszeniert sich selbst damit als große Hoffnung und Zukunft des gesamten Genres, in dem sie die Stärken eines breiten Sounds mit ihrer gesanglichen Leistung koppelt. Schon früh mit einem auffallenden Talent gesegnet, orientierte sich im Alter mit 12, als sie den Vertrag mit einem Label einging, in Richtung der christlichen Musik, um später, als eigenständige Singer-/Songwriterin auch Material für Anastacia zu liefern.
2021 erregte sie mit ihrem Album „Black Acid Soul“ Aufsehen, das zwar in die Zeit der Retrobewegungen passte, aber so eigenwillig und selbstbewußt daher kam, dass ihr Name haften blieb. Ihre Auftritte wurden innerhalb kurzer Zeit legendär und schufen mit dem ganz eigenen Charakter eine neue Hoffnungsträgerin.
Mittlerweile gab es Kooperationen mit Moby, Trevor Horn und anderen, einen Stoß großartiger Remix-Varianten des bekannten Albums von 2021, und natürlich Auftritte an allen Orten, die zu den wichtigsten des Genres zählen (z.b. das North Sea Jazz Festival in Rotterdam).
Sie im Rahmen des Tollhauses zu sehen, bietet die Chance eine weiterhin aufstrebende, sehr eigenständige Sängerin zu erleben, die mit ihrem Charme, einer sehr authentischen Show und schwer zu vergleichenden Leistung überzeugen kann. Sollte man sich nicht entgehen lassen. Großes Kino, ganze nahe und echt.
Lady Blackbird am 20.Juli 2022 im Tollhaus , Karlsruhe
Musik aus der Ladenecke (Teil 39) mit Pete Jay Funk und Oliver Grauer
Bekannt ist er als Sänger und Kopf der Band „No Sugar, No Cream“: Pete Jay Funk hat ein Solo-Album veröffentlicht, das in wieder mal als kreativen Americana-Songwriter zeigt. Spröde, sanft vorgetragene Songs, die in dem Video-Format (YouTube, siehe unten) durch gutes Handwerk und einer geradezu intimen Atmosphäre überzeugen können.
Zusammen mit Oliver Grauer am Bass präsentieren die beiden Musiker einen Auszug aus dem Programm, dass auch am 12.03 im Tollhaus vorgestellt werden wird. Dort allerdings mit kompletter Band und Besetzung, wie sie auch auf dem Release zu finden sind.
Das Format „Musik aus der Ladenecke“ ist ein Kind der Corona-Pandemie und damit ein Überbleibsel aus der Zeit, in der solche Auftritte zum Überleben der Kunst notwendig waren. Aufgenommen im Laden Zwei, in der Goethestraße, präsentieren Sandie Wollasch und Rolf Ableiter MusikerInnen aus ihrem Umfeld und Bekanntenkreis. Damit bieten sie einen Raum für neue Interpretationen und kleine, akustische Perlen an, die ein bißchen zwischen den bekannten Tinydesk- und Unplugged-Konzerten angesiedelt sind.
Pete Jay Funk weiß das zu nutzen – sind seine Stücke doch melancholische Erzählungen aus seinem Leben, die in der kargen Instrumentierung einen rauen, aber angenehm abklärten Charme entwickeln.
Die Liebe zu einer Musik, die mit dem Country die Dramatik teilt und mit dem Folk die Freiheit verschiedenen Einflüsse zulässt, geben Pete Jay Funk eine Basis, auf der er zu erzählen weiß. Und das tut er, mit einer Ruhe, die Vergleiche nicht zu scheuen braucht.
Produziert wurde das alles von einem großen Kenner des Oeuvres von Leonard Cohen (Rolf Ableiter), der sicherlich zu der Authentizität des Werkes beigetragen hat.
Manche Kombinationen scheinen ungewöhnlich, aber funktionieren dann doch. Kuratiert vom KOHI ergeben sich dadurch spannende Events, die Bands zusammenführen, aber vor allem Spaß machen.
Attic Ocean hatten das Vergnügen, den Abend mit Lone Aires zu verbringen. Einer Band, die aufgrund der räumlichen Nähe – sie kommen aus Mannheim – ein Name ist, dem wir wahrscheinlich in Zukunft häufiger begegnen.
Mit einem kleinen Instrumentarium (Bass, Gitarre, Schlagzeug) ging es direkt und geradeaus in die Tiefen eines melancholischen Grunge-Fundaments, dass sie lustvoll und energisch zu kleinen Hymnen verarbeiteten.
Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Im Rhythmus beständig, in der Kraft entschlossen und mit der Bereitschaft, das Ding in aller Breite zu rocken, bewiesen sie ein Verständnis für die richtige Kompromisslosigkeit und die wichtigen Gesten. Lone Aires surften gekonnt durch die ruhigen Passagen, um in zorniger Zügellosigkeit der Spannung Raum zu geben. Das funktioniert beachtlich gut. 3 Mann auf der Bühne, von einem sonoren, heftigen Bass geleitet waren der Auftakt für die richtige Show, der gute Einleiter und ein Beginn, wie man es sich wünschen konnte.
Lone Aires haben den Takt, und die dazu passende Performance, sowie eine Menge Verständnis für den richtigen Wall of Sound, den es dazu brauchte. Kernig durchgezogen, mit der Vehemenz einer Band, die will dass man sie in Erinnerung behält. Sehr gekonnt in dem Spiel zwischen Trotzigkeit und Entschlossenheit. Haben sie gut gemacht.
Lone Aires im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Attic Ocean haben ein Konzept, das gerne mit Dream Pop oder Shoegaze umschrieben wird, aber damit natürlich nur eine Idee vermittelt. Wahrscheinlich wird das keiner Band der Welt gerecht. In ihrem voluminösen Gitarrensound, der gegeneinander, miteinander und übereinander gelegt seine Wucht entfaltet, verbergen sich Details, die zum Tanzen, aber auch verhaltenen Zuhören anregen.
In phantasievollen Outfit, umgeben von drei Gitarren und einem Schlagzeug, entwickelte die Sängerin Hanni Nasirat eine fast entgegen wirkende Stimmung, die den reizvollen Kontrapunkt zu dem kraftvollen Sound darstellte.
Anleihen und Zitate aus mannigfaltigen Richtungen – der psychodelischen und traumwandlerischen Lärmfraktion der letzten Jahrzehnte – wurden ergänzt und abgelöst, von sehr tanzbaren, fast leicht verspielten Akzenten, die sich vor allem bei der Vorstellung des neuen Materials zeigte.
Attic Ocean im KOHI, Karlsruhe, am 21.02.2026
Im Ansatz viel Bereitschaft zum Wohlklang. Dennoch unabhängig genug, um was ganz Eigenes durchzuziehen, zeigte sich Attic Ocean von eine Seite, die zwischen Traum und Realität eine laute, hörbare Sprache suchte.
Dabei war vor allem der Gesang eine Komponente, der im entsprechenden Harmonieverständnis einen Part erfüllte, der den Kompositionen erkennbare Rundungen und beeindruckende Nahbarkeit gab.
Attic Ocean und Lone Aires ergänzten sich in ihrem Vermögen, eine Brücke zwischen Pathos, sentimentalen Tönen und wilder Party entstehen zu lassen, die das Programm für einen Samstagabend verflixt gut auszeichneten. Wie gesagt, hat funktioniert.
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